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A BURIAL AT SEA "A Burial At Sea"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

12-2020

Label: 

Genre(s): 

Immer wieder gibt es in schöner Regelmäßigkeit die späteren Ankömmlinge unter den pünktlichen Bemusterungs-Releases. Im Falle der offenbar 2.016 (auch hier fehlt die offizielle Grundinfo [wie zu oft in diesem Jahr] wann genau sich dieses musikalische "See-/Meerbegräbnis" zur Band formierte; das sollten Bands und Labels 2.021 besser machen) gegründeten Iren, hat die Ankunft zumindest keinen vollen Monat Verzug inne - na immerhin. ;-) 

Mit ihrer 3 Track Debüt-EP ".​.​.​And the Sum Of Its Parts" (*2.017) im Gepäck betourten a Burial At Sea zwischen zwischen 2.018 und 2.019 ganz Europa und haben sich bei ihren Querreisen die klassischen Sporen verdient, sowie wichtige Erfahrungen gesammelt. Eine Tournee scheint aus aktueller Sicht gefühlt wie aus einem anderen Leben. Man kann nur innigst hoffen, dass dies ab spätestens Sommer/Herbst 2.021 wieder für alle möglich wird/ist?! 

Sinnvollerweise sind A Burial At Sea nach ihrer Tour in der Rahmengebung ihrer irischen Homebase ins Studio gegangen und haben gemeinsam mit Produzent Tom Peters (*der selbst Teil der Band Alpha Male Tea Party ist) das hier vorliegende Album eingespielt. Vorab versprach die Beiinfo von deren Labels, dass dieses erste Werk auf voller Länge melodiös geprägt- und von Emo über Math-Rock bis zu HardcorePunk durchzogen, sogar auch Black Metal Einflüsse- und damit wiederum eine ziemliche amtliche Bandbreite innehätte, die mit "Intro (Dean's Deed)" (Track 1) beginnt. Dieser Einstieg rief bei mir persönlich erst einmal Bilder der vorbeirauschende Landschaft hervor, wenn man z. B. on Tour/auf Reisen ist. Diese kleinen wertvollen Momente im Strudel vorbeirauschender Zeit/Landschaft, der hier den/die Hörer/-in sanft an "You Really Did Grow After All" (Track 2) heranführt. Dieses erste (deutlich längere) Stück gleicht dem morgendlichen Erwachen und den ersten Blicken nach draußen, wo eine Melange aus Taureif und einstelligen Graden ein von leichtem Weißschimmer überzogenes Bild bietet. Dieses musikalische Bild taut zunehmend immer mehr auf und geht ab der 2:00 Minutenmarke (in etwa) in interessante-, rein instrumental gehalte Impressionen über, die eine Art Nulllinie überschreiten und mit fast völliger Stille den bisherigen Klangraum ausräumen. Auf's Wesentliche reduziert, kommt ein tatsächlich eher Metal-geprägter Epic Part zu tragen, wie man ihn z. B. von Bands wie Alcest oder auch Sólstafir kennt. Beeindruckend variabel. 

"Breezehome" (Track 3; Anspieltip I) wirkt da zunächst mit seinen Jazz-ig vermischten exotischen Elementen wie von einem anderen Stern, kommt aber nach der anfänglichen Verwirrung in einen angenehmen Alltags-Begleiter-Sound an, legt sich dabei aber nicht grundlegend fest, sondern tänzelt einfach zum nächsten Stilpart weiter. Dabei fallen die Übergänge kaum auf und wirken hier erst dank der schroff gespielten Riffs auch mal etwas kantiger. Das Stück selbst wirkt insgesamt stimmig und vom Flow geküsst. Dachte ich vor dem ersten Durchlauf des Albums noch ich würde es mit einer Art Jam-Session-Atmosphäre zutun haben, widerlegten/zerlegten A Burial At Sea diese Vermutung mit ihrer rein instrumental gehaltenen Mucke von der ersten Sekunde an. Zwar kommt auch mal etwas Jam Session Flair auf, z. B. zu Beginn von "Nice From Afar, Far From Nice" (Track 4; Anspieltip II), bei dem man schön rauchigen Rock And Roll Urspirit spürt, der mich kurz an ZZ Top z. B. denken ließ. Die knackigen Riff-Grooves wirken zwar streckenweise auch mal etwas Prog-ig angerissen bis experimentell, das aber macht A Burial At Sea auch ein gutes Stück weit aus. Immer wieder besonders beeindruckend ist die songdienliche Spielweise von Bassist Pádraig Kerr, der von Drummer Patrick Blaney unterstützt, ein großartiges Spiel hinlegt. Nicht einmal die eingewebten Trompeteneinsätze von John Naylor können der wohligen Gesamtatrmosphäre etwas anhaben, die sich auch weiterhin durch diverse Stile arbeitet/bewegt. Tatsächlich kommen hierbei sogar Math-Rock/(Epic) Black Metal Gemische auf die Mühlen. 

Mittels "Scrios An Teach" (Track 5) denkt man zunächst, dass etwas Stille vom Meer her aufzieht, was jedoch in erfrischende Windströme übergeht und sich musikalisch eher lockerleicht bis verspielt gestaltet. Kurz vor der Songmitte kommt dann etwas Metal affinere Grundstimmung auf, die teilweise an Long Distance Calling erinnert, trotzdem aber mit A Burial At Sea Eigenklang glänzt. Fast schon Prog/klassisch wechselt "D'accrord" (Track 6) in eine neue klangfarbliche Grundstimmung, die mich aufgrund des fortlaufenden Hauptsoli-Loops (von der Gitarre her intoniert) doch sehr an AC/DC's "Thunderstruck" erinnert und sich erst mit zunehmenden Verlauf in stärkerem Prog-Stil aus-/verlagert. Normalerweise bin ich ja nicht unbedingt der generelle Prog-Fan, A Burial At Sea schaffen es allerdings einen auf lockere Art mitzunehmen, ohne zu verkopft oder gar zu experimentell anzumuten. Selbst das verträumte "Lest We Remember" (Track 7) schafft es sich angenehm im Raum zu verteilen, ohne ermüdend o. ä. zu sein. Perfekt für den chilligen Tagesein- oder/und Ausklang. Erst die zum Schluss hin aufkommende Aufwärtsschraube löst den/die Hörer/-in aus der in sich gekehrten Simmung, was insgesamt sehr angenehm ist. Das folgende "Lightening Blanket" (Track 8; Anspieltip III) nimmt diese Grundstimmung als zudienliche Voreinstellung auf und malt erneut musikalische Landschaftsweiten an den inwendigen Horizont. Erstmals überhaupt kommen Gesangsparts zum Einsatz, die A Burial At Sea wirklich gut zu Gehör stehen und damit eine völlig neue Facette zum Vorschein bringen. 

Mit "Tropic Of Cancer" (Track 9) steht zum Albumabschluss noch einmal ein nicht unbedingt einfaches Thema auf dem Plan und beginnt ruhig. Von Blues und leichtfüßigen Jazz Elementen durchzogen, die mit unterschwellig leicht exotischen Note angereichert sind, hat das Anziehungskraft inne. Die ruhige Atmosphäre wird (von emotional gesehen) rohen Gitarren durchzogen und stellen eine erahnbare Geschichte eines Einzelschicksals dar, die die Thematik "Krebs" auf beeindruckende Weise ganz ohne Lyrics und Gesang darstellen. Jede/-r, der/die je Menschen mit der Diagnose Krebs begleitet und/oder erlebt hat, wird spätestens mit diesem Stück gepackt und auf eine sehr emotionale-, wie auch heilsam-tröstende Reise mitgenommen. Ein verdammt starker Albumabschluss auf zeitlos-empfundenenen 9:27 Minuten. Damit empfiehlt sich dieses insgesamt wirklich sehr starke Album noch einmal selbsttönend, ohne zu aufdringlich zu sein. Im Jahr 2.020 auf jeden Fall eines der stärksten Alben, die fast komplett instrumental gehalten sind. 

V.Ö.: 20.11.20

 

8,95/10 Schafe Schüsse

(Moment Of Collapse Records 2.020)

https://www.facebook.com/ABurialAtSeaUK

https://aburialatsea.bandcamp.com/

Danny B

Schaf Schüsse: 

8
Eigene Bewertung: 8

Review No.: 

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