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DEVILLE "Pigs With Gods"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

10-2018

Label: 

Genre(s): 

Ein halbes Jahrzehnt ist seit der Erstberührung mit dem Deville Album "Hydra" (*2.013) bereits vergangen, viele Jahre hat man nicht mehr viel von den aus Malmö, Schweden stammenden Heavy Rockern gehört. Was blieb, war der starke Eindruck, den "Hydra" teilweise hinterlassen hatte, insbesondere der Ear-Catcher "The Knife", den ich auch heutzutage immer wieder gerne höre. Zwischen "Hydra" und dem hier vorliegenden Album "Pigs With Gods", veröffentlichte man das (mir unbekannte) Album "Make It Belong To Us" 2.015, das lt. eigenen Aussagen etwas mehr von Progressive und Metal Einflüssen durchzogen war. Nachdem sich kurz darauf (*2.016) auch noch das Line Up Karussell etwas drehte, ist die Vorspannung auf "Pigs With Gods" im Vorfeld just umso höher gewesen. Zudem hat sich mittlerweile auch die Labelhomebase geändert, aber das nur am Rande. Die Artworks sind schlicht gehalten, aber aussagekräftig. Lediglich der Druck der Titel etwas farblich anstrengend für die Augen, zumindest bei bestimmten Lichtfall. 

Freilich, der Albumtitel hört/liest sich schon etwas befremdlich. Was können denn Schweine für den religiösen Glaube der Menschen? Nun ja, das mag man an anderer Stelle diskutieren, schließlich geht es hier um Synonyme und Bildersprache, die mit "Lost Grounds" (Track 1) das neue Album ins Ohrenfeld führt. Was Deville musikalisch hier durch den sprichwörtlichen Temporärtunnel bringen, ist noch immer im Heavy Rock zu Hause, zumindest zunächst. Vertraut klingen sie. Etwas Foo Fighters Midtempo mit an Bord. Das Ganze eingebettet in der von "Hydra" bereits bekannten Eigenmarke in Sachen Sound. "Pigs With Gods" (Track 2) bietet vom Tempolauf her mehr Offensive an und macht sich von daher auch deutlich frischer in den Ohren. Diese Art Frische steht Deville wirklich gut zu Gehör und holt alte Stärke raus. Die Art von catchy Drive, der das gewisse Etwas mitbringt. Gerade der Dreck unter den Soundnägeln hat hierbei genau die richtige Würzung gefunden. Diese behält man bei und lässt es einfach mal rollen - "Gold Sealed Tomb" (Track 3; Anspieltip I). Man erlaubt sich gesangsdienliche, effektive Cleverness. Deville haben ihren Heavy Rock mit cleverer Melodik angereichert, ohne aus der Spur abzudriften. Die Einschläge der Drums, der Wummerdrive des Bass und die lässige Fahrt der Vocals und den Gitarren gießen sich butterweich in die Gehörgänge. Feingespür pur, das z. B. auch in "Cut It Loose" (Track 4; Anspieltip II) amtlich locker gezockt wird. 

Die eingangs erwähnte thematische Religionsfärbung kehrt spätestens mit "Lightbringer" (Track 5) gedanklich zurück. Man geht etwas doomiger/ausgebremster zu Werke, was auch etwas Sludge in sich trägt. Das Stück schleppt sich etwas langatmig über die 5:20 Minuten und nimmt damit leider auch etwas Drive raus, was echt schade ist. Das kann (positiv gesehen) nur den Effekt nach sich ziehen, dass "Hell In The Water" (Track 6) potentiell im Direktvergleich gewinnen könnte. Könnte. Geschmackssache eben. Es gibt Lichtblicke, die die Offensive/den Zug nach vorn suchen, letztlich jedoch verliert man sich ein wenig. Erst "Wrecked" (Track 7) kehrt in direktem Steilgang zu den Stärken zurück, die sich vom Fahrtwind nähren. Damit meine ich gar nicht mal zu viel Uptempo o. ä., sondern einfach diesen fetten catchy Lauf, der die ganz klare Kernstärke vom Deville Sound ausmacht. 

Umso erstaunlicher, dass "Acid Meadows" (Track 8) eher balladesk anfährt und erst nach der ersten Minute etwas mehr in die Gänge kommt, ohne aber voll auf die Tube zu drücken. Handwerklich sind Deville jedenfalls über jegliche Zweifel erhaben, egal ob im Low Level Tempo oder im fetten Puls-Drive. Schade nur, dass Deville sich gefühlt mehr im Low Tempo festfahren, denn auch das rein instrumentale "Dead Goon" (Track 9) lässt den Hörer etwas unzufrieden zurück, wenn man denn davon ausgeht, dass gerade die starken Driver die Hörerschaft längerfristig zu binden wissen. Ich erinnere nur mal an "The Knife". "Came For Nothing" (Track 10) klingt da schon wieder versöhnlicher, wenngleich Deville auch hier eher rumwuseln, anstatt mit lässigen Walz-Feeling fett zu rocken. Klar, die Zutaten sind gewiss nicht von schlechten Lehrern, es hapert eher an der Umsetzung, die ihre Zündung aufgebraucht zu haben scheint. Mit etwas gutem Willen und offenem Ohr bringt zumindest "Medicated On A Concrete Road" (Track 11) wieder mehr Nähe zu besseren Fahrtwegen mit. Nach hinten raus kommen sogar (unvorhersehbar) klassische Elemente zum Einsatz, die allerdings wissen nicht nur zu entführen, sondern verzaubern sogar und führen direkt ins Albumfinale, das mit "In Reverse" (Track 12) schwebend bis zeitanhaltend zu sich aufbäumenden Emotionen führt, die sich mit einer Art Reise durch andere Sphären abwechselt. Zum Ende hin verschmilzt alles in einer Art opulenten Fusion, die für einen starken Abgang sorgt. Somit wird der finale Eindruck eindringlicher nachgeschliffen, hinterlässt allerdings insgesamt das Bild einer Band, die ihren Sound im Kern zwar gefunden hat, aber noch mit den Gängen der Karre experimentiert. 

6,55/10 Schafe Schüsse

(Fuzzorama Records/Soulfood 2.018)

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Danny B

Schaf Schüsse: 

6
Eigene Bewertung: 6

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