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BOOTBLACKS "Thin Skies"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

10-2020

Label: 

Genre(s): 

Auch im aktuell schwer gebeutelten Hexenkessel der USA tut sich musikalisch/kreativ gerade in diesen extrem vertrumpten Zeiten so einiges, worunter an musikalisch-farblichen Facetten so ziemlich für jede/-n etwas Interessantes zu finden ist. Mit den 2.010 gegründeten Bootblacks, die vorab rein vom Bandnamen her fast etwas nach einer martialischen Band klingen, gesellt sich eine relativ seltene Stilblüte hinzu. Der Bandname gibt bereits vorab die eindeutig düstere Farbgebung unmissverständlich selbstredend vor, die lt. eigenen Grundinfos "wie ein dahinjagender Liebesbrief an Bauhaus, Joy Division, Depeche Mode und alle anderen Bands, die die ultimative Lücke zwischen Punk, Post-Punk und New Wave schliessen.." ist. Das ist tatsächlich eine ziemlich gewagte, große-, aber wunderschön umschriebene Ansage, umso neugieriger wird (bzw. wurde) man direkt, ob dieses vierte Full Length Release namens "Thin Skies" diesem Anspruch(?) gerecht werden kann? 

Das, was mit "Traveling Lights feat. Shannon Hemmett [Actors]" (Track 1) mit einem Electro Pop/Gothic Sound leichtfüßig herantänzelt, findet seinen gefühlten Kernursprung in den '80er/'90er Jahren. Irgendwo zwischen Anne Clark,  Silke Bischoff (resp. 18 Summers) und Camouflage würde ich zunächst subjektiverweise sagen. Aber auch Einflüsse von Sisters Of Mercy mischen sich unterschwellig schon mit ein. Insgesamt besticht dabei der stark ausbalancierte Sound, der dem Vinylklang grosser Depeche Mode Blaupausen aus den '80er Jahren schon verdammt nahe kommt - "The Jealous Star" (Track 2)-, wobei es auch mal leicht verträumtt zugeht. Mit viel Feingefühl kann man ganz tief im Zwischenraum Bauhaus Einflüsse wahrnehmen, Joy Division jedoch kann ich bislang noch nicht ausmachen, da es aber noch recht früh ist, soll man den Tag ja nicht über den Klee hinweg vor dem Abend loben. ;-) 

Was man über Bootblacks auf jeden Fall schon einmal sagen kann, ist, dass sich die Tanzbarkeit/Eingängigkeit der Stücke wie ein roter Faden durch das Album zieht, was auch beim eher Gothic typischen Schwebetanz-Albumtitelstück "Thin Skies" (Track 3; Anspieltip I) so bleibt. Mit persönlich gefällt dabei die doch tiefere Düsterauslage (ohne zu kopfschwer zu wirken) mit all' ihren einfrierenden Zügen in der Eigenbewegung. Hier wurde die anziehende Magie der Nebelwände diverser Clubfloors so mancher Goth Party perfekt eingefangen, denn es sind Stücke wie diese, die vor allem den tanzfreudigen Goths dieser Welt zukünftig auch beim Tanzen das Gefühl eines gewissen Mindestabstandes (auch dank genügend Nebelzuschuss) geben werden, wenn sie zu diesem Stück Schwarzgold tatsächlich unter gefühlt sauerstoffarmen, dünnen Clubhimmeln via Bewegung der inwendigen Sehnsucht/Grundgefühl Ausdruck verleihen. 

Selbst clevere, funkenartige Querverweise auf Rammstein werden die breitbandaufgestellten Ohren ausmachen können, z. B. zu Beginn von "Hidden Things" (Track 4; Anspieltip II), was im 25. Jubiläumsjahr von "Herzeleid" clever und denzent genug von Bootblacks mit einsgestrickt wurde. Passend dazu wird hier auch der Beat etwas härter und unterstreicht die Electro-Komponente deutlicher, anstatt weiter das New Wave/Pop Gemisch auszuweiten. Aber auch hier sind es die kleinen, elementaren Melodic Parts, die immer wieder eine gewisse Anziehungskraft bestärken. Diese verspielten Parts kehren natürlich immer wieder in die Grund-Arrangements zurück, alles andere würde auch schlichtweg keinen Sinn machen. Fakt ist schon an dieser Albumstelle, dass die DJs und DJanes eine fast schon luxeriöse, breite Auswahl an spielbaren Stücken angeboten bekommen, die selbst Vive La Fête Süchtige per "Parallel" (Track 5) auf anderer Tonalebene umschwärmt und den/die Ein oder Anderen eingefangen bekommen dürfte. Teilweise schielen Bootblacks da schon sehr auf den Ellectro/Synthie Pop der Depeche Mode Marke, was mit zunehmenden Albumverlauf immer gewichtiger ausfällt - "Nostalgia Void" (Track 6).

Mir persönlich gefallen da experimenterelle Stücke wie "Brouhaha" (Track 7; Anspieltip III) deutlich besser, weil sie genauso tanzbar bleiben, zudem aber mehr Raum für den bandeigenen Sound lassen. Besonders hervorstechende Trip Pop Einschübe von den Drumparts (Drumcomputer?) her, bzw. der vorantreibende Beat macht gerade diese Stück so außergewöhnlich wie eingängig. Da wirkt das folgende "New Lines" (Track 8) noch etwas hinterherhinkend, was sich aber im weiteren Verlauf etwas auflockert. Die Bauhaus/Depeche Mode Einflüsse kommen hier auch wieder hörbar stärker durch, was einigen jedoch definitiv gefallen dürfte. 

Mit dem etwas ruhiger ausgelegtem "Inextinguishable" (Track 9) geht dieses fast 33 minütige Album noch einmal mit kleinen experimentelleren Parts ins Finale und hinterlässt eine Visitenkarte, die man schon mal genauer durchliest, bzw. in diesem Falle hört. ;-)

V.Ö.: 09.10.20

 

7,0/10 Schafe Schüsse

(Artoffact Records/Cargo Records 2.020)

http://www.bootblacks.net/

https://www.facebook.com/bootblacksNYC/

Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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