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CORPUS DELICTI "Break Everything"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

07-2018

Label: 

Genre(s): 

Immer wieder, wenn ich in Kontakt mit der Schweiz komme, denke ich unweigerlich an RTL Samstag Nacht und die Sketche von Tommy Krappweis, der einige Male einen klischeedurchsetzten Schweizer gab. Zudem hüpft direkt die Frage "Wer hat's erfunden?", zusammen mit dem Spruch "Is' cool man!" durch den Synapsengarten in meinem Hirn. Da haben einige Marketing Leute einen echten Job abgeliefert, sowas hallt eben nach, auch heute noch. Dabei war die Schweiz (zumindest in den besser betuchten Kreisen) einst eher für präzise Uhrenwerke, Banken und die zauberhafte Bilderbuchlandschaft bekannt... nun ja, die Zeiten ändern sich, die Mentalität ja möglicherweise auch? Nachdem Krokus, Gotthard und Celtic Frost einst den metallischen Nährboden geschaffen haben, folgten in den '90ern Samael (sofern man nicht sogar auch die etwas genreferne Psychobilly Band The Monsters auch irgendwie mit hinzuzählen darf?) und danach folgte lange Zeit erst mal nichts bzw. niemand, der/die mir im Moment spontan einfallen würde, bzgl. musikalischer Erfolge über die Landesgrenzen unseres Nachbarlandes hinweg. Dennoch weiß ich wohl, dass gerade dort noch mit viel Liebe und Leidenschaft für den Metal getan und gemacht wird, wirklich oft sehr nah am D.I.Y. Spirit. 

Mich erreichte vor einiger Zeit das über einige Zeit entstandene Debütalbum der Post-Thrash Metaller von Corpus Delicti, die ihren Bandnamen mit einer von 1.991-1.998 aktiven-, recht erfolgreichen italienischen Gothic Rock Band teilen. Mit Gothic hat der musikalische Stil dieser Schweizer allerdings so gar nichts gemein, so viel vorab. 

Noch vor dem Release des hier vorliegenden Debüts, drehte sich das Bandkarussell bereits auf einer (ge-?)wichtigen Position, wobei es sich im Falle des Aussteigers ausgerechnet Bandgründer und Gitarristen Jonas Ehrismann handelte. Doch gut Holz will sich härten und so nahm man bandintern die Pläne neu in Angiff, die direkt mit dem Albumtitelstück "Break Everything" (Track 1) ins Album hineinbrettern lassen. Bereits die erste Töne der Bass Drum lassen-, zusammen mit den etwas zu weit hinten agierenden Gitarren einen old schooligen Sound aufkommen. Angenehmer Rumpelsound trifft auf Drive und dem Wille ordentlich abzureißen. Soundmäßig klingt es schwer nach Old School Thrash. Exodus, ältere Kreator, Hirax fallen beim Erstdurchlauf direkt ein. Aber auch etwas Destruction, nur eben mit etwas dünnem Gitarrensound. Dennoch geht hier ordentlich was, was auch "Rising Darkness" (Track 2; Anspieltip I) willig zu unterstreichen weiß. Man hat direkt das Gefühl, dass diese Scheibe in 15-20 Jahren genau dort stehen könnte, wo heute diverse Kultscheiben der '80er und '90er Jahre stehen. Lediglich die Bass Drum von Simon Bommeli wurde vom Klangbild her viel zu weit nach vorne gerumpelt. Wer ein paar greifbare Vergleiche braucht, dem seien Tracer, die ganz frühen Space Chaser, sowie Reactory mitgegeben - "Chaos Prevailing" (Track 3). 

Sobald sich das Ohr an den optimierungsgebotenen Sound (= Klangbild; was recht schnell geht) dieser Scheibe gewöhnt haben, macht es auch doppelt so viel Spaß sie zu hören. Selbst Slayer kann man hier und da definitiv als Einfluss ausmachen, z. B. in Sachen Vocals von Bassist Sileno Püntener, der tatsächlich recht nahe an Tom Araya ist - "Choose Your Grave" (Track 4; Anspieltip II) Ich denke ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass "Break Everything" wie eine ansteigende Sinuskurve ist, deren Richtung erahnbar ist. Satter Double Foot Bass Teppich unterfüttert gefühltes Midtempo -"Blinded By Rage (Track 5; Anspieltip III)-, was nicht nur mich an so manche Proberaum Session erinnern wird, denn genau so klingt dieses Album vom Klangbild her. Man hat das Gefühl direkt in einer Proberaumecke gestanden zu haben und nun den Mitschnitt dessen zu hören. Normalerweise mögen genau das viele da draußen direkt verschmähen, gerade in Zeiten von High Standard Digital Produktionen, aber genau darin liegt der sympathische Charme dieses Debütalbums. 

Die bereits angedeutete Slayer Nähe kommt vor allem zu Beginn von "War" (Track 6) erneut zu tragen, was nach diesen Parts zu einem etwas eigensinnigerem Stück zusammengeklöppelt wurde. Auf diesem Album eindeutig das nebenspurläufigste Stück (inkl. einiger Tempowechseln). Dafür kehren Corpus Delicti mit "Inquisition" (Track 7; Anspieltip IV) zu den ursprünglichen Einflüssen zurück und knipsen mit diesem über weite Strecken im Midtempo verbleibenden Stück das Licht aus. Fans von Post Thrash Metal mit viel Old School/Originalbezug kann man diese noch junge Band (zumal erst 2.013 gegründet) nur wärmstens zum An-/Auschecken empfehlen.

6,5/10 Schafe Schüsse

(Blood Rite Records/Rough Trade 2.018)

https://www.facebook.com/corpusdelictiband/

Danny B

Schaf Schüsse: 

6
Eigene Bewertung: 6

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