Bild des Benutzers DannyB

Zwischengedankenschuss April 2.021

Zwischengedankenschuss April 2.021

"Diskussionskultur vs. Empathie"

Sonntagsruhe. Man liegt in stillen Kissen und hat genau die Zeit, die man unter der Woche täglich vermisst, weil man im Schraubstock einer Arbeitskultur steckt (was in diesen Zeiten fast schon wie ein Privileg erscheint), während abseits der Arbeitsstunden Kometenschauer von Diskussionsschlachten täglich online und medial niedergehen, ganz so als befänden wir uns im virtuellen Bürgerkrieg, in dem Leib und Leben, die Menschenwürde u. v. m. scheinbar Geister des Gesterns geworden sind, die zusehends zu ver-/entschwinden drohen. 

War es im letzten Jahrhundert "Die große Depression", scheint es in diesem "Die große Flucht" (in vielerlei Hinsicht) zu sein, die die Menschheit umtreibt, aufreibt und verändert (hat). Oder im Falle von Flüchtenden sogar jämmerlich (entgegen jeglicher Menschenwürde) ertrinken/sterben lässt.

Egal was man auch sagt, denkt, postet, äußert - es gibt immer eine/-n, der/die es "besser" weiß oder sich zumindest berufen fühlt seinen/ihren Senf aus der geistigen Tube zu quetschen. Es ist nichts dagegen zu sagen, dass Menschen sich eine Meinung bilden und/oder diese äußern, mir liegt nur die Art & Weise, wie das mittlerweile immer häufiger geschieht, quer im Magen. Worte sind Waffen, die manchmal eine schlimmere (Langzeit-)Wirkung haben, wie es  vergleichsweise echte Waffen nicht haben, weil sie nachhallen. Schießt man jemanden eine Kugel in den Kopf gibt es keinen Nachhall für das Opfer, sondern das unumstößliche Ende, mit Worten ist das anders. 

Vielen scheint nicht klar zu sein, dass man sie auch in Zukunft an ihren Worten messen wird, weil immer irgendwer in der Vergangenheit kramt (und das Internet vergisst ja bekanntlich nicht) und das ganz gewiss nicht aus liebevollen Absichten geschieht, zumindest in vielen Fällen. 

Was mich persönlich beim Entwicklungsstand der heutigen Diskussionskultur stört, ist die Tatsache, dass die vorurteilsfreie Herangehensweise immer mehr abhanden kommt, weil sich ein bereits weit verbreitetetes Schwarz-Weiß-Denken eingeschärft hat und auch aktuell weiter gepflegt wird, was die friedvolle-sachliche Diskussion quasi von Vornherein ausbremst oder gar im Ansatz erstickt/vereitelt. 

Frei sein wollen alle, aber um welchen Preis bitteschön? Solange wir weiterhin gegenseitig auf alles, was uns in den Weg kommt (überspitzt ausgedrückt) einhacken wie in einem Apokalpysen-Zombie-Streifen, werden wir keine vernünftigen Gespräche führen können. Im Alltag hat das den Effekt des Zeitlupentempos (gefühlt), weil man nicht im Normaltempo vorankommt. 

Wir haben uns so sehr an Instant gewöhnt, dass ich mich oft frage, ob die Menschen überhaupt noch so etwas  wie Geduld oder Vorfreude auf etwas kennen? Das schöne Gefühl der tatsächlichen "Entschleunigung", das im letzten Jahr einige (viele?) noch mit positiven Effekt den Blick für die wesentlichen Dinge entstaubte, scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Sind wir auf dem Weg ins schnelle Vergessen? Auch das frage ich mich oft in diesen Tagen.

Wenn wir keine Ego-Ellbogengesellschaft wollen, sollten wir bei uns selbst anfangen und unseren eigenen Egoismus von Zeit zu Zeit hinterfragen. Wenn wir aber dem Ego des "Tubensenfes" folgen und diesen bis zum Kotzreiz auf die virtuellen Wortwürste abdrücken, kann es sein, dass wir nicht nur zu viel Zeit haben (und es uns viel zu gut geht), sondern dass wir genau damit dieser Ego-Ellbogengesellschaft in die Karten spielen, weil wir mit respektlosen-, teils pietätlosen Kommentaren (im schlimmsten Fall mit Drohungen, was ja leider auch regelmäßig immer wieder passiert) nur der Spaltung wieder einmal auf's Sprungbrett verhelfen. Die Folgen sind der Ursache geschuldet und bewegen sich in eine virtuelle Online-Zensur-Gesellschaft voran. Kann man das ernsthaft pauschal wollen? Ich bleibe dabei, zu sagen und auch so zu meinen, dass das rücksichtslose, empathietötende Gesellschaftsmodell (im Sinne der Profit-Kapitalmehrung zugunsten derer, die gewiss nicht am Hungertuch nagen, z. B. Großkonzerne, Banken, Politiker, Miethaikonzerne etc.) wie es aktuell täglich praktiziert wird, dringend reformierungsbedürftig ist. Wenn ich etwas (ein-)fordere, sollte ich auch bereit sein etwas dafür zu geben. Ein einfaches, faires Prinzip. Nur darf dabei der Preis nicht in utopischen Höhen liegen... es muss für jede/-n umsetzbar sein.

In diesem Sinne, 

Euer Danny B.

Tags: 

UndTschuess