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NEW HATE RISING "Miles"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

04-2020

Label: 

Genre(s): 

Die Stendaler Muckenschmiede von New Hate Rising ist den meisten HC'lern da draußen längst ein gängiger Begriff für kraftvollen Pit-Schub und das seit nun mehr 13 Jahren in denen diese Jungs die Äcker und Bretter bespielt haben als gäbe kein Morgen. Aktuell mag die Frage nach dem "Morgen" zwar etwas wackelig auf den Beinen stehen, aber sie steht. New Hate Rising liefern zur Besten Zeit ab - immerhin hat man gerade jetzt etwas mehr Zeit für intensives Rein-/Anhören und zum Anderen könnt Ihr hier Eure Frustration(en) friedlich beim Hören abpacken oder auch beim Joggen/Pumpen in effektiv friedvolle Energie umwandeln. Aus diesem Blickwinkel betrachtet war- und ist Hardcore (nebst Punk, Rock und Metal) schon immer der beste Hafen gewesen, um derben Mindfuck oder Frustration(en) loszuwerden. 

Auf den ersten Blick wirkt das in s/w gehaltene Coverfoto sogar irgendwie witzig - Akustikklampfe und Hardcore, äh? Auf den zweiten Blick jedoch mag es vielleicht genau so mit New Hate Rising begonnen haben? Ein Typ schnappt sich eine Akustikgitarre und versucht es den eigenen Helden nachzumachen. So, bzw. so ähnlich haben sicher 95% aller Musiker einmal begonnen den Schritt vom Träumen zur Tat zu vollziehen. Und weil auch heute noch gilt "Nicht labern - machen!", darf "Roll The Dice" (Track 1) das Album nach mehrjähriger(!) Produktion eröffnen. Das leicht düster anklingende Intro geht in den Albumtrack "Miles" (Track 2) über, der zum Sparing einlädt und auf direktem Weg punched. Vor allem gesangsmäßig passiert hier auf verschiedenen Ebenen recht viel für dieses Genre, wobei sich der Punk Rock Einfluss auch mit untermischt. Stellenweise erscheint mir der Gesang hier und da noch eine minimale Nuance zu weit hinten, was jedoch vielleicht sogar so gewollt ist? 

Überraschenderweise wird es mit "Black And White" (Track 3; Anspieltip I) sogar Papa Roach-Style rockig, was ich so gar nicht erwartet hätte/hatte. Dieses Nichterwarten mag der Tatsache geschuldet sein, dass ich New Hate Rising anders in Erinnerung habe und auch kein komplettes Album besitze. Die Arrangements sind auf jeden Fall durchdacht und könnten angehörs solcher Stücke sogar im Radio landen. Die Kost ist leicht wie Filinchen und lässt die "Hardkern-Federung" eher entschwinden, was allerdings erstaunlicherweise gar nicht großartig ins Gewicht fällt. Dass New Hate Rising trotzdem nicht das komplette Genre abziehen/wechseln, belegt "Pain" (Track 4; Anspieltip II), bei dem auch wieder Gangshouts und ordentlich Offensivzug frei Haus geliefert werden. Vor allem der Bridge-Übergang (auf Songmitte in etwa) wurde mit verdammt cleverer Dynamik von Drummer Tobi gelöst, um der Band den catchy Teppich auszurollen. Und das alles passiert in nur 1:19 Minute! Wow! Da kann ein typischer Hardcore Titel wie "Rise And Fall" (Track 5) nur gewinnen. New Hate Rising spielen mit Melodiebögen und haben hörbar Spaß daran. Gerade bei den Feinheiten macht sich die Zeit als Plusfaktor bemerkbar. Wo viele andere Bands im Schnellschuß ausliefern, zeigen NHR ihre Stärke(n) und spielen diese Karte(n) clever aus. 

Freilich sind New Hate Rising nicht mit Bands der '90er Hardcore-Riege vergleichbar, abgesehen vielleicht von den ebenfalls melodisch ausgelegten Ignite oder Shelter z. B., gehen dafür aber verdammt butterweich ins Ohr - "One More Dance" (Track 6), das auch nur eher entfernt an klassischen Hardcore erinnert. Es sind die gelegentlichen Parts und Stilelemente, die NHR noch mit einem Fuß in diesem Genre halten. "Open Mind" heißt manchmal eben auch, dass die Wege offen und nicht limitiert/begrenzt sind und genau das ist der Fall bei diesen Jungs. Die harte Kantenkelle haben diese Jungs trotzdem auch drauf, wie "Water & Wine" (Track 7; Anspieltip III) unterstreicht, aber eben auch emotionstiefere Klänge, die sich fast schon mit Nähe zum Blues am Ende des Stückes andeuten, um zum akustischen "A New Start" (Track 8) zu führen. "A New Start" scheint mir nicht nur insgeheim quasi der Co-Albumtiteltrack zu sein, sondern schließt auch den Kreis zu den Artworkfotos auf Front- und Backcover. Gesanglich top und nach hinten raus sogar unvorhersehbar aufblühend. Echte Highlightakzente. 

"Choose The Devil" (Track 9) passt da zunächst nicht sofort in den Stimmungslauf, zumal es deutlich härter zugeht und dann etwas mehr in Punk Rock vermengte Mehrgleise aufgeht. Definitiv leben New Hate Rising auf "Miles" von den starken Gesangslinien, die gefühlt konstant im Zentrum stehen, aber nur deshalb so stark wirken, weil die Dynamik der Instrumentalisten zuspielt. Mit "Mein Herz" feat. Matzo (Track 10; Anspieltip IV) haben NHR nicht nur die Stimme von Tausend Löwen Unter Feinden am Mikro zu Gast, sondern auch einen komplett deutschsprachigen Song am Start. Dank der starken Arrangements und des satten Basslaufs geht dieses Stück schön steil und dürfte zukünftig auch gute Chancen haben die neue Welt nach Corona in den Clubs zu beschallen. Gitarrist Schlacks hat auch hier einen großartigen Job gemacht mit all' den Dynamikläufen. Ein Funfact des Stückes beim Hören ist, dass mich NHR Fronter Andi hier stellenweise immer wieder an Meister von Betontod erinnert. In ähnlichem Anlauf beginnt "Carry On" (Track 11; Anspieltip V) -übrigens KEIN [!] Manowar Cover-, biegt dann aber in Singalong und Sum 41 Pop Punk Rock ab, bei dem auch typische Hardcore Shouts mitmischen. Eine ziemlich abgefahrene Mischung, die aufgeht. 

Die Finalsiesta beschließt "When It Counts" (Track 12) - ausgestattet mit doch sehr ähnlichem Singalonganteil, diversen "Wohoohoos" und zackig-offensiven Punk Rock mit schönem Drive. Obendrauf gibt es noch einen Hiddentrack, doch den entdeckt Ihr selbst! Nur so viel: Es lohnt sich! Metalcore Freund/-innen, Punk Rocker/-innen und auch Melodic Hardcore'ler sollten dieses Album unbedingt mal anchecken!

V.Ö. 24.04.20

 

8,25/10 Schafe Schüsse

(Swell Creek Records/Soulfood 2.020)

https://www.facebook.com/newhaterising/

Danny B

Schaf Schüsse: 

8
Eigene Bewertung: 8

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UndTschuess