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PRISCILA SERRANO

PRISCILA SERRANO
"Eine Sache des Gefühls"

"Eine Sache des Gefühls"

Manchmal gibt es sie, diese Lieder, die zu dir kommen, in dein Leben treten und mit dem perfekten Timing alles auspendeln, Negatives ausschwingen lassen wie ziehenden Rauch aufwärts und dabei den gesamten Raum des eigenen Daseins erfassen/einnehmen und man sich einfach verstanden fühlt, während auch eine gewisse Sehnsucht mitschwingt, ohne zu tief zu bohren oder gar zu deprimieren. 

 In etwa so ging es mir als ich "Not Alone" von Priscila Serrano die ersten Male hörte. Tagelang hörte ich den Song wieder und wieder in Rotationslauf - ob beim Joggen, im Zug, bei der allabendlichen Runde... immer wieder und in verschiedener Umgebung, das Gefühl aber blieb so intensiv. Dieser Song kam zu mir und ließ mich einige der härtesten Tage seit langer Zeit ertragen und hatte dabei den Effekt einer verständnisvollen, intensiven Umarmung. 

 Der nächste logische Schritt war die Kontaktwiederaufnahme mit Priscila, der mit diesem Song ein echtes, zeitloses Meisterwerk gelungen ist, zumal sich der Song so gar nicht abhört, ganz im Gegenteil. 

Und so saß ich am Abend des 4. Mai (2.017) per Skype-Line nach Norwegen mit Priscila zusammen und sprach mit ihr über "Not Alone", ihren Werdegang und Berlin, wo wir uns auch einst kennenlernten und ganz ähnliche (Lebens-)Erfahrungen machten. Here we go one more time.

 

Herzlich willkommen Priscila auf schafe-schuesse.de!

Der trifftigste Grund dich erneut zu interviewen war bzw. ist der, dass ich deinen Song "Not Alone" vor einigen Tagen entdeckte und ich kurz darauf bemerkte, dass du den Song bereits im Februar 2.015 (bei YouTube) hochgeladen hast. Und ich sagte zu mir "Warum habe ich diesen Song nicht viel früher entdeckt?", jedoch war es, wie ich dir im Vorfeld bereits erzählte, die absolut richtige Zeit in meinem Leben den Song zu entdecken. Ein wirklich magischer Moment.

Priscila: Ja, ich sollte definitiv besser darin sein meine Sachen ein wenig mehr zu promoten. Nachdem ich den Song hochgeladen hatte, fühlte ich mich nicht danach ihn so viel zu teilen oder ihm mehr Promotion zukommen zu lassen und die Zeit verflog. Schon ein bisschen verrückt, aber ich teilte ihn ein paar Mal. Ich wollte halt nur nicht so dieses crazy öffentliche Ding daraus machen, da ich eher sehr schüchtern/zurückhaltend bin. Ich hatte aber ein paar Freunde, die versuchten mich zu pushen in den letzten Tagen, ihn teilten und mich somit dazu brachten etwas mehr in der Öffentlichkeit zu sein und meine Sachen etwas mehr fördernd zu promoten. Ich bekam daraufhin eine Menge guter Reaktionen von den Leuten. 

Möglicherweise kennst du von deiner Zeit in Deutschland diesen Spruch, in dem einiges an Wahrheit steckt: "Wer das Eine will, muss das Andere mögen."? Kennst du diesen Ausspruch?

Ich meine in Sachen Musik kann man nicht erfolgreich sein, ohne damit rauszukommen, (aus sich heraus-)rauszugehen - mit Emotionen bzw. mit deiner Musik im Allgemeinen. Ohne jegliche Publicity würdest du ja nie gehört werden.

Priscila: Ja. 

Speziell bei diesem Song - wie entstand er? Waren da zuerst die Lyrics, eine Idee(?)..., weil du mir im Vorfeld erzähltest, dass du -wenn ich nicht irre- ihn in nur 5 Stunden oder so fertig hattest?!

Priscila: Nein, in 2 Stunden. Ich schrieb- und nahm den Song im Studio auf. Und ich mischte ihn, ein einfaches Mastering und lud ihn innerhalb von 2 Stunden hoch. 

Es war ein sehr spezieller Song. Ich war  sehr inspiriert, denke ich. Manchmal passiert es, dass ich ein "Feeling" habe und dann beginne ich zu spielen, dabei kommt ein Song rum und dann nehme ich ihn auf, dann ist er einfach fertig. Ich arbeite nicht wirklich sehr lange Zeit an Songs. Dieser Song war speziell, weil ich nicht viel darüber nachdachte. Es war was es war. Es war nicht unbedingt eine Message darin, sondern mehr eine Art Suche. Eine Suche nach mehr Freude. Es waren zwei Parts, nicht viel mehr. 

Die Lyrics kamen nach einer Weile als ich die Vocals aufnahm. Ich machte nicht wirklich etwas, ich startete das Programming und spielte drauf los, ich habe eine melodische (Basic-)Line auf ProTools aufgenommen und machte einen Loop mit dem Beat, da sind eine Menge anderer Sounds im Mix, die man nicht hört, auf eine Art versteckt um das Gefühl zu vermitteln. Ich hatte eine Menge Spaß dabei. 

Ich vermute bzw. mutmaßte erst nachdem ich feststellte, dass du ein Multi-Instrumentalist bist, dass du alles allein eingespielt hast? Und das ist echt unglaublich! Ich meine speziell die Gesangslinien - manchmal hast du doppelte Gesangslinien mit melodischen- und höheren Tönen u. s. w. dabei, alles auf sehr natürliche Weise. Ich finde dafür keine Worte, was es in mir auslöst, wenn ich den Song anhöre. Es ist so unterschiedlich (beim Hören), wenn du herumläufst oder wenn du einfach zu Hause sitzt... es erinnert mich ein wenig an die Zeit als ich eine Weile in Rostock lebte. Du lebst in Norwegen. Und es erinnert mich etwas an den Strand, diese Weite des Meeres u. s. w.  

