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KICKDOWN "Complete Control"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

08-2021

Label: 

Genre(s): 

Spät weht hier der Wind dieser Wiener Band in die straff gespannten Segel dieser seltsamen Zeiten. Kickdown dreh(t)en bereits seit 1.998 die Bühnenbretter um 180°. Zum Zeitpunkt dieser (etwas späten) Review gibt es Kickdown bereits offiziell gar nicht mehr, bzw. steht lt. deren Facebooksite aktuell ein Namenwechsel im noch virtuellen Raum. Über die Gründe kann man nur spekulieren, zumal quasi gerade erst (*2.018) Fips von Only Attitude Counts/Spidercrew/Bombsquad bei Kickdown eingestiegen war und der Band bei diesem Album einen neuen-, dienlichen Sound-Schliff mit zuverleibte. Man kann hier just Casper zitieren "Alles endet, aber nie die Musik.". Und damit ab zum Albumcheck. 

Was hier per "Outlaws Anthem" (Track 1) ins Rund groove-brettert, erinnerte mich  stimmlich zunächst etwas an Roger Miret  (*Agnostic Front) und weiß etwas vom original Spirit der N.Y. HC Schule mit im Gewebe zu führen. Zwischendrin schimmern auch Melodic Punk Rock Parts durch, denen mancher Metal-nahe Plektrumrhythmus-Anschlag unterkommt und auch X-Over/Metal offene Ohren ansprechen dürfte. Etwas schade, dass man sich auch gleichermaßen auf die Ohren verlassen muss, wenn man sich näher mit den Lyrics auseinandersetzen möchte. Diesen Fauxpass macht aber bereits der starke Groover "Corpses Of Society" (Track 2; Anspieltip I) wett. Und dieser Sound kommt mir so unbeschreiblich vertraut vor... kennt Ihr das, wenn man partout nicht gleich auf Anhieb darauf kommt woher man diesen einen bestimmten Sound kennt?! Spontan dachte ich zuerst an Coal Chamber und Pro Pain, aber irgendwo hintendrin im Hinterwinkel meiner Synapsenzentrale flüsterte irgendeine innere Stimme etwas von Metal... Pungent Stench??? Pungent Stench!!! Pungent Stench fräst hier auf den Saiten mit! WOW! Zumindest erinnert mich der Sound stellenweise an einige von deren '90er Jahre Releases. Ministry Parts kann man hier übrigens auf jeden Fall auch im Groove-Wrap ausmachen. Verdammt starke Drumparts verhelfen der Saitenfraktion auf jeden Fall zum nahezu unwiderstehlichen Groovebrett. 

Etwas mehr Hip Hop/Rap Style kommt beim folgenden "Eat" (Track 3) zum Zuge und bedient die Freunde von einigen Biohazard Stücken. Dieser Stil zieht sich zwar etwas ins Stück hinein, verschmilzt jedoch langsam mit den traditionell Hardcore lastigeren Stilmitteln, so dass eine Art Ausgleich stattfindet. So ziemlich nahtlos geht es zu "Your Way" (Track 4) über, wobei das Knüppeltempo streckenweise beachtlich bedient wird und Slapshot in Erinnerung rufen. Deutlich stärker und ohrwurmiger shaked sich "The Rulez" (Track 5; Anspieltip II) in die Gehörgänge - Gegenwehr nahezu unmöglich. Das Riffing ist sofort auf der Vertrautheitsebene und reicht großartigen Groove-Ikonen das hart anschlagende Wasser mit lässigem Smile. Wenn nicht alles völlig vor die Wand gefahren wird/läuft, was dieses Album und die potenzielle Zukunft von Kickdown in irgendeiner (Sub)Form angeht, dürfte dieses Stück nicht nur der Türöffner zu sämtlichen Core-zugeneigten Partys (inkl. Metal Partys) werden/sein, sondern auch die Crowd vor der Bühne hart anfixen.

