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KNEIPENTERRORISTEN "Schneller, Lauter, Härter"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

05-2017

Label: 

Genre(s): 

Gerade die Sympathiebrücken zwischen Berlin und Hamburg stecken mir nach wie tief verwachsen im Gebälk von Herz und Seele. Denke ich an Hamburg, fallen mir immer sofort der steile Zahn Goofy (der OHNE Herzschrittmacher!; Insider) und der trinkfeste Jörn (*u. a. auch Torment; Remedy Records, Metal Bash) von den Kneipenterroristen ein. Sofern es die Zeit zulässt statte ich, wenn ich mal am Tor der Welt zu Gast bin, auch mal Jörn's Musicstore/Ticketshop Remedy Records einen Besuch ab, zumal man da u. a. jede Menge Metal Raritäten zu kaufen bekommt.

Nun trudelte mit "Schneller, Lauter, Härter" zum 18. Kneipenterroristen Bandjubiläum mal wieder ein neues Full Length Album bei mir ein, nachdem mein letzter Ohrenstand "Lebenslang" (*2.014) bzw. genau genommen die EP "Der Vierte Stern" (*ebenfalls 2.014) war. Alles, was danach kam, kam mir nicht zu Ohren - leider wird man nicht immer regelmäßig bemustert, was bei vielen Bands so ist, wenn man vorher gefragt werden möchte. Egal.

Vielleicht macht dieser Umstand "Schneller, Lauter, Härter" umso interessanter, zumal man ggf. die Weiterentwicklung(en) somit deutlicher ausmachen kann? Sicher, der Albumtitel erinnert den Ursprüngen nach in Sachen Bandgründung dem Geiste von Der W (*Stephan Weidner) "Höher, Schneller, Weidner" bzw. genau genommen Rödelreim Hartreim Projekt's "Schneller, Höher, Weiter", aber das darf in Ordnung gehen, wenngleich (ohne zu viel vorab verraten zu wollen) die Kneipenterroristen sich mit dieser Scheibe noch eigenständiger präsentieren, was man bereits beim Albumtitelstück merkt, das gleichzeitig der Türöffner dieser Kneipenfeier ist - "Schneller, Lauter, Härter" (Track 1). Vom Kickstart her ein würdiger Opener wie immer, allerdings bereits hier mit deutlicher mehr Chilli im Arsch. Besonders catchy geht es per Gitarrenlauf und Bassspiel direkt ins Album hinein. Textlich wurde hier dank der Produktion von Alex Henke (*u. a. Daniel Wirtz), mit Assistenz von Leon Christen (*BP Studio) alles realisierbare in fetten Kontext gebracht, was vor allem auch das Metal-affine Schlagzegspiel zuträglich rundlecken lässt. Eher Punk Rock 'n Roll-ig geht es beim dem Jubiläumssong "Endlich voll...jährig" (Track 2; Anspieltip I) zu, zu dem man auch einen schön abgedrehten Videoclip gedreht hat. Bereits an dieser Stelle hält mit "Endlich voll...jährig" direkt auch die erste Partyhymne Einzug mit Ohrwurmzug, wobei die jahrelange Partyhymnenschmiede (in Sachen Erfahrung) zugute kam. Verglichen mit den "neueren" Partysongs der Kneipenterroristen Gründungsvorbilder von einst, darf man hier von waschechter, amtlicher Konkurrenz sprechen, einfach, weil die Qualität in Sachen Abholen und Mitnehmen stimmt. Da passt ein themenähnliches Stück wie "Betrunkene und Kinder" (Track 3), das insgesamt schon mehr an die Onkelz erinnert, recht gut ran. Mir persönlich gefällt Jörn's Stimme anno 2.017 deutlich besser, zumal es nicht mehr so übermäßig rausgepresst wirkt, sondern locker vom Hocker aufstehen lässt. Lediglich das "Saufimage" scheint mir mittlerweile etwas überholt/abgegriffen. Bands wie Tankard oder Dimple Minds z. B. pflegen das zwar auch, aber die Kneipenterroristen sind da meiner Erachtens freier positioniert auch mal anderes zu wagen.

