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LARRIKINS "Für die, die geblieben sind"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

10-2019

Label: 

Genre(s): 

Die Mc'Pomm-aufgegabelten Larrikins, die bereits seit 18(!) Jahren ihre Blumen von diversen musikalischen Stilfeldern in ihre Mucke einbinden, melden sich nun mit dem "Am Ende war der Mensch" (*2.016) Nachfolger "Für die, die geblieben sind" zurück. Das konzeptionelle Ende war, bzw. ist erst der Anfang - so viel scheint bereits im Vorfeld dieses 4. Releases aus dem Hause Larrikins klar. Schon das eben erwähnte Vorgängeralbum konnte fern von plumpen Schubladen auf vielen Ebenen bei mir punkten, großartige Lieder wie z. B. der Überhit "Zeit", "Aufs Leben" oder auch "Alles auf Anfang" haben sich seit Release souverän bewährt und sind Teil der Playlist geblieben, die man immer wieder gern abgrast wie ein Hund die Wiese(n). Die Larrikins haben nicht nur sprichwörtlich Felder umgepflügt, beackert und bespielt, sondern sind dabei menschlich gereift und gewachsen - und das auch noch mit einem maximal-optimalen Maß, das auch bei den neuen Liedern besonders spürbar wird. 

Doch der gewohnten Reihe nach! Ab auf's "Kettenkarussell" (Track 1) und angeschnallt für eine erfrischende Dosis Leben, die so farbenprächtig daherkommt wie die Blätter der Bäume da draußen. Auf den ersten Eindruck hin, kommen Larrikins nun deutlich Pop/Punk-Rock-iger rüber, was an Dritte Wahl (in den letzten Jahren) oder auch an Kettcar oder auch Turbostaat erinnert. Dass bereits dieser Opener jegliche Zweifel wort-wörtlich verschenkt und zurück zum Optimismus kehrt, während die musikalische Entwicklung songdynamisch dienend punktet, stellen sich selbsttönend die Weichen ein wenig vor. Etwas metal-lischer ausgelegt möchte man "Frei sein" (Track 2; übrigens KEIN C.O.R. Cover). Das Zusammenspiel profitiert von den vielen Liveshows, die die Band hörbar enger miteinander verschweißt und vernagelt hat. Was geblieben ist, ist die textlich-vertiefte (bestens erträgliche) Contentgewichtung der Texte, um die herum sich die Arrangements drehen. Es scheint unmöglich Larrikins nur so "nebenher" zu hören. Insgesamt wirken die Lieder nicht nur stimmiger in sich selbst, sondern auch durchdachter auf mehreren Ebenen. Wenn die Larrikins bislang "Unsichtbar" (Track 3; Anspieltip I) waren, machen sie sich mit diesem Album unumgänglicher, fern jeglicher sogen. "d. Rock" Schubladen in die man diese Band definitiv nicht leichtfertig stecken sollte, gerade weil hier nicht plumpes Geklapper, sondern echter-, spürbarer Inhalt am Start ist, in dem sich jede/-r wiederfinden kann. 

Mir persönlich gefällt die neue Offensive der Larrikins, die nicht nur locker im Lauf zu Hause ist, sondern auch die Mitgangschaltung benutzt, ohne kalkuliert oder aufgesetzt zu wirken - "Rachetränen" (Track 4; Anspieltip II). "...schau' wie eine Art nach der anderen geht.." Man kann gut und gern sagen, dass hier die volle Rockdosis am Start ist - einige werden z. B. die Onkelz als Vergleichsfutter heranziehen, Andere werden Dritte Wahl oder Betontod ins Blick-Ohren-Feld der Vergleiche bringen und wiederum Andere werden bemerken, dass die Larrikins ihren eigenen Sound (saustark produziert, weil sehr stimmig ausgewogen) gefunden zu haben scheinen. Dies kann sich auch gern mal emotional-ruhiger präsentieren und mit "Geteiltes Leid" (Track 5; Anspieltip III) demütig und dankbar stimmen, was dem Grundtenor dieses Albums zuspielt. Man fühlt sich stellenweise an das Vorgängeralbum erinnert, ohne das Gefühl eines lauwarmen Aufgusses zu haben. Gerade bei diesem Stück kommt sie zurück, diese Gänsehaut, die ich auch vor gut 3 Jahren beim Hören hatte. An diesem Stück dürften wohl nicht einmal mehr die diversen Radiosender vorbeikommen?! Breitband-Großkino! Chapeau!!!

