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CRIPPER, Hyëna

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

11-2014

Label: 

Genre(s): 

Wie schnell die Zeit durch den Äther jagt, merkt man immer wieder auch daran, wenn eine Band ein neues Album am Start hat und man im Zuge einer Review kurz checkt wann das letzte Album (in diesem Fall das Album "Antagonist"; 2.012 erschienen) erschienen war. Im Falle der Hannoveraner/ -in Cripper hat sich in den zurückliegenden 2 Jahren jede Menge getan, nebst der Tatsache, dass Cripper trotz aller Entwicklungen in Sachen Konzerten omnipräsent waren und imer wieder untermauerten, dass sie die nächste Ebene nicht nur erreicht, sondern sich diese auch mit jeder Daseinsfaser hart erarbeitet und verdient haben. 

Mit "Antagonist" spielte der langjährige Bassist "Bass-T" sein Abschiedsalbum in Sachen Cripper ein, für ihn kam Gerrit Mohrmann in die Band und ist längst fester Teil von Cripper geworden. Dass "Antagonist" eine doppelbedeutendes Abschiedsalbum war, sollte sich mit dem Labelwechsel zu Metal Blade zeigen, bei denen sich die Liste der Artists wie ein Weihnachts-Wunschzettel liest, u. a.: Amon Amarth, Bolth Thrower, Cannibal Corpse, Downfall Of Gaia, Fates Warning, Flotsam And Jetsam, Gwar, Hail Of Bullets, King Diamond, Portrait, Sacred Reich, Six Feet Under, Slough Fed u. v. m. UND eben nun auch Cripper. Völlig zurecht! Harte Arbeit lohnt eben immer noch.

Cripper sind eine der Bands, deren Entwicklungen ich seit Jahren sound- & sympathiegebannt mitverfolg(t)e und dadurch aus dem Heute heraus betrachtet das Gefühl habe nicht nur die musikalischen Weiterentwicklungen, sondern auch ein klein wenig die menschlichen nicht nur am Rande miterlebt zu haben. Vor allem die Livequalitäten der Band sind auf verdammt hohes Niveau gewachsen, was allerdings ganz sicher nicht(!) heißt, dass ich je ein schlechtes Konzert von Cripper erlebt hätte. Das erste Konzert (2.008) war direkt beeindruckend und voller Energie, aber es war eben anders, nicht vergleichbar mit Cripper anno 2.014, da liegen nicht nur Jahre, sondern Halbwelten dazwischen. ;-)

Doch nun endlich zum neuen Album "Hyëna". Hyänen sind in der Tat eine interessante Spezie, denen eine Art Rivalität zu Löwen inneliegt. Vermutlich haben Cripper sich dabei der Gattung der "Eigentlichen Hyänen (Hyaeninae)" inspirieren lassen, die ihr kräftiges Gebiss charakterisiert, was auf dem "Hyëna" Coverartwork sehr gut getroffen/ umgesetzt wurde. Leider lässt das Cover selbst nicht den Schluss auf die Gattungsunterart zu, die sich in drei Unterarten unterteilt (Tüpfel-, Streifen- und Schabrackenhyäne). Ich mutmaße aber, dass es sich hier konzeptionell um die Linie der Aasfresser handelt, die im Kontext mit dem Album Sinn machen würde. Ihr könnt Euch denken, dass man mit Bezug auf unsere global empfundene Gesellschaft, in der es auch jede Menge "Aasfresser"/ Nutznießer gibt, viel thematisieren und kritisieren kann, umso hochgespannter war ich auf das neue Cripper Werk, das fünfte (offizielle) Release seit der Gründung 2.005.

Mit dem Albumtitelsong "Hyëna" (Track 1) eröffnen Cripper mit frischem, druckvollen Knacksound ihr neues Werk und gehen direkt mit voller Kraft im Saitenanschlag voraus. Anders erwartet man es von Cripper auch nicht. Noch erinnert es ein wenig an das Vorgängeralbum, klingt aber bereits noch ein wenig ausgereifter, rundriffiger, flüssiger im Erstdurchlauf. Frontfrau Britta "Elchkuh" Görtz klingt stimmlich wundersamerweise noch einmal eine Nuance kraftvoller. Jede Silbe scheint mit präzisem Laut versehen. Und das bereits beim ersten Kellenaufguß... klasse! Mit "Tourniquet" (Track 2) folgt eine Kurzabrissbirne, die zwischen Thrash- und leichten Death Metal Anteilen pendelt. Es scheint eine kleine interne Tradition aufzukommen, dass es auf den Cripper Alben nun auch je einen Kurzabriss in der Drehe 2:55 Minuten an relativ früher Albumstelle gibt, was bei "Antagonist" ähnlich war, nur mit dem Unterschied, dass es 3 Sekunden weniger waren. Mein persönlicher Erstfave ist der leicht tribal-isierte Rundläufer "Bloodshot Monkey Eye" (Track 3; Anspieltip I). Hier geht es zwar nah auf der Midtempogrenze zu, dafür haben Cripper die Arrangements und Einzelparts aber clever platziert. Gitarrenfahrtwasser auf den Rädern, es läuft flüssig zum Uptempo über, während Drummer Dennis Weber deutlich hörbar mehr an der Zentrumnähe spielt und ein kleiner Ministry-beeinflusster Vocalpart-Einschub für noch mehr Frische sorgt.

Hatte ich Britta Görtz bislang immer als "Pantherfrau" in Sachen Stimmgewalt und Art ihrer Kreissägenscreams bezeichnet, fährt diese mitsamt ihrer Mannen eine dermaßen fette Wall Of Death an Thrash Metal (inklusive Black Metal Blast Passage) auf, dass einem die Spucke wegbleibt und man schon beim Hören die Pommesgabel 'gen Himmel streckt - "A Dime For The Establishment" (Track 4; Anspieltip II). Schon an dieser Albumstelle dürfte auch dem letzten Zweifler (sofern es da überhaupt Jemanden gibt?) klar werden, warum Cripper die nächste Ebene verdient haben. Oder um es mit meinen eigenen Worten zu fomulieren: Was einst Holy Moses z. B. säten, geht nun in der nächsten Generation auf. Was ich anfangs felsenfesten Glaubens für kleine, eingewobene Film-Sample-Passage hielt, sollte sich als wirklich filmreif-, gute gemachte, eigene Spoken Word Passage(n) erweisen,  was man bereits beim Vorab veröffentlichten "7"" (Track 5) vernehmen konnte. Solche Passagen verleihen Liedern oft eine zusätzliche interessenkitzelnde Komponente, was auch hier zutrifft. Hinzu kommt dass Cripper für mein Gefühl noch freier geworden sind, was Stilelemente anderer Genres betrifft(?!), was vom subjektiven Eindruck meinerseits auch bei "Animated Flesh" (Track 6) unterstrichen wird, als Volbeat-beeinflusste Gitarrenläufe durchschimmern, was aber so gut eingestrickt wurde, dass es fast schon beängstigend ist, dass es kaum auffällt. ;-) Nach hinten raus gibt es Gitarrensoli, die selbst Slayer in Ehrfurchtnähe bringen dürften?! 

Es knallt, zischt, keift und funkt an allen Ecken und Enden, als befände man sich inmitten lose umherfliegender Stromkabel im Regen, man selbst mittdendrin, statt nur dabei. Logisch, dass es da irgendwie eine Sofortübertragung gibt und einen durchfährt, stellvertretend für dieses Sinnbild tritt "The Origin" (Track 7; Anspieltip III) mit schönem Schub und durchschneiden Pantherfauchern in Erscheinung, während ma sich dem Thema "Ursprung/ Herkunft" widmet. Das folgende "Patterns In The Sky" (Track 8) treibt dann mal eben die Membranenfasern weiter auseinander und geht als Durchklopperrundlauf ins Albumset ein, obwohl auch "The Jackhammer" (Track 9; Anspieltip IV) dem in nichts nachsteht, sondern eher noch eine Schippe an Sperrfeuer nachlegt, was von groovigen Läufen schön flüssig umrahmt wird und den Asphalt auseinandertreibt. Etwas nach Songmitte überrascht Britta Görtz mit neuen Vocals. Ein von mir seit Jahren insgeheim gehegter Wunsch wird Wahrheit und lässt Britta in einer ersten Passage mit clean Vocals hören. 

"Patronized" (Track 10) treibt die Hyänen ähnlich vom Lauf rollend voran durch`s imaginäre Nachtdunkel ins Dickicht der rettenden Halbsteppen, bevor das ungewöhnlich ruhige, getragen beginnende "Pure" (Track 11; Anspieltip V) in ein sich kraftvoll aufbäumendes Finalstück ergießt. Dieses Stück bringt nachdenkliche Tiefenmomente mit sich, die gedanklich mit dem Selbst ringen und ein weiteres Mal ein Neuexperiment wagen lassen, indem Britta mittels Spoken Word Passagen Neuerungen in den Cripper-Sound einzuflechtet, was dem Song selbst genauso gut steht wie die leicht hintergründig agierenden Bassläufe (mit leichtem Blecheffekt). Zum Ende hin wird das Ganze zu einem Hochgenussguß veredelt. Ich hoffe gerade diesen Song eines Tages live hören zu dürfen. So geht ein ganz grosses Album in die Musikgeschichte in Sachen Thrash Metal ein.  

Alles in allem gab es rein stilistisch deutlich mehr Facettenweite von Cripper zu hören, inklusive einige Death Metal Anteile. Leider lagen mir keine Texte vor, weshalb ich kaum Bezug auf die Songinhalte nehmen konnte, abgesehen vom Songtitel und kleinen Fetzen, die man hörend herausfischt, aber das kann auch sein Gutes haben, denn so habt Ihr Hörer noch mehr zu entdecken. Von diesem Album wird man noch reden und auch hören. Der Löwe in mir hat die Faszination für diese Hyäne entdeckt. Für mich eines der heißesten Metalalben des Jahres 2.014!

P.S.: Das Album gibt es übrigens auch als Doppelpackung. Auf der zweiten Disc (DVD?) gibt es diverse Videos + rares Material obendrauf.

V.Ö.: 21.11. 2.014

 

9,5/ 10 Schafe Schüsse

(Metal Blade/ Sony Music 2.014)

http://www.cripper.de/index.php/de/ 

https://www.facebook.com/Cripper.Thrash?fref=ts

Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

Review No.: 

Tags: 

UndTschuess