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EIVØR "Live in Tórshavn" [Livealbum]

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

04-2019

Label: 

Genre(s): 

Die färöische Sängerin und Komponistin Eivør Pálsdóttir war mir, trotz ihres schon stattlich-umfangreichen Releases Backkatalog seit dem Jahr 2.000, bislang nicht bewusst bekannt. Allenfalls ist mir das ein- oder andere Stück aus ihrer Feder via YouTube beiläufig untergekommen(?), jedoch nicht in bewusster Erinnerung verblieben. 

Dabei hatte Eivør Pálsdóttir ersten TV Auftritt bereits im Alter von 13 Jahren und wird nicht selten als "faröische Björk" bezeichnet, zumal ihr Reportoire von Jazz, Folk, Ethnopop bis zum Trip-Hop reicht, während Klassik und Kirchenmusik ebenfalls im Fundament der Sopranistin vereint sind. Ob- und in wie weit die Reisen und Wohnstätten (u. a. Island, Dänemark [Kopenhagen]) auch eine einflussnehmende Rolle auf ihre Musik hat(te), kann man nur erahnen/spekulieren. Neben einigen Preisen wie "Ársins Føroyingur 2004" (*Färinger/in des Jahres), den AME-Musikpreis als "Beste faröische Sängerin" (*2.005), den "Danish Music Awards, Folk 2006" - in gleich satten sechs Kategorien nominiert, gewann sie letztlich den Titel "Vokalist des Jahres" (bei den "DMA"), sowie in der Kategorie "Dänisches Liederalbum des Jahres" u. a., aber auch  auch Charterfolge konnte Eivør feiern. 

Der Name der Sängerin leitet sich übrigens von dem faröischen Namen "Eyðvør" ab, was so viel wie "stetiger Wächter"/"jemand, der dich immer beschützt" bedeutet. Ihr Nachname Pálsdóttir hingegen bedeutet "Pauls Tochter" nach dem Vornamen des Vaters Páll - das just Infobeigabe in Sachen Hard Facts, um nun direkt zu ihrem neuen Livealbum "Live in Tórshavn" zu kommen, das in einem alten Theater auf den Faröer Inseln aufgenommen wurde. 

Gerade weil ein Livealbum oft nicht nur eine Art "Best Of" Charakter innehat, sondern auch von der Magie des festgehaltenen Momentes lebt, dürfte "Live in Tórshavn" mit 16 Stücken Umfang ein guter Einstieg sein, um die Musik von Eivør kennenzulernen, gerade, wenn man (wie ich) kein Stück bewusst auf dem Schirm hat. Das hat dann von der Herangehensweise etwas nahezu Unbefangenes. Zwar geht "Mjørkaflókar" (Track 1) etwas ungewöhnlich ohne Intro los, weiß aber direkten Weges auf sanften Flügeln mitzunehmen, wie eine Reise ins Irgendwohin. Weiche Instrumentierungen schaffen eine Ethnopop Atmosphäre, die in diesem Fall ohne bewegte Bilder auskommen muss, was etwas schwierig ist. Die Stimme von Eivørhat hat dabei etwas markantes inne, das sich in die Reihen großartiger Musiker/-innen einreiht und dabei nicht den üblichen Pop aus dem Radio anbietet - "Brotin" (Track 2). Wenngleich so ein Hauch vom '80er Jahre Pop der Marke Sadé ein klein wenig mitschwingt. Es sind z. B. Stücke wie "Verd mín" (Track 3; Anspieltip I), was u. a. an großartige Folkgrößen wie Loreen McKennitt erinnert, dabei mitklingend eine Art tiefsinniger- und parallel freier Atmosphäre aufkommen lässt. Wenn Zeit eine Art klanglichen Ausdruck haben kann, dann kommt ein Stück wie dieses der Ausdrucksebene schon sehr nahe. 

