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ANTICOPS, DOOM DAY "Dark Melodies" [12" Limited Split EP]

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

02-2021

Label: 

Genre(s): 

Es ging einiges an Jahren ins Land (und brauchte leider einige Monate bei mir anzukommen), seitdem ein neues Release der Berliner Hard- und Hatecore Könige Anticops (die ers bereits in aktiven Zeiten zum Kultstatus schafften) in den Händen hielt, umso passender, dass mittels der hier vorliegenden Split EP "Dark Melodies" ein gewohnt würdiger, amtlicher Rundumschlag in Form 5 offenbar wiederentdeckter Anticops Tracks aus dem Jahr 2.012 am (Neu)Start ist. Hinzukommen die 4 Tracks von der quasi AllStar Band Doom Day, die aus dem bei Vendetta (*eine bulgarische  Hardcore Band)-, Brothers-, sowie bei Piranha aktiven Sänger Shutta-, dem English Dogs (*Live- & Sessions) Gitarrist  Gizz Butt-, Devil Inside Basser Volkan T. - (*der u. a. auch Wegbereiter des türkischen Hip Hop gilt und sich auch als beteiligter Produzent von Kool Savas, Tone und D-Flame einen Namen machte) und Drum-Legende Robin Guy (*Sham 69) bestehen. Somit also einmal wieder in der Vinyl-Release-Historie der Anticops ein echtes Sammlerstück, das erneut mit Hochkarätern und Musiklandschaftshistorie aufwartet. 

Die A-Seite der Platte gehört (natürlich naheliegenderweise) den ANTICOPS, die mit "All Tomorrow's Ghetto" (Track 1; Anspieltip I) die leider immerselbe-, triste Story der Chancenlosigkeit umreißen, die das Leben und das reformierungsbedürftige System hierzulande inne-, bzw. zu bieten hat. Textstellen wie "You can run and face the heat but your life is a one way street, you can struggle - you can fight, you'll never reach the other side" bringt es bspw. (wie von den Anticops gewohnt) auf den zeitharten Punkt. Vom schön dreckigen Streetsound umrahmt, der die Anticops u. a. spätestens im Zuge von "Out In The Streets" zum heißen Scheiß in Hardcore/Harecore Kreisen machte, fragt man sich wie zur Hölle solch' ein Stück überhaupt irgendwo im Keller einstauben- oder gar in Vergessenheit geraten konnte? An diesem Stück zeigt sich die zeitlose Brisanz des Themas selbst. Und während man das fast schon beiläufig feststellt, bricht "The Cold Eyes Of Suburbs" (Track 2) die Plattenspielernadel, bzw. lässt diese dank des gefühlten Überschalltempos ordentlich in der Rotation glühen. Wer sich also mal gepflegt die Ohren freiblasen lassen möchte, wird von diesem teils sogar Metal-affinem Stück (Speed/Thrash Metal Elemente) zwar den Dreck in den Ohren los, wird soundmäßig aber gleichermaßen in die Nähe vom Alltagsdreck verortet/bedient. Vom Inhalt her geht es u. a. um den Kick, den jede/-r woanders sucht/findet und sich dabei was/wie auch immer nennt - oder wie es resultierend so treffend heißt: "I've seen it all a Thousand times...".  Und wenn man schon einmal bei Schall, Rauch und Namen ist, darf natürlich ein Anticops typisches Stück wie "Hardline City" (Track 3; Anspieltip II) nicht fehlen, das sich dem selbstgeprägten "BHC" (*Berlin Hardcore) widmet, der unweigerlich von Berlin (als es noch unverkennbar Berlin war) selbst durchzogen ist. Anders als viele Hardcore Bands heutzutage, wird hier nicht lippenleer auf dicke Hose/Tough/Bad Guy etc. gemacht. Wer Anticops kennt, weiß, dass hinter den Anticops Stücken immer 'ne Menge ECHTER(!) Authentizität steht, also genau das, was viele Wannabes und Wannabe Rapper/Hip Hoper, leerherzige "Tough/Bad" Guys heutzutage gern Glauben machen wollen. Es geht also quasi um genau all' den Scheiß, den mit ECHTEN "Blood, Sweat & Tears" teuer bezahlt. Da, wo heutzutage eine Art Aniticops-eigener "Marke" draufpappt, bzgl. "030 Hardcore" Code draufpappt, haben die Anticops definitiv hart daran gearbeitet und sich durch all' den Dreck der Jahre gewühlt, den man ihnen immer wieder leichtfertig vorwarf. Nicht nur, dass die Mucke hier verschiedene Parts auffährt, die ganz unterschiedlich "tempo-riert" all' diese Vowürfe/Gerüchte und Geschichten zu Brei schlagen, sondern vor allem auch die Brücke zwischen Old School und zeitgemäßen Sound setzt das Pro-Anticops Ausrufezeichen, das nur mit Reife und "Stand Tall" Spirit so felsenfest in der Alltagsbrandung stehen kann.

