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THE TWINS "Living For The Future"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

06-2018

Label: 

Genre(s): 

In Zeiten, in denen Retro-Sounds der '80er Jahre kreiert bzw. wieder entstaubt werden und jede Menge einst bekannter, erfolgreicher Bands neue Erfolge feiern können (oder wollen), kommen auch Namen/Gesichter zurück ins Erinnerungszentrum. The Twins, die sich von Vorbildern wie Depeche Mode, Tubeway Army (Gary Numan) und Orchestral Manoeuvres In The Dark musikalisch beeinflussen ließen, feierten 1.984 ihren Zenit mit "A Wild Romance" und einer längeren Präsenz in den Media Control Charts hierzulande, sowie in den Schweizer Charts. Musikalisch waren The Twins im recht '80er Jahre typischen bezogenem (Synthie) Electro Pop angesiedelt, der allein schon an schrille Farben, "Miami Vice" Moden und große Discokugeln zu erinnern weiß, wenn man besagtes Album noch einmal Revue passieren lässt. 

"The Desert Place" (Lederkluft, eng anliegend und die quasi zum markanten Look zählenden Weißhemden, inkl. schwarzen Schlips), "Face to Face - Heart to Heart" (hier auch mal in typischen '80er Jahre Look; wenn auch subjektiv gesehen wie brave Popper-Schwiegersöhne einer besser betuchten Wohngegend West-Berlins) oder auch die weitbekannten Chartenterer "Not The Loving Kind", das musikalisch stark nach Bohlen Handschrift im Fahrtwasser vom Fancy Sound klingt, und "Ballet Dancer" stehen fest in der Reihe der '80er Discohits, die auch im Radio rauf- und runterliefen. 

Eine neue Albumveröffentlichung blieb seit "Live In Schweden" (*2.005) aus, was man nun mit "Living For The Future" zu ändern gedenkt. Blieb vorab just die Frage, ob The Twins auf die Wurzeln des Retrosounds setzen oder wie ihre Einflussgeber Depeche Mode auch Experimente wagen würden?

Bereits der Opener "Down In Key Largo" (Track 1) gibt eine Art Richtungshinweis und verortet de/die Hörer/-in direkt zurück die Disco-Pop Landschaft der '80er Jahre. Will heißen The Twins haben dem '80er Jahre Pop eine Frischzellenkur verpasst und bieten eine zeitgemäße, digital-hochwertige Produktion an. Dank des Know Hows dürfte dieser Opener bereits butterweich in viele Ohre fließen, sofern man denn auf diese Stilrichtung abfährt. Besagten Depeche Mode Einfluss kann man recht gut beispielhaft bei "Going To The Moon" (Track 2; Anspieltip I) nachvollziehen, dennoch bleibt genug Eigenmarke bestehen, die verhindert, dass man auch nur hauchweise an Kopie denkt. The Twins sind dafür auch etwas zu eigen. Vergleichbar fallen einem auch Camouflage als Stilnachbarn ein. Lässt der nächste Songtitel "All I Want To Do" (Track 3) gedanklich auch eher an Sheryl Crow denken, widerlegt allein schon das musikalische Konstrukt diesen Spontangedanken direkten Weges. Vom Song selbst bleibt es allerdings eher im durchschnittlichem Popbereich. 

Da beginnt "Marina Jones" (Track 4; Anspieltip II) schon deutlich interessanter, mit "No Limit" (*2 Unlimited) Trademarks bei den Keyboardtönen, nur eben definitiv viel langsamer im Tempo. Auf mehrere Durchläufe baut sich hier ein hartnäckiger-, jedoch leicht eingängiger Dauergast im Ohr auf. Dieser Song hätte in den '80er Jahren auf jeden Fall durchgechartet. Bleibt abzuwarten, ob das heutzutage noch funktioniert?! In ähnlich ruhiger, musikalischer Umgebung verbleibt auch "When I Lost You" (Track 5) und geht beim genauen Hinhören/Verstehen auch ein Stück weit unter die Haut. Teilballadeske Züge lassen den/die Hörer/-in mit dem Wind davondriften. Erst mit "So Wrong" (Track 6) kehren The Twins zu ihrer Art des dezent besetzten Electro Pop zurück. Auf längeren Hör hin, bleibt es eher gleichtönend, rein stilistisch. Abwechslung tut gerade in diesem Stilbereich not. Etwas mehr davon schaffen The Twins bei "At The End Of Love" (Track 7) mitzugeben. Leider klingt das gut Gedachte dennoch etwas zu mild und zu mainstreamnah arrangiert, zumindest für mein Gefühl. Dann lieber wieder Depeche Mode Stileinflüsse mit The Twins vermischt, wie das (erneut) bei "Can You Hear Me" (Track 8) der Fall ist. Wenn mir auch in den Songs noch immer zu wenig passiert und die Arrangements zu oft zu geradeaus gehen, anstatt auch mal einen Sprung ins Irgendwo zu wagen, werden diese Stücke sicher auch ihre dankbaren Ohren finden. Der etwas zu hoch gehaltene '80er Electro-Popgehalt macht es einfach schwierig an diese Stilblüten heranzukommen, was auch "Never Surrender" (Track 9) nicht zu ändern imstande ist. Dennoch funktionieren manche Beatunterlegungen auch heutzutage direkt auf den ersten Check hin - "You're Not The Only One" (Track 10; Anspieltip III). Angehörs dieses Stückes stellt sich einmal wieder die alte Frage nach dem "Less is more." Prinzip. Im Falle dieses Albums hätten weniger Songs einfach mehr Sinn gemacht. 

Positiv zu bemerken ist, dass in Richtung Albumfinale merklich mehr Facettenbreite aufkommt und die Songs besser durchdacht erscheinen. Zwar bleibt auch das Albumtitelstück "Living For The Future" (Track 11) eher im ruhigeren Schonkoststil mit dünn beeinflussten Depeche Mode Spuren, allerdings gewöhnen sich die Ohren ein wenig daran. Ob The Twins selbst zu "Ghosts Of Yesterday" (Track 12) werden, wird die Zeit selbst beantworten. Insgesamt gesehen bzw. gehört, hat mich dieses Album eher gelangweilt. Zu viel Foxtrott-Discokugel-Pop, zu wenig Experimentierfreude, zu wenig frischer Wind. Statt dessen lauer '80er Jahre Pop-Aufguß. Dafür dass man für die Zukunft lebt (lt. Albumtitel), war das hier Gebotene zu sehr von Vergangenem durchzogen.

Ich bin gespannt, ob das Buch "Die Abenteuer der Twins, Electronic Pop in den 80er Jahren" von Sven Dohrow (The Twins) unterhaltsamer abschneidet? Dazu dann mehr in der betreffenden Review.

3,5/10 Schafe Schüsse

(Monopol/DA Music 2.018)

http://the-twins.de/

https://www.facebook.com/thetwinsberlin

Danny B

Schaf Schüsse: 

3
Eigene Bewertung: 3

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