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BILLYBIO "Feed The Fire"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

12-2018

Label: 

Genre(s): 

Muss man Billy Graziadei aka BillyBio wirklich noch jemanden vorstellen? Gut okay, den Jüngeren unter Euch vielleicht, zumal Ihr ggf. Billy Graziadeis Karriere bei und mit Biohazard (die bis ins Jahr 1.987 zurückreicht) nicht miterlebt habt. Diese musikgeschichtliche Lücke gilt es mit Wissen bzw. der Erfahrung hinsichtlich der Mucke unbedingt zu füllen. Im Grunde könnt Ihr auch rückwärts damit anfangen und mit diesem Soloalbum des (fast immer) wasserstoffblonden Gitarristen dessen Karriere von hinten aufrollen, denn (so viel sei vorweggenommen) Ihr werdet auf jeden Fall auch Elementarteile des ursprünglichen Biohazard Sounds hören können, das allerdings auf recht zeitgemäße Weise, trotz Old School Herz im Innern des Albums.

Klassischerweise kommt dieser musikalische Molotowcocktail mit zeitgemäßen Themen und ordentlich Schub daher, der von "Freedom's Never Free" (Track 1) angeführt, zurück zu den traditionellen Hardcore/X-Over Wurzeln zurückgeht. Vom Drive her kann man sogar Slayer Einflüsse ausmachen, nebst typisch toxischer Biohazard Ursuppe. Aber auch Punk Wurzeln kommen zum Zuge, wie man bereits beim Albumtitelstück "Feed The Fire" (Track 2) feststellen kann. Offenbar hat auch der frische Einfluss seiner aktuellen Wirkungsstätte Powerflo für ordentlich Frischwind gesorgt, der sich vielfältig durch dieses Album zieht. Vor allem der Tempofaktor fährt mit ordentlich Druck auf der Tube vor, driftet jedoch nicht in pures Metal Gekloppe ab, sondern erlaubt sich just das Ventil zu öffnen - "No Apologies, No Regrets" (Track 3; Anspieltip I). Dieses Stück hätte locker auch von Biohazard selbst sein können, während "Generation Z" (Track 4; Anspieltip II) starke Hooks und Singalong vereint und direkt im Midtempo Melodic Punk Rock erste Ohrwurmsaat der leichteren Kost serviert. Könnte gut sein, dass BillyBio es mit diesem Album schafft auch Teil der neuen Generation und deren Mucke zu werden. 

Von der Länge der Stücke her bleibt BillyBio bei der bewährten "kurz & knackig" Rezeptur, die noch immer funktioniert. Das Pendel sucht die Pole zwischen traditionellem Old School Drive/Groove und starken Rifflauf - "Sick and Tired" (Track 5). Beim Zwischenstück "Remedy" (Track 6) kommt Jennifer Bair Shipman als Gast zu Gehör, die (sofern ich richtig recherchiert habe?) normalerweise eher in der Soul Music zu Hause ist. Mit dieser kurzen Brücke geht es weiter zu "Sodality" (Track 7; Anspieltip III) und damit zurück zum "State Of The World Adress" Groove. Typische Gitarrensoli inklusive. Auch inhaltlich geht es hier um Kernursprünge und heutige Blickwinkel auf Zurückliegendes. Der Groove frisst sich regelrecht fest und fährt spursicher weiter - "Rise And Slay" (Track 8; Anspieltip IV). Fett und verdammt stark geht die Saat hier neu-, bzw. zum wiederholten Mal auf. Wieder einmal erweist sich Billy Graziadei als ein verdammt fähiger Songwriter, der diesem Album so einige (zwar bekannte) Trademarks seines Erfolgssounds als Kernbeigabe mit auf den Weg gegeben hat, was nicht etwa stört, sondern eher Bock macht, was auch "STFU" (= "Stand Up For Yourself"; Track 9; wieder mit mehr in punkiger Hardcore Auslage) zu untermauern weiß. Lyrisch typische Hardcore Kost. 

Ich persönlich mochte auch die "untypischen"/unterbewerteten Biohazard Stücke wie z. B. "Love Denied", weil sie auch mal andere Facetten hinter der "tough Guy" Fassade zeigten. In ähnlicher Auslage kommt "Trepidation" (Track 10; Anspieltip V) fast rein instrumental (abgesehen von einigen Samples) eher in nachdenklicher Stimmung um's Eck und führt zum Hip Hop/Rap intonierten "Untruth" (Track 11; Anspieltip VI). Kaum ein Stück auf diesem Album verbindet Old School, Nu School in so zeitgemäßem Guß. Das führt dazu, dass man bei den ersten Durchläufen eher genießt, anstatt sich mit der Message zu befassen. Kontraproduktiv oder schon ein Geniestreich? "An honest enemy is way fucking better than a friend who lies..." (Textzitat aus "Untruth")

Es geht in Richtung Albumfinale, "Enemy" (Track 12) rauscht eher vorbei, trotz abwechslungsreicher Arrangements und lässt mit "Disaffected World" (Track 13) nach kurzem Schleppgang einen echten Mottenabklopfer von der Kette, der nebenbei angemerkt das längste Stück dieses Albums hergibt. Ein verdammt starkes Album, das in Sachen Hardcore/X-Over zur Oberligaspeerspitze des Jahres 2.018 gehört. 

9,0/10 Schafe Schüsse

(AFM Records 2.018)

https://billybio.com/

https://www.facebook.com/BillyBIOHAZARD

Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

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UndTschuess