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UMBRA ET IMAGO, Opus Magnus

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

07-2010

Label: 

Genre(s): 

Daß wir in felsharten Zeiten leben ist nichts Neues, aber daß jetzt selbst etablierte Acts wie UMBRA ET IMAGO zukünftig auf Studioproduktionen verzichten wollen bzw. aufgrund zu hoher Kosten verzichten müßen, macht den Ernst der Lage um ein Vielfaches klarer. Umso gespannter war ich auf Opus Magnus, deren letztes offizielles Studioalbum. Frei nach Prinzip von "Ursache & Wirkung" hat sich auch von den Inhalten einiges spürbar bei UMBRA ET IMAGO geändert. Bereits der Opener "Ohne Dich" (Track 1) beginnt still - & eher andächtig. Was vom Titel her anfangs eine (oft nachgesagte) Nähe zu Rammstein vermuten ließ, outet sich als eine eigenständige, starke Ode an die Liebe - oder wahrscheinlich viel eher eine Ode an Mozart`s Herzensdame. Man spürt mit jeder Faser, jeden zusammen erlebten Moment der Beiden. Soviel Intensität steht einer sonst kalten Welt da draußen gegenüber. Musikalisch bleibt "Ohne Dich" bis kurz vor dem ansteigenden, sich ekstatisch steigernden, atmosphärischen Finale, das musikalisch - & von Madeleine Le Roy`s Sirenengesang Bestens zum Höhepunkt geleitet wird. Soviel IntensivTiefe will erst einmal gefasst werden. Nach kurzer Play-Pause gehe ich zu "Perfect Baby" (Track 2) weiter. Und spätestens ab jetzt kommt eine neue, schärfere, sozialkritische Facette von UMBRA ET IMAGO zum Vorschein. Es geht um die Thematik des Klonens, die nicht mehr nur bloße Fiktion ist, wenngleich Mozart selbst im Refrainteil als Figur stehen könnte. Um Macht als Droge scheint sich "Depressionen" (Track 3) wider dem Titel zu drehen. Der Drive des Songs ist klares Zeugnis von Können - & Erfahrung. Der Sound kommt druckvoll - & rund rüber, während Mozart`s Gesang hier leicht verzerrt rockt. Daß das Thema Religion nicht erst seit Gestern der Dornenkranz dieser Band ist, dürfte klar sein. In "Gebet Nr. 1" (Track 4) geht es nach leichtfüßiger Einleitung in anmutig schönem Midtempo in Richtung Tanzflächen-Nummer. Auch hier kommt die opereske Nähe von Madeleine Le Roy`s Stimme wundervoll zum Tragen & verhilft dem Song zu noch mehr Charme. Mozart schafft es die Nächstenliebe der konträr-egoistischen Wünsche hinter so manchem Gebet in Frage zu stellen - & das nicht etwa aggressiv, nein, mit nahezu friedvoller Ruhe. Am Ende steht die Frage nach wahren Moralwerten im heutigen Zeitalter. Eine weitere Ode an die Liebe folgt mit "Liebeslied" (Track 5). Die wahrlich dezent-geniale Pianoeinleitung wird zum tragenden Eckpfeiler dieses Songs. Ein grooviger Rocksong, der zum Clubhit aufsteigen dürfte. Mozart`s Gesang geht tief unter die Haut - während sich die lyrisch - poetische Erotik auf ein hohes Knisterniveau aufbaut. Fast ehrfürchtig kommt man sich gegenüber dieses großen Gefühls namens Liebe vor. Madelein`s Stimme entfaltet hier eine so spürbar, zartbeseidete Facette, daß sie die Feder ist, die die Seele streichelt. Diese Ode an die Liebe ist großes Kino, OHNE in Kitsch zu verfallen! Schon jetzt wird die Größe dieses Gesamtwerkes klar. Beim "Kokainsong" (Track 6) liegt die Thematik natürlich klar auf der Hand. Auch hier schaffen es UMBRA ET IMAGO Gefühle spürbar zu machen, alle Kälte - & Verlorenheit haben sie in diesen Song zu bannen geschafft. Man muß sich nur ein wenig öffnen, dann spürt man das alles als fiktiv - realen Moment. Mit "Is This Love" (Track 7) bewegt man sich auf neues Terrain. Dieses Bob Marley Cover hat Schwebetanz Groove inne. Verträumt, gefühlsbetont - und dennoch für Die Hard Umbra Et Imago Fans sicher auch gewöhnungsbedürftig ;-) . Musikalisch aber mit großem Respekt zum Original. Radiotauglich ! Um nicht jeden Song zu sezieren, komme ich zu "Ignoranz" (Track 9) - eine offen - nachdenkliche Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft. Zutreffender & punktgenauer könnte man das Wegsehen der Gesellschaft nicht beschreiben, hier ziehe ich meinen Hut vor dieser Band !!! Gedanklich ist "Ignoranz" für mich eine Art Konsequenz des einstigen "Teutonlieds". Daß diese Band liebt was sie tut spürt selbst ein Tauber. Auch der Thematik des "lieblosen Musikkonsums" im Zeitalter von MP3 etc. wissen UMBRA ET IMAGO ein starkes Statement entgegen zu setzen: "Ode an die Musik" (Track 10). Daumen hoch! Vor allem die Vereinigung der beiden Stimmen sind ein Hörgenuß - so klingt es wenn zwei Seelen sich berühren. Bei der "Sonntagsandacht" (Track 11) kommt nun zu etwas, was keine mir bekannte Black Metal je so auf den Punkt gebracht hat. Vergesst alles Gekeife - im Wortlaut selbst liegt die Kraft! Was Mozart hier in wortgewandter, ihm inneliegender Art zum Besten gibt, rechnet Silbe für Silbe mit der Heuchelei der Kirche(n) ab. Das sich atemraubend-steigernde Inferno weiß zu gefallen ! Der passende, reguläre Albumabschluß. Natürlich gibt`s zumindest in der Digipack Version noch einen Bonustrack obendrauf, der zum absolutem Ende noch etwas Augenzwinkern hinterläßt. Ein Album, das auch weit über die Gothic Szene hinaus punktet! Keine Frage - Pflichtkauf! Hier gibt`s die HAMMERMARKE!!!!

SchafSchuss-HAMMERMARKE!!!!

(Kussy Frosch Production 2.010/ Spirit Street Music SMV/ Indigo)

http://www.umbraetimago.de/

Danny B

 

Schaf Schüsse: 

10
Eigene Bewertung: 10

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UndTschuess