Bislang gestalten sich die Stücke eher ruhiger Natur, mehr stilistische Abwechslung findet sich mit "Salt" (Track 4; Anspieltip II) ein. Mit kleinen elektronischen Unterfunken erfährt das Folkgenre hier angenehm frischen Wind, dem auch zeitgemäßer (Ethno-)Pop inneliegt. Wer sich an solche Art Genreerweiterungen erfreut und Mucken von Deads Can Dance, vielleicht auch etwas Diamanda Galas(?), Aurora oder auch den frühen The Merlons Of Nehemiah bevorzugt, dürfte hier neues Ohrenfutter finden. Es bleibt im mystisch-berührendem Klangbildraum und lässt auch mal einen Gast durch die Tür - "Rain" (Track 5; Anspieltip III) feat. Konni Kass (*ebenfalls von den Faröer Inseln; bekannt aus dem Pop Genre). Der duale Breitbandgeschmack, der dieses Stück besonders hervorhebt, dürfte sich auch aus dem Livealbumkontext hervorstellen und für Radioeinsätze (in so mancher Nacht) eignen. 

Nachdem "Bridges" (Track 6) weiter durch Ethnopop-balladeske Sphären zieht und erste Soprantöne mitbringt, kommt mit "The Swing" (Track 7) wieder etwas mehr Folk-Pop vermengter Sound auf und erlaubt gleichermaßen auch etwas mehr Volumen aufzufahren. Solche Abwechslungen tun dem Liveset erfrischend gut und beugen dem drohenden Hauch von Monotonie vor. Man hört auch wieder genauer hin, wenn "Famous Blue Raincoat" (Track 8) erneut mehr Ruhe/Tiefe auffährt. Auch solche nicht ganz so schnellzündenden Stücke können dem nächstfolgenden Stück zuspielen, was sich anhand von "Remember Me" (Track 9; Anspieltip IV) selbsttönend unterstreicht. Von leichtem Weh durchzohen, gesalzen mit dem Gefühl von Sehnsucht und zaghaftem Verstehen, markiert dieser Song in dieser Liveversion ein Highlight auf diesem fast einstündig +15 minütigem Album. Die Setblöcke (wenn man so will) sind ausgewogen aufteilt und warten vereinzelt mit dezenten Elementen aus dem Electropop auf, die hervorragend mit dem jeweiligen Stück verschmelzen, ohne zu weit auszuscheren - "On My Way To Somewhere" (Track 10). Für meinen subjektiven Geschmack sind es letztlich dennoch die etwas peppigeren Stücke, die direkt mitnehmen und mich erneut ein klein wenig an Dead Can Dance erinnern - "Silvitni" (Track 11). Selbst manchem/mancher Gothic dürften Stücke wie dieses gefallen. 

Bislang durchziehen just auch einige Folk-Einflüsse dieses Livealbum, was sich erst mit "Trøllabundin" (Track 12; Anspieltip V) ändert und sogar leicht indianisch-rituellen Raum erschafft, dank der recht einfachen Perkussion. Auch hier darf/kann man Dead Can Dance als Ikonen des Modern Folk nicht gänzlich außen vor lassen. Insgesamt ein weiteres, deutliches Highlight dieses Albums. Zwar verbleibt auch "Boxes" (Track 13) in stillen Klanggewässern, geht jedoch mehr zurück in Richtung Ethnopop. Erst nach hinten raus steht der Fokus mehr auf der musikalischen Experimentierfreude, die sich stärker vom Rest abhebt. Da dieses Album größtenteils (ohne zu viel verraten zu wollen) auf der ruhigen Atmosphäre aufbaut, gestaltet sich das Hörvergnügen insgesamt so, dass man die richtige Stimmung, den passenden Moment braucht, um sich auf die volle Albumlänge einlassen zu können. Stücke wie "Tides" (Track 14) haben zwar ihr Pros inne, wirken im Albumkontext gesehen allerdings erst über mehrere Durchläufe mit Eindruck nach. 

Mit etwas dem temporeicherem Pop-Folk-Sopran-Ethno-Gemisch von "True Love" (Track 15) und dem Popsong "Falling Free" (Track 16), der mit einer Stilmischung aus Loreena McKennitt (zu Beginn kleinen Adele Momenten) und teils gehauchten Eivør Parts ins Albumfinale geht, erreicht man zum Abschluss noch einmal genau das, was dieses Album auf nicht direkt zu greifende Weise durchzieht. Auf jeden Fall eine bereichernde Hörerfahrung. 

7,65/10 Schafe Schüsse

(By Norse Music/Membran 2.019)

https://www.eivor.com/

https://www.facebook.com/eivormusic

Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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