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ASCENSION OF THE WATCHERS "Apocrypha"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

10-2020

Label: 

Genre(s): 

Wenn ein stilikonischer Musiker und Pionier in Sachen episch bis brachialer Musik wie Burton C. Bell (Fear Factory) ein neues Side-Projekt gründet, was in diesem Fall bzgl. der ersten Gedanken/Schritte genau genommen bis ins Jahr 2.002 zurückreicht, dann stellt man schon mal die Ohren auf besonderen Empfang. Zwar fanden in der Vergangenheit nicht alle Ausflüge Burton C. Bell's Anklang auf breiterer Ebene, aber das liegt nun mal in der Natur des menschlichen Geschmackes. Als ich von Ascension Of The Watchers erstmals hörte und ich erste musikalischen Appetizer vernahm, weckte das mein Interesse, wenn auch nicht so wie das hier vorliegende Drittwerk dieser Band insgesamt.  

Schon der Satz "These are the words that echo through my unconscious." (*frei übersetzt: "Dies sind die Worte, die durch mein Unterbewusstes/Unterbewusstsein hallen.") umschreibt die Art der Musik und die Inhalte schon ziemlich treffend. Ergänzend sagt Burton C. Bell “These are the sounds that resonate through my mind…, these are the words that I speak in my dreams…, these are the visions I experience, throughout my unconsciousness…” (*Diese Klänge/Sounds hallen in meiner Seele nach..., dies sind die Worte, die ich in meinen Träumen [aus-]spreche..., dies sind die Visionen, die ich erfahre/erlebe, bei der Reise durch mein Unterbewusstsein..."). Wahnsinnig intime (Vorab-)Einblicke in das Innenleben des 51 jährigen. Ich möchte Euch nun auf eben jene Reise mitnehmen, die (so viel sei vorweg bereits verraten) mit einer krassen Intensität mitnimmt, dass dieser audio-visuelle Kopfkino-Trip vor allem diejenigen unter Euch nicht so schnell loslassen wird, die auf atmosphärisch-epische Klänge stehen. Von der Grundausrichtung her dachte ich einige Mal an die episch-ruhigen, verträumten Stücke des Fear Factory Albums "Genexus" (*2.015), die ebenfalls auf dieses Album gepasst hätten. 

Den ersten Song, den ich von Ascension Of The Watchers überhaupt hörte, war der Opener "Ghost Heart" (Track 1), von den Gitarren im Futter dieses Stückes anfangs auf Folk/Acoustic Stuff basierend und in ein Epic Pop/Alternative/Spirutual Rock/Metal Gemisch davonfliegend wie das, was wir allgemeinhin Seele nennen. Die Musik schafft es dabei eine Atmosphäre des Loslassens aufzubauen, die sich befreiend, beflügelnd wie auch gedankenreisend anfühlt. Bei den ersten Durchläufen riß mich dieser Opener zwar nicht direkten Laufes vom Hocker, stimmte aber perfekt auf das ein, was mit "The End Is Always The Beginning" (Track 2) Kreisläufe auf den Punkt bringt und ins episch Verträumte entführt. Dieses stark Percussions gestützte Stück Dimensionbesuch im Halbträumerischen, irgendwo ganz weit dort draußen, wo Alltagsbeschwerer wie Job, Politik, Geld, bzw. die Jagd nach materiellen Trophäen schlichtweg nicht existieren. Schon allein der Stimme Burton C. Bell's wegen kommt man nicht umhin ganz klar auch an Fear Factory zu denken, jedoch wie die Info es treffend umreißt like a ‘"soul without the machine". Demnach also nichts mit Cyber Metal-Attacken von den Saiten her. Dass auch vergangene Kollaborationseinflüsse von Al Jourgensen (*Ministry; 13th Planet Records) ihre Sporen zur Blüte bringen, lässt sich an den runder machenden Samples, die gelegentlich eingestrickt wurden, festmachen. 