Erneutes Onkelz-affines Riffing bringt "Lasst uns die Welt erobern" (Track 4; Anspieltip II) mehr in Richtung Metal mit von Bord. Instrumental erinnernt man sich an "Fahrt zur Hölle" Momente, während der Songtitel-inhalt etwas an "Heilige Lieder" denken lässt. Dennoch bringen die Kneipenterroristen genug eigenen Dreck aus dem Kiezleben Hamburgs über die Saiten und durch's Mikro, so dass die Metalheads unter Euch auch ihren Spaß im Pogopit haben können. 18 Jahre Weg lassen schon mal berechtigte Zeit für Rückblicke zu, wie man sie bei "Was ist nur aus dir geworden" (Track 5) hört. Um wen es sich bei diesem Song so alles dreht, dürfte zu Spekulationen führen. Kein einfacher Song vom Inhalt her. "Wir schaffen das" (Track 6; Anspieltip III) lockert die eben noch lauten Gedanken in typischer Kneipenterroristenart auf und bringt ältere Hard Rock Einflüsse ummantelt von modernem Rocksound mit. Auch hier bleibt mehr als nur etwas hängen. Und wo Partykracher fast am Fließband produziert werden, passt auch ein zeithistorische Nummer wie "Gern hab' ich die Frau'n gesägt" (Track 7) gut rein, die man trotz des Zwinkerns nicht zu überernst nehmen sollte. Schlächter-Songs wie diese gab es in den '80er/'90er Jahren en masse. Bei diesem Song dreht es sich um die Morde des Hamburger Serienmörders Fritz Honka.   

Wenn man (wie ein Großteil der Bandbesetzung) aus dem Hard Rock/Metal kommt, sind Themen/Huldigungen wie bei "Unsere Religion" (Track 8; Anspieltip IV) keine Seltenheit. Hier schwingt Motörhead Geist mit und wird in Richtung Vatikan-Obrigkeit und Kirche(n) geschickt. Vor allem im letzten Viertel textlich, wie auch musikalisch saustark! Und wenn schon Metal, dann wundert der "Fear Of The Dark" (*Iron Maiden) Gitarrenlaufeinstieg von "Spiel mit dem Feuer" (Track 9; Anspieltip V) nicht wirklich, was sich zu einem weiteren Ohrwurm warmläuft und auch ordentlich Feuer mitbringt. Man merkt, dass insgesamt mehr knackige Läufe (stilecht) flüssig ins Rund gefeuert werden, während vor allem auch die Gesänge deutlich runder ins Ohr gehen, ohne zu viel an Härte zu verlieren. Kleine Onkelz Funken fliegen zu Beginn von "Wahre Götter" (Track 10) kurz umher, grüßen The Ramones und nimmt den Onkelz Slogan "Legenden sterben nie" zur Ehrerbietung der bereits erwähnten Ramones, Motörhead, Bon Scott (R.I.P.; *AC/DC) und auch Rose Tattoo auf. Vor allem Live dürfte dieser Song zukünftig zum Must Play werden, nicht zuletzt dank des "Hey Ho, let's go" Singalong Parts.

Fies keifend geht mit "Im Namen des Herrn" (Track 11) einer der wirklich ernsthaften Stücke auf diesem Album von der Kette. Die Thematik ist nicht neu, die Vergehen (der kirchlichen Vertreter) blieben aber viel zu oft ungesühnt. Wer hier ein kurz 'ne kleine Slayer Note raushört (*"South Of Heaven"), hört den Song wahrscheinlich genauso intensiv wie ich. Da passt ein Fußballkracher wie "Heimspiel" (Track 12) zwar nicht ganz so thematisch ins Bild, aber sei's drum. Den HSV Fans in der bandinternen Reihe dürfte das egal sein. ;-) Zumindest baut es eine gute Brücke zu den diversen Gästen, die bei "Kneipenterroristen Trinker Crew" (Track 13; Anspieltip VI) am Mikro zu hören sind. U. a. Lutz Vegas (*V8 Wankers; V8 Wixxxer), Schulle (*Toxpack), Johnny (Die Bonkers), Willi Wucher (Pöbel & Gesocks), sowie Frank Hoffman (*Drunken Swallows) und Schröder (*Berserker).  An Partynummern fehlt es auf diesem Geburtstagsalbum wahrlich nicht. Schade nur, dass nicht noch einige (Hamburger) Mucker, z. B. von Helloween oder auch von Torfrock fehlen. 

Da macht der Midtempo Rocker "Hamburg (mein Zuhaus)" (Track 14) einen weiteren Ohrwurm auf längeren Hör aus. Zum festlichen Abschluss gibt es mit "Bomber" (Track 15; Anspieltip VII) ein eingedeutschtes Cover des Motörhead Klassikers obendrauf, das sich verdammt fett und bissig anhört, was Lemmy (R.I.P.) höchstselbst mit Sicherheit gefallen hätte.

Alles in allem ein starkes Album, mit viel Weiterentwicklung. Die Kneipenterroristen haben eines mit Motörhead gemeinsam, sie sind sich selbst treu geblieben und haben ihren Sound über die Jahre mit viel Liebe und Durchhaltevermögen geschliffen, so dass heutzutage weder der Dreck, noch die fette Catchiness im Gesamtsound fehlen. Wer "Lebenslang" schon mochte, der/die kann hier blind zugreifen, zumal es "Schneller, Lauter, Härter" auch in verschiedenen Ausführungen gibt. 

(*Formate : CD; Limitiertes CD Digipak + Bonus Track; Limitierte und handnummerierte farbige Vinyl LP + CD/ Limitