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SCHAFE SCHÜSSE, Februar 2.019

Schafe Schüsse aus Berlin

Februar 2.019

"Das mit dem Kennenlernen heutzutage..."

Wieder einmal sitze ich an einem dieser Abende da und vergegenwärtige mir wen man so alles seit einigen Jahren (ggf. Monaten) im Herzen mit sich überall hin nimmt. Man überlegt wie man den- oder diejenige(n) kennenlernte und sieht sich der Frage gegenüber wie man heutzutage Menschen kennenlernt. Man wird sich all' der Vorsicht, dem Misstrauen bewusst, das sich bei einem selbst hier und da längst bis tief ins seelische Futter reingefressen hat. Teil dieser Zeiten. Vielleicht auch Resultat einiger gesammelter Narben. Die Zeit ist wahrlich ein schneller Dieb, der dir nur all' die Erinnerungen lässt. Immerhin.

Man erinnert sich als '76 Geborener an all' die Eindrücke der '80er- und '90er Jahre zurück, all' den frühen Pubertätswahnsinn, der wie Saft aus den Lenden schoß, was nicht selten mit Erstaunen einherging. Man erinnert sich wie es in der eigenen Jugend so war, wenn man neue Leute kennenlernte, wie oft man z. B. für ein Mädel von Interesse zur einzigen Telefonzelle in der Kleinstadt stapfte (und das bei JEDEM Wetter), lässig 'ne Kippe im Mundwinkel mitführte als wäre man Slash oder Sid Vicious höchstselbst. Das bisschen Kleingeld (nicht selten Taschengeld oder von gelegentlichen Geschäftchen), das man sich mühsam zusammengespart hatte und für Telefonate ausgab, um auszumachen, wo man sich am nächsten Weekend sehen würde. 

Nicht selten trampte ich dann bei jedweden Wind und Wetter munter durch Thüringen, wo ich aufwuchs. Manch' weite Strecke legte ich manchmal (jedoch selten) auch mal per Zug zurück. All' dem gegenüber blicke ich mich inner-gedanklich um - MySpace, Facebook, ICQ, Skype, Yahoo, Google+... unzählige Kommunikationswege, die allesamt ohne Internet nicht wären. Ich erinnere mich an mein unverschämt teures, erstes Handy in der Drehe 1.997 rum, mit ausziehbarer Antenne. 

Viel grundlegender läuft mir kreisartig wie ein Mantra die Frage durch den Kopf, ob die Menschen heutzutage überhaupt noch fähig und/oder gewillt sind, sich Zeit zu nehmen einen Menschen WIRKLICH kennenzulernen? Briefe schreibt kaum noch wer, obwohl ich das seit einigen Jahren tatsächlich für mich wiederentdeckt habe, aber viel zu selten dazu komme. Den "neuen" Menschen zu hinterfragen, auf ihn/sie einzugehen, ein wenig herauszufiltern warum ein Mensch ist wie er/sie ist und so oder so handelt. Oder sind wir alle bereits kollektiv Mitgerissende im Strudelsog? Sklaven/Gefangene der Highspeedzeit?  

Umso mehr ich meinen Gedanken durch die tieferen Retrospektivwälder folge, erinnere ich mich an so manche/-n zurück, der/die weiterging und mit dem eigenen Leben weiter-/davonzog wie ein Durchreisender und die immer öfter- & schneller wegbrechende Fähigkeit, bzw. die fehlende Zeit neue Menschen zu hinterfragen, ihnen mit Geduld und Verständnis zu begegnen. Der Geduldsfaden verkümmerte über die Jahre scheinbar bei vielen, bzw. verwandeklte sich bei manchen zu einer Zündschnur. Zu viel Überforderung, zu viel Erwartungsanspruch aus anderen Lebensbereichen (vor allem im Job) - ergo: die schleichende Pest des kollektiv Burnouts, der Überforderung, was im Stillen hinter verschlossenen Türen seinen Anfang nimmt. Hinzukommt das neuerliche Bedürfnis zu vieler, dass man etwas gelten will. Jede/-r hat Talente, gewiss. Bekommt eine/-r mal kein größeres, öffentliches Podium, sprich keinen Applaus im Form von Likes, was passiert dann oft? Genau, Neid und Missgunst schleichen sich ein und werden als Zielgeschosse durch die Kommentarfelder geschossen, um etwas zu kompensieren, das in Schräglage gekommen ist. Nicht selten im Glauben anonym zu sein. 

