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Seetöne & (lebendige) Träume

Seetöne. 

Wie sich Träume anfühlen, wenn man sie lebt.

"Noch ein letzter Blick zurück und dann warten was noch kommt, weil schon zu viel gegangen ist, letzte Ausfahrt längst verpasst und 'ne Weile geradeaus, ist die letzte Konsequenz, nur hauptsache hier raus..." (aus "[kein Hoyzer]...alles echt"; Backstreet Noise) - so in etwa fing das alles an. Es war Sommer 2.015, mein Herz hatte sich ohne den Verstand konsultiert zu haben einfach selbst verschenkt. Klar, Gegenwehr war viel da, man(n) wollte es ja nicht so recht wahrhaben, weil man noch zu gut wusste was es beim letzten Wagnis alles an Narben eingebracht hatte, doch wenn ein Lächeln von der Lichtkraft tausender Sonnen einen Löwen auf solch' eine Weise zu umfahren weiß, muss man(n) erst einmal standhalten können! Ein ähnliches Unding wäre, wenn ein Softeis bei knapp 40° im Schatten nicht schmelzen würde.

Irgendwann kommt der Punkt an dem es du genießt, ohne Gedanken an morgen, ohne Gedanken wohin es (ent-)führen würde. Spätestens da greift der so wahre Spruch "Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht versteht.". Ohne dass du es steuern/kontrollieren kannst, packt es- und verschnürt dich, unkaputtbar und versandfertig, wohin auch immer diese Reise führen würde. Du folgst wie ein blind umherirrender, lässt dich darauf ein wirklich voll und ganz zu leben, immer auf dem Beifahrersitz das Risiko den Verstand zu verlieren, aber eben auch etwas zu (er-)leben, das mit nichts vorher dagewesenem vergleichbar ist, etwas für das man erst einmal Worte (er-)finden muss. 

Du erlebst was wirkliche Freiheit, wahrhaftiges (Er-)Leben bedeutet. Wie ein Ausgehungerter nimmst du jeden Krümel (Er-)Leben dankbar an und du sehnsüchtelst nach mehr, jeden einzelnen Tag, an dem du an diesen einen Menschen denkst. Über Monate hinweg vergeht kein Tag ohne Gedanken an das Paradies, das du gemeinsam mit diesem einen Menschen erlebtest, ohne dass du es bewusst so steuerst, es bahnt sich einfach seinen Weg -was wunderschön, aber auch grausam zermürbend sein kann-. Du nimmst erstmals deine sonst gewohnte Umgebung ernsthaft aus anderen Blickwinkeln wahr und stellst fest, dass diese von Oberflächlichkeiten, von Schnelllebigkeiten im Überschalltempo regiert wird. Keine Zeit für wahrhaftige Tiefe, jedenfalls grösstenteils. 

Allein die Gerüche - ein Cocktail aus kalter, abgedrückter Pisse, heißen Reifen, Asphalt, Autosmog und kaltem Schweiß, der auch durch die dicksten Synthetikschichten dringt, um ungefragt die Geruchsorgane zu penetrieren. Ganz anders als am paradiesischen Meer, wo das Salz in der Luft die süßliche Würze im Erleben ergänzte und die Schreie der Möwen einer Symphonie des Glückes glichen. Notierungen von echten Wundern zu Fuße der Wellen, die sanftmütig die Füße umspülten und ein Spiel mit dem Sand zwischen Zehenspitzen vollführten. Ebbe und Flut im Minimalgefühl mit maximalen Effekt. Du gehst Seite an Seite mit einem dir eigentlich völlig fremden Menschen, der jede Festung, jede Mauer um dein Herz mit einem bloßen Lächeln wegsprengt als sei diese nicht etwa Felsgestein, sondern aus Styropor. Wie gesagt Gegenwehr zwecklos, also geniesst du, auch weil es das schönste "Übel" zwischen Welt und Zeitlosigkeit ist. 

Dieser eine Mensch, der dir wie von Engeln geschickt- und auf teilweise erschreckende-, ja fast beängstigende Weise erscheint und dir die Definition von natürlichem Grün neu bei-/näherbringt und fähig ist dich zum tiefsten, inneren Kernpunkt in dir selbst zu führen, ohne dass das Gegenüber auch nur erahnen kann, was du in all' den gemeinsamen Momenten an Glück erlebst, welches Dauerkribbeln Schmetterlingschwärme in der Magen-/Herzgegend dir innendrin bescheren, ma(n) kann sich angefühls solcher Erfahrungen nur wie ein vom Leben reich beschenkter fühlen. Und es hört im Grunde niemals auf, weil all' jene erlebten Momente wahrhaft unsterblich sind. Kein Mensch auf dieser Welt kann dir das je wieder nehmen, es bleibt in/bei dir bis zum finalen Ende. Saved forever quasi.

Dem gegenüber stehen Tage des Sehnsuchtshungers, Tage und Nächte, die genauso unbeschreiblich sind und dir sogar physisch so ziemlich alles abverlangen. Die Definierbarkeit des Wortes "Einsam" erfährt in den Tagen des Sehnsuchtsdurstes eine austrocknende Höllenebene, dass du das Gefühl hast dein Herz würde jeden Tag auf's Neue mit einem Flammenwerfer ausgeräuchert/zwangsrenoviert. Flammbiert, nahezu ausgebrannt, immer in der Nähe der Enden des Erträglichen/Tragbaren und trotzdem folgst du diesen Wegen tausender Meilen durch jede einzelne Emotionsfacettennuance. 

Du läufst wie ein unbewohnter Scheingeist durch Berlin, hörst in jedem Song ihren Namen und den Ruf der fernen See gemeinsam erlebter Ufer. Dein Herz hat längst entschieden, nur dein Verstand braucht noch etwas Zeit, um sich den noch immer lebendigen Punkgeist der Risikokarte einzugestehen. Alles auf volle Fahrt voraus. Du kämpfst dich durch den Sumpf des Ämterdschungels, nimmst jeden Tiefschlag von Absagen von gut 120 Bewerbungen in den verschiedensten Bereichen über Monate hinweg lächelnd inkauf und deutest mit einem Fingerzeig bildlich auf dich und willst ihnen allen "Immer mitten in die Fresse rein!" entgegenschmettern, weil du diesen neuen Optimismus, diesen unerschütterlichen Glauben daran hast, dass diese eine Mal im Leben alles gut wird. Nichts kann dich noch aufhalten, denn wenn ein Löwenherz erst einmal Gründe hat, dann sollte man besser nicht auf die Jagd nach Löwen gehen. 

Und immer in den kleinen Hartkernmomenten zwischendrin, wenn du mal etwas außer Atem gekommen bist und dein Asthma (an-)greift, steht deine dir zugedachte Zahl irgendwo direkt vor Augen, wie ein Wink von oben, der dir sagen will "Alles wird gut. Hab' vertrauen!" - ich weiß, es mag sich schräg lesen, aber genau so war es. All' das ließ mich meinem Herzen folgen. Herzenswege sind immer die besten, ganz egal wie sie auch ausgehen mögen, weil sie ECHT sind.

8 Monate voller Kampf, Berg- & Talachterbahnfahrten. 8 Monate voller Entbehrungen, Tränen, Schweiß, Lachen/Lächeln, Schreibfluten und dem (Hoch-)Gefühl, dass es richtig ist, was man da gerade tut. Alles ist auf dem Weg. Der Kampf um den biggest Dream ever. Und dann ist er da, der Tag an dem alles neu beginnt. Der Tag an dem du nach ca. 17 Jahren umziehst und dir erst am späten Abend des Umzugs bewusst wird, dass das alles kein langer, langer Traum war, sondern die vom Leben selbst geschriebene Realität ist. Du sitzt da, mitten in der eigentlich fremden Stadt und blickst still schweigend aus dem Fenster. Die Stimme der Frau deiner buntesten Träume ist mit ihr in die Nacht entschwunden. Der Ausgang dieses gefühlten Märchen völlig ungewiss. Du sitzt da und blickst inmitten dieser neuartigen Einsamkeit aus dem Fenster. Ausgang ungewiss. Keine Ahnung was das Leben mit dir vorhat. Alles, was du weißt, folgt keinem Gesetz von greifbarer Sicherheit. Kein Netz, kein doppelter Boden, nur noch Risiko pur. Leben in purster Form. Ungeschliffen, roh, kantig, aber echt, authentisch, fern von Hollywood-Happy-Endings und auf jeden Fall ehrlich und aufrichtig. Das volle Brett an Hin- und Herreißerischen, mittendrin im Orkanzentrum des Unkalkulierbaren. Hier lebe und atme ich. Und vielleicht wache ich eines Tages auf, in einem Boot (vielleicht mit Leck?), irgendwo da draussen auf dem Meer. 

Alles, was ich weiß, ist, dass ich meinem Herzen gefolgt bin, allen Ämterhürden zum Trotz und dank eines unsagbaren-, menschlich-personifizierten Wunders am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, konnte ich auch den finanziellen Eisberg bezwingen, um meinem Traum zumindest ein grosses Stück näherzukommen, wenngleich sich mir kein Glück der Welt je einfach so geschenkt hat. Ich bin einer derer, die sich das kleine (große) Glück immer schon erkämpfen mussten. Aber ich möchte kein Mitleid, denn es geht mir genau genommen doch sehr gut. Ich habe meine Traumwohnung bekommen, habe einen okayen Job, der es mir erlaubt ein paar kleine Neuerungen zu erstehen, es mir dabei aber auch erlaubt Bedürftigen (Tieren & Menschen) etwas mehr abgeben zu können, da ich selbst nicht viel an Materiellem brauche. 

Alles andere obliegt den Wegen des Lebens. Nach allem Erlebten fühle ich mich am Ende (wie bereits erwähnt) reich beschenkt, weil ich ein wirkliches Wunder erleben durfte. 

Ein guter Start in ein noch junges Jahr. 

 

P.S.: Der Jahresrück(en)Blick auf 2.015 folgt natürlich baldmöglichst. Derzeit gibt es noch einige bürokratische Dinge hier zu regeln, die einiges an Zeit einfordern. 

In diesem Sinne, 

Euer Danny B.                 

Kommentare

Hallo Danny,

Hallo Danny,
dein Beitrag ist sehr schön geschrieben, vom Leben geschrieben, so wie es nun mal ist. Ich hätte sowas nicht erwartet.
Wünsche Dir in HRO alles Gute. Wir sehen uns bei Ca....

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UndTschuess