Priscila: Dieser Ort (hier) ist für mich sehr inspirierend, um Musik zu schreiben. Jetzt gerade sitze ich im Studio und kann in Richtung Meer blicken, was es von der Atmosphäre her auf eine Art vermengt. Norwegen ist ein klein wenig düster. 

Oh wirklich?

Priscila: Ja. (*lacht kurz der Situationskomik wegen)

Ich dachte immer Schweden oder Finnland würden das sein?! Norwegen jedoch ist nicht unbedingt berühmt für finsteres Zeug. 

Priscila: Hm (*in zwiespältigem Ton), ich würde sagen, dass Norwegen eine Art Melancholie innehat. Es ist ein wirklich, wirklich schönes Land. Die Leute sind unglaublich, jeder ist happy, die gesamte Szenerie (*auch bzgl. der Musikszene gemeint) ist super. Für mich ist da eine Menge Melancholie, eine Art Romantik, allerdings auf eine eher negative Art, denke ich. Das hängt zusammen mit dem Ozean, dem Wetter, das instabil ist, es ist sehr kalt, es regnet, ist windig... ziemlich unbehaglich manchmal.

Ich erinnere mich just daran, dass du in Mexiko geboren wurdest. Was für eine Art Unterschied gegenüber Norwegen macht das für dich in deiner natürlichen Art aus, ich meine z. B. von der Mentalität her, der Art zu denken?! Gibt es da große Unterschiede? 

Ich frage nicht zuletzt auch bzgl. des Songs "Not Alone" - wie du sagtest, es ist etwas Melancholie dabei, für mich jedoch hört es sich ein wenig tröstlich an, so wie wenn eine Mutter oder ein Freund dich in den Arm nimmt und so etwas sagt wie "Komm' schon man, nicht aufgeben! Steh' auf und tu' etwas dafür!". Es hat diese Motivation inmitten all' der sanften Ruhe inne. 

Priscila: Ich schätze es ist auf eine Art auch positiv und etwas hoffnungsvoll. Es ist nicht super negativ und traurig, melancholisch. Ja, hoffnungsvoll, denke ich. 

Aber ich denke... (*hadert kurz hör- und sichtbar, hin- und hergerissen mit sich selbst wie ein Magnet mit zwei gegensätzlichen Polen) Ich denke dieser Song war sehr special. Ich schreibe gerade ähnliche Sachen wie das, sehr oft. Doch das ist nun mal so und immer über Sachen, die ich durchmache. Zu der Zeit als ich das schrieb ging ich gerade durch eine Menge negativer Dinge. Da gab es einige Sachen in meinem Leben, die nicht so positiv liefen, ich denke der Song ist eine Art Portrait davon. Es klingt sehr traurig, es fühlt sich aufgelöst an, wenn man ihn hört, doch zur selben Zeit auch auf eine Art positiv. Wie Hände der Hoffnung. 

Wie das Symbol Yin-Yang vielleicht?

Priscila: Vermutlich. 

Deine Stimme klingt bei diesem Song für mich sehr zart und zerbrechlich. Wenn man ein Bild davon malen müsste, würde ich sagen, dass es ein Gesicht mit nur einer Träne ist. 

Wie ich sagte, ich kann nicht so recht beschreiben, was dieser Song mit mir macht. Ich kann gar nicht aufhören den Song zu hören. Immer, wenn ich "Not Alone" höre, seitdem ich ihn entdeckt habe, kann ich nicht mehr aufhören ihn zu hören. Das ist echt unglaublich! 

Priscila: Das ist sehr schön zu hören, danke. Das bedeutet mir eine Menge! 

Lass' uns nun mal zu deinem musikalischen Weg kommen. Hattest du eine Art Vorbilder als du begannst Musik zu machen? 

Priscila: Was meinst du damit?

Kennst du das Wort "Paragons"? (*möglicherweise spreche ich es etwas unglücklich betont aus?)

Priscila: Nein. (*sagt Priscila langegzogen-grübelnd)

Musiker, zu denen du immer schon aufblickst oder aufgeblickt hast?! Seit deiner Kindheit... 

Priscila: So etwas wie Idole?

Ja, wie Idole. 

Priscila: Ja, da hab' ich ein paar. Ja, eine Art Basis, wie Chuck (*Schuldiner; R.I.P.) von Death. Er ist einer meiner hauptsächlichen Idole. 

Als Gitarrist oder als Sänger? 

Priscila: Ja, ich würde sagen beides. Als Songwriter. Ich denke er war ein brillanter Musiker und Songwriter. Er war ein unglaublicher Gitarrist. Und ich mag die Vocals wirklich sehr, so wie er die Sceamings machte. Aber er war der Hauptgrund, warum ich begann Gitarre bzw. E-Gitarre zu spielen und Death Metal Riffs lernte. 

Wann fingst du damit an?

Priscila: Ich denke das war als ich 15 war. 

15... oh mein Gott...

Priscila: 15/14, so in der Drehe. 

Großartig. Ich sprach es ja schon an, du kommst aus Mexiko, gibt es dort irgendetwas typisches in Sachen Mentalität, also so etwas wie Klischees, die du kennst und auch über die Menschen aus Mexiko sagen kannst? 

Oder auch über Norweger/-innen oder deutsche?

Priscilla: Nun ja, es war sehr interessant in diesen drei Ländern. Ich denke sie sind sehr unterschiedlich, aber auch auf eine Art gleich, in all' diesen Kulturen. Sie haben mich auf positive Weise gefordert. 

