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INSELN "nichts"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

03-2020

Label: 

Genre(s): 

Vorweg gesagt brauchte es tatsächlich ein paar Durchläufe bis ich die für mich abschließenden Worte zu diesem Album fand, was grundlegend eher eine neutrale Randnotiz ist und bleibt. Was macht man mit einer Band, die vom Bandnamen her eher nach "Juli Pop" klingt, sich selbst aber im Post Punk/Shoegaze sieht? Die bereits 2.011 in Münster gegründete Band hat 2.015 ihr Debüt an Land gebracht und seither den Anker gelichtet, um nun mit "nichts" nachzulegen. 

Da ich deren Debüt nicht kenne, kann ich dementsprechend auch keine Vergleiche zum Erstling ziehen, was nicht weiter tragisch ist, sondern just den Anspruch hegt, dass "nichts" mehr als selbiges sein sollte, um bestenfalls zu bannen/zu gefallen. 

Das eher schlichte s/w Artwork gefällt mir bereits vor dem ersten gehörten Ton. Angenehm irgendwie. Dann darf auch schon "nichts" (Track 1) einziehen und tut dies auf ruhige dezent instrumentierte Weise, die mich spontan Fehlfarben erinnert. Die Grundatmosphäre bleibt relativ leer im fiktiven Raum. Wie an einem dieser grauen Tage, an denen man einst mit Kaffee und Zigarette ausdruckslos in die Weite starrte und sich selbst suchte. Seltsamerweise passt diese Grundatmosphäre geradezu perfekt in die aktuellen Tage. Gerade Freunde von tanzbaren Batcave/Emo-Depro-Punk, der ohne Pogo auskommt, sollten hier man ein Ohr riskieren - "Disco Ruff" (Track 2). Die kleinen Düsterromantikfunken geben dieser Art von Mucke ihren Kleber mit, um die Ohren und Gedankenläufe in der Nähe zu halten, was auf längere Zeit sogar im Selbstlauf funktionieren kann. Die Texte sind dabei so dezent (und doch mit Tiefe, wenn man denn will) wie die Mucke selbst - "Alles was ich nicht kenn" (Track 3; Anspieltip I). Mit Rausch, mit '80er Jahre Kopfkinofilm. Sympathisch leicht muffiger, nicht-steriler Clubnachtgeruch pappt hier beim Hören drin. 

Für hörbare Abwechslung sorgt Schlagzeugerin Nora Schulte, die auf diesem Album erstmals bei "Rauschen" (Track 4) auch am Mikro zu hören ist. Die größtenteils kühle Art des Gesangs hat eine Art fundamentales Annie Lennox/Shakespear's Sister in sich, was nicht viele Frauen im Skills-Repertoire anzubieten haben. Sonst ist eher Martin Staeckling (git.) für den Gesang zuständig. Bislang könnte ich mir Inseln ziemlich gut im Vorprogramm von Fliehende Stürme vorstellen. Leider durchzieht der Grundstilfaden auch "Wie an diesem Tag" (Track 5), bei dem man sich auf weiten Strecken eher instrumental auslebt. Zwar sind die kleinen Gitarrenfunken in Richtung The Cure Sound eine nette Abwechslung, jedoch so kurzweilig aufglühend wie sie bei diesem Stück aufflackern. Schade. Mit anderen Worten: In diesem fiktiven Raum findet bisher kaum Licht den Weg hinein, was auch bei "Nah bei mir" (Track 6) so bleibt. Gothics werden hier (dem Klischee nach!) interssantes Neuland entdecken können, genauso wie diejenigen, die es stimmungsmäßig eher in Richtung Nacht zieht. 

Mir fehlt bislang das auflockernde Highlight. Etwas, das trotz des Grundtenors mit Deprohauch mitnimmt/bannt. Da ist ein Stück wie "Der letzte Tag" (Track 7; Anspieltip II) zwar keine gedankliche Überraschung im bisherigen Albumkontext, weiß aber zu meiner eigenen Überraschung etwas Gewisses mitzugeben, so dass man dieser Art Endzeitromantik doch mal wieder etwas abgewinnen kann. Für quasi Quarantäne-Zeiten wie diese dennoch ganz sicher keine empfehlungswerte Mucke, um dem möglichen Lagerkoller oder gar der allgemeinen Stimmung Vorschub zu leisten. Da gefällt mir das eher offensiv zu Ohren tönende "Tiefer kommt wer tiefer fällt" (Track 8; Anspieltip III) insgesamt mit am Besten, zumal Inseln hier endlich etwas mehr aus dem Kokon/der Komfortzone herauskommen - übrigens auch in Sachen Abwechslung. 

Entweder ist ab diesem Punkt auf "nichts" der etwas feste Knoten gelockert oder aber Inseln funktionieren dank der (länger empfundenen) Gewöhnungsphase doch besser als noch beim Erstdurchlauf vermutet?! Denn plötzlich funktioniert auch "Dein Gesicht am Fenster" (Track 9; Anspieltip IV), das mit dem Fehlfarben/The Cure Gemisch echt was in einem selbst (an)trifft und Bock auf Clubnächte mit dezenter Kellerausleuchtung macht. Das folgende "Es ist zu spät" (Track 10) verfällt im Abschluss teilweise wieder mehr zurück in die nächtliche Resignationsnähe, trotz des deutlich ausgewogeneren Arrangements, das jedoch immer zum roten Faden zurückfindet. Wie gesagt von "Punk" in dem Sinne just dezente Spuren. Dann auch nur bzgl. Depro-Punk. Der Basslauf ist im Punk oft ein beliebtes Stilmittel, das Inseln erst zu Beginn von "Etwas bleibt zurück" (Track 11) mehr in den Fokus rücken, was sich auf Songlänge jedoch in Schläfrigkeit verliert. Das Gefühlskino funktioniert bei diesem Stück trotzdem auf einer aufmerksamen Ebene. Mit "In Gedanken" (Track 12; Anspieltip V) stechen Inseln wieder in See und verlassen das Land mit angenehm verträumt-lauten Gedanken, die sich von einer wohligen Ruhe nähren.  "...nur die Zeit, nur die Zeit..." weiß wohin es dieses Trio noch treibt, das dank des wirklich mitnehmenden Finalstückes noch einmal Land gut gemacht hat, obwohl es bereits längst wieder weit draußen auf dem Meer der Zeit war/ist. 

7,0/10 Schafe Schüsse

(Disentertainment/Broken Silence  2.019)

https://www.facebook.com/Inseln-650863578327743/

https://inseln.bandcamp.com/?fbclid=IwAR3-I446dWZ7rNLWVOjIDlEY0nm7CLVnyx...

Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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