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WECKÖRHEAD "Taub für immer"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

05-2019

Label: 

Genre(s): 

Mit Motörhead ging eine Name, bzw. ein Eigenkult in die ewigen Jaggründe des Rock 'N Roll ein, der locker auf Augenhöhe Bands/Namen wie den Beach Boys, Ray Charles, Chuck Berry, The Beatles, The Rollins Stones, The Doors, Janis Joplin, Joe Cocker, James Brown, Sex Pistols, Ramones oder auch Jimi Hendrix u. v. m. steht. An Kopisten und Trittbrett-Drivern gibt es nicht erst seit Lemmy Kilmister's (R.I.P.) Tod viele, die mal eben das schnelle Geld (inkl. lieblos-aufgesetzer Gimmicks und minderen Skills in Sachen echter Leidenschaft) einzuheimsen versuchen. Klar, Lemmy hatte längst ausgesorgt, allerdings verdientermaßen. Gäbe es für Musiker eine den militärischen Ehren ähnliche Orden-Regelung, so hätte Lemmy den kompletten Brustbereich bereits zu Lebzeiten vollgepflastert gehabt. 

Fernab dessen und auf liebevoll gepflegten Feldern, denen sich eher rauhe Gassen anschmiegen, "weckörn" die Jungs von Weckörhead nun bereits im dritten Jahr zwischen Osnabrück und Bielefeld tapfer die Motör-Flag hochaltend durch den Backkatalog von Motörhead und deutschen die Stücke mit Fingerspitzengefühl ein wie eine gedrehte Zigarrette. Der Inhalt verwandelt sich mit einem Funken Offenheit von seitens des/der Hörers/-in zu einem lodernden Inferno, das diesem neuen Doppel-Vinyl-Release anhaftet wie Schmiedefeuer dem Metall.

Schon das Coverartwork weiß dem Urgeist Tribut zu zollen, wenngleich vom Malstil eher etwas an alte Comics gehalten. Im Einleitungsdessay erklären sich (genau genommen) Weckörhead all' denjenigen, die entweder ihre Erstberührung mit dieser Band- oder eben ihre Nerdprobleme mit ihnen haben. Lemmy selbst hätte vermutlich jedem/jeder Schmährufer/-in ein Glas Whiskey auf den Tisch gestellt und gesagt "Bleib' mal locker." Dass man es am Ende aber nicht allen aus "Mudder Natur's Trieben" recht machen kann, sollte klar. Dafür dann einfach mal die "Eisenfaust" (Track 1; Anspieltip I) und die Saiten aufgezogen. Welcher Kultsong hier gemeint ist, dürfte jedem/jeder Motörhead-Shirtträger/-in sonnenklar sein. Direkt von der ersten Note an treten Weckörhead den typisch originalen Drive los, der die Weltr viele Male umrundete (und noch immer seine Bahnen zieht) wie der Gürtel des Saturn. Die "Teilzeitlyrik" von Stimme/Bassist Wecker funktioniert auch bei "Bleib klar" (Track 2) hervorragend und bringt Lemmys Innenleben noch nachvollziehbarer durch alles Schein und Sein - nicht zuletzt deshalb lohnt sich die Mission von Weckörhead vor allem für die, die der englischen Sprache nicht so mächtig sind. Freilich Übersetzungen haben immer mit viel Feingefühl zutun, im Falle von Weckörhead geht die Band sowohl musikalisch, wie auch textlich mit viel Herz zur Sache, was man spürt - "Voll auf dem Gaspedal" (Track 3). Sollte es wieder einen neuen Werner Film geben, sollte man Weckörhead bzgl. Soundtrack ganz klar mit Torfrock zusammen auf dem Schirm haben! 

Die Zeitreise hat verschiedene Stationen in petto, selbst das Jahr 1.987 entrock-staubt so manchen unterbewerteten Motörhead Song - "Nur für dich" (Track 4; Anspieltip II). Von so schön rostbesetzter Rockromantik (inkl. solches motör'schen Steinschlages) träumt so manche deutschsprachige Rockband, bekommt diese jedoch nicht so geil umgesetzt. Vor allem, die Gitarrenarbeit wurde hier mit Bravur hingelegt wie ein amtlicher Malmsteen-Blitz. Chapeau! Fast eine ganze Dekade weiter zurückversetzt, wurde "Zu spät, zu spät" (Track 5) in seiner urgeballten Form zutage befördert. Das noch lange, bevor eine bestimmte Berliner Punk Rock Band auf ganz andere Weise "Zu spät, zu spät... dann ist zu spät..." intonierte und damit äonenweit vom Motörhead Kosmos entfernt durch die Welt bretterte. Motörhead waren immer ganz klar untrennbar mit jeder Menge Öl (in der Maschine), Asphaltspeed und Rock 'N Roll verbunden, was sich in der unverkennbaren Alleinstellungsmagie insgesamt niederschlug und letztlich zum Kult wurde. Mit "Der Bomber" (Track 6) haben Weckörhead offenbar ein eigenes Stück am Start, das musikalisch fest im Motörheadlauf ist, textlich jedoch dem verstorbenen Bud Spencer (R.I.P.) gewidmet ist. Da muss man auch erst einmal drauf kommen. ;-) 

