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PYOGENESIS "A Silent Soul Screams Loud"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

01-2020

Label: 

Genre(s): 

Eine Band, die straight und hart arbeitend auf ihr 30 jähriges Bestehen zusteuert und innerhalb von knapp drei Dekaden so viele Stilgenres abgegrast, bespielt und mitgeschrieben hat, kann man (zumindest aus meiner subjektiven Sicht) nur mit gründlich-tiefreichenden Respekt und auch einer ehrlich empfundenen Hochachtung betrachten und anhören. Schließlich waren es ganz verschiedene Songs wie "Fade Away", "It's On Me", "These Roads" oder Golden Sins" (aus der Melodic Death Metal Zeit der Band; obwohl sich bei all' diesen Stücken schon mehr Potenzial andeutete; Album: "Sweet X-Rated Nothings", 1.994), "Twinaleblood", "Weeping Sun", "Addiction Pole" (speziell bei letztgenannten kamen erste Punk Rock Einflüsse im Alternative Goth Metal Stilmix durch; "Twinaleblood" Album, 1.995), die damals bereits erste Sympathien einspielten. Aber auch die Stilkettenbrecheralben wie "Unpop" (1.997), das es sogar bis in damals schwer im Trend liegenden Musiksender per Teilrotation von "Love Nation Sugarhead" schaffte oder auch ein seltenes Coverstück wie "Africa" (*das Original stammt von Toto und wurde 1.982 zum Chart-Hit; Pyogenesis veröffentlichten ihre Version auf "Mono … Or Will It Ever Be The Way It Used To Be", 1.998) sind ein fester Teil der Pyogenesis-ierten Chronik, die schließlich über einige saustarke Punk Rock Granaten von "She Makes Me Wish I Had A Gun" (*2.002) bis hin zu aktuelleren, starken Releases wie "A Kingdom to Disappear" (*2.017; führten und recht steampunkig, wurzelerfrischend Metal-lisch; übrigens auch wieder in die Charts führte) gestaltet und auch die Naht/die Brücke zum neuen Machwerk "A Silent Soul Screams Loud" (ebenfalls inkl. Charteinstieg) darstellt. 

Wenn man Pyogenesis seit ihren frühen Tagen hört und diese Band, bzw. deren Mucke als Begleitung im Walkman, Discman und schließlich im MP3 Player und/oder Onlinestream per gängiger Musikplattform(en) mit durch die Zeiten genommen hat, bzw. nimmt, kann auch dieses neue Album nicht einfach "irgendeines unter vielen.." sein, sondern vermutlich eher eines, das die Unberechenbarkeit aller Stilfelder neu aufreißt und einfach schön laut aufatmet, wenngleich das Artwork erneut einen leicht steampunkigen Touch innehat, was auch so forciert/gewollt ist. Mit schön scharf-riffender Gitarre setzen Pyogenesis im neuen Jahrzehnt an und klingen noch immer kick-off-eingängig wie zuletzt. Irgendwo zwischen Pop-Kick-High-Energy-Level-Rock mit Metal Abrundungen bietet der Opener "Survival Of The Fittest" (Track 1; Anspieltip I) bereits High Level an. Noch etwas mehr Metal-Hang fräst sich in diesen Erstzügen mit "Mother Bohemia" (Track 2) folgend in dieses Album, dessen Gitarren-Shreddings mit kalten Eissplittern versetzt Black Metal-lisch ins Rund suggerieren/schiessen und wie scharfe Glasscherben wirken, während die Vocals, sowie das Drumming angenehme Wärme (inkl. Melodic) mitgeben und damit das Yang zum Yin bilden. Ick komme dabei nicht umhin an die ganz, ganz frühe "Fuck Pyogenesis" Ära zu denken, die möglicherweise bei der Entstehung dieses Albums/Stückes eine unterbewusste Rolle gespielt hat? In diesen Unterwassern wirkt ein relativ Alternative Pop-iges "I Can't Breathe (Prologue)" (Track 3; Anspieltip II) zunächst ziemlich abgesetzt von der bisherigen-, eher gitarrenorientierten Austaffierung. Flo Schwarz's verträumter Gesang erinnert stellenweise ein wenig an "Empty Space" aus früheren Jahren, melancholisch-, jedoch ohne zu viel Tränensalzblei, das zu weit runterziehen würde. Es ist viel mehr der Bombast, der hier im Verlauf verdammt stärkende Züge annimmt und auf direkten Hör hin mitnimmt. Pyogenesis untermauern ihren Ruf als nicht berechenbare Band einmal mehr, während man den Übergang zu "I Can't Breathe (Monologue)" (Track 4; Anspieltip III) kaum bewusst wahrnimmt. 

Spätestens an dieser Stelle frage ich mich unterschwellig und kurz, warum es von Pyogenesis noch kein Livealbum gibt? Diese Frage wird von "High Old Times" (Track 5; Anspieltip IV) durchschnitten und erfüllt die Ohren mit epischen Zügen, deren Vollendungsklang eine weite Reise hinter sich hat und bis hin zu "Sweet X-Rated Nothings" Wurzeln zurückreicht. Auch bei diesem x-sten Durchlauf habe ich noch immer das Gefühl mir die Augen reiben zu wollen, während ich mich frage, ob ich diesen Sound träume?!? So verdammt eingängig und real, dass einem beim Hören echt ordentlich die Synapsen glückselig ergriffen abgehen lässt. Es darf dann jetzt gern qualitätsmäßig low-down gehen, andernfalls geht "A Silent Soul Screams Loud" direkten Weges abschüssig und besetzt den noch jungfräulichen Raum, in dem die Alben des Jahres bis Jahresende warten und immer wieder die Ohren und Player finden. 

Zwar ist "Modern Prometheus" (Track 6) insgesamt perfekt getimed, um nicht zu überladen zu wirken oder gar mit Breitbandkino-Epik zu erschlagen, stinkt aber qualitativ/handwerklich absolut nicht ab. Auch das deutlich Metal-lastigere "Will I Ever Feel The Same" (Track 7) gesellt sich in den Flow und winkt gelegentlich mit Death Metal Growls wie es in frühen Pyo Tagen der Fall war, wird aber fetter und stilbreiter angereichert serviert, um mit "The Capital (A Silent Soul Screams Loud)" (Track 8) bereits den Schließer im Schlepptau zu haben. Demütig bis bedächtig fühlt sich das quasi "Albumtitelstück" zunächst an, das in einen Riff-Regen übergeht und mit jedem Tropfen das Gefühl mitgibt zu einem Fluß anzuwachsen und sich in Ein-Klang zu schwingen. Insgesamt versetzt mich "A Silent Soul Screams Loud" in eine Stimmung wie ich sie an ganz bestimmten Tagen empfinde. Die Atmosphäre dieses Albums drückt das Empfinden dabei nicht etwa platt. Wenngleich die Stimmung verstärkt wird und eine gewisse Tiefe mitbringt, die sich allerdings äußerst gut anfühlt, ähnlich wie das einst beim Tiamat Meilenstein "Wildhoney" der Fall war. Zwar ist das ein recht weitreichender Vergleich, gerade, weil Pyogenesis einmal wieder neu (aber doch trotzdem auch nach sich selbst; gereifterweise) klingen, doch das mag sujektiverweise in Ordnung gehen., oder nicht?

Schafe Schüsse Hammermarke!

10/10 Schafe Schüsse

(AFM Records  2.020)

http://pyogenesis.com/

https://www.facebook.com/pyogenesis/

Danny B

Schaf Schüsse: 

10
Eigene Bewertung: 10

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