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REVEREND HORTON HEAT "Whole New Life"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

11-2018

Label: 

Genre(s): 

Reverend Horton Heat ist eingefleischten Psycho- und Rock-A-Billys ein geläufiger Name, der auch mit entsprechenden Mucken verknüpft ist. Abseits dieser eher für sich alleinstehenden Subkultur/-en (die sich oft voneinander abgrenzen und dennoch eng miteinander verbunden sind) kennt man die Texaner aus Dallas nicht unbedingt. Ein Nischendasein? Das mag jede/-r für sich selbst herausfinden. 

Zu den Fakten. Jim "Reverend Horton" Heath, der sich bis 1.989 eher Solo durch die Clubs und Venues spielte, legte den Grundstein bereits 1.985, erst 1.989 formierte er eine Bandbesetzung. Bezeichnenderweise wurde die Band von dem eher aus Grunge Gefilden bekannten-, amerikanischem Label Sub Pop (*u. a. hatten Sub Pop die frühen Nirvana unter Vertrag) gesigned und veröffentlichen zu Beginn der '90er ihr Debütalbum. In Amerika konnten vor allem die Alben "It's Martini Time" (*1.996) und "Space Heater" (*1.998) beachtliche Chartplatzierungen einfahren. Auch diverse Soundtrackbeiträge für u. a. "The Flintstones in Viva Rock Vegas" (*2.000) oder die Kulttrickfilmserie "Johnny Bravo" (*1.997-2.004) brachten zusätzlich Schub in die Bandkarriere. 

Zuletzt kam 2.014 mit "Rev" das 13. Release über die Ziellinie, 4 Jahre später ging nun kürzlich das Folgealbum "Whole New Life" ebenso ins Ziel und möchte Gehör finden. Vereinzelt habe ich im Laufe der Jahre schon das ein oder andere Stück der Band vernommen und fand durchaus gefallen an der Mucke, Zeit also sich mal über die volle Distanz mit der Mucke der Texaner zu befassen. In klassischem 50er Jahre Comic/Carton Style verpackt, geht es bereits mit dem Albumtitelstück "Whole New Life" (Track 1; Anspieltip I) als Türöffner los. Country beeinflusster Rock, der direkt in die Beine geht und lockerleicht rüberkommt. Vermutlich hätte Lemmy (R.I.P.) seine helle Freude an diesem Einstieg gehabt, der ganz klar auf den Ursound von Little Richard, Chuck Berry (R.I.P.) und Eddie Cochran (R.I.P.) u. a. zurückgeht. Just die Produktion ist defintiv in (this) time. Auch Blues-ige Notierungen, wie sie einst Elvis Presley (R.I.P.) salonfähig machte, finden sich bereits an früher Albumstelle mit "Hog Tyin' Woman" (Track 2), so dass auch etwas B. B. King School mitfließt. Vor allem die Country Nuancen, die "Hate To See You Cry" (Track 3) mitbringt und an den modernen Johnny Cash Sound erinnern, lassen Reverend Horton Heat als Botschafter gut gemachter amerikanischer Musik erscheinen, vor allem für die neueren Hörer/-innen.

Mir persönlich gefallen Reverend Horton Heat am Besten, wenn sie diesen leicht trashigen Sound im Gepäck haben und auf den Rock Faktor im zentralem Fokus setzen, wie man ihn bei "Got Ot In My Pocket" (Track 4; Anspieltip II) hört. Swinging Rock Blues ganz feiner Art. :-) Aber auch Stücke wie "Don't Let Go Of Me" (Track 5; Anspieltip III), die einen leichtem Hang zu eigensinniger Nachdenklichkeit schaffen, inklusive des leichtgriffigem Ghost-Guitar-Sounds (hier ist nicht die Band Ghost gemeint) mit leicht schaurigem Unterton, der das gewisse Etwas unter den Nägeln hat, kommen klasse. Die Lyrics und die Liner Notes im Booklet laden dabei ein sich näher mit den Stücken auseinanderzusetzen. Gerade bei diesem Ausnahmestück dürften selbst Metalheads die Ohren spitzen, die noch die Tradition der Quotenballade diverser Alben aus den '80er Jahren kennen. Allerdings sei angemerkt, dass Reverend Horton Heat dabei nicht auf die Quote schielen, sondern einfach 'n klasse Song am Start haben. Das Ding hat tatsächlich Radio Airplay Qualität inne und dürfte sich demnach besonders auszahlen. 

Nicht so easy in folge des gegen Songende echt starken, druckvollen Drumparts von RJ Contreras, zu "Ride Before The Fall" (Track 6) überzugehen. Auch hier wieder typischer Slap-Bass-Sound, der mit slide-igem Einschlag auf den Saiten gewürzt eine Art Modern Country Note abbekommt. Erinnert etwas an "Ghost Riders In The Sky", bleibt jedoch rein instrumental im Galopp. Umso ungewöhnlicher der leicht stilistische Umbruch/Übergang in Form von "Tchoupitoulas Street" (Track 7) dessen Pianointonierungen neben dem Gesang im Zentrum stehen. Was im TV die Werbung ist, ist auf diesem Album dieses Stück. 

Etwas mehr in Richtung '60er/'70er Rock Basics geht es mit "Sunrise Through The Power Lines" (Track 8), das in gar nicht so weiter Ferne an The Beatles, The Rolling Stones oder auch Sweet erinnert und durchaus von jeder dieser Bands beeinflusst worden sein könnte. Der Bogen, den Reverend Horton Heat hier spannen, bringt jedenfalls sehr unterschiedliche Facetten mit, was auf jeden Fall für dieses Album spricht. Wie gesagt, Lemmy hätte seine Freude an diesem Album gehabt, was auch "Wonky" (Track 9) fett zu unterstreichen weiß. Vor allen Dingen macht der hangemachte Drive dieser Band mega Spaß. Hier setzt man nicht auf Posing, sondern auf Ideen und Handwerk in der Tradition großer Pioniergeister des Rock 'N' Roll. Erst "Perfect" (Track 10) lässt wieder etwas mehr Billy Trademarks stärker aufkommen. Zwar war die Billy Rezeptur bei keinem Stück vollkommen außen vor, aber nicht so stark wahrnehmbar wie am Albumende. Selbst "Viva Las Vegas" (Track 11), das von einigen großartigen Künstlern noch gegenwärtig im Ohr ist (u.a. von Elvis, Johnny Cash oder auch Nina Hagen), kommt hier erfrischend zu Ohren. Klasse Album, das man tatsächlich öfter hören kann und somit nicht zum Staubfänger verkommt.

8,0/10 Schafe Schüsse

(Victory Records/Soulfood 2.018)

http://www.reverendhortonheat.com/

https://www.facebook.com/reverendhortonheat/

Danny B

Schaf Schüsse: 

8
Eigene Bewertung: 8

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