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KISSIN' BLACK "Dresscode: Black"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

02-2019

Label: 

Genre(s): 

"100% self-made & 100% Swiss-made. Rockig, poetisch, akustisch & roh." So beschreiben sich die Italo-Schweizer von Kissin' Black, die 2.008 von ihrem Sänger Giu Mastrogiacomo gegründet wurden. Stilistisch hat man sich dem Dark Rock, also quasi in gleichem Atemzug auch der Goth Rock Szene, verschrieben. Mit drei Releases hat dieses Trio bereits ein beachtliches Fundament in der Hinterhand, das den Weg für deren neuestes Album "Dresscode Black" ebnete. 

Das Konzept von "Dresscode: Black" will u. a. "verschiedene Facetten der Farbe Schwarz" zeigen. Ich verstehe zwar, was man damit meint, dennoch liest sich diese Aussage etwas holprig. Na egal, das ist letztlich genauso wie mit "dem Sein sein Sein lassen." Also steige ich direkt in dieses (auch von den Artworks her) künstlerisch interessante Album ein. Der Opener "Chi Dice Che Porto Sfortuna?" (Track 1) lässt auf 49 Sekunden Freddy Krueger Memorials die Pforten öffnen. Was mich kurzzeitig als Nebengedanke beschäftigte, ist die Tatsache, dass das Stück selbst 49 Sekunden Länge hat, auf der Rückseite des Albums aber 56 Sekunden angegeben sind, was sich bei einigen Song-Zeitangaben ebenfalls unstimmig ist. Doch bevor ich nun das Bild des Erbsenzählers abgebe, widme ich mich lieber dem Album selbst, das mit "Giants" (Track 2; Anspieltip I) mit düster-modernem Country Rock beginnt und in H.I.M./Negative beeinflusste Alternative-Sphären übergeht. Kissin' Black klingen dabei außergewöhnlich gut. Auch Ohren, die den frühen Zerpahine- und den Dreadful Shadows Tagen etwas abgewinnen konnten, können hier mal ein Ohr riskieren. Im Direktvergleich wirkt "Dark Again" (Track 3) noch etwas ruhiger, bleibt vom Eingängigkeitsfaktor jedoch etwas hinter "Giants" zurück. Da darf es ruhig etwas klischeehaft anmuten, wenn "Gravemen" (Track 4) "...are coming 'round..". Modern Country Stilelemente werden hier leichtfüßig eingestrickt und erinnern auch schon mal etwas an End Of Green in Akustikauslage. Der exotische Beigeschmack gibt letztlich ein Plus für Kissin' Black her. 

Mit dem beschwingten "Liquor Tears" (Track 5; Anspieltip II) geht es offensiv auf Ohren(emp)fang, was funktioniert - vor allem auf längere Sicht. Die Spanish-Italo-Western-Guitar-Funken sorgen dafür, dass der Exotenreiz unterschwellig auf nahezu perfekte Weise mitfließt. Ziemlich stark, das muss man Kissin' Black zugestehen. Schade nur, dass "Flirtin' With Hope" (Track 6) den Flow-Drive direkt wieder ausbremst. Zwar geht es hier handwerklich professionell zu, wirkt jedoch zunächst etwas fehlplatziert. Eine Schmuse-Schmalze-Ballade wie sie H.I.M. einst zu ihrer Königsdisziplin gemacht haben. Das unterstreicht einmal mehr, dass das Dark Rock Genre nicht gerade eine einfache Spielwiese ist, obwohl der Albumtitelsong "Dresscode: Black" (Track 7; Anspieltip III) dafür ganz ordentlich rausrockt. H.I.M., etwas Volbeat Beigabe (unterschwellig), leichter Manson Hauch, Negative, Vlad In Tears... hier vereinen Kissin' Black 'ne Menge Charmeträger in ihrer Mucke, vergessen dabei aber nicht auch eigene Beigaben als Würze am Start zu haben. Dieser Song hat locker das Zeug zur Szenehymne auf den Partyfloors Europas zu werden.

Per "Step Out Of My Dreams" (Track 8) geht es erneut zurück in akustische Balladengefilde. "Oh Girl French Girl (feat. Florian Grey)" (Track 9) kommt da, trotz Hörspielcharakter, schon deutlich interessanter. Solche Art Albumbrücken hört man heutzutage tatsächlich nicht mehr allzu oft. Möglicherweise ist die Frage nach dem Namen der Französin mit "Jolie" (Track 10) beantwortet? "Jolie" kommt in klar verstehbaren Französisch auf akustischen Pianopfaden (mit dezenten Akkordeoneinsätzen) erneut akustisch zu Ohren. Das Gute an den ruhigen Songs auf diesem Album ist, dass sie alle unterschiedlich intoniert und arrangiert wurden, so dass keine Langeweile zu ähnlicher Strickmuster aufkommt. Mit "Riders (feat. Anna Murphy)" (Track 11; Anspieltip IV) geht es (endlich) wieder rockiger zu. Hier hat man den The Doors Klassiker "Riders On The Storm" neu interpretiert und mit Eluveitie Sängerin Anna Murphy auch stilfeste Gastverstärkerin am Mikro. Klar, als The Doors Fan hört man da besonders kritisch hin, ich kann allerdings nicht sagen, dass diese Coverversion danebenhaut, im Gegenteil. Mir gefällt hier besonders, dass man diesen The Doors Evergreen in ein eigenes Gewand gehüllt hat. 

Da wird es in folge natürlich besonders schwer für jeden weiteren Song. "Address Unknown" (Track 12) kann demnach nur vom Staub der Reiter atmen. Als Einzelstück geht "Adress Unkown" in Ordnung, reißt mich aber dennoch nicht vom Hocker. Just a nice Song. "The Visit" (Track 13) hingegen versucht mit klassischen Glam Rock Stilmitteln im Dark Rock Fuß zu fassen. Gefühlt geht es hier im Zeitlupentempo zu. Mit anderen Worten das Stück schleppt sich mit gefühlter Fußkettenkugel voran. Gesanglich aber top (H.I.M./Vlad In Tears Nähe). Zum Abschluss dieses doch recht vielschichtigen Albums kommt mit "Unveiled: In The Rain" (Track 14) erneut ein hörspielartiges Stück, das einem Outro gleichkommt und eine gewagte Länge hat. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Am Ende eines der besseren Dark Rock Alben, frei nach dem Konzeptkernstück: "If you dress to impress I guess it's gonna be one hell of a mess."

7,8/10 Schafe Schüsse

(Notte Nera Records/Timezone 2.019)

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https://www.facebook.com/kissingblack/

Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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