Da ist es just nachvollziehbar, dass "Follow Your Fate" (Track 6) in direkter Abfolge nicht direkt genauso durch den Ring grooven kann, wenngleich die Power eine ganz ähnliche Energie auf den ersten Metern innehat, sich dann aber für 'ne satte Uptempo-Attacke entscheidet, um dann zum Groovekern zurückzukehren und erneut loszuprügeln. Attitude as it's best at the High Level Standard. Natürlich dürfen Schlag-Lines wie "United we stand" (u. a.) bei keinem guten Hardcore Release fehlen, was Kickdown via "Years Of Glory" (Track 7) dementsprechend bedienen. Ganz anders die traditionelle Kurzprügel-Bratpfannennummer "Born To Die" (Track 8), die in 29 Sekunden abgefackelt ist wie ein Streichholz, das von beiden Enden brennt. 

Kickdown vereinen auf diesem Album auf jeden Fall auch einiges an Kontrasten, die leicht gegensätzlich wirken, bzw. in der effektiven Wirkung gegensätzlich wirken. "Fading Memories" (Track 9) trägt einige dieser Gegensätzlichkeiten in sich, ohne zu sehr vom Rest abzufallen. Es sind die doom-sludge-igen Parts, die Kickdown manchmal etwas unentschieden zwischen Up-, Mid- und Slow-Groove-Tempo rüberkommen lassen. Teils stört da der leichte Vocal-Effect wie er bei "Complete Control" (Track 10) rüberkommt. Gewiss kein schlechtes Stück, für meine Ohren jedoch eher im Durchschnitt tausender Core Bands unterwegs. Ganz andere Wege geht das anfangs mantraartige "Wombats" (Track 11; Anspieltip III), das zunächst etwas experimental scheint/rüberkommt, dann aber in ein Punk Rock/HC Gemisch übergeht, das echt Laune/Bock macht, was der melodiösen Ausrichtung des Flows zu verdanken ist. Wer den Titel einfach mal googelt, wird etwas tierische Verwirrung empfinden, wenn man sich die Textzeile "Wombats for Life" vergegenwärtigt. ;-)

Mit Country-intonierenden Klängen geht mit "Dead End Road" (Track 12; Anspieltip IV) das nächste runde club-/setlisttaugliche Stück von der Kette und wickelt dieses Album abermals in höhere Ligen in Sachen Potenzial. Mag das Stück selbst auch eher einfach gestrickt erscheinen, so sind es doch die kleinen Momente, die hier großen Effekt abwerfen. Irish-Folk-ig eingefärbt, erscheint der Beginn von "Crownbusters" (Track 13) noch abgefahrener und zieht hier und da noch ein Schmunzeln nach. Ein ziemlich abgedreht schräges Stück, das dennoch immer wieder mit den HC Elementen zu spielen weiß. Im letzten Viertel kommt man nicht umhin "You never walk alone" im inneren Gehör fiktiv parallel aufkommen zu hören, bevor mit "Fight For The Punch" (Track 14) der Finalgang gesichert wird. 

Insgesamt gehör-/betrachtet ein erstaunlich fettes Album mit haufenweise gute Momenten/Stücken, die mal mehr, mal weniger, direkten Weges die Vollzündung einleiten. Wenn bei mir zukünftig mal wieder die Sinne nach knackig frischem Hardcore (inkl. hohen Grooveanteilen) verlangen, dann wird diese Scheibe definitiv Teil der engere Auswahl sein.

V.Ö. 15.08. 21

 

8,75/10 Schafe Schüsse

(Burnsiderecords/Smith & Miller Records/Rebeat 2.021)

https://www.facebook.com/kickdownhchp/

https://soundcloud.com/kickdown-hardcore?fbclid=IwAR1AwwVWnroh77mK2YmSHw...

Danny B

Schaf Schüsse: 

8
Eigene Bewertung: 8

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