Priscila Serrano, Solo Mexiko ist großartig, weil die Menschen dort sehr warmherzig und immer für dich da sind, egal was auch ist. Du hast gute Freunde, die um dich herum sind und für dich da sind. Immer wenn ich zum Beispiel nach Mexiko komme, ist es klasse. All' meine Freunde sind jeden Tag da, es fühlt sich wie eine Art Brüder-/Schwesternschaft-, wie Familie an. Die Art wie die Menschen sich (in den verschiedenen Ländern) miteinander unterhalten, ist sehr unterschiedlich, es ist (in Mexiko) etwas offener, etwas mehr vom Herzen her. 

In Norwegen sind die Freundschaften sehr nice, ich genieße sie sehr. Es ist immer sehr positiv, happy und leicht, aber sie haben mehr Angst sich zu öffnen, sie sind etwas schüchterner als die Leute in Mexiko. 

In Deutschland hatte ich eine Menge wirklich guter Freunde. Ich empfinde es noch immer als schön Freunde in Deutschland zu haben. Mich fordert das auf eine positive Art heraus. Ich meine du hast diese großartigen Konversationen, die sehr tiefsinnig sind. Jede/-r kümmert sich um Politik, um soziale Fragen und solche Dinge. Jede/-r macht diese immerzu unglaublichen Herausforderungen daraus, das ist etwas, was ich an Deutschland vermisse. Ich empfinde es nicht so, dass ich vieles davon hier habe.

Da gibt es schon kleine Unterschiede, aber das ist auf eine Art nice, außerdem habe ich seit 10 Jahren nicht in Mexiko gelebt, nach Berlin kam ich 2007, das ist schon eine Weile her. 

Eine Menge Leute aus Amerika, aus New York z. B., die ich so kennenlernte, sag(t)en speziell über Berlin, dass Berlin eine Art zweites New York sei. Von der kulturellen Mischung u. s. w. her, weißt du...

Priscila: (*lacht liebevoll) Ja, ich schätze auch. Berlin ist viel schöner. Ich denke Berlin ist meine Lieblingsstadt auf dieser Welt. Als ich das erste Mal in New York war, dachte ich New York ist eine Art post-apokalyptisches Berlin. Eine Art Zombie-Apokalypse oder so etwas in der Art. New York ist etwas schmuddelig. 

Eine Art reale "Walking Dead-Line", hahaha. (*scherze ich offen)

Lass' uns gedanklich kurz etwas in Deutschland bleiben. Du hattest in Deutschland einige Bands, ich erinnere mich an Sinners Bleed. Ich bin mir nicht sicher wie die andere Band hieß? 

Priscila: Arise? 

Arise, ja. Und da war doch noch Cerebric Turmoil oder so?

Priscila: Ich probte zweimal mit ihnen. Und ich spielte einmal mit ihnen, als wir für Obituary (*in Berlin) eröffnen durften. 

Ah ja, daran erinnere mich daran.

Priscila: Ja, ich denke, das war das letzte Mal, dass ich dich gesehen habe. Aber ich erwäge (für mich) nicht(!) in der Band gewesen zu sein, weil für mich mehr dazu gehört in einer Band zu sein als nur zwei Proben mitzumachen. Ich sah nur irgendwo online, dass ich angeblich ein ehemaliges Bandmitglied sei. 

Und dann fingst du mit der Band The River Knows an? 

Und da war noch eine andere Band, möglicherweise zur selben Zeit? 

Priscila: Oh nein, ich gründete eine Band in Berlin, bevor ich nach Norwegen umzog. Das war The End Of Faith. 

Ah ja, genau. Ich hatte den Bandnamen just vergessen. Ich erinnere mich, dass wir beim letzten Interview (*für das Fatal Underground Fanzine) über die Band sprachen. 

Priscila: Das war eine wirklich gute Band, ich mochte sie. Ich fühle mich ein wenig schuldig nicht damit weitergemacht zu haben. Alles war bereit, alles war aufgenommen, fertig durchzustarten, wir waren bereit ein Album veröffentlichen zu können. Aber ich war einfach in Panik. Wenn es darum geht/ging eigene Promotion zu machen, empfand/empfinde ich es so, dass es jemanden braucht, der mir in den Arsch tritt. Naja, ich war diejenige, die es schleifen ließ und die Möglichkeiten nicht wahrnahm. 

Nun ja, das ist, was dich aus meiner Sicht zu einer sehr interessanten Musikerin macht, so wie alle Musiker/-innen, die eine wirkliche Message haben, Dinge über ihr Leben zu sagen haben. Das ist, was dich interessant-, zu einem Original macht. 

Priscila: (*haucht schüchtern-kleinlaut in traurigem Ton verstehend) Ja.

Ich meine, natürlich ist es nie zu spät, du bist nicht zu alt, um weiter zu machen. Das ist meine Sicht. 

Du hattest da speziell noch diese andere Band namens Castrator, die ich zufällig entdeckte. Ich sah via YouTube, dass du mit ihnen auf dem "Death Fest" in Amerika gespielt hast. 

Priscila: Ja, das war eine Band in der ich für 3-4 Jahre war. Ich schrieb für sie Songs, spielte Gitarre und growlte auch ein wenig. Die Band war von New York (USA). Es war eine Art Old School-, aber auch Technical Death Metal, was unglaublich Spaß machte. Wir spielten ein paar Shows in den Vereinigten Staaten. Wir hatten dort eine Minitour rund um Philadelphia, Boston und New York, an die anderen Städte erinnere mich nicht mehr. Das war echt cool. Ich wollte da gar nicht mehr aussteigen. Im Moment spiele ich Schlagzeug für eine Black Metal Band hier in Norwegen, das macht echt Spaß! 

Wie heißt die Band?

Priscila: Ljå. Schwierig auszusprechen. L-J- und dieses fremdartige Å - mit diesem Ding obendrauf, wie es bei norwegischen Buchstaben manchmal vorkommt. 

Vermutlich musst du mir den Namen nach dem Interview schreiben?!