Mit "Tanz auf deinem Grab" (Track 7; Anspieltip III) geht es zeitlich wieder in die '80er Jahre zurück und könnte vom Titel leicht trügen, zumal auch die Böhsen Onkelz ein Stück mit diesem Titel in den '80ern aufgenommen haben, was letztlich nur etwas mehr über deren Inspirationsquellen verrät, mit dem Motörhead Originalstück jedoch nicht viel zutun hat. Weckörhead jedenfalls bleiben treu-loyal an Lemmy's Cowboystiefeln und nehmen auf die Reise durch jene Zeiten mit. Macker-Idioten gab es schon immer, wie Lemmy es auch im Original treffend erdig aus dem Dreck der damaligen Nachtexzesse einst zu Papier gebracht hat. Bemerkenswert dabei ist, dass Weckörhead immer wieder den Originalsound des jeweiligen Stückes miteinzufangen verstehen, was ihnen songweise wirklich nachvollziehbar hautnah geglückt ist, zumindest unterschwellig. Schwierig ist es, wenn man so viel potenzielle Klassiker zur Auswahl hat. Als ich z. B. "Orgasmatron" (Track 8; Anspieltip IV) ausmachte, dachte ich sofort an das megastarke Cover von Sepultura aus dem Jahr 1.991, als diese mit "Arise" durch sämtliche Decken der Metalszene steilgingen. Da Weckörhead aber selbsredend im Rock 'N Roll-Saft stehen, geht deren Interpretation auch ganz klar zu den Ursprüngen des Originals hin. Ein zeitlos starker Klassiker, den man nur mit Mühe versauen kann. In deutsch klingt der Text tatsächlich noch etwas düster-fieser... wenn jemand unter Euch mal "aus Versehen" wieder vergessen haben sollte wie Krieg ist/sich auswirkt oder warum Menschen aus Kriegsgebieten flüchten, dann hört Euch diese Interpretation von Weckörhead noch einmal an!

Von "Please Don't Touch" gab es im Original sogar mehrere Versionen (*u. a. mit Girlschool; aber auch in Coverform durch andere Bands), musikalisch gesehen, geht es hierbei ganz klar um Lemmys Liebe zum ursprünglichen Rock 'N Roll. "Berühr' mich nicht" (Track 9; Anspieltip V) nimmt genau diese Vorlage dankbar auf und bringt mit Gastsängerin Julia Kruse ein echtes Duett-Highlight der Sonderklasse auf den hörbaren Schirm von "Taub für immer". Hier und da hätte just ein ganz, ganz mikro-minimaler Tick mehr Lautstärke/Zentrum bei ihrem Gesang Sinn gemacht, was letztlich jedoch wirklich nur hauchdünn ins Gewicht fällt. Die Tragweite von Lemmy's Lebenswerk jedenfalls machen Weckörhead so hammer-heart-hart klar, dass es ihnen selbst vermutlich nicht einmal bewusst ist?!? Dieser Gedanke wird nicht zuletzt von der einst entstandenen The Kingsmen Coverversion (*1.963) von Richard Berry's "Louie Louie" (*1.955) unterstichen, die unter Motörhead im Jahr 1.979 ebenfalls veröffentlicht wurde. Satte 40(!) Jahre später bereichern Weckörhead die Musikwelt nun mit ihrer Version, die sie augenzwinkernd "Luise, Luise" (Track 10; Anspieltip VI) getauft haben. Anfangs denkt man etwas gedankenverlorend bei den ersten Tönen sogar kurz an AC/DC, was rein zeitlich nicht unbedingt abwegig ist. Derselbe gedankenverlorene Sprung führte übrigens beim zweiten Durchlauf direkt zum Beginn des Scorpions Klassikers "Rock You Like A Hurricane", doch das just beiläufig. Insgesamt geht "Luise, Luise" sogar stilistisch in Reggae Gefilden alias Bob Marley & Co um. Live dürfte dieses Stück unverzichtbar sein. Eines der herausragendsten Stücke auf "Taub für immer". 