Die wenigsten Neuhörer (Hardcore Neuzugänge) leben und verstehen heutzutage, worum es dabei ursprünglich ging und geht, was mich zum Stück "Streetcleaner" (Track 4) bringt, das den Hard-CORE der Anticops wohl am Treffensten umreißt. Wohl kaum ein anderes Anticops Stück hat je so stark den Flow zwischen Bühne und dem (Mosh)Pit transportiert. Letztlich geht es um diese Attitude, diesen Austausch, mit dem sich der Kreis des Angepisstseins wie ein aufgemachtes Ventil auch wieder friedlich schließt. Meiner subjektiven Sichtweise nach steht dieses Stück exemplarisch für das Anticops Neu-Credo "Against Everybody" zu sein und hat damit den Hardcore Punk Spirit ganz klar vollumfänglich verinnerlicht noch immer mit im Gepäck - ob inhaltlich oder vom Sound her selbst. Noch deutlicher werden die Ursprünge und Wege in "Disconnected" (Track 5; Anspieltip III) umrissen, in dem sich inhaltlich all' diehenigen wiederfinden werden, die das sogen. "Anderssein" schon immer durchzogen hat wie Venen, den eigenen Körper. Das kann sich zwar stellenweise von den Lyrics etwas "over-frustrated" lesen, ist aber (wie das in der Kunst im Allgemeinen sein darf) letztlich bewusst überspitzt dargestellt, was wiederum der Attitude und dem Sound zuspielt. In diesem zunächst verhältnismäßig "melodisch" beginnendem Stück bieten Anticops ein Zuhause für all' diejenigen, die von Anfang an andersartige Freaks, bunte Hunde etc. waren/sind, für all diehenigen, die ein friedliches Ventil via Mucke suchen. Nicht nur musikalisch eines meiner persönlichen Neu-Favorites der Anticops. Insgesamt kann man sagen, dass diese EP die bislang persönlichste Release der Anticops überhaupt ist. 

Die B-Seite gehört der eingangs näher umrissenen, buntgemischten All Iconic Band DOOM DAY, die bereits 2.007 ihr Debütalbum "Count Your Useless Hours" veröffentlichten und danach weiteres Material für ein Album aufnahmen, das bislang jedoch nie veröffentlicht wurde. Ob- und wie viel Material aus diesen Recording Sessions stammt, wissen nur die Bewteiligten selbst, die mit "Rise Again" (Track 1) durchstarten und deutlich Metalcore-lastiger ausfallen als die Anticops im Direktvergleich. Die Gitarrenläufe geben beim Ersteindruck direkt traditionelle Heavy Metal geprägte Zuläufe preis, was im Gesamtsound auch etwas weniger Dreck abwirft. Dennoch kann man selbst (Death) Metal zugeneigten Hörer/-innen definitiv empfehlen mal ein Ohr zu riskieren. 

Etwas Metalcore-typischer geht es beim folgenden "Stay Immortal" (Track 2; Anspieltip I) zu, wobei man mit etwas slower gespielten Parts (inkl. angenehmen Riffing) ums Eck kommt, die Bock machen. Was die Lyrics angeht, fallen Doom Day etwas einfacher- und damit leichter verständlich (vor allem für diejenigen, die jetzt nicht unbedingt so fest in der englischen Sprache bewandert sind) aus. Dennoch haben Doom Day auch realitätsbezogene Themen im Gepäck, wie z. B. "Murder-Suicide" (Track 3; Anspieltip II) unterstreicht, bei dem es um einen Amoklaufattenäter geht, der an einer Schule seinen finalen Amoklauf begeht. Anhand der in den Lyrics benannten Grundfakten, scheint es sich um den am 11. März in Winnenden und Wendlingen (*nordöstlich von Stuttgart) geschehenen Amoklauf zu handeln. Das minimal zeitversetzt (gefühlt) gespielte Riffing formt die Emotionen dabei aus, bzw. verleiht ihnen eine leicht prog-ige Gefühlsform. Dabei spielt das (in positivem Sinne) eigensinnig prägnante Drumming der Dynamik des Stückes in die Karten, was mich vergleichs- & teilweise an Drummer wie Chris Withhunter (R.I.F.; *ehem. Sodom) oder auch Dave Lombardo (*ex- Slayer; Suicidal Tendencies) erinnert. Allerdings erscheint mir insgesamt vor allem der immer wiederkehrende Gitarrenlauf letztlich die Kernsäule des Stückes zu sein. Ähnlich-, bzw. noch abgefahrener beginnt "Legions Of Death" (Track 4), wobei das Stück selbst zunächst noch etwas nach der flüssigen Fahrspur sucht, diese aber schließlich auch findet. Von den Saitenläufen her kommen auch hier wieder traditionelle Heavy/Power Metal Läufe zu Gehör, die von flinkem Breakspiel aufgebrochen, auch Querverweise zu Thrash Metal Elementen/Einflüssen wie Machine Head oder/und Metallica zulassen und den Gesamteindruck finalisierend doch recht amtlich gut dastehen lassen.

Fakt ist auf jeden Fall, dass diese Scheibe entweder in Gold- (*exklusive Coretex Records Edition), White- oder schlichten Black Editionen - jeweils auf 100 Exemplare limitiert - in jede gut sortierte Hardcore-Sammlung gehört, nicht zuletzt auch wegen des saustarken Coverartworks. 

V.Ö. 12.02. 21

 

9,0/10 Schafe Schüsse

(Superhero Records 2.021)

https://de-de.facebook.com/anticopsberlin/

https://campsite.bio/anticopsofficial?fbclid=IwAR0r2dnWQtuK5tUjeA9CDVMwM...

Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

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