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THE JACKETS "Queen Of The Pill"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

06-2019

Label: 

Genre(s): 

Zwischen Clockwork Orange und Turbonegro wirkt der Starrblick von Jackie Brutsche (Jack Torera; voc./git.), der eindringlich wie hypnotisch vom Coverartwork dieses bereits vierten Album des Schweizer Trios seine Wirkung nicht verfehlt. Eyecatcher gelungen. Nicht nur Alice Cooper(!) spielte die Mucke bereits in seiner Radioshow, sondern auch Sunset Strip-Vibes wurden via Rodney Bingenheimer breit in den Äther gestreut. Da kann man schon mal leicht ins Grübeln kommen, warum man diese Band erst jetzt wahrnimmt? Vielleicht stimmt es einfach, dass es eine gewisse Wahrnehmungsverzögerung zwischen dem amerikanischen Kontinent und dem in Europa gibt, was Mucken/Trends etc. angeht?! Doch um beim vorliegenden Album "Queen Of The Pill" zu bleiben, hat kein Geringerer als Jim Diamond (*White Stripes; The Cambodian Space Project) mitgemischt und end-produziert. Unter solch' regelrecht "luxeriösen" Basisgegebenheiten kann doch eigentlich nichts schiefgehen.

Wenn man bereits im 11. Bestandsjahr ist, sollte man zumindest meinen, dass der Boden bestens vorgesät ist, um die Erfahrungen in die Mucke einfließen zu lassen und das Potenzial voll auszuschöpfen. "Dreamer" (Track 1; Anspieltip I) jedenfalls schafft es als Opener direkt '60er (/'70er) Jahre Garage Rock Flair fließen zu lassen, der direkt zeitzuversetzen weiß und verstehen lässt, was an dieser Band aus dem Stand heraus so zu faszinieren weiß. Etwas Blues funkt im hintersten Winkel auch mit. Mir kamen spontan The Troggs (*"Wild Thing") in den Sinn, während ich in meinem inneren Musikzentrum kramte, an wen mich der Sound von The Jackets ein wenig erinnert. Allein der sehr originelle Sound, der sich an diversen '60er Jahre Rockproduktionen orientiert, besticht mit einer Leidenschaft, die ihresgleichen sucht - "What About You" (Track 2), was auch an der Art der Arrangements liegen mag. Ich persönlich fühle mich komplett vor das Röhrenradio meiner Kindheit zurückversetzt aus dem The Beatles, The Rolling Stones, The Troggs etc. diesen special Sound herausschießen ließen, der mich damals direkt zu bannen wusste. Aber auch Soul-ige Notieren kann man durchaus wahrnehmen, die in den '60er/'70er Jahren noch eine echte Basis zum Verschmelzen mit Rockmusik boten - "Steam Queen" (Track 3; Anspieltip II). Sam Cooke (R.I.P.), Aretha Franklin (R.I.P.), James Brown (R.I.P.)... all' diese großartigen Musiker fließen unterschwellig mit. Obendrauf etwas Fuzz/Spiritual Rock Beigaben, es groovt, hat Flow und dieses gewisse Etwas, das einen zu packen weiß - "Move On" (Track 4).

Besonders die tiefengetönten Songparts wie zu Beginn von "Don't Leave Me Alone" (Track 5) sind es, die das Non Plus Ultra hergeben. Aber auch moderne Einflüsse sind clever genug eingewebt, um auch jüngere Ohren zu erreichen. Wer z. B. den Sound von The White Stripes mochte/mag, wird vom Kern her Ähnlichkeiten entdecken können, die letztlich auf die Urquelle der Einflüsse schließen lassen. Teilelemente werdet Ihr aber auch im klassischen Hard Rock der '70er wiederentdecken können, die hier genauso ihren Platz innehaben, wie man z. B. sehr gut am Albumtitelstück "Queen Of The Pill" (Track 6; Anspieltip III) hören kann. So manche, geliebte Hard Rock Band mit leichten Hang zu experimentellen Sounds werden Euch durch die Gedanken schießen. Man kann nur staunen mit welch' sattelfester Leichtigkeit The Jackets ihre Songs hier zocken, trotz Studiotools etc.. Nicht einmal das eher seichtere "Floating Alice" (Track 7), das etwas stoned wirkt, kann an der Qualität dieser Scheibe etwas ändern. Tito And Tarantula/"From Dusk Til Dawn" Atmosphäre umschmeichelt sexy und dürfte sowohl in diversen Clubs, wie auch in Bars ein Zuhause finden. 

Mit "Losers Lullaby" (Track 8) geht es zurück in Richtung (Garage) Rock der den Ohrwürmern ein handfestes Konzertfundament bietet. Sogar etwas Punk Rock, aber vor allem Beat(les) Rock kann man hier im Detail ausmachen, was schon verdammt großes Kino hergibt! Zwar hält "Deeper Way" (Track 9) kaum Kritikboden bereit, hört sich jedoch auf diesem High Quality Album etwas schwächer als die restlichen Songs an, ist allerdings trotzdem noch good enough, um als "guter Song" zu gelten. In ähnlichem Drive geht das etwas über 31 minütige Album mit "Be Myself" (Track 10) über die Ziellinie. Insgesamt ein verdammt starkes Album, das die Ursprünge des '60s Rock mit Schmackes & Feuer entstaubt und letztlich dafür sorgt, dass auch dieses Genre noch längst nicht tot ist. Bei mir wird dieses Album noch öfter laufen, so viel ist sicher.

V.Ö.: 14.06. 19

 

9,35/10 Schafe Schüsse

(Voodoo Rhythm Records 2.019)

https://thejackets.ch/

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Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

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