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THWART "Once Human"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

11-2018

Label: 

Genre(s): 

Auch bei uns in Berlin gibt es sie noch, diese Bands, von denen du vorab nie gehört hast. Naja wie auch, wenn sie (wie im Fall von Thwart) gerade mal seit 2.017 bestehen?! Von dem ganzen "female-fronted" Gedöns fange ich jetzt nicht (wie viele Kollegen der Schreiberzunft) an. A) hört man klar raus, dass hier 'ne Frau am Mikro ist und b) ist letztlich der Gesamteindruck einer Band entscheidend. Im Fall von Thwart erscheint es mir als eine Art Funfact, dass ich keinen aus der Band je irgendwo vorher gesehen oder (bewusst) gehört habe. Underground Newcomer also? Lange Rede, einfacher Sinn in bandeigenem Wortlaut: "Melodic Thrash Metal".

Schon die Titelgebung des Albums, das auch mit dem Albumtitelsong "Once Human" (Track 1) durchstartet, hat etwas für sich. Eine tiefgreifend gute Frage im Unterholz... "Waren wie je wirklich menschlich?" (im Sinne von empathisch) - zumindest geht mir diese Frage durch den Kopf, während Thwart ein Soundgemisch aus den frühen Cripper mit etwas höherem Anteil Kittie (in den reiferen, späteren Jahren) auffahren, die auch via Klopperparts in die Death Metal Regionen vorschnuppern. Sängerin Secil Sen bringt ihr Können schon in diesem Opener sehr facettenreich breit aufgestellt unter und weiß u. a. auch mit klaren Gesängen vorzupunkten. Besonders der markant rohe Gitarrensound hat etwas für sich und wird ein wenig zur markanten Kernsäule, auch bei "Borders" (Track 2), das stilistisch mit Heavy Elementen spielt, klassisches Soli inklusive. Fakt ist, dass ein Kirk Hammett hier gitarrentechnisch genauso drinsteckt wie modernere Frickelkapellen wie Trivium z. B. - handwerklich steht hier also etwas. Dass erst mit "Violent Self" (Track 3; Anspieltip I) die sofortzündende Catchiness mit ordentlich Schub in die Bude geballert wird, lasse ich mal frei interpretierbar so stehen. Auch hier hat man den Death Metal mit kraftvollem Spiel in ein amtliches Thrash Metal Stahlbad eingelassen (vor allem dank Drummer Philipp Reif; nebst Gesang) , dass nicht nur in meinen Ohren auf Gegenliebe stoßen dürfte. Vom Gesang her reicht die Bandbreite von Melodic Heavy Rock bis zum Thrash/Death/Screamo, was auch bei "Parasite" (Track 4) mitfährt. In den kleinen Momentstellen erinnert man sich kurz an Orphan Hate zurück, deren Klargesänge jedoch anders geartet waren. Die Stücke von Thwart brauchen etwas Zeit, um sich zu entfalten, gerade weil die Band schon etwas mehr reingesteckt hat. 

Wie gesagt, wer an den ausgereiften Kittie Stücken Gefallen gefunden hat, der/die dürfte auch mit Thwart warm werden. Vor allem "Season Of Fire" (Track 5; Anspieltip II), das von satten Drumteppichen unterfüttert zu einem Ohrwurm mutieren kann, zeigt sich zwar eher Heavy affin, bringt dabei aber erstaunlich viel Eingängigkeit in die Waagschale. Es geht hierbei teilweise episch bis atmosphärisch zu. "Enemy" (Track 6) hingegen entpuppt sich nach quasi unentschiedenem Beginn als Uptemposteilgänger und wächst zu einem fiesen Mosherbiest an. Ähnlich wie zu Beginn, endet das Stück auch eher einfach auslaufend. Thwart wissen die Motten zum Umzug zu bewegen. Der hohe Thrash Part Anteil auf diesem Album, sowie die teils auch Metalcore offenen Screaming-Wechselgesänge (in Abwechslung mit Clean Vocals) wissen "Once Human" eine gewisse Grundwürzung mitzugeben - "World Inside" (Track 7). Manchmal wirken die Stücke zwar etwas langatmig, das jedoch pegelt sich ein wenig ein mit zunehmenden Durchläufen. Man hat auf jeden Fall diverse Thrash Ausrichtungen in petto. Old-, sowie New School finden hier ihren Raum. Dennoch hat man stellenweise ein wenig das Gefühl, dass vor allem die Clean Vocal Passagen ein wenig dominant neben den Instrumenten laufen. Das funktioniert zwar bei bestimmten Parts, jedoch nicht immer - "To The Exit" (Track 8). Seltsamerweise ist das bei den härter ausgelegten Screaming/Growling Parts nicht so - "No Way Out" (Track 9; Anspieltip III). Vom Bollwerkfaktor ist "Veil Yourself" (Track 10) auch ganz weit vorn dabei und dürfte vor allem Live für 'nen amtlichen Moshpit sorgen, in dem amtlich die Luft geschnitten wird, trotz eingebauter Parts zum kurzen Durchatmen, die in Richtung Midtempo schielen. 

"Apocalypse" (Track 11) dürfte einigen vielleicht schon vom Videoclip her bekannt sein. Hier fahren Thwart nicht nur 'nen amtlichen Headbanger vor, nebst Single-Qualitäten, sondern lassen auch Kompakt so ziemlich alle Eckpfeilerfacetten von "Once Human" hören. Zum Antesten also perfekt geeignet, bevor "Illusions" (Track 12) den Schlusspunkt hinter ein echt vielschichtiges Debütalbum setzt, das auf einigen Ebenen etwas zu bieten hat. 

V.Ö.: 14.12.18


7,65/10 Schafe Schüsse

(Thwart/Distrokid  2.018)

https://www.thwartband.com/?fbclid=IwAR2kwUiRZN0uPK93jyNQ8y_u3wL3HNHdLx-...

https://www.facebook.com/thwartband/

Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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