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Zwischenschuß [05-17]

Zwischenshot [05-17]

"Schön genug?"

 

Hallo Freunde, Besucher, Durchreisende, Betreffende,

Heute möchte eine sehr ernste Thematik zur Sprache bringen, die in den letzten Jahren immer intensiver um sich greift. Allgemeinhin verständliches Stichwort "Depression". Depression/depressive Schübe dürfen als ernste Thematik nicht länger in die Schweigeecke verbannt werden. Schon gar nicht im Mobbing-Zeitalter.

Immer wieder hat mir die vielschichtige Krankheit unter/hinter dem Schlagwort "Depression" Menschen genommen, nachdem sie sie vollkommen leergesaugt hatte wie ein trockener Schwamm, der Wasser in sich aufzieht. Viele Menschen, die ich kennenlernte litten oder leiden unter dieser realitätstransparenten Wolkenglocke, die man keinem Menschen ansieht, weil sie über dessen/deren Seele im Selbstgefühl oft dauerpräsent schwebt und nicht selten bis zum Ende aller Dinge bleibt. Oft lächeln sie liebevoll aufgesetzt, um zu suggerieren, dass wir uns keine Sorgen machen sollen. 

Das Schlimmste ist, wenn die Menschen, die gefühlt eben noch lächelten, diesen derben Schritt wagen und sich leider nicht selten am Ende aller Alltags-Strohhalme ihr Leben nehmen. Keine/-r tut dies von heute auf morgen. Dabei sind wir ALLE in der Seele gleich schön, nur empfinden manche das im Zeitalter von Hochdruck-Schulen, Gymnasien, Uni-Studium, Berufsalltag, Informationsfluten, Trendreiterei, Castingshows, Mit-dem-Strom-Zwangssuggestion und Permanentdruck im Alltag nicht mehr so. So viele Menschen sind auf der Suche nach der Selbstliebe, nach dem sich spüren können, während die Zeit abstumpfen lässt und die Sinne zukleistert und zu betäuben/verkümmern zu lassen droht. Was bleibt sind seelische Narben, als sei etwas entfernt worden.

Selbst im virtuellen Leben wird zu oft anonym oberflächlich be- und abgeurteilt, wobei jede/-r im Recht zu sein glaubt. Was richtig oder falsch ist, ist freilich immer subjektiv, auf dem Standpunkt festzupappen dagegen ist stur und engstirnig. Dabei ist es eigentlich denkbar einfach sich aufeinander zuzubewegen, was natürlich einfacher wird, wenn man sich im realen Leben trifft und die Wahrnehmungsebenen von Gestik, Mimik, Tonfall etc. zur Hilfe hat. Dabei die Wort-Waffen/Hierachie-Suggestionen einfach mal sein lassen. Gerade jetzt im Sommer kann man sich klasse im Park, in einer Bar, am See oder auch bei einem Konzert treffen, um Meinungen auszutauschen oder ggf. auch mal nachzufragen wie es geht, nach was man sich sehnt oder ob man generell mit den eigenen Lebnenswegen zufrieden ist? 

Ich persönlich war früher nach (bzw. wurde ich mit der ersten Erfahrung) dem ich erfuhr wie es sich anfühlt, wenn ein echter Freund stirbt, depressiv. Dunkle Wolken waren plötzlich an meinem Alltagshimmel und drückten von innen her immer stärker auf Herz und Seele. Ich beschritt dabei Fluchtwege und kapselte mich in einer Art Doppelleben mittels diverser Substanzen ab und versuchte nach einiger Zeit sogar mehrere Mal mir das Leben zu nehmen, weil ich etwas empfand, von dem ich niemanden erzählen konnte, weil ich glaubte, dass es sowieso keine/-r verstehen würde. Ohne Musik als Begleiter durch den Alltag, wäre ich gnadenlos in diesen Tiefen ertrunken, abgesoffen, gekentert und vermutlich für immer abgetaucht. 