Warum eigentlich zu oft anonym? Stehen heutzutage weniger Menschen zu ihrer (nicht selten unfelektierten) Meinung? Ich persönlich nehme mittlerweile öfter das Phänomen wahr, dass manche tatsächlich an irgendeinen unreflektierten-, ihnen regelrecht eingetrichterten Bullshit glauben und diesen dann auch noch wiederkäuen, nur um irgendetwas von sich zu geben. Menschen (ver-)ändern sich und das nicht immer zwingend zum Guten hin. Klar, sie gehen ihre Wege, biegen nicht selten ab und sind aus dem Sichtfeld verschwunden. Manchmal für Jahre oder Jahrzehnte. Manche landeten sogar in einer Sackgasse und sind den "Stairway to Heaven" gegangen. Ein Weg ohne Wiederkehr. Unveränderbar. Für alle Zeiten. Und das alles "nur", weil man sich aus den Augen verloren hatte, irgendwo abgebogen ist, als man sich Wege suchte, vielleicht aber zu wenig hinterfragte. Paradoxerweise hinterfragt man am Ende viel mehr, wenn ein Mensch unsere Lebenswege verlassen hat. Es gibt eben Dinge, die man nirgends zu kaufen bekommt. Manchmal unabänderbare Dinge. 

An diesem Punkt kehrt man zurück zu der Frage WIE die Menschen (vor allem die Jüngeren) sich heutzutage einander annähern, sich kennenlernen? Es ist schließlich ihre Zeit. (ohne dass mich jetzt zwingend als "alt" empfinde) Von der Zeit, die gerade stattfindet, werden sie in 10-20 Jahren noch ein wenig zehren. 

Ich stelle es mir nur so verdammt schwierig vor, denn heutzutage löscht man die Nummer-, die vermeintlich neue (manchmal auch alte) "Freundschaft" wesentlich schneller, bzw. ist man dazu geneigt, weil es Menschen im Überangebot zu geben scheint, zumindest in den Großstädten. 

Vielleicht gibt es wegen der Suggestion der Austauschbarkeit, diesem vermeintlichen "Überangebot" auch kaum noch den Willen etwas zu erfragen oder Missverständnisse direkt sachlich zu klären? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. 

Ich frage mich wahrscheinlich nur zu vieles und das auch noch zu oft?! Eine etwas unglückliche Kombination, die ich letztlich dennoch positiv zu nutzen versuche. Solange ich denke, bin ich. Und solange ich mich und mein Umfeld (also demnach auch die Gesellschaft; auch global gesehen) reflektiere, stumpfe ich (hoffentlich) nicht ab. Cogito ergo sum, bzw. ego cogito, ergo sum. I Think. So I Am (still) alive.

Nun ja Denken ist das eine, Fühlen das Andere. Beides kann harmonieren, muss es aber nicht zwingend. Das Bauchgefühl jedenfalls hat mir mehr Wege eröffnet als der bloße Verstand in seiner Gedankenkonstante. Ich schätze, dass man mit "weise sein" eigentlich meint, wenn Erfahrung, Verstand, Herz und Bauchgefühl im Einklang verständlicher Worte einen Punkt treffen, ohne dass es weh tut. Vielleicht liege ich aber auch äonenweit entfernt im gedanklichen Brachland der Art von Typen, die man früher allgemeinhin als "Verlierer, Loser, Aussätzige, Spinner, Versager..." oder was weiß ich nicht alles bezeichnet hat. Wie auch immer dem sei, was auch immer wirklich wahr sein möge, am Ende bin ich froh, die für mich richtigen Menschen in mein Leben gelassen zu haben, bzw. noch immer die reinzulassen, bei denen mir mein Bauchgefühl diese Art von Freude/zu Hause ins Herz pumpt. 

