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EAT LIPSTICK "Eat Lipstick"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

10-2015

Label: 

Genre(s): 

Na W.T.F. ist denn hier Verfucktes los? Da habe ich tatsächlich einen äußerlich herrlich charmant schrägen Zufall verpasst, der sich unter dem hungrigen Namen Eat Lipstick "queer, loud, proud" irgendwann in der Drehe um 2.015 rum in Berlin zusammengefunden hat, um exzessiven Glam Punk Rock den nächsten Generationen wie Glitzerkonfetti ins Ohr zu spielen. Dabei beruft man sich auf Punk Bands vor 1.979, alle Metal Bands vor 1.984 und alle Transen vor und nach Jayne County. Wenn das mal nicht 'ne satte Regenbogenmischung mit jeder Menge rusty Vibes schon vorab mitgibt...?!

Erst kürzlich spielten Eat Lipstick im Vorprogramm von Pipes And Pints in Berlin, ich jedoch verpasste die Lippenstiftvernichter aufgrund der Umstände meines Jobs und dem, dass sie zu viel zu früher Zeit für einen Freitag Abend in Berlin spielten. Immerhin konnte ich noch deren Debütalbum erhaschen, das bereits 2.015 sämtliche Mittelfinger verun-glam-te. Gerade dem "Glam-Fucktor" mag es auch geschuldet sein, dass ich in den letzten 4 Jahren bislang maximal mal flüchtig irgendwo deren Namen gelesen habe. Die Glam-Rock-Ursuppe der "Rock Horror Picture Show" hat mich als Jugendlicher eher davongejagt als ins Schlepptau genommen. Nun ja, man wird zumindest vom Kopf her offener und kann solche Art Mucken auch mal antesten, anstatt (wie in Jugendtagen oft) direkt zurück zur vertrauten Mucke zu flüchten. Mit "Too Hot For Hell" (Track 1) geht es jedoch ungeahnt klasse los, irgendwo zwischen typischem Punk Rock und AC/DC Anleihen (man entstaube nur mal "Girls Got Rhythm") und wird sehen, was da geht. Von Glam Style hat das Ganze jedoch nicht viel inne. Auch Rose Tattoo kommen mir ein klein wenig in den Sinn. Eat Lipstick laufen ungeahnt gut zu Ohren, was auch auch bei dem eher langsamen "Licking Box" (Track 2) gelassen sexy eingetütet wurde. Umso besser, dass vor allem Drums und Saiten doch noch etwas tempohungriger sind. So manche heutige Spiritual Rock Band, die ihren Sound eher Retro definiert, kann hier allein vom Klangbild her das Vorbildsstück in Sachen Produktion hören - "Barbarella" (Track 3). Wer auf griffigen sexy, catchy Rock 'N Roll mit leichter Punk Rock Flankierung abfährt, muss hier einfach das Ticket zum Einchecken buchen. Extrem tanzfreundlich. ;-)

Mir persönlich gefallen zwar Dead Kennedys verrockte Stücke wie "Choke Me" (Track 4; Anspieltip I) noch 'ne Spur besser, das mag jedoch bei diesem Album unter die Luxusabteilung fallen. Bislang kann ich tatsächlich nichts bemängeln. Eat Lipstick wissen dem gefährlich guten Flow den Weg zu ebnen. Konzeptionell dürfte die Gangart klar sein. Muckemäßig wissen Eat Lipstick sogar mit erfolgreichen Bands wie The Baboon Show konform zu gehen. Disco vs. Rock 'N Roll, allerdings ohne zu viel kitischige Effekte. Im Gegenteil Eat Lipstick setzen ganz klar auf Skills - "Cum Inside My Love" (Track 5; Anspieltip II). Ohrwurmgefahr! Selbst aus recht einfachen Strickmustern wie bei "Fums" (Track 6) erschaffen Eat Lipstick Highlights, die vor allem mit kraftvollem Gesang einhergehen und die Hüfte shaken, dass selbst ein Elvis Presley (R.I.P.) aus dem Building getanzt wäre. Zwar fährt dieser Vierer unterschwellig nach wie vor mit AC/DC im Gepäck, aber auch die ehrwürdige Suzie Quatro dürfte Einflussgeberin gewesen sein, wenngleich auch Dead Kennedys definitiv einen nicht unerheblichen Anteil innehaben - "Smells Like Piss" (Track 7; Anspieltip III), was auch bei "Born 2 B Xerox" (Track 8) über weite Strecken so bleibt. 

Es ist vor allem den Instrumentalisten zu verdanken, dass Eat Lipstick so ohrenfreundlich punk-ten und besonders Old School Rock Lover-Herzen den Puls in neue Freudenhöhen treiben dürfte. -"Honeymoon In Berlin" (Track 9; Anspieltip IV) Die Stimme von Anita Drink passt sich flexibel an den jeweiligen Flow an und verliert diesen leicht rauchrauhen Charme nicht, der teils sogar an beste Johnny Rotten Tage zu erinnern weiß - "Dress To Kill" (Track 10; Anspieltip V). Einen wie mich weiß solche Art Mucke zu verschnüren wie ein irrer Hundefänger einen Verrückten. Sicher, die Themen mögen entrückt und anders sein, aber das stört gerade im Punk Rock nicht, ganz im Gegenteil. Es darf "sex pistol'n" und rocken - "Fuck London" (Track 11; Anspieltip VI), was es auch tut, es funktioniert auf ganzer Linie. Diese Scheibe kommt zu späten Ehren, dafür aber volles Brett! Selbst ruhiger beginnende Stücke wie "Sabotage" (Track 12) sind fies geschmierte Ohrwürmer mit anderer Farbgebung. Mit zunehmenden Albumverlauf verfestigt sich der Eindruck, dass Eat Lipstick das lockere Potenzial in petto haben The Baboon Show songweise große Konkurrenz zu machen. Selbst catchy Parts, die auch Fans von Juliette And The Licks anflirten, dürften eine Bilderbuchlandung hinlegen. 

Im Vorfeld hatte ich die Befürchtung, dass zu viele Stücke den Gesamteindruck schmälern könnten, tun sie jedoch so gar nicht. Ganz im Gegenteil hier werden Punk und Rock in Richtung goldene Hochzeit geführt - "Full Time Model" (Track 13; Anspieltip VII). Das Rotten'sche Mitgift schleift sich auch hier sympathisch ein. Irgendwie pendelt Anita Drink's Stimme immer wieder zwischen Jello Biafra und Johnny Rotten hin und her, während die Mucke genug hot Catchiness auffährt, um auch fremde Ohren für sich zu gewinnen - "Murder By Madonna" (Track 14). Selbst das Finalstück "Scissors" (Track 15) weiß noch genug Futter von der Kette zu lassen, dass dieses Album absolut sicher in den Hafen einfährt und für jede Menge dreckiges Grinsen sorgen wird (wenn nicht bereits geschehen) und das nicht nur derer Pressestationen wegen. Hammerstarkes Album!

Schafe Schüsse Hammermarke!

 

10/10 Schafe Schüsse

(Eat Lipstick 2.015)

http://eatlipstick.com/

https://www.facebook.com/eatlipstickrocks

Danny B

Schaf Schüsse: 

10
Eigene Bewertung: 10

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