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IN FLAMES, Siren Charms

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

09-2014

Label: 

Genre(s): 

In Flames ist eine der Bands, die einst zum feinsten Death Metal Underground gehörten, sich aber in den 24 Jahren Bestehen von Album zu Album weiterentwickelt haben und auch anno 2.014 noch immer nicht der Stagnation/ Ideenlosigkeit zum Opfer gefallen sind. Ganz im Gegenteil, man erfreut sich einer Fanschar mit wachsender Tendenz. Diese Tendenz kommt freilich nicht von ungefähr, denn der In Flames Sound ist nicht nur facettenbreiter denn je aufgestellt, sondern auch radiokompatibler geworden, was (so liegt es in der Natur jeglicher [Weiter-]Entwicklungen) auch einige Anhänger der ersten Jahre zu Kritikern werden lässt. 

Ich für meinen Teil habe Ähnliches einst bei den Kollegen von Paradise Lost oder auch Tiamat wahrgenommen. Während ich bei Paradise Lost noch mitwachsen/ mitgehen konnte, stagnierte es bei Tiamat im Zuge der Entwicklungen nach dem "Wildhoney" Album. Geschmäcker sind eben verschieden und genau aus diesem Grund wollte ich mich auch unbedingt diesem In Flames Album widmen, da mich die Vorab-Singleauskopplung "Through Oblivion" wirklich packte/ erreichte und ich echt angetan von dem war, was ich da vorab vernahm. Wenngleich ich Death Metal nach wie vor mag, höre ich mir auch viele andere Richtungen an, was es mir sicher erleichterte nicht auch zum Runternörgler zu werden. ;-)

Von Electroelementen angeführt geht "In Plain View" (Track 1) als bestechender Türenöffner flüssig ins Ohr und lässt die emotionale Zünschnur erste Funken schlagen, die bei den Hörern ganz unterschiedliche Empfindungen entfachen werden. Für einen Opener fast schon too catchy, oder? Mit "Everything`s Gone" (Track 2) werden zu Beginn kurz alte Tempogefilde angerissen, um dann in einen Midtempodrive einsteigen zu lassen, der sich dank des vollwertigen Sounds angenehm eingroovt und auch Uptempo-Zwischenparts mit dem Rest verwachsen lässt. Vergleichsweise fallen mir Stone Sour ein, die rein stilistisch und von der Gangart her bestens neben dieses In Flames Album ins CD Regal passen. Allerdings muss man dazu anmerken, dass Anders Fridén`s Stimmfarbe sich deutlich von Corey Taylor unterscheidet. ;-) 

Als ersten Sofortzünder hauen In Flames "Paralyzed" (Track 3; Anspieltip I) in die Waagschale. Es schiebt, groovt, geht emotional unter die Haut, lässt das Gitarrensoli hochleben und hat auch ein wenig Pop-iges Innenleben um den Herzschlag herum zu bieten. Das bereits erwähnte "Through Oblivion" (Track 4; Anspieltip II) geht ebenfalls den Zündergeist ins Netz und weiß bereits beim Ersthör zu begeistern, womit die Singleauskopplung ihre Berechtigung erfährt. Hier wird auch verständlich, dass der Death Metalhead nicht gerade mitgehen mag, denn einen Song wie diesen hätten locker auch Bands wie Type O' Negative (R.I.P.) oder H.I.M. an den Fan bringen können.

Vielleicht liegt die hohe Eingängigkeit den Schweden aber auch im Blut, zumal Bands wie ABBA auch aus Schweden stammten und grosse Musikgeschichte geschrieben haben. Da darf es auch mal etwas seichter zugehen und die fast lupenreine Popnummer eingeflochten werden -"With Eyes Wide Open" (Track 5)-, allerdings wird dadurch aber auch der Abstand zur Metalband, die In Flames bislang waren, deutlich grösser. Am Ende sind In Flames aber auch keine Schubladenband mehr, was der Albumtitelsong "Siren Charms" (Track 6) mit sehr abwechlungsweitem Aufbau einmal mehr unterstreicht. 

Erst mit "When The World Explodes (feat. Emilia Feldt)" (Track 7; Anspieltip III) geht es wieder deutlich härter und damit Metal-lischer zu. Allerdings geht dieser Song eher in Richtung Metalcore als Death Metal, was ich nicht weiter schlimm finde. Überraschenderweise jedoch hat man einen schönen female Part mit der Opernsängerin Emilia Feldt besetzt, ohne dass man jetzt gleich lupenreine Opernspitzen alias Tarja Turunen erwarten sollte! Im Gegenteil, Emilia Feldt hat ihre Parts mit sehr viel Feingefühl interpretiert, die dem Stück bestens zu Gehör stehen. Nach hinten raus wird es sogar episch und weiß echte Gänsehautmomente zu erzeugen. Klasse!

Nicht allzu einfach von dieser Gefühlsebene die Kurve zum nächsten Song zu kriegen. In Flames legen nach ruhigem Anfang und kurzem Gitarrenblitz ihre erste Singleauskopllung "Rusted Nail" (Track 8) nach, die ab dem ersten Refrainteil besser reinläuft als zuvor. Rein stilistisch schwingt hier etwas Korn-Flair mit. Eine cineastische-, aber auch zum Denken anregende Nuance folgt mit dem ruhigeren Midtempostück "Dead Eyes" (Track 9), der die Flügel für Gedankenweiten mitbringt. Die "Monsters In The Ballroom" (Track 10) bitten kurz vor Schluss zum Tanz. Dieser Tanz lässt einen grösseren Club vor dem Inwandauge aufziehen und bringt auch kleine Metalcore-Vocalparts mit, die allerdings wirken ein wenig wie an der Kette belassen. Auf die Gitarrenfraktion allerdings ist Verlass, denn die zocken In Flames-typische Basisspitzen in Sachen Fundament. Zum Abschluss gibt es mit "Filtered Truth" (Track 11) noch den Lichtausknipser, der noch einmal etwas mehr rockigen Drive aufkommen lässt, was Ihr gern selbst noch einmal anchecken könnt.

Fazit dieses Albums ist, dass In Flames sich etwas mehr vom Metal entfernt haben, Experimente wagen und damit mehr Boden auf breiterer Ebene (Mainstream) gewinnen, so dass auch der nicht so Metal-lastige Radiosender In Flames Songs spielen wird. Mir persönlich gefällt dieses elfte-, knapp 45 Minuten umspannende Album wirklich gut, dennoch verstehe ich die kritischen Stimmen aus der Metalszene, die ungern eine Band ziehen lässt, die sie liebt(e).

 

8,25/ 10 Schafe Schüsse

(Epic d/ Sony Music 2.014)

http://inflames.com/

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Danny B

Schaf Schüsse: 

8
Eigene Bewertung: 8

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UndTschuess