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COILGUNS "Millennials"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

03-2018

Label: 

Genre(s): 

"Mittlerweile sind sie etwas älter, ihr Hardcore vor allem träger, fetter und dunkler." Das klingt doch mal nach einer interessanten Mischung, die mich an klassisch-rundschmeckenden Whiskey im Reifeprozess erinnert. "vielleicht... etwas tribal-mäßiges, beeinflusst durch die vage, aber beständige Idee, in einem verfluchten Land eine parallele Gesellschaft zu erschaffen..." heißt es weiter und wird durch diese Aussage bedingt, die ebenfalls im Infobeiblatt steht, auch ein wenig politisch, was Hardcore an sich ja durchaus ist. Coilguns sorgten demnach noch vor dem ersten gehörten Ton für ordentlich Vorspannung bei mir.
An und für sich sind Coilguns aus der Schweiz eine mir neue Band, allerdings bereits seit 2.011 aktiv, was ja von der Zeitspanne her auch schon auf ein paar Jährchen verweist. Die üblichen Backkatalogabklopfereien überlasse ich den Interessenten unter Euch - nur so viel, die erste EP dürfte zum begehrten Sammlerstück werden, denn diese wurde in Form einer aus Siebdruck und Plastik-Essensbeuteln zur Platte geformt. Ob das ein Statement oder Plastikwahn ist, entscheidet jede/-r selbst.

Ich widme mich nun mal dem brandneuen Album "Millennials", das mit "Anchorite" (Track 1) einsteigen lässt und Fahrt aufnimmt. Ein progessiv-noise-iges Gebräu mit verzerrten Vocals taucht farblich in elementäre Black Metal Midtempo Wände ein, denen man einen eigenwilligen Crossover/Alternative/Noise- vielleicht sogar grunge-igen(?) Touch mitgibt. Diese Stilfusion ist definitiv gewöhnungsbedürftig, allerdings auch auf seine Weise erfrischend. "Deletonism" (Track 2) klingt dagegen schon etwas klarer, wenngleich der Sound/Stil im selben Fahrtwasser bleibt, nur eben mit Riffs & Breaks an bereits erwähnten Grunge Stil erinnert. Nicht wenige werden an die verstört-schaurig-schönen Feedback-Orgien von Nirvana (R.I.P.) zurückdenken. Auch Neurosis dürften dem/der ein oder anderen Hörer in den Sinn kommen. Zumindest ist das bei mir so. Coilguns fragen laut nach dem Sinn in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das tun sie auch mal mit offensiverem Temposteilgängern wie es beim Albumtitelstück "Millennials" (Track 3; Anspieltip I) der Fall ist. Hier schimmert auch rüder, wilder Punkcharme durch. Das Stück selbst lebt vom Drive, der sogar Metal freundlich dahertönt. Im Kern bleibt es am Ende aber doch beim progessive-noise-igen Sound, der in das fast rein instrumentale Art-Stück "Spectogram" (Track 4) übergeht.

Auch "Music Circus Clown Care" (Track 5) gibt kaum mehr Lyrics (zumindest im Booklet) her und kommt sogar etwas sperrig(er) rüber. Der Sound und das wütend-einfräsende Gekloppe haben dabei eine hohe Intensität, die man in weiter Entfernung mit Ministry vergleichen kann. "Mènière's" (Track 6; Anspieltip II) vertieft den Fräsgang sogar noch, lockert das tonale Gesamtbild jedoch dank deutlich mehr Abwechslung (da weniger Hang zur bewussten Monotonie als Stilmittel besteht) auf. Es bleibt aber düster, dreckig und apathisch bis psychoverschraubt. Mittlerweile ist man vom Sound her auch so ziemlich am Aufschließen zu den Industrial Metal Pionieren von Ministry. Als Hardcore würde ich das bisher gehörte nicht umschreiben. Ich denke eher an Noise- oder Progressive Dirty Cyber Sludge Noise Core mit 'ner ordentlichen Dosis Feedback und verzerrten Effekten. Mit einem Wort "experimentell" - "Wind Machines For Company" (Track 7).

Als deutlich eingängiger erweist sich "Self Employment Scheme" (Track 8; Anspieltip III), für mein Verständnis hervorragend für den Erstcheck von Coilguns geeignet. Immer wieder verfällt die Band in musikalische Bewegungsmuster vom zu Boden gehen und dem Wiederaufstehen - "Blackboxing" (Track 9). Verstörend, ohrenbetäubend (in der richtigen Lautstärke). Mit dieser Art Mucke kann man den Kopf zum Platzen bringen, zumindest wenn man den Kopf nicht wirklich frei hat. ;-) "The Screening" (Track 10) ist das erste (und gleichzeitig letzte) Stück auf diesem Album, das mit einer gewissen Ruhe beginnt. Da kommt (zunächst) eine Art Dankbarkeit beim intensiven Hörgang auf. Erst im letzten Viertel des Stückes schieben Coilguns noch eine satte Ladung Riffwände zusammen und lassen dieses Album doch noch etwas angenehmer ins Ziel einlaufen. Diese Scheibe ist definitiv keine leichte Kost. Sperrig, noisy und ziemlich einschneidend.

6,95/10 Schafe Schüsse
(Hummus Records/Membran 2.018)

https://coilguns.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/coilguns

Danny B

Schaf Schüsse: 

6
Eigene Bewertung: 6

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