Das Albumtitelstück "Apocrypha" (Track 3) lebt ebenfalls vom feinabgestimmten Drumprogramming von Bandmember Jayce Lewis. Die dezente Gitarrenbegleitung legt sich wie Flügelschlag für Flügelschlag wie ein Teppich sanftmütig ab, um per Burton C. Bells Gesang in den Raum komplett werden zu lassen, ohne dass dieser zu übervoll wirkt. Das lässt fast ein wenig nostaligische Rückblickstimmung aufkommen. Der peferkte Soundtrack für Momente am Strand mit Blick auf die stillen Wasserweiten. Die Gesamtstimmung hat fast schon astral-kosmische Outer Space Züge an/in sich. Da wird es Zeit wieder etwas mehr Erdenstaub in Form von "A Wolf Interlude" (Track 4; Anspieltip I) einzustreuen. Vom Tempo her ändert sich die Zeitlupenbewegung, bzw. langsam-getragene Auslage nicht. Jedoch kann man hier noch nicht von Doom Nähe sprechen, da die musikalische (Fort-)Bewegung ohne irdisches Zeitmaß auskommt, was dieses Album umso herausragender auf weiter, weiter Sphärenflur macht. Etwas nach Songmitte kommen sogar mit sehr viel Feingespür abgestimmte-, kleine Cyber-Verzerrungseffekte zum Einsatz. Wer hier aber ein Metal Album erwartet, wird enttäuscht. Dennoch dürfen effekt-/expermentieroffene Elemente nicht fehlen, die vor allem bei "Honoree" (Track 5; Anspieltip II) erstmals (zumindest partweise) zu tragen kommen. Besonders nach hinten raus intensiviert sich das Feeling noch einmal und erinnert an Fear Factory's "Enchanced Reality". "Stormcrow" (Track 6) spielt hingegen kurz darauf mit kleinen The Doors Querverweisen, die man in der ersten Minute mit Liebe zur Leidenschaft heraushören kann. Clevererweise entwickelt sich der Basslauf zur gefühlten Marginalsäule, die, wenn man genau hinhört, nicht nur aus eben jenem The Doors Ursprung erwächst, sondern großes Anteil am Zentrum des rein instrumentalen Hörvergnügens ist. 

"Cygnus Aeon" (Track 7) kehrt unterschwellig zum Elementargemisch des Albumbeginns zurück, indem die Folk-Gitarren mit facettenreichen Percussions erneut die Fundamentalbasis für Burt C. Bell's entführende, stimmliche Anziehungskraft hergeben, die etwas von einem Magnetfeld hat. Definitiv ist solche Art Epic Pop/Spiritual World Music Geschmackssache, dafür jedoch definitiv imstande Genregrenzen aufzuschmelzen und den/die Hörer/-in in den Bann zu ziehen. 

Als ich das Album zum ersten Mal hörte und das flügelleichte "Key To The Cosmos" (Track 8; Anspieltip III) mich weiter auf die Reise in tiefere, innere Sphären ohne Schwere trug, notierte ich mir, dass dies Musik ist, die zum Sterben schön ist. Damit gemeint ist jedoch ganz sicher nicht, dass die Musik einen suizidalen Animationssoundtrack hergibt, sondern eher dazu animiert einfach mal die Augen zu schliessen und sich forttragen zu lassen in/durch das eigene innere Selbst. Ascension Of The Watchers geben tatsächlich Musik her, die für nur eine Welt nicht ausreicht, sondern eher zum Flug durch universelle Dimensionsweiten hergibt. 

Da scheint sich der Titel "Bells Of Perdition" (Track 9) im ersten Moment doppeldeutig mit Bezug auf den Hauptsänger zu lesen, was sich nach der ersten Sekunde bereits zurück in der Musik verliert. Wie aus einem Guss fließt das musikalische Geschehen mega angenehm ins Ohr. So weit man sich im Freiflug der Mucke verliert, wird man vom etwas lebendiger gefühlten Morgen von "Wanderers" (Track 10; Anspieltip IV) fast schon ein wenig aus der verträumten Atmosphäre gerissen, die von der tatsächlichen Realität aktuell eingeholt klarmacht, dass sich am/im Hier und Jetzt nur im eigenen Selbst etwas (ver)ändert. Vor allem die wachsende Intensität ab Songmitte in etwa macht "Wanderers" auf lange Sicht zum Ohrwurm. 

Zum Abschluss dieses über 65 minütigem Albums geht es per moderner Folk/Acoustic Pop Coverversionsvariante des Terence Trent D’Arby Songs "Sign Your Name" (Track 11; Anspieltip V) ins Orbitoff des Albumfinales. Wenn man die Originalversion aus dem Jahr 1.987 kennt, hört sich die Ascension Of The Watchers Version zunächst naturgemäß leicht fremdelnd an, fräst sich jedoch mit jedem weiteren Choruspart immer unaufhaltsamer ein. Für mich schon jetzt das epischte Album des Jahres 2.020, das ich nur wärmstens (z. B. als Frustrationsfresser) empfehlen kann. Selten genug, dass Musik so krass entspannend ist. 

V.Ö.: 09.10.20

 

10/10 Schafe Schüsse

(Dissonance Productions/Plastic Head/Soulfood 2.020)

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Danny B

Schaf Schüsse: 

10
Eigene Bewertung: 10

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