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Zwischenschuß [11-16 #2]

Zwischenshot [11-16 #2]


"Vom (Lebens-)Fundament und dem sich verkaufen"

Ist doch manchmal echt 'ne beschissene Realität in diesem (lebensechten) Film, den man bei vollem Bewusstsein erlebt. Das Ding namens "Glück" ist manchmal schon nicht mehr so wahr wie Smarties kotzende Einhörner. Nicht, dass ich mich zum Grinch berufen fühle, denn ich hatte eigentlich wirklich vor diesem Weihnachtsgefühlsdingens nach 15 Jahren mal 'ne echte Chance zu geben. Stück für Stück, Schritt für Schritt, bedächtig, langsam und vorsichtig darauf zugehend, wie man das bei etwas macht, das einem einst 'ne echt große Lücke ins Leben gerissen hat wie eine dreckige Splitterbombe, die einem Gliedmaßen nimmt. Und dann passieren sie wieder diese Dinge um die man ganz sicher nicht freiwillig bitten würde. Gebeten hat man um gänzlich andere Dinge. 

Manchmal kommt es mir fast schon so vor als wolle der Schatten des Todes nicht von der Sonne weichen, die mir temporär zuteil wird?! Man hat 'ne scheiß Zeit, kämpft sich da durch und schliesslich auch da raus, macht sich mit den letzten Reserven unter'm Kopfdeckel wieder grundlocker, ist (wieder) ganz bei sich, liest Bücher, kommt dem eigenen Lebenssinn erneut näher, dass es sich wohlig vertraut anfühlt und ZACK kommt die Abrissbirne und reißt das liebevoll gelegte Neufundament mit der Kraft der physikalischen Fallgeschwindigkeit und der sich entwickelnden Eigendynamik der fallenden Abrissbirne einen Krater in den (vom Gefühl her nie endenden) Tag. 

Oh man. Warum? WTF? Wieder einer von dem Haufen weg, unwiederbringlich vom letzten Atemzug in Himmelsdimensionen gerissen, die weit am Ende des Weltalls liegen - zu weit. Mach's gut "Scherfi". (R.i.F.)  

Am Tag als ich davon erfuhr, schrieb ich gerade nach Ewigkeiten einmal wieder eine "B-Road" Story für Euch. Und dann in diesem einen krassen Moment, erfuhr ich von diesem Verlust. Kontrolle über die Tränenkanäle bzw. den eigenen Körper außer Kraft gesetzt - Tränen schossen erdwärts, kalte Schauer eilten wellenartig den Rücken abwärts und eine unbezifferbare Herzensschwere setzte ein. 

Internet, Handy, Kleinbusiness... alles, was man sonst im Alltag auf Tasche hat, alles belanglos, auf unwichtig verwiesen, zur Nichtigkeit relativiert. Da war einer, der lebte mit dem Herzen und hatte vermutlich ähnlich viele Scherbensplitter auf dem Herzen, dass es anatomisch das abstoßende Bild eines gehäuten Igels hergegeben hätte. Roh, unblumig, so geradeaus wie eine Kugel, die aus dem Lauf katapultiert wurde. Ankunft weit weg, fern aller Erdumlaufbahnen in Dimensionen, die zu begreifen schier unmöglich sind.

Da wird es auch belanglos, wenn man das letzte bisschen überbewertetes Restego wegelegt hat, das kurz zuvor über den Sinn/Unsinn des eigenen Tuns nachgedacht hat. Thematisch meint es all' diese Interviews, die man geführt hat oder ggf. auch selbst gegeben hat, all' die Reviews, die man geschrieben hat oder auch über eigene Werke gelesen hat. Klar man hinterlässt Spuren auf den Strassen der Sterblichkeit, aber verschwindend geringe Irrlichter im All sind das. Und zu welchem Preis? Kein Preis. Man macht kein Geld damit, es ernährt einen nicht. Eine Leidenschaft, die auch mal Leiden schafft. 

Viel wichtiger war immer mir gegenüber ehrlich zu bleiben, diese Punk Ding zu leben. Punk ist und war für mich immer, das man das Beste aus dem Wenigen, das man an Fähigkeiten/Talenten hat, rausholt - nicht unbedingt in materiellem Sinne, aber wenn man mit 40 noch Mucke- oder auch TV Jobs vor der Kamera macht, möchte man einfach nicht mehr draufzahlen. Wenn ich in meinem Fall zusammenrechnen müsste, was ich schon an Kohle verschenkt habe, weil Leute nicht das Geld hatten der Band Spritkosten oder zumindest das Tape/die CD zu bezahlen, wenn sie sie haben wollten... ich käme vermutlich auf 'ne achtbare Summe, aber drauf geschissen. Darum ging es mir nie und geht es mir erstlinig auch nicht. Materielle Dinge interessieren mich just bedingt, im Sinne von Überleben können, mir ab und zu mal was zum Lächeln gönnen zu können, mehr möchte ich gar nicht vom big Way of Life. 

Es geht mir um die Moral und Vor-/Verwerflichkeiten. Stein des Anstoßes war ein eigentlich anfänglich recht gutes Gespräch mit einem der was vom Leben weiß. Es hieß ich hätte mich doch "verkauft", weil ich bspw. bei "Berlin Tag und Nacht" für einige Folgen mal eine Komparsen-, sowie eine (mehrfolgenerstreckte) Nebenrolle hatte. (*<=2.015) Klar, die TV-/Filmformate (für die man den jeweiligen Job macht) muss niemand inhaltlich lieben. Aber kann man jemandem sagen er/sie hätte sich verkauft ohne dessen Lebensumstände zu kennen? 

Vielleicht möchte man sein Geld einfach lieber fair erwirtschaften, ohne zu sehr von Ämtern/Staat abhängig zu sein? Ämter wie das JobCenter z. B. gleichbedeuten für mich eine beschnittene Freiheit. Für jemand, der eine fünfstellige Summe auf dem Konto hat, mag sich die Welt zuweilen durch andere Fenster darstellen. Und das sage ich wirklich OHNE(!) Neid zu empfinden, denn ich möchte so viel Geld gar nicht haben, weil ich dann nämlich sicher auch Leute an der Backe hätte, die nur des Geldes wegen in meiner Nähe verweilen. Dann lieber alle Jacken- und Hosentaschen von Zeit zu Zeit nach Kleingeld durchsuchen, um dem Monatsende noch etwas Antipleite entgegensetzen zu können. 

Und dann erwischt man sich dabei wie man tatsächlich über solche in den Raum geworfenen Platzpatronenhülsen nachdenkt, auf denen "verkauft" eingraviert ist. Bullshit! 

Als ich dann fragte was denn mit Vivienne Westwood, Malcolm McLaren oder auch den Sex Pistols (deren Sound ich nach wie vor liebe!) und "The Great Rock 'N' Roll Swindle" im Kontext mit Johnny Rotten sei? Gewiss, ich mag John Lydons (aka Johnny Rotten) Art die Dinge beim Namen zu nennen, darf aber doch auch interessiert hinterfragen, oder?

Soll ich ehrlich sein? Ich habe mich nie verkauft, zu keinem Zeitpunkt. Wenn man sich verkauft, weil man einen gebuchten Job macht, egal auf welcher Baustelle, in welchem Laden, vor welcher Kamera oder auf welcher Bühne dieser Zeit auch immer, dann haben wir uns alle verkauft. Mein Herz, meine Seele aber gehört nur mir allein - einigen Menschen, denen ich begegnete, habe ich gern ein Stück meines Herzens, meiner Seele, meiner Zeit geschenkt. 

Ich würde mich aber sofort verkaufen, ohne zu zögern, wenn es bedeuten würde auch nur eine Minute mit einem derer haben zu dürfen, die vor ihrer Zeit gingen und mir in meinem Leben fehlen. Denn genau die fehlen mir in meinem Leben am meisten, immer wieder, immer noch und gewiss bleibt das bis zum Ende meiner eigenen Lebenszeit so. 

Wie paradox es mir in diesem Kontext (immer wieder auf's Neue) vorkommt, dass wir Menschen uns schwer damit tun auf die zuzugehen, die wir eigentlich lieben... wie schwer die Menschen überall auf dieser Welt sich tun (politik-/religionsgemachte) Hürden zu überwinden, die man friedlich überwinden kann, das beste Beispiel ist 1.989 hierzulande geschehen... und jetzt sagen wir einfach kollektiv zusammen, dass wir uns alle ein wenig verbogen, vielleicht sogar verkauft haben... oder lieber doch nicht? 

Ich hake solche implizierten Mindfucker genauso schnell- und mit Vorliebe ab, wie ich es bei sogenannten "Grauzone" Vorwürfen mir gegenüber tue, weil solche Mutmaßungen kein Fundament haben. Ich muss niemanden etwas beweisen. 

Und dass ich im Moment kein sicheres Fundament habe, hat andere Gründe, wie der aufmerksame Leser/-in bereits gelesen hat. 

In diesem Sinne,

Danny B.

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