In diesem Sinne sch(li)ieße ich meine Gedanken nun für heute ab. Auch wenn ich mich trotzdem noch frage wie Ihr alle das so macht/haltet? Wie Ihr wohl mit den "neueren"- oder auch den bereits bekannten-, aber veränderten Menschen in Eurem Leben umgeht?

Euer Danny B.

 

Playlist des Monats 

(*wird bis zum 31.02. aktualisiert; SPAß! natürlicb bis zum 28.02.19 ;-) )

 

Alben/ Musik DVDs/Livestream Shows

* Review hier auf schafe-schuesse.de

** Review zu diesem Album ist in einer Fatal Underground Ausgabe oder beim Eternity Magazin zu finden

- Moses Pelham "Live @ E.ON München (17.01.2019)" [Full Livestream via YouTube] (2.018; Hip Hop) 

- The Dying Art "Wintersaat" (1.996; Gothic Rock)

- Walls Of Jericho "En Vivo Rock Al Parque 2018" [Full Livestream via YouTube] (2.018; Hardcore/Metalcore/X-Over) 

 

New(er) Stuff at my horizon

- BillyBio "Feed The Fire" (2.018; Hardcore/X-Over)*

- Bloodsucking Zombies From Outer Space "All These Fiendish Things" (2.019; HorrorPunk/Billy/Rock)

- Cryptopsy "The Book Of Suffering, Tome II" [EP] (2.018; Technical High Speed Death Metal)*

- Distillator & Space Chaser "Split" (2.018; Thrash/Speed Metal)

- Inspierty "Constellation" (2.019; Epic Rock)*

- Mastic Scum "Rage" [DVD] (2.016; Brutal Death Metal/Grind)

- Männi "Mir tut alles weh" (2.019; )

- Reverend Horton Heat "Whole New Life" (2.018; Country Rock/Rock 'N' Roll/Rockabilly/Psychobilly)*

- Spoonhead "Mindblow" (2.018; Melodic Hard Rock/Metal)*

- Stone Blue Electric "Speaking Volumes" 

- V.A., "Compendium Of Metal, Vol. 11" (2.018; Metal)*

- V.A., "Soli, Kältemonster" (2.018; Minimal Electro/Fusion)*

 

Einzelsongs (Shuffle Mode)

*z. T. sind mit [via YouTube] auch offizielle Videoclips gemeint

- Larkin Poe "Boys Of Summer" (Don Henley/Mike Campbell Cover) [via YouTube]

- Vltimas "Diabolus Est Sanguis" [via YouTube]

- Walls Of Jericho "A Trigger Full Of Promises" 

 

 Bücher, Mags, Fanzines & sonstiger Lesestoff

- (Leonard) Cohen "Das Lieblingsspiel, Gedichte/Lieder, Schöne Verlierer" [Zweitausendeins/Produktion Greno GmbH] (Buch; 1.978)

- Fatal Underground, No. 51 [D.I.Y. Fanzine] (2.018)

http://www.fatal-underground.de/

 

schwarz-schafes RELEASE(S) und LIVESTREAM-PERFORMANCE DES MONATS 

- Moses Pelham "Live @ E.ON München (17.01.2019)" 

- Suicidal Tendencies "Get Your Fight On" [EP] (2.018; Skate Punk/Crossover)

 

schwarz-schafe Einzelsong TOP 2 des Monats

- Larkin Poe "Boys Of Summer" (Don Henley/Mike Campbell Cover)

- Vltimas "Diabolus Est Sanguis"

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