Priscila: Das werde ich tun. Ich hoffe, ich habe den Namen richtig ausgesprochen?! In deutsch bedeutet er "Sense". Du weißt schon, dieses Ding, das der Tod schwingt...

(*verstehend was sie meint..) Aaaah, Sense! Jetzt verstehe ich. 

Weißt du, da ich gerade auf Englisch fokussiert bin, fühle ich mich gerade an die Band Sentenced erinnert. Kennst du die?

Priscila: Ja, die kenne ich. 

Eine großartige Band. Old School, aber ja leider nicht mehr aktiv. (*deren Gitarrist Miika Tenkula [R.I.P.] verstarb)

Hast du manchmal noch den Fokus auf Berlin, was dort so passiert etc.? Ist dieses Kapitel noch nahe an dir dran? 

Priscila: Es ist sehr nahe an/in mir. Ich habe in Berlin eine Menge Freunde gefunden und jede Menge Spaß dort gehabt. Ich vermisse das sehr! Ich erachte Berlin als meine Heimatstadt. Ich habe mich dort auf eine Art gefunden und bin erwachsener geworden, als ich auf mich gestellt war und eine eigene Persönlichkeit wurde. 

Witzig, das ging mir genauso. Ich kam dort an als ich fast 23 war, '99. Ich zog nach Berlin und fand mich dort. 

Priscila: Ich denke dass der Ort dafür perfekt ist - sehr schnelllebig, man hat viel zu tun und man wird wirklich man selbst. Ich weiß nicht, sehr viele Dinge beeinflussen einen dort. Ich vermisse diese Zeit sehr. Ich vermisse Sinners Bleed, Arise... Facebook ist großartig, ich erinnere mich gerade lebhaft daran, dass ich mich dann und wann dabei erwische wie ich manchmal irgendwen "stalk(t)e". (*sagt sie scherzend) Jede/-r hat das schon gemacht. Ich bin immer noch in Kontakt mit dem Gitarristen von The End of Faith, wir sind sehr gute Freunde.  

In Berlin hat sich eine Menge verändert. Speziell in der Clubszene...

Priscila hakt wissbegierig ein: Ja? Was geht dort mit der Death Metal Szene? 

Ich vermute es ist dasselbe wie immer?! Wenn du dich an die '90er erinnern kannst, als der Death Metal als DAS riesige Ding durch die Underground-Decke ging, dann wurde es etwas stiller und in den 2.000er Anfängen kam er wieder durch. Wie bei einer Achterbahn - auf und ab..., wie das mit allen Stilen ist. 

Doch zurück zu dir, wann hast du damit begonnen Solosachen zu schreiben? Oder wann hast du die erste Aufnahme gemacht?

Priscila (*überlegt): Die erste oder wann ich mich entschied Solosachen zu machen?

Beides.

Priscila Serrano, Live 1 Priscila: Ich machte ein paar emotionalere Songs, noch in Mexiko, ich spielte in einer gewöhnlichen All-Female-Hardcore-Punk Band und schrieb ein paar wenige Songs, die zu soft dafür waren, was wir spielen wollten. Sie würden es nicht so recht verwenden können, dachte ich. Okay, ich hob sie mir auf, indem ich sie aufnahm und Jahre später verwendete ich einige der Riffs für einen neuen Song und damit habe ich nun einige Songs, die entstanden, als ich noch eine Teenagerin war. 

Und ein weiterer Grund, warum es so ablief war, als ich bei The River Knows spielte und sang, schrieb ich auch Musik - ich war ich mit dem zusammen, der auch mit Musik schrieb und Gitarre in der Band spielte. Wir hatten eine Menge Konflikte, wenn es um's Songwriting ging. Manches, das ich für gut/richtig hielt, wollte er ändern. Und ich begann es so zu empfinden "Nein, meine Songs sind meine Babies.". Niemand sollte sie niedermachen, es war mir egal, ob sie sie mochten - ich mochte sie. Sie sind was sie sind und das ist es einfach. 

Ich begann dann etwas mehr damit auszusortieren/zu trennen, nach dem Motto "das ist für die Band, das ist für meine Sachen...". Ab irgendeinem Punkt funktionierten die Dinge nicht mehr, die Band endete. Ich kaufte mir eine LoopStation und entschied mich aus Spaß dafür es auszuprobieren, auf einer "Open Mic Night" (*die meist in Musikbars stattfinden). Ich hatte keine Songs, die ich damit hätte spielen können. Ich begann mit der LoopStation zu improvisieren bzgl. des Rhythmus und dabei kam ein Song hervor. Am Tag danach performte ich ihn und ich dachte dabei bei mir "Ja, das kann ich machen. Ich kann ja Solo spielen. Immerzu." (*lacht)

Danach begann ich mehr mit der LoopStation zu spielen, anstatt von einer Band abhängig zu sein. Man brauchte nur ein paar Akkorde, einen kleinen, leichten Loop und konnte dazu spielen, um einen Song daraus zu machen. Für mich war es oft wie ein Spiel. Wie ein sportlich-herausforderndes Spiel. Als ich mit dem Typen zusammen war, vor allem im Studio und aufzunehmen begann, was ich auf meinem Solo Album veröffentlichen wollte. 

Wie viele Songs nahmst du auf? (*frage ich spontan zwischen)

Priscila: Ich hatte... (*überlegt kurz präzisierend) also die, die fertig waren, ungefähr 5. Ich nahm sie aus Spaß auf und lud sie hoch. Aber die Sache mit dem Typen... was zur Hölle... er war wirklich angepisst, er löschte alle meine Files vom Studiocomputer. 

Oh mein Gott... (*entfährt es mir)

Priscila: Ja... ich rastete aus und wurde wütend, rief die Polizei, auch wegen der restlichen Kosten, die aufkommen würden, die Zerstörung der Files, die nicht sein Eigentum waren... Stunden über Stunden waren verloren. Die meisten der Songs, so wie der Song "Not Alone". Ich weiß nicht so wirklich, ich habe sie nicht gelernt, ich schrieb sie, während wir sie aufnahmen.

