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NUCLEAR "Murder Of Crows"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

11-2020

Label: 

Genre(s): 

Im aktuellen Deaf Forever (*Musikmagazin mit Schwerpunkt auf Metal) griff z. B. Krachmucker Kolumnist Ernie Fleetenkieker eine sehr zutreffende Tatsache in einem Nebensatz auf, die er auch schon in seinen sehr unterhaltsamen Vlogs (Videos) auf YouTube immer mal mit einstreute. Es geht um die resultierenden Unterschiede im Sound, der Art des (Zusammen-)Spiels und ggf. auch der Technik der jeweiligen Band mit Bezug auf ihre Herkunft. Genau diese Frage begegnete mir auch bei den Chilenen von Nuclear einmal wieder. Ich würde sogar den Punkt der Internet-z-vernetzung in diesem Kontext zwar nicht in Frage stellen, zumindest aber teilweise als manchmal doch etwas unterschiedlich beeinflussend bezeichnen. Im Rückschluss übrigens auch, wenn es z. B. um die Fakten bzgl. der Bandgründung geht und der tatsächlichen Angabe geht. Nuclear selbst nennen das Jahr 2.003 als offizielles Gründungsjahr, während die deutsche Wikipediasite die vorhergehende Band Escoria inkludiert und 1.995 als Gründungsjahr nennt, während die englischsprachige Wikipediasite sich auf das Jahr 1.998 beruft. Zumindest gab es offenbar bereits 1.997 zwei Demos, die dieser Jongliererei zumindest ein wenig  Bodennähe zuverleiht. An Veröffentlichungen mangelt es dem/der Nuclear-nerdierten jedenfalls auf längere Sicht nicht. (sofern man denn Nuclear erst mit diesem album für sich entdeckt) Wenn man die amtlich lange Liste von deren Releases übersichtlich vor sich hat, ist da von der Split über die EP, Singles bis zum Livealbum und zum Full Length alles dabei. Vor allem der Blick auf die Livealben verrät, dass diese Jungs so gar keine Underground-Unbekannte mehr sind. Zuletzt erschien 2.016 die Single "Evil Dead" die aus dem 2.015 erschienenen Vollalbum "Formula For Anarchy" ausgekoppelt wurde. Jedem Old School Death Metaller/-in ist das Stück "Evil Dead" von der Death (R.I.P.) Kultscheibe  "Scream Bloody Gore"  (*1.987) natürlich längst vertraut. 

Und damit auch genug der buchverfüherischen Zahlen bzgl. dieser Jungs und ihren Wegen im Vorfeld von "Murder Of Crows", das mit sketch-artigem Coverartwork und wenn man so will im Artwork befindlicher, grafischer Querverbindung zu Candlemass besticht. Mir persönlich gefällt das Material aus dem z. B. das Booklet etc. gefertigt wurde. Vermutlich umweltfreundliches Material, zumindest liegt diese Vermutung nahe. "Pitchblack" (Track 1) wurde zum Opener erkoren und beginnt mit akustischer Einleitung, die ganz am Anfang stark an Metallica's "Master Of Puppets" Einleitung bei "Battery" erinnert. Aber warum nicht, wenn es so nice verläuft wie im Falle dieses rein instrumental gehaltenen Stückes?! "Murder Of Crows" (Track 2) fährt danach direkt schwere Ketten auf, die den Groove mitbringen und sich auf griffig gewürzten Thrash Pfaden einfräsen. Stimmlich rangiert Sänger Matías Leovicio im Übergangsbereich der Thrash-/Death Metal Grenzen, nimmt dabei aber auch die Hardcore und Metalcore Stilistik mit, was definitiv nur gut sein kann. Nuclear schädeln mit ordentlich Abrissbirne auf den/die Hörer/-in ein und haben auch beim folgenden "No Light After All" (Track 3; Anspieltip I) nicht nur Death-, sondern auch Benediction Einflüsse mit im Gepäck. Dabei entfaltet sich deren Drive allerdings aus einem verdammt amtlichen Eigenfluss heraus, dass es dementsprechend wuchtig bis lockerleicht (r)einscheppert. 

Dass Nuclear aber durchaus auch mit doomigeren Klängen klarkommen und sicher auch von diversen Doom Metal Alben beeinflusst wurden, kommt bei "When Water Thickens Blood" (Track 4), das in einen Schlepptau-Groove übergeht, dass man regelrecht angenehm druckvoll 'gen Boden gedrückt wird und dabei noch selig grinst. Vor allem die Gitarren arbeiten sich im Verlauf dieses Stückes durch diverse Stil-Wasser und verwässern das Stück selbst insgesamt stellenweise zu solch' einem Groovedreher, dass man dafür erst mal Worte (er)finden muss. Von den Arrangements her eines der abwechslungsreichsten Stücke auf diesem Album, bei dem mit vielen unvorhersehbaren Wechseln gearbeitet wurde. Chapeau! 