Stiltypisch geht es in folge mit "Weckörhead" (Track 11) zurück in Motörhead'sche Salvenläufe. Hier muss man weder großartig näher darauf eingehen, geschweige denn etwas (v)erklären - wer diesen Klassiker nicht kennt, kann sein (wo immer) erstandenes Motör- oder Weckörhead Shirt direkten Weges im Schrank liegen lassen. Weckörhead selbst ordnen ihre Skills immer wieder hörbar bereitwillig dem Stück selbst unter und zocken mit viel Freude, was man auch bei Stücken wie "In Osnabrück" (Track 12) spüren kann. Gerade deshalb macht diese Band mehr Spaß als ich es vor etwa einem Jahr an gleicher Stelle vorab erwartet hätte, umso schöner, dass es so ganz anders kam. Auch "Kein Stil" (Track 13) hält jeder Kritik stand, zumal auch hier Gastsängerin Julia Kruse erneut mit an Bord ist und das Mikro schwingt. Auffällig in Sachen Auswahl ist auf jeden Fall, dass viele Klassiker auf diesem Album sich im Rund der Spät-'70er Jahre wiederfinden. Von der handwerklichen Umsetzung aber auf jeden Fall völlig sattelfest eingezockt wurden. Selbst die Schreiberlinge vom "Deaf Forever", inklusive Motörhead selbst, dürften angehörs "Taub für immer" (Track 14; Anspieltip VII) breit grinsend die Köpfe im Takt mitnicken lassen. 

So langsam aber sicher ist das letzte Albumviertel erreicht und zieht noch einmal das Tempo an, um mit "Zurück auf der Strasse" (Track 15) die stilistisch passende Tourhymne rauszuschießen. Von der Ethik vieler Bands treffen Weckörhead damit zielsicher ins Schwarze. Motor an, Gaspedal auf Anschlag, Bühne(n) bestückt und ab dafür. Eines der eher "späten" Stücke in Sachen Motörhead Timeline (*1.991), kommt mit "Ramones" (Track 16) zu eingedeutschten Ehren. In der Schreibweise vom Original abgewandelt, drillt man musikalisch alles auf Kuschelkurs mit dem Originalstück. Textlich haben Weckörhead hier jedoch eher ihren Eigenkurs ins Navi eingegeben, was gar nicht weiter schlimm ist, schließlich lockert das auf und bietet mehr Abwechslung im Gesamtkontext dieses über 77 minütigen Albums. Diesem Konzept folgt auch der Überhit-Klassiker "Overkill" (17; Anspieltip VIII) und macht dabei amtlich Druck von den Schlagzeugkesseln her, die hier in Richtung Siedepunkt getreten werden - Kick Ass pur! Chapeau again! 

Das für mich gewöhnungsbedürftigste Stück dieses Albums ist auch von Motörhead selbst einst gecovert worden, jedoch mit jeglich mehr Originalnähe, zumindest von der Titelgebung her. Ist es künstlerische Freiheit, ein schlechter Witz oder doch schon beinhart, wenn man aus einem Sarkasmus Klassiker wie "God Save The Queen" "Gott rasiert die Königin" (Track 18) macht??? Immerhin gab es einst u. a. eine "liebevoll" abgewandelte Nummer wie "Gott schütz' den Kanzler" (*von der Punkband "Abfallsozialprodukt", vom 1.994 erschienen Album "Keine Macht den Faschisten"), die zumindest von Titelgebung glücklicher (nach-)wirkt. Das Pro im Falle "Gott rasier' die Königin" liegt zumindest an der textlich-übersetzten Nähe zum Ur-Original der Sex Pistols (abgesehen vom Titel). Somit also ein echter Spagat zwischen Pro und Contra - nicht nur für Motörhead Fans, sondern auch für Sex Pistols Fans. Rein musikalisch bleibt dieses Stück dennoch gewöhnungsbedürftig, zumal sowohl die Pistols, wie auch Motörhead diesbzgl. mehr Flair-Boden gut machen konnten. Damit geht es ins Finale, sprich direkten Weges in die Liveabteilung, die ziemlich fett aufgenommen wurde und tatsächlich kritikresistent kommt. "D-Das Pik As (Live)" (Track 19) kann demnach nur als gewinnbringend gewertet werden, zumal in der Liveversion noch eine Schippe catchier im Drive-Futter als ohnehin schon. Mit "Friss' die Reichen (Live)", inkl. "Schlagzeugsolo" (beide Track 20) gibt es auch ein tributierendes Stück zum Kultfilm mit Lemmy und der Who Is Who Liste des Trash-Streifens Post-tönend nachgereicht, bevor "Am Tod krepiert (Live; CD-Exklusive)" (Track 21) den (Bier-, bzw. Whiskey-)Deckel aufzieht und damit ein ziemlich reich gefülltes Tributwerk hingewuchtet hat, das auf weiter Flur seinesgleichen sucht und fortan die Motörhead-Tribute Geschichte amtlich verlängert und den Spirit am Leben hält. 

9,0/10 Schafe Schüsse

(Weckörhead/Super Shock Resist Music 2.019)

https://www.facebook.com/Weckoerhead/

http://www.xn--weckrhead-37a.de/

Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

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