Alles, was ich weiß ist, dass da einige Songs dabei waren, an die ich mich nie wieder erinnern werde. Ich bin auf eine Art dankbar, dass ich so leichtsinnig war diesen einen Song hochzuladen, "Not Alone, weil ich mich daran auch nicht mehr erinnert hätte. Ich habe keine Sicherungs-Files der Aufnahmen.

Speziell die Lyrics von "Not Alone" sind wirklich brillant. Ich schrieb selbst eine Menge Songs und Verse (ca. 5000 Songlyrics), doch manchmal ist es genau die Magie wie bei diesem einen Song - du brauchst manchmal nicht viele Worte, du brauchst einfach nur die richtigen Worte. 

Eine weitere Frage zu diesem Song ist, wann war für dich der Punkt erreicht-, an was hast du es abgemacht, um zu sagen "jetzt ist der Song fertig."?

Weil es doch manchmal echt schwierig zu entscheiden ist wann ein Song wirklich fertig ist?! Weißt du, was ich meine?

Priscila: (*überlegt kurz) Für mich ist das eine Sache des Gefühls. Dieses Gefühl wenn ein Song etwas auslöst, das ich hören möchte, dann bin ich mit ihm fertig. Und manchmal zieht es sich schon etwas länger hin bis man diesen Punkt findet, wenn man zum Beispiel plötzlich denkt "Oh, das sollte vielleicht mit darin sein." und es den Song besser macht. Für meine Begriffe kann ein Song auch vereinfacht funktionieren und man kann verschiedene Versionen von ihm spielen, doch die hauptsächliche Essenz dabei ist sehr, sehr einfach.

Ich hatte einige Kommentare von Leuten - "Arbeite mehr an deinen Songs, sie sind noch nicht fertig... noch nicht abgfeschlossen.", hin und her, "Du brauchst mehr Akkorde/Stimmen..." - ich gebe da nicht so viel drauf. 

Ich baue Musik nicht zusammen, um bergeweise Akkorde/Stimmen zu zeigen, die man in die Songs einbauen könnte oder bergeweise Texte oder bergeweise Herz. Ich schreibe die Musik, um die Strukturen aufzuzeigen oder es interessanter zu machen. Ich schreibe Musik, um mich auszudrücken und auf eine Art für die Leute, die dasselbe empfinden, diese Art brüder-/schwesterliche Gefühl, das direkt verbindet und einen Song perfekt macht. Meine Songs verändern sich immer wieder mal. Zum Beispiel habe ich eine Liveband, manchmal spiele ich auch Solo ohne Liveband nur mit der Gitarre, andere Male spiele ich mit komischen Instrumenten wie diesem. 

(*irgendein Geräusch unterbricht Priscila's Worte immer wieder mal; ich frage nach) Was für ein Geräusch ist das?

Priscila: Das ist ein Kalimba Eller “Daumenklavier” - das hat einen schönen Sound. (* sagt Priscila lächelnd mit leuchtenden Augen; spielt kurz eine Melodie an; nach dem letzten Ton, der einer Glocke ähnelt) 

Das klingt wie ein Glockenspiel. 

Priscila: Ja, es klingt ein wenig so. Ich habe das bisher nur einmal live verwendet, aber ich spiele viel damit rum, wenn ich hier im Studio bin. Manchmal spiele ich mit einem Chor und manchmal mit der LoopStation und der E-Gitarre. All' diese Variationen machen die Songs sehr unterschiedlich. 

Es kann nie derselbe Song entstehen, wenn du einen niedrigeren/leiseren Sound hast, anstatt ich es mit eigenartigen Instrumenten oder mit der Band spiele. Manchmal, wenn ich mit der Band spiele, füge ich zum Beispiel noch einen Extrapart hinzu. Ich bin sehr offen sich den Song entwickeln zu lassen, an allen Veränderungen festzuhalten, die einem Song gut tun. Sogar, wenn ich bereits sagte, dass der Song fertig ist. Wenn jedoch zum Beispiel irgendwer kommt und sagt "Versuch' das doch mal..." - wenn ich die Idee nicht mag, dann sage ich vermutlich "Nein.". Das ist nun mal so. Wenn er/sie/es das Feeling mitbringt, nach dem ich strebe, dann ist er fertig. Wenn das Feeling nicht da ist oder beginnt in irgendeine andere Richtung zu gehen, es vielleicht sogar etwas happier klingt oder vermutlich etwas furioser, dann mag ich es und kriege genug und mache es daran fest. 

Also hängt es von der Atmosphäre der Songs ab?

Priscila: Ja. Sehr viel und oft. Dieses gewisse Feeling, in meinem Fall. Ich weiß eine Menge über Musiktheorie(n). Als Lehrer und in der Schule nutze ich es, wenn ich zum Beispiel Musik schreiben oder programmieren muss. 

Wenn ich aber Musik für mich mache, blocke ich auf eine Art alles andere ab/schalte es auf eine Art aus. Und dann geht es darum es zu hören, zu spüren, Positionen zu finden, Kombinationen zu finden, die ich mag - gerade wenn es gegen die physische, radikale Stimmung geht.   

Lass' mich raten, am Ende sollte der Songs den Hörern/Hörerinnen das Gefühl geben, dass es direkt aus dem Herzen kommt, richtig?!

Priscila: Ja, meistens soll der Song das Gefühl portraitieren, das ich habe. 

Das ist es, was ich meine - du gibst ein Gefühl dabei nach außen, aber du kannst ja nicht kontrollieren, was es bei anderen Menschen auslöst. 

Priscila: Nein. (*bestätigt sie)

Das ist, was ich meine. Das, was ich sehe und empfinde, wenn ich "Not Alone" höre, ist z. B. nicht dasselbe wie bei dir. Aber es ist großartig, wenn es Brücken zwischen den Menschen aufbaut. 

Priscila: Ja. Und ich mag es wirklich sehr, wenn Leute sagen, dass der Song sie erreicht und sie auf eine Art berührt. Das gibt mir das Gefühl "Okay, mein Gefühl ist auch etwas, das sie empfinden können." Sich gegenseitig zu inspirieren. Ich hörte einige Leute sagen "Ich mag deine Art Musik, sie berührt einen Punkt, den jede/-r hat.". Nicht jede/-r ist gewillt sich damit auseinanderzusetzen, sich dem zu stellen. 

Das ist sicherlich kraftvoll, gewaltig. Ich fühle mich sehr geehrt und bin sehr glücklich zu wissen, dass einige Leute meine Musik anhören und sich dabei gut fühlen oder irgendeine Art Feeling dadurch bekommen. 

 

Wie ich bereits sagte, manchmal hat man nicht so schöne Situationen im Leben zu durchstehen, das ist auch was diesen Song speziell so magisch für mich macht. Manchmal sterben Menschen, du kannst nicht mehr mit ihnen von Auge zu Auge reden... irgendwie gibt mir dieser Song das Gefühl dass, wenn Menschen mein Leben verlassen -ob sie sterben oder ob sie andere Wege gehen- der Song gibt mir das Gefühl "Es ist okay. Mach' deinen Frieden damit und gehe damit weiter." Jetzt bekomme ich schon wieder Gänsehaut, wenn ich so offen darüber nachdenke...

Lass' uns nun mal auf die Zukunft zu sprechen kommen. Wie leben im Jetzt, manchmal hat man den Fokus in der Zukunft. Im Jetzt haben wir eine sehr verrückte, kranke Welt um uns herum, z. B. den beschissenen Terror, religiöse Dinge und manchmal kommt mehr und mehr das Gefühl auf nicht sicher in dieser Welt zu sein. 

Was macht es mir dir, wenn du über die Zukunft-, speziell deine musikalische Zukunft nachdenkst? Ist das eine Art Thema für dich, die du in deinen Songs festhalten möchtest oder bevorzugst du mehr Songs über Gefühle?

Priscila Serrano, Live 2 Priscila: (*überlegt kurz) Ich habe tatsächlich eine Menge geheimer Themen in meinen Songs, doch die meisten gehen um ähnliche Gefühle. Ja, über Dinge, die im Leben passieren. Ich denke nicht so viel über die Zukunft nach. Ich bevorzuge das nicht so, das ist ja auch eher erschreckend. (*lächelt geerdet)

Natürlich gibt es eine Menge Dinge um uns herum und auch Dinge, die ich gern tun möchte, ich versuche es so zu nehmen wie es jeden Tag kommt. 

Können die Leute in naher Zukunft ein paar mehr Aufnahmen von dir erwarten? 

Priscila: Ja, natürlich. Ich habe versucht ein Album aufzunehmen, stattdessen diese Einflüsse ihren Lauf nahmen, doch wenn du stark angegriffen wirst, wenn du lange Zeit daran arbeitest, dann ist es sehr schwierig, wenn es verloren geht, dich zu sammeln. Ich habe es versucht und ich ging es Stück für Stück (neu) an. 

Zu Beginn war ich dabei an meinem Album zu arbeiten und dann war es weg, somit muss ich wieder an meinem Album zu arbeiten beginnen. Dieses Ereignis hat mich sehr übermannt. Sich zu einem Album zu zwingen ist nichts, das von einem Tag zu einem anderen passiert. Ich versuche etwas wirklich Großes aus diesem ärgerlichen Vorfall heraus zu (er-)schaffen, was mich nachdenklicher gemacht hat. 

Ich machte mich daran einfach wieder einiges aufzunehmen und anstatt eines Albums eine EP machen, sofern nichts passiert - davor habe ich etwas Angst. Es begann damit, dass ich dachte "Ach scheiss' drauf, ich mache einfach mal einen Song." Jetzt gehe ich nach Oslo, am 20. in diesem Monat und nehme einen Song auf. Ich habe eine gute Saxophonspielerin, die in Oslo lebt und einen Keyboarder, der auch dort lebt. Es wird wohl mit Saxophon, Gitarre, Gesang und Keys sein. Das werden die Basisaufnahmen, mit denen ich arbeiten kann. Und vielleicht nehme ich auch einen sehr einfachen Akustiksong auf? Wenn die alle zusammen okay klingen, wird das voraussichtlich die EP ergeben. (*lächelt schüchtern/vorsichtig)

Ich bin wirklich sehr gespannt einen neuen Song zu hören. Und dieses Mal hoffentlich nicht erst 2 Jahre später. 

Priscila: Nein, das wird nächsten Monat passieren. Ich bin versucht alles perfekt zu machen. Ich versuche die Beste zu sein, die ich sein kann. Ich denke da ist nichts falsches dran, es so anzugehen. 

In Norwegen zu sein, ist ein bisschen mehr eine Herausforderung, wenn man an Musik arbeitet, als es in Berlin der Fall wäre, weil das Produktionsniveau hier sehr hoch liegt. Alles ist sehr teuer und die Erwartungen sind sehr hoch. Ich fühle mich immer ein wenig so wie "Werde ich gut genug sein?" (*in musikalischer Hinsicht gemeint)

Ich denke einfach, dass in Deutschland eine Menge Artists, Musiker, Bands heutzutage das Homerecording nutzen. 

Priscila: Ja! (*stimmt sie in aufgeweckter Stimmung zu)

...was nicht so teuer wie andere Studios ist. 

Priscila: Ja und das wird hier auch so gemacht. Nicht so oft wie in Berlin denke ich, weil es dort einige gute Möglichkeiten gibt und wirklich großartige Studios, die jeder für ein Wochenende buchen kann. Ich denke in Berlin ist das etwas mehr normal und cool, so dass irgendwer, der etwas veröffentlicht das per Homerecording macht und es dann ein Album nennt, so wie sie er/sie es möchte(n). Jedoch ist die Qualität nicht so großartig. Das ist Underground, das ist Berlin. 

Wenn du das aber hier auf diese Weise machst, ist da mehr Spaß dabei. Die Qualität ist nicht so gut, die Produktion klingt nicht gut. Das ist eine Sache des Abmischens, wenn sie wissen, was sie da tun, dann sind die Kommentare später auch dementsprechend. 

Ich denke ein guter Song ist einer guter Song. Ich meine speziell damit, wobei ich heute wirklich sehr auf "Not alone" fokussiert bin, wenn ein Song dich "drankriegt/einfängt"... weißt du es ist nicht wichtig - ich meine vielleicht gerade beim Death Metal hast du eine Menge, einen ganze Haufen Alben, wenn die nicht diesen "dreckigen" Sound hätten..., wenn es "too clean" klingen würde, hätte es manchmal einfach keine Seele. 

Priscila: Ja, definitiv.

Was ich mich bzgl. deines musikalischen Weges fragte, war u. a. diese "Idol Sache", aber auch bzgl. des Undergrounds, kannst du einige Namen von Bands oder Artists nennen, die aus Mexiko oder Norwegen kommen und die die Leute in Deutschland checken sollten? 

Priscila: (*überlegt hörbar) Hmmm... ich sollte definitiv meine Black Metal Band nennen. (*lacht) Um einige wenige aufzuzählen: Purified In Blood, Wall Of Ice, Thomas Dybdahl.

Oder wenn du dir da im Moment etwas schwer tust, können wir auch eine andere Frage nehmen?! 

Priscila: Nein, da sind... meinst du das auf Death Metal bezogen?

Nein, der Stil ist dabei nicht von Bedeutung. Ich meine ich bin einfach offen für alles, wie ich sagte, ein guter Song ist ein guter Song. 

Die einzigen Musikstile, die ich nicht gerade bevorzuge, sind Gabba, House oder (Schranz-)Tekkno Zeug, aber mit Pop, Hip Hop, Acoustic, Country Rock oder was auch immer, kann ich leben, aber die Frage geht ja auch an dich. ;-)

Priscila: Es gibt eine Band hier, die sehr, sehr gut sind. Sie spielen sogar morgen. Sie heißen Helldorado. 

Helldorado? Großartiger Name. 

Priscila: Oh ja, mein Gott - die sind großartig! Eine Art Country Rock 'N' Roll, sehr cool! Ähm, in Mexiko kenne ich nicht mehr wirklich so viele. Ich kenne meine alten Bandleute und weiß was die so machen - Amnesty, Crimson Petal.

Oder auch eine Band aus Mexiko aus deiner Vergangenheit, aus deiner Kindheit?

Priscila: Da gibt es eine Band, die nicht aus Mexiko ist, aber die ich viel hörte: "Soda Stereo". (*eine argentinische Rockband)  

Soda Stereo?

Priscila: Ja. Das ist eine großartige Band! 

Welchen Stil fahren die?

Priscila: Rock. '80er Rock. Sie singen in Spanisch. Brillantes Songwriting! Sehr viel Upbeat, populär - sehr, sehr cool - solltest du mal checken! Ein Song, den ich favoritisiere: "De Musica Ligera", was so viel bedeutet wie "Leichte Musik". Das ist eine Band aus meiner Kindheit. Aber da gab es eine Menge Bands, die ich liebte. Ich bin ein großer Fan von Rush. Neil Peart ist meine Nummer Eins und ein Drummer-Gott!

Und nun eine fiese Frage. Nenn' mir drei deiner eigenen Songs, die du je geschrieben hast, die deine absoluten Favoriten sind.

Priscila: Hm. (*überlegt)

Sag nicht "Not Alone"! (*scherze ich)

Priscila: Nein, ich schätze, das kann ich nicht bringen. (*sagt sie grinsend) 

Ich habe eine Song für Castrator geschrieben, der "The Emasculator" heißt, der einer meiner Favoriten ist. Und ich habe auch noch einen Song, der "Whisper Of The Night" heißt. Das ist auch ein Favorit. Den werde ich in zwei Wochen mit der Band aufnehmen. Und ein weiterer ist, der mein Favorit war... (überlegt leicht grübelnd) - ja dieser Song mit dem Saxophon, den wir mit der Band machten, der "Blindside" heißt und das ist auch einer Lieblingssongs. Aber das ist nur mein Fave des Feelings wegen, weil da das Saxophon mit dabei ist. Wäre das Saxophon nicht dabei, würde ich einen anderen Song wählen. 

Oh cool. Nun, ich bin mir sicher, dass wir uns weiter unterhalten werden, wenn du noch ein paar mehr Songs (oder auch EP/Alben) aufgenommen hast. Speziell in diesem Fall mit "Not Alone" hat mich das schon sehr überrascht, zumal ich dich just von deinen Tagen bei Sinners Bleed als ein Death Metal Girl kenne. Was Musiker/-innen ausmacht, was sie fähig macht unsere Welt(en), all' die Grenzen/Limits zu (durch-)kreuzen - free minded, open minded u. s. w., das ist, was Musik letztlich ausmacht/aus uns macht.  

Priscila: Eine Menge Leute fragten mich wann ich etwas veröffentlichen würde. Dieser eine Song ist sehr viel anders als das, was sie kannten. Aber für mich ist es okay, einiges zu vermischen, es ist okay zu tun, was auch immer man tun möchte. Ich bin durch viele verschiedene Stile gegangen, ich hatte sogar eine Fake Goth Rock Band. Ich denke dass es das erste Mal ist, dass ich das öffentlich sage, ich wollte in einer gewöhnlichen Goth-Rock Band singen und spielen, die Abderian hieß, bei der ich vorgaukelte ein männlicher Sänger zu sein, die Leute wussten es ja wirklich nicht, ich denke ich habe niemanden zuvor davon erzählt. (*lacht)

Das ist ein guter Punkt, was du sagtest über "Fake Goth" u. s. w. - du hast ja diesen Künstlername "Raven". 

Priscila: Ja.

"Raven" klingt ein bisschen in die Richtung Gothic. 

Priscila: Ja, da gab es einige dumme Sachen, die in der High School passiert sind, als ich Edgar Allan Poe las. Irgendwer nannte mich "Raven", weil ich das las. So dass ich einen Spitznamen hatte. Aber ich war gar nicht so sehr Goth (bis vor 7 Jahren), schätze ich. Und der Spitzname "Raven" war schon vorher aufgekommen. 

Okay, ich bemerkte den Namen nur bei deinem YouTube Kanal. 

Nun ja, letzte Frage jetzt, da wir ja über verschiedene Stile sprachen, hattest du irgendwelche schlechten Erfahrungen bzgl. der Stileinflüsse? 

Ich meine, ich bemerkte gerade innerhalb der letzten Jahre, speziell in der Metal Szene (ich ging wieder mehr zurück zu meinen Punk Ursprüngen) - ich liebe Metal noch immer, allerdings eine Menge Metalheads -speziell aus dem Extreme Metal, Death- und Black Metal-, mögen oftmals keine anderen Stile bzw. nicht so gern. 

Priscila: Das ist so witzig. Ich begann zuerst Punk zu spielen, dann Hardcore als ich in der High School war, dann kam Melodic Death Metal, was zum Brutal Death Metal führte und ab irgendwann wurde es Thrash-, dann Technical Death Metal und ich habe auch ein wenig Grindcore gemacht, dann Metalcore und dann - ja stimmt(!) Technical Death Metalcore und Melodic Death Metal. Dann wurde es Goth und Pop, Indie Rock, Singer- & Songwriter Zeug und Black Metal. Black Metal spielte ich auch in Mexiko und etwas Folk. 

Welche Art Black Metal ist das gewesen? Ist es mehr das extreme Zeug oder mehr Old School Zeug wie Venom? 

Priscila: Ja, eher old school. Es ist zwar nicht so old school wie Venom (*erzählt sie schmunzelnd), aber es ist sehr old school und roh. Für mich fühlt es sich wie eine Art “Black Punk" an (*lacht) Ich spiele einfach, was ich fühle spielen zu wollen. Ich mache solche Sachen mit Doppel-Pedalen (*Schlagzeug) echt gern, das mag ich am Liebsten. 

Das ist ja nicht so weit hergeholt, Bands wie Venom oder Celtic Frost u. s. w. hatten alle Einflüsse von Punk Bands. 

Priscila: Ja, das, was sie spielten, spürten sie auch. Manchmal fange ich an wirklich sehr extremen Blast Beat zu spielen und dann "Nein, nein, nein - geh' zu diesem Punk Ding!" - traditionelle Blast Beats, oh mein Gott...großartig! 

Oder nimm' just Napalm Death. Großartiger Sound, aber da ist 'ne Menge Punk mit drin. Oder auch Hardcore...

Priscila: Ja, definitiv. Großartig! Ich mag diese Band wirklich, ich erzählte dir ja, dass ich hier in Norwegen in einer Black Metal Band spiele, wo jeder sagte "Oh mein Gott wahrhaftiger, norwegischer Black Metal!". Nur wegen einer Grenze..., aber das ist es eben nicht immer. Es ist tätsächlich nur Spaß, die meisten von ihnen machen Spaß über soziale Gegebenheiten oder sprechen eher zufällig über Sachen, somit geht es nicht immer nur um brennende Kirchen. Das ist echt cool, dass sie sich selbst nicht zu ernst nehmen und nicht so vehement skeptisch auf die Dinge blicken. 

  (*spontan fällt mir eine coole, witzige Band ein, die genauso dieses Klischee aufgenommen hat) Ich denke du solltest mal die Berliner Band Sunshine & Lollipops anchecken. Das ist eine Anarcho Black Metal Band. Das sind zwei Jungs und die sind wirklich echt witzig! Sie machen diesen Old School Style, ein bisschen Venom Style, aber sie sind großartig.

Priscila: Klingt sehr interessant. 

Jetzt aber wirklich die letzte Frage, hast du in nächster Zeit einige Livegigs, speziell auch in Deutschland möglicherweise?

Priscila: Ja naja, ich denke wir haben so etwas wie die "Fête De La Musique" hier, was an einen anderem Tag stattfindet. Wir nennen es "Musikfest". Ich denke wir spielen dort. Ich bin nicht ganz sicher um welche Zeit, aber ich denke ich spiele mit meinen beiden Bands dort. Die Black Metal Band, mein Solo Projekt, mit der Liveband und Solo mit Chören, ich denke das wird ein busy Tag, echter Spaß. 

Ich arbeite daran noch etwas abzuwarten, ob wir jeden Festivalgig mit der Band hinkriegen. Ich spiele sehr oft Soloshows ohne Band - einmal im Monat, wie auch heute. Heute ist das mehr eine Art "Open Mic" Ding. 

Priscila Serrano im Interview, 4.05. 17 Okay danke, dann haben wir's. Die letzten Worte gehören natürlich wie immer dir!

Priscila: Nun, es wäre wirklich schön vielleicht mal wieder nach Berlin zu kommen! Ich vermisse echt alles von dort. Dieses Interview erinnert mich sehr an Deutschland. Wirklich gut. It made my day. (*lächelt)

Danke Priscila, dass du dir die Zeit genommen hast!

Interview: Danny B 

 

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