Überraschenderweise binden Larrikins sogar Ska-Elemente ein und tanzen "Mit dem Rücken zur Wand" (Track 6) gefühlt in die nächste Festivalsaison. Lockerer Saitenlauf trifft auf gute Laune Feeling und Sonnenschein von Kopf bis Arschloch. ;-) Dass das Ganze stellenweise sogar Ekstasemomente ausspuckt, ist dabei just Sahneguß. Nicht erst beim Beginn von "Polaroid" (Track 7) dürfte eingefleischten Onkelz Hörer/-innen klar werden, dass wohl kaum eine Band im Rocksektor an den Frankfurtern vorbeikommt. Denkt beim Hören zu Beginn mal an "Keine Amnestie für MTV". ;-) Das Ganze gemischt/angereichert mit Bad Religion Anteilen und der Larrikins Ursuppe, dann kommt das dahin, wo echt was geht. Selbst Hip Hop Parts, die unvorhersehbar eingestrickt wurden, spielen in die Karten. 

"Zeuge einer Zeit" (Track 8; Anspieltip IV) bringt hingegen hintergründige Alcest Atmosphäre unter die Haut und berührt von Textbeginn an. Himmelsgeigensehnsucht mischt sich aufkommender Wehmutsnostalgie unter, während diese Zeiten in den Zwischenzeilen sehr hellsichtig reflektiert werden. Eines der stärksten emotionalen Stücke der letzten Jahre überhaupt. Und das begrenzt sich nicht(!) selbstlaufend nur auf die Larrikins, sondern auf die gesamte Flur deutschsprachiger Bands in Europa. Wer es z. B. "ver-wirtz-t" mag, kann-, nein muss regelrecht hier einchecken! Thematisch selbsttönend sonnenklar. 

So "Rastlos" (Track 9; KEIN Kärbholz Cover) wie sich diese Jungs präsentieren, scheinen sie letztlich auch zu sein, egal ob sie dabei auch mal einen Blick über die Schulter wagen oder sich in der Gegenwart umblicken. Musikalisch hört man auf diesem Album einen echten Quantensprung bzgl. des Entwicklungs-/Reifungsschubs innerhalb der Band. Selbst Grooveblöcke schaffen die Jungs mal eben fast schon beiläufig auf die Saiten und bleiben dabei fest im Sattel, während der Flow keinen Abbruch erfährt - "Nächstenliebe" (Track 10). Die Hirnschläge werden satzartig serviert und sitzen dabei ziemlich zielgenau da, wo sie Lücken im Denken finden. Im letzten Albumviertel liegen nicht nur innere Landschaften offen da, sondern bringen deutlich mehr Metal-Anteile auf ein dezentes Maß gespielt mit sich - "Zerissen" (Track 11). Auffällig auf jeden Fall das starke, unterfüttertende Schlagzeugspiel insgesamt von Christian Mielke immer wieder. Letztlich passt es, dass die Larrikins mit "Für die, die geblieben sind" definitiv "Spuren" (Track 12) hinterlassen und das stark zu vermuten auf vorausliegende Jahre hin.  

V.Ö.: 04.10. 2.019

 

9,65/10 Schafe Schüsse

(Rügencore Records/Cargo Records 2.019)

https://www.larrikins.de/

https://www.facebook.com/larrikinsband/

Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

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