Über die Jahre starben immer wieder tief ins Herz geschlossene Freunde/Freundinnen, und Familienangehörige. Zwar schaffte ich es einst aus eigener Löwenkraft mich von bestimmten Substanzen zu lösen und ließ später nach 20 Jahren sogar die vertrauten Zigarretten weg, aber leichter machte es das alles nicht, wenn wieder jemand starb oder eben ging, um seinen/ihren Seelenfrieden zu finden. Jede/-r Einzelne von ihnen hinterließ diese gewichtige Lücke im Herzen, die mich manchen Tages selbst manchmal sehnsüchtig nach oben schauen lässt, während ich so gar nicht sicher bin wie lange ich noch die diversen Rück- und Tiefschläge ein-/wegzustecken vermag? Wenn das Herz durch all' die Verluste im Leben langsam zum Sieb wird, kommt 'ne Menge Licht durch... auch das Licht tiefer Erkenntnisse. Nichts, gar nichts ist sicher, egal wie tough jemand auch zu sein vorgibt. Irgendwann fällt jede Mauer, egal wie hoch oder dick sie ist, so viel ist sicher. 

Ich habe z. B. gesehen und ganz greifbar nah schmerzlich miterlebend gespürt wie eine Mutter ihr Kind auf dem letzten Weg gebrochenen Herzens laut beweinte. Habe einst einen Freund tot in seiner Wohnung aufgefunden, nachdem wir am Vorabend noch gemeinsam seinen Geburtstag begangen hatten. Ich weinte selbst um viele geliebte Menschen und Tiere (meist im Stillen), die einmal in meinem Herzen, auch für alle Zeiten zu meinem Lebensweg - meiner Familie gehören, egal wohin sie gehen. Selbst Musiker, die mich tief berührten und zu früh starben, stell(t)en tiefe Verluste für mich- und dieses oft nicht einfache Leben dar. Ich kann das nur mit Kurt Cobain's (R.I.P.) letzten Worten treffend beschreiben: "Aber die Frustration, die Schuldgefühle und die Empathie, die ich für die Menschen empfinde, werde ich nicht einfach los. Wir haben alle gutes in uns, und ich liebe die Menschen einfach zu sehr." Wobei ich persönlich Tiere genauso stark wie die Menschen liebe. Meist sind es Verlustängste, die eine lebenslange Loyalität zu all' denen bewahrt, die (manchmal im freien Flug durch schöne, gemeinsame Momente) in meinem Herz angecheckt haben. 

Vielleicht geht es vielen Menschen auch so oder zumindest ähnlich, die noch nicht völlig abgestumpft sind. Und oft ist diese Empathie, dieses große Löwenherz wirklich unendlich groß, da passt die halbe Welt rein und das geht auch so in Ordnung, ich freue mich über jede/-n, der/die mir bleibt und mein Leben (auch weiterhin) bunter macht und bereichert, anstatt zu gehen. 

Dazu braucht es kein Geld, sondern den Mut die Dinge auszusprechen und das Risiko sich ein Lächeln zu erlauben, sich im Moment fallen zu lassen, ohne an das Danach zu denken. Manchmal sagte ich zu wenig oder eben nicht alles, damit muss ich nun leben und klarkommen, das kann mir kein Mensch abnehmen. Alles was ich möchte, ist, dass diese Welt wenigstens ein kleines Stück besser wird und auch Ihr Euch ganz BEWUSST etwas mehr um Eure Lieben kümmert. Mehr da sein, lieber mal die Playstation, Facebook, Instagram etc. ausmachen, sich treffen und gemeinsam Zeit verbringen, das bringt oft die schönsten Erinnerungen ein, auf die man später gern zurückblickt. Man kann auch wunderbar die Ohrenstöpsel teilen und gemeinsam Musik hören, sich genseitig was vorlesen oder einfach nur in vertrautem Schweigegenuß die Schönheit der Natür/Umgebung bewundern oder auch mal richtig albern rumblödeln bis man Muskelkater vom Lachen hat und Lachtränen aus den Kanälen schießen. Genau solche kleinen Dinge/Momente nähren das Lächeln (auch inwendig), machen das Leben GROSS und vertreiben die dunklen Wolken innendrin, weil wieder Sonnenlicht (zu einem) durchkommt.

Wenn jemand depressive Schübe hat (was nicht gleichbedeutend mit dem Krankheitsbild der Depression ist) oder auch bereits Hilfe in Anspruch nimmt, ist das absolut nichts schlimmes, denn es geht mehr Menschen so als man glauben mag. 

