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HANGAR X "Fahr zur Hölle"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

04-2019

Label: 

Genre(s): 

Der Albumtitel ist so neu wie Lackschuhe und steuert vom Vorab-Grundfeeling (in Sachen Suggestion) für mein Empfinden ganz direkt in Richtung Böhse Onkelz, das kann man nicht leugnen. Ob Hangar X jedoch von der Mucke her in diese Richtung gehen, wird sich Euch via Finaldurchlauf dieses Albums erschließen. Im Info-Beiblättchen heißt es just "...aus der Versenkung zurück..." und "Seid gespannt auf puren Rock ´n´Roll der Extraklasse mit klarem Überraschungseffekt!" 

Nun ja, Vorabankündigungen dieser Art habe ich schon gefühlt tausendfach gehört und gelesen, deshalb mal zu den Basic Facts über diese aus Steyr (*Österreich) stammenden Jungs. Gegründet hat man sich 2.009 und bislang drei Releases draußen, die allesamt 2.016 veröffentlicht wurden. Bekannt ist mir persönlich nicht einmal auch nur ein Song im Vorfeld des nun neuen Albums "Fahr zur Hölle", das nach 1:32 Minuten "Intro" (Track 1) -rein instrumental- mit dem Albumtitelstück "Fahr zur Hölle" (Track 2) vollen Schrittes über die Startlinie geht. Musikalisch denkt man zuerst spontan an die sogen. "deutsch Rock" Band Absturz, zumindest von der Stimmfarbe Max Enöckls. Von der Produktion und vom Sound her geht der Start absolut in Ordnung, abgesehen von der "Nicht-Neuerfindung" des Rades durch das man genremäßig anrollt. Positiv zu vermerken ist, dass die Mucke auf jeden Fall im Flow ist und offensiv nach vorn geht. "Mein Tag Mein Jahr Mein Leben" (Track 3) pendelt diverse Rezepturen des deutschsprachigen Pop- und Rocksektors aus von den Toten Hosen, den Broilers über Betontod, bereits erwähnten Absturz bis hin zu den ikonischen Onkelz, wenngleich Hangar X nicht nach den Onkelz klingen, was ich positiv bewerte, da man keinen weiteren Kopieversuch des Frankfurter Originalsounds braucht. Textlich betrachtet unterscheidet man sich nicht allzu sehr von der Masse deutschsprachiger Bands, was möglicherweise dem Alter dieser Jungs geschuldet ist, vermutlich sind sie noch U30? -"Weisse Westen" (Track 4)- "Nur die Zeit" (Track 5) driftet sogar in popige Läufe ab, die von der instrumentalen Federführung auch locker von den jungen Tokio Hotel stammen könnten. Das hat etwas von einem lauwarmen Aufguß in einer Wärmflasche. Etwas zu allgemein (rund) und leider ohne Kanten. 

Auch das genretypische "Blick zurück-Stück" fehlt nicht und kommt mit "Ich vermisse diese Tage" (Track 6) zu Ohren. Die musikalische Ausrichtung verbleibt in weicheren Gewässern, die nicht vom Hocker reißen, wenngleich manche Idee nicht pauschal schlecht ist, was die Arrangements angeht. Zwar ändert sich der textliche Inhalt mittels "Nie wieder zurück" (Track 7) thematisch in Richtung ex-Beziehung, klingt allerdings zu nah am Vorgänger, rein stilistisch. Hat man leider auch schon ähnlich von zu vielen Bands gehört. Zumindest legt man mit "Lasse los" (Track 8) den inhaltlichen Anspruch etwas höher, so dass die Hoffnung auf eine Rückkehr zum potenziell guten Albumeinstieg etwas Nahrung bekommt. Leider schleicht sich dann aber doch eher die tendenzielles Gähnen ein. Erst "Jäger der Nacht" (Track 9; Anspieltip I) bringt erfrischendere musikalische Ansätze mit, die auch den anfänglich interessanten Flowlauf etwas mehr zurückbringen. 

Auch "Übers Meer" (Track 10) hält Mehrqualität in textlicher Hinsicht parat. Musikalisch könnte man den Vergleich wagen, dass man Betontod einfach etwas popiger spielt und das Tempo dabei bewusst etwas drosselt. Stellt man sich das Stück schneller gespielt vor, zumindest von den Gitarrenläufen (bis etwa auf Songhälfte) her, kommt man zu diesem Vergleich. Inhaltlich hat man vielleicht "Fliegen" von Dritte Wahl gehört? Ein Sofortzünder kommt erst an später Albumstelle rum - "Wenn wir träumen" (Track 11; Anspieltip II). Hier passt auch die pop-melodiöse Ausrichtung. Über mehrere Durchläufe (bzw. genau genommen bereits per ersten Durchlauf) definitiv ein Ohrwurm, der das Zeug hat sich einzubrennen. Hat echt Charme das Stück. Einziger Kritikpunkt, der mir auch bei einigen Stücken zuvor schon auffiel, ist die Streckung des jeweiligen Stückes, was hierbei gerade so gut geht, aber auch schon auf Messers Schneide balanciert. 

Mit "Bis ans Ende dieser Welt" (Track 12) geht dieses von Phlipp Lion (*u. a. Bosse, Revolverheld, Kraftklub, Casper, Andreas Bourani, Andreas Gabalier u.m.) abgemischte- und gemasterte Album in Richtung Finale, das seine letzten Züge mittels "Outro" (Track 13) findet. 'Ne Menge Tokio Hotel Popeinfärbung im Gepäck, was jedoch zeitgemäß kommt und sein Publikum haben/finden wird. In Sachen "puren Rock ´n´Roll der Extraklasse" würde ich jedoch generell widersprechen. Heutzutage wird definitiv zu vieles als "Rock 'N Roll" verkauft, das definitiv eher mit einer Pop/Rock-Ausrichtung zutun hat. Insgesamt war für Rock viel zu wenig Dreck unter den sauberen Nägeln dieses Albums. Aber das mag nur mein subjektives Empfinden sein. Checkt das ggf. am Besten selbst aus. 

5,85/10 Schafe Schüsse

(Rookies & Kings/Soulfood 2.019)

https://www.hangarx.at

https://www.facebook.com/hangarxoffiziell/

Danny B

Schaf Schüsse: 

5
Eigene Bewertung: 5

Review No.: 

Tags: 

UndTschuess