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TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN "Zwischenwelt"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

06-2019

Label: 

Genre(s): 

Die Metal, Hardcore/X-Over verbindenden NRW'ler von Tausend Löwen Unter Feinden kennen die genrefesten, zugeneigten Ohren natürlich längst, sofern denn noch Platz und open Mind vorhanden ist, um "jüngere" Bands dieser Stilblüten mal anzutesten. 2.014 gegründet und mittlerweile auch mit einer recht amtlichen Follower/Liker Gemeinschaft an Interessierten im Rücken, stehen die Weichen für das fünfte TLUF Release (Singles/EPs inkl.) titels "Zwischenwelt" ziemlich gut, um den Bandnamen noch weiter in den Rotationsumlauf zu bringen. 

Albumtechnisch befinden sich TFUL meines Wissens aktuell auf dem Level des zweiten Full Length-Releases. Geht man von der allgemeingängigen "Drei-Album-Regel" aus, die zum Kernsound einer Band führen soll, dürfte "Zwischenwelt" (so viel vorweg) an dieser Regel kratzen und ein gutes Kontraargument sein. Schon das deutlich Eyecatcher-zungeigtere Coverartwork im klassischen Gemäldestil, das an große kulturelle Epochen wie der von Goethe und dessen "Faust" z. B. erinnert und direkt einen leicht mystischen Touch mitgibt, macht eine Weiterentwicklung schon vorab visuell deutlich. Das könnte, etwas frei interpretiert, auch gut auf die derzeitig empfundene Lage in Europa-, wenn nicht sogar global gesehen, passen. Und vielleicht liegt dieser Gedanke gar nicht allzu fern? Vielleicht befindet sich unser aller Geschichte gerade an einem Punkt, der mit einer Art beginnenden "Umbruch/Aufbruch" via einer Art "Zwischenwelt" einhergeht? So gesehen, dürfte dieses Album eine Schippe mehr Gedankenstoff hergeben. TFUL umschreiben ihre Intension hinter dem Albumkonzept in eigenen Worten wie folgt: "Unumgänglichkeit der Vergänglichkeit. Der Protagonist fühlt sich in der Gegenwart gefangen wie in einer Zwischenwelt. Er sieht sich konfrontiert mit den Missständen der Gesellschaft, der Überheblichkeit der Menschheit und einem fortschreitenden Wandel, der die Grenzen des Erfassbaren für den Einzelnen sprengt..."

Vom "Stillstand" (Track 1) aus setzen TFUL mit ihrem Sprung in den Stromlauf an. Leider liegen mir aktuell keinerlei Texte vor, so dass ich bestenfalls ein paar Textfetzen herausfischen kann, was nicht immer ist. Musikalisch macht der Opener direkt Sympathie gut und erinnert mich stellenweise in weiter Entfernung etwas an die kultigen Such A Surge, allerdings wirklich nur stellenweise! "Transzendenz" (Track 2) hingegen beginnt auf Leihsaiten des GK, biegt aber dank eigener Läufe ab und bringt stilistisch gesehen bzw. so empfunden eher X-Over-Züge, denn Hardcore, aus den '90ern mit. Das Albumtitelstück "Zwischenwelt" (Track 3; Anspieltip I) packt dabei noch eine Schippe mehr Wut/Attitüde aus und legt "Staub zu Staub" frei, trotz der knappen Spiellänge von nur 1:38 Minute, was bei einigen Hardcore Alben früherer Tage zum guten Ton gehörte. ;-) Ob das jedoch reicht um von glasklaren Hardcore zu sprechen, sei Jedem/Jeder selbst überlassen. 

Aus dem übrigen Staub scheint sich tatsächlich konzeptdienlich "Geister" (Track 4; Anspieltip II) zu erheben. Als hätten TFUL meine Gedanken voraussehen können, geht hier mehr Hardcoreanteil mit, während sogar punkige Crossoverläufe Teil des Gesamtarrangements sind. Die Produktion lässt dabei einen messerscharfen, ausgewogenen Sound ins Rund laufen, der tatsächlich Bock macht. Ich nehme besonders bei "Wahrheit" (Track 5) deutlich mehr vom Text wahr, von "Kampf.." und "...von der Stimme in mir drin... es ist wahr... wir sind schuld" ist die Rede, was glaubwürdig pissed rüberkommt und dem Stück selbst zuspielt, weil es dadurch besonders hervorsticht. Von der Schuld geht es zur kollektiven Freiheit, die in "Wahl" (Track 6; Anspieltip III) thematisiert wird. Vom Timing her hätte dieses Album vielleicht sogar vor der kürzlichen EU Wahl noch mehr Sinn gemacht? Aber das mag just eine subjektive Annahme meinerseits sein, denn die Kraft, die "Wahl" innewohnt, bleibt ja zeitlos erhalten. Ein saustarkes Stück, das nach hinten raus mit mehr Abwechslungsreichtum punktet. 

Mit jeden Stück scheint dieses Album mehr Drive zuzulegen und scheint mit "Neue Geschichten" (Track 7; Anspieltip IV) auch für die Bandentwicklung zu stehen. Erneut treffen Such A Surge mit präzisem Einschlag momentweise den Ohrwurm und schicken ihn mit TLUF Schmackes durch die Gehörgänge. Selbst Thrash Metal Anleihen der Thrash Ikonen Slayer kommen zu Beginn von "Verantwortung" (Track 8) zum Zuge, was den Kantenzuschlag spätestens jetzt mitgibt. Insgesamt erinnern TLUF hierbei sogar etwas an Hatebreed, was aber kein Schaden, sondern viel mehr als Gewinn anmerkend zu verbuchen ist. Dass man dann und wann auch öfter mal Metal hört, wird durch die ersten Klänge von "Rattenkönig" (Track 9) noch einmal mehr unterstrichen. Damit kann man TLUF locker zwischen Metalcore/Hardcore und X-Over verorten, ohne sie auf eine bestimmte Schublade zu reduzieren. 

Auch das ordentlich schiebende "Kraft" (Track 10; Anspieltip V) strafft die Ketten bis zum Reißen. "Kraft" liegt dabei, trotz 1:36 Minute Kürze, sogar Singleauskopplungspotenzial inne, während "Freunde" (Track 11) in folge eher der thrashige Mottenabklopfer ist, trotz Herz im Textfutter. Erst nach hinten raus, bzw. ab Songmitte in etwa, entspannt sich das Stück etwas. Unter der fetten Headline "Freiheit" (Track 12) malen TLUF im Finale den Horizont etwas farbiger. Man kann sich anhand dieses Albums auf anstehende Konzerte freuen bei denen TLUF mit hoher Wahrscheinlichkeit ordentlich Energie ins Rund brettern werden. Ein wirklich starkes Album, das ein gutes Argument dafür ist, dass im Hardcore/X-Over/Metalcore noch lange kein Stillstand zu verzeichnen ist.

V.Ö.: 14.06.19

 

7,85/10 Schafe Schüsse

(Swell Creek Records/Soulfood 2.019)

http://www.tluf.de/?fbclid=IwAR1MZMWUnEQwcLD72PXDGzuETy690xB2BSk3gFN_9bS...

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Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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