Sicher, wer nicht fragt, bekommt keine Antwort, aber wenn Ihr bei Euren Lieben Vermutungen in diese Richtung hegt, dann fragt behutsam oder lasst sie das Thema leiten, denn es braucht unvorstellbar viel Kraft sich von sich selbst aus durchzuringen sich dazu zu bekennen, gerade weil man nicht als "verrückt" gelten möchte und schräge Blicke im Nacken haben möchte, was beides oberflächlicher Humbug ist. Vor allem versucht im Gespräch Schuldzuweisungen jedweder Art zu vermeiden, da das extrem kontraproduktiv für Betreffende/-n ist. 

Warum ich mit dieser Thematik um die Ecke komme? Weil ich nicht mehr still zusehen möchte wie Menschen resignieren, gerade WEIL nicht alles spurlos an ihnen vorbeigeht. Perfekt ist am Ende Keine/-r von uns! Es gibt kein Gesetz im Leben, das irgendwem das Recht zuspricht Menschen für Traurigkeit, depressive Schübe oder Depression o. ä. geartetes zu verurteilen. Wenn ein Sportler beispielsweise einen Muskelzerrung o. ä. bekommt, verurteilt ihn auch niemand deshalb. 

Und vor allem sollte man nicht vergessen, dass viele hochverehrte, zeitlose Musiker, Schauspieler, Sportler oder auch Szenemitgestalter (die allesamt unsere aller Leben auf irgendeine Weise tangiert/beeinflusst haben) nicht selten unter diesen dunklen Wolken ihre täglichen Lebenskämpfe austrugen (oder einige noch lebende heutzutage aktuell hart kämpfend austragen), um nur einige Namen zu nennen: Kurt Cobain (*Nirvana), Layne Staley (*Alice In Chains), Robert Enke, Klaus Kinski, Jim Morrison (*The Doors), Janis Joplin, Robin Williams, Chris Cornell (*Soundgarden; Audioslave), Silvia Seidel... die Liste ist noch um einige Seiten länger, davon könnt Ihr ausgehen. Bei einigen kann man die dunklen Damokleswolken ganz aktuell in ihren Liedern, ihren Worten heraushören/-lesen, sofern die Aufmerksamkeit nicht auf Durchreise ist. 

Auch ich bekenne mich dazu diesen Damokleswolken mehrere Male in den letzten 25 Jahren überdrüssig gewesen zu sein und es verlangt mir auch heutzutage oft eine Menge Kraft ab stark zu bleiben. Ich weiß nur, dass ich meine Mission, meine Lebensaufgaben nicht unerledigt zurücklassen möchte, wenn meine Zeit einmal kommt, von daher sitzt mein Anker relativ fest auf Grund, wenn ich manches Mal auch Ausflüge weit draußen auf dem Meer mache, um zumindest das Gefühl zu haben, dass meine lieben, oft derb vermissten Vorangegangen trotzdem noch in der Nähe sind. Deshalb möchte ich mit all' dem, was ich mir mühsam und hart aufgebaut habe, auch die Verantwortung wahrnehmen und diese Dinge versuchen zu entabuisieren, indem ich sie ganz bewusst thematisiere, fokussiere. Wenn es auch nur einen Menschen da draußen erreicht und im Umgang mit seiner Umgebung aus Mensch, Tier und Natur sensibilisiert, positiviert, hat sich die Zeit für diese in Worte gefassten Gedanken/Erfahrungen gelohnt und ich kann es als kleinen-, aber vollwertigen Erfolg betrachten. 

Wir sind ALLE sensibel, emotional und einen Schutz vor Verlustschmerz gibt es einfach nicht, deshalb seid mehr füreinander da (sofern Ihr das nicht schon tut), denn wenn man jemanden von Herzen mag/liebt, ist das eine Art stilles Versprechen wie in einer Familie füreinander da zu sein und aufeinander aufpassen. Kein Mensch sollte Probleme, Verluste völlig allein schultern müssen, nur weil die Scham vor Vorurteilen, Stirnstemplern/-innen zu groß ist. Man hat dieses Geschenk namens Leben und das ist verdammt wertvoll!

Vielleicht mögt Ihr diesen Blog ja irgendwo teilen, um das Tabu dieser Thematik endlich aufzubrechen und ein neues, positiveres Verständnis im Umgang damit zu bewirken?! Ich würde mich echt freuen, wenn es etwas zum Positiven bewegen würde.  

Besonderer Dank geht an dieser Stelle an Victoria van Violence, die bzgl. dieser Thematik großen Mut bewiesen hat. Chapeau & Respekt!

In diesem Sinne,

Euer Danny B

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