Spätestens bei "Friendly Sociapath" (Track 5; Anspieltip II) fallen mir vergleichsweise Sepultura zu Zeiten von "Beneath The Remains" (*1.989) ein. Der Unterschied zwischen den damaligen Sepultura und Nuclear im Heute ist die Soundqualität, sowie die musikalischen Entwicklungen und Neuerungen seit den Spä-'80ern/Früh-'90ern. Der Schnittpunkt beider Bands sind die Hardcore Einflüsse, die u. a. auch bei "Abusados" (Track 6; Anspieltip III) durchkommen. Diese Stück könnte auch vom aktuellen Sepultura Lineup stammen. Man muss dabei kein Spanisch können, um die sozialen Unterschiede-, aber auch die Gemeinsamkeiten nachvollziehbar zu verstehen. So angepisst wie diese Jungs hier alles kleinhechseln, was gerade in- und um Chile herum passiert, kann man deren Wut über "Missbrauch" (so die grobe Übersetzung des Titels) und Freiheitskontrolle nur allzu gut nachvollziehen. 

Mit fast noch einem Ticken mehr Schallgeschwindigkeit geht es auch per "Misery Inc." (Track 7) quer durch den Garten Eden. Selbst zeitgemäße Themen wie "Lock up, famine and sexual slavery.." werden verarbeitet und zwischen die Saiten geschossen, dass man hier gepflegt 'ne ganze Menge Energie/angestaute Wut beim Mitgehen loswerden kann. Wenn also mal der Pandemie- oder Gesellschafts-/Weltfrust aufkommt, einfach mal 'ne Runde Nuclear in die heimische Anlage und den Frust per (Mit-)Bewegung von der Rolle schieben. Dabei kommt zugute, dass Nuclear auch mit "Facing Towards You" (Track 8) Euch bewegungsmäßig alles abverlangen - mindestens vom Nacken her. Es würde mich nicht wundern, wenn nach Release dieses Albums (bestenfalls massenweise) vermehrte Akutfälle von Schleudertraumatas bekannt werden. Die klangliche Vollbedienung zehrt dabei nicht nur von den Best of the Best Thrash Metal Alben unserer Zeitgeschichte, sondern stellenweise nach wie vor wie von Death- und gelegentlich auch hauchdünnen Black Metal Einflüssen. Selbst Sodom Funken habe ich abfangen können. ;-) Nuclear funktionieren deshalb so gut, weil die Rezeptur so denkbar einfach wie genial (in der Realtät natürlich extrem nervig und kontraproduktiv, wenn man an die Umstände aktuell denkt) ist. Das fängt bei Vorurteilen in einer ach so modernen-, technologisierten Welt (Alltag) an und hört beim Machtpoker (im Kleinen wie im Großen) auf. "Hatetrend" (Track 9; Anspieltipo IV) nimmt sich inhaltlich u. a. Online-Shitstorms/Hass vor. Man sagt allgemeinhin, dass die besten Alben/Mucken in schlechten Zeiten mit Blick auf Empathie, Menschheit und soziale Unterschiede, entstanden sind - angehörs dieser Scheibe, könnt Ihr hier ein weiteres Pro für diese These abgreifen. By the way, wenn Hass wirklich zum Trend wird, wie krank muss dann diese Welt-, diese-, unsere Zeit sein?!?

Warum Nuclear mit "Blood To Spare" (Track 10) noch einmal ein rein instrumentales Düsterstück eingeschoben haben, erschließt sich mir zwar nicht gänzlich, aber sei es drum, schließlich packt "Useless To Mankind" (Track 11) auf satten 7:17 Minuten noch einmal die Keule und diverse Skills aus, die auch Hardcore  Punk Läufe mit im Futter mitführen, so dass es eine wahre Hörfreude ist. Nicht wundern, gerade dieses Stück birgt Überaschungen.- ;-) Jedoch gilt auch hier zu grossen Anteilen: Wer die frühen Thrash Metal Glanztaten von Sepultura in der Drehe '89/'90 lieben gelernt hat, der/die muss hier echt mal ein Ohr riskieren! Danach dürften die Gehörgänge absolut schmalzfrei sein. ;-) Ein rundes Meisterwerk, das aus meiner subjektiven Sicht zur Oberliga der Topalben im Jahr 2.020 gehört. Ordentlich Spahn (und damit meine ich nicht den aktuellen Gesundheitsminister) lässt dieses Album auf jeden Fall.

V.Ö. 13.11.20

 

Schafe Schüsse Hammermarke!

10/10 Schafe Schüsse

(Black Lodge Records/Rough Trade 2.020)

http://www.nuclear.cl/

https://www.facebook.com/nuclearcl

Danny B

Schaf Schüsse: 

10
Eigene Bewertung: 10

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