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MIOZÄN "Surrender Denied"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

01-2017

Label: 

Genre(s): 

Welch' eine Freude, dass sich auch die aufstrebenden Underdogs Miozän zurück in den Hardcore Pit zurückspielen und den Spaß an der Attitude noch lange nicht der Erdgeschichte überlassen haben. 

Die U35er/-innen unter Euch werden Miozän sehr wahrscheinlich nur dem Namen nach kennen oder eher aus dem Kontext der Chronostratigraphie dieses Planetens. Aber keine Sorge ganz so alt sind diese vier Jungs nun auch noch nicht, haha. ;-)

Geht man der Namensbedeutung nach, kommen Schlagworte wie die griechisch abgeleiteten Wörter μείων meiōn - "kleiner, geringer, weniger" und καινός kainos - "neu, ungewöhnlich" auf, man kann die Niedersachsen aber eher mit den letztgenannten Schlagwörtern verbinden. Die Argumente bringen sie in diesen Tagen via des Comeback Albums "Surrender Denied" selbsttönend auf den Plan.

1.991 begann der Old School Hardcore zugeneigte Weg von Miozän, der bis zum Jahr 2.000 relativ regelmäßig auch Veröffentlichungen ausspuckte. Die bekanntesten sind sicher "Caught In Their Free World" (*1.993) und "Big Stick Policy" (*1.995), dass das nicht so bleibt, könnte "Surrender Denied" nun ändern. 

Stellvertretend für das Comeback passt der auf dem Coverartwork klasse gemalte Phönix zum Opener "Broken Wing" (Track 1), der in bester '90er Hardcore Machart aus der Asche steigt und an so manche Ami Kapelle erinnert. Da ich selbst noch eine Tapekopie des "Big Stick Policy" Albums aus den '90ern ins Heute rüberretten konnte, allerdings so gar nichts an Infos über Miozän habe, geschweige denn in den '90ern hatte, kann ich mich "nur" auf die Entwicklung bei Miozän in musikalischer Hinsicht beziehen. Vom Sound her geht es frisch-, aber vertraut zu und lässt mich immer wieder an Bands wie z. B. Stalag 13 und Bruisers denken - "Dare To Dream" (Track 2; Anspieltip I), Gangshouts inklusive. Seltsamerweise fällt mir erst jetzt auf, dass gerade Albumtitelsongs bei HC Bands selten schwach abgedudelt werden, was wohl an der Meßlatte in Sachen Attitude liegen muss? "Surrender Denied" (Track 3; Anspieltip II) jedenfalls macht Laune und bringt abwechslungsreiche Arrangements mit, die auch melodiösere Parts zu bieten haben. Auch hier fehlen die Gangshoutparts genauso wenig wie die fordernde Message. 

Wer es Ryker's/Agnostic Front-ig in Sachen Chorparts mag, wird zu Beginn von "Reach Out" (Track 4) selig grinsen, wobei ein gewisser Punkeinfluß auch nicht von der Hand zu weisen ist. The Exploited stecken hier mit drin. ;-) Natürlich darf auch ordentlich Unbroken like auf die Kessel eingeprügelt werden, das gehört quasi zum guten Ton, um ein HardcorePunk/Theash/Speed Brett Wände erbeben zu lassen- "4 Chord Truth" (Track 5). Eine der besten Songs auf "Surrender Denied" ist meinem subjektiven Geschmack nach z. B. "No More Words" (Track 6; Anspieltip III), der nicht nur all' die Leerphrasen vieler Leute in Politik und Gesellschaft auf den Punk-t bringt, sondern auch noch unverschämt klasse ins Ohr geht. 

Es gibt allerdings auch weitere Überraschungen auf "Surrender Denied", die direkt reingehen, wie es beim folgenden "Back To The Wall" (Track 7) zunächst im etwas chilliger angehendem Lauf der Fall ist, um dann den Steilgang zu zelebrieren. Es sei angemerkt, dass hier keine/-r Hate- oder Deathcore erwarten sollte, denn Miozän stehen (ich denke das kann man mit Fug und Recht behaupten) für klassischen '90er Old School Hardcore, ohne nach Altersheim o. ä. zu klingen. Die Reunion von Miozän hat ihre absolute Berechtigung, andernfalls müsste man auf Stücke wie "Light Up The Stake" (Track 8) nach wie vor warten. Fehlenden "Stake" kann man Miozän dabei ganz sicher nicht vorwerfen, man merkt schon beim Hören, dass diese Jungs echt Bock haben, was auch "Underdog" (Track 9; Anspieltip IV) noch einmal fett mit Zug nach vorn unterstreicht. Hier packen vor allem die Tempowechsel und nehmen direkt mit in den fiktiven Pit.

Die bereits erwähnten The Exploited lassen bei "Realies" (Track 10; Anspieltip V) noch einmal grüßen und an den Kultklassiker "Beat The Bastards" denken. Macht aber nichts, außer ordentlich Bock! ;-) By the way - klasse Wortspiel in Sachen Songtitel! Miozän gehören zu der Generation, deren HC Geschmack noch vom Punk/Oi Gemisch mitgeprägt wurde, was man heraushört - "Straight From The Heart" (Track 11), dennoch darf man Miozän glauben, wenn sie selbstbewusst "We'll Make The Difference" (Track 12) als Zukunftsansage in den Raum spucken. 

Für jede/-n, der/die auf frischen Old School Hardcore in Sachen frühem '90er Jahre Sound steht, sei "Surrender Denied" als Must Have Kauf empfohlen.

 

9,25/10 Schafe Schüsse

(Demons Run Amok Entertainment/Soulfood 2.017)

http://www.miozanhardcore.com/

https://www.facebook.com/miozanHC/

Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

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