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V.A., "Die Kinder der toten Stadt" [Hörspiel]

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

06-2018

Label: 

Genre(s): 

Es geschieht selten(er), dass mich auch Hörspiele erreichen, aber wenn es an dem ist, dann waren es bisher immer sehr interessante Hörspiele, die (zumindest aus meiner Sicht) auch aus dem "üblichen" musikalisch-gewohnten Rahmen fallen. Das trifft auch auf dieses hier vorliegende Hörspiel "Die Kinder der toten Stadt" zu, das letztlich eine vertonte Episode über die Gefangenen des Ghetto Theresienstadt, des sogenannten "Protektorat Böhmen und Mähren" , das durch deutsche Besatzer 1.941 (als Sammellager) Teil der nationsozialistischen Diktatur unter Hitler wurde. Letztlich diente dieser sogen. "jüdische Wohnbezirk" dem Konzeptsystem der Konzentrationslager, die bekanntermaßen jede Menge grausamer Todesopfer gefordert haben. Bereits an dieser Stelle nicht nur geschichtlich gesehen schwere Kost, sondern auch gedanklich. Dennoch, nur weil eine geschichtliche Thematik unbequem ist oder für manche vor ihrer Zeit liegt, macht es die reale Geschichte nicht ungeschehen. Heutzutage fällt es sogar schwer die Geschehnisse wirklich nachzuvollziehen. Nachempfinden kann man diese pechschwarzen Seiten unmenschlicher Auswüchse bereits beim Ansehen von Bildern, Dokumentation, einem Besuch in einem ehemaligen Konzentrationslager oder eben auch anhand dieses Hörspiels.

Auf zwei CDs verteilt wird mittels der Musik/Lieder nach einem eher verträumten Einstieg eine greifbare, grundüstere/bedrückende Atmosphäre erschaffen, die kaum einen empathischen Menschen kalt lassen kann. Die Klangkulissen und Sprachrollen malen die jeweiligen Bilder und vermitteln eine Idee davon wie unterschiedlich Erwachsene und Kinder das grausame Joch ge- und ertragen haben. Nebenbei kann man dieses Hörspiel definitiv nicht hören, weil man das Ganze sonst nicht komplett verstehen lernt. Ich für meinen Teil könnte mir dieses Hörspiel auch als Teil des Unterrichts an Schulen vorstellen, weil es dazu auffordert sich mit schwerwiegender-, nachhallender Grausamkeit intensiv auseinanderzusetzen, was zum aktuellen Zeitpunkt unserer Lebenszeitgeschichte mehr denn je von essentieller Wichtigkeit ist.

Bereits nach der ersten CD ist deutlich klar, dass man diesen langatmigen Schatten der Geschichte nicht klein- oder gar wegreden kann. Millionen Namen von Opfern des NS Regimes mahnen noch immer. "Leid verbindet." hat ein Berufsschullehrer von mir einst so wahrhaftig gesagt. Er hatte recht, denn die Tränen von Müttern, Vätern, Großeltern und Kindern kennen keinen Unterschied in zwischen Herkunft, Hautfarbe oder Konfession - der Tod eint letztlich alle Lebewesen. Für kein Lebewesen ist der Tod eine schmerzfreie Angelegenheit. Wenn man das begriffen hat, ist (aus meiner subjektiven Sicht) einer der Beweggründe bzw. eine der Botschaften dieses Hörspiels dem Ziel ein Stück nähergekommen, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf. Verleugnet oder vergisst man das Leid, das Hitler und seine geisteskranken Schergen gesät hat, vergisst man letztlich die eigene Zugehörigkeit zu einer vermeintlich intelligenten Spezie, die es mittlerweile begriffen haben- bzw. besser wissen sollte.

Rein Musikalisch gesehen sind die einzelnen Stücke die emotionale Verstärkung der ohnehin schon bedrückenden Geschichte, jedoch fühlt es sich auch teilweise paradox an, wenn z. B. die Stadt zum Diener der Lüge hergerichtet wird, und man sich fast schon "normale" Momente vorstellt. Normalität ist hier eine morastschwere Illusion, so viel steht letztlich felsenfest. 

Am Ende hat ein starkes Ensemble ein "Musikdrama gegen das Vergessen" -von Dr. Sarah Kass, Lars Hesse & Thomas Auerswald- geschaffen, das z. B. auch von Iris Berben (*Schauspielerin und Schirmherrin), Peter Heppner (*Musiker; Wolfsheim), Jade Schulz (*Musikerin), Michael Schulte (*Musiker; u. a. durch die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2018 bekannter geworden), Esther Bejarano (*Pianistin) und die bekannte Stimme von Erzähler Willi Hagemeier mitgetragen und verstärkt wurde. 

In diesem Fall werde ich keine Punktewertung vornehmen. Ich kann nur jedem/jeder empfehlen sich dieses Hörspiel zu Gemüte zu führen. Ich weiß mittlerweile, dass genaueres Hinsehen/Hinhören bzgl. der Geschichte manchmal einfach zum Selbstverständnis wirklicher Empathie und Zivilcourage gehört.

-/- Schafe Schüsse

(Lava Jam/Record Jet/Soulfood 2.018)

https://www.diekinderdertotenstadt.de/

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Danny B

Schaf Schüsse: 

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Eigene Bewertung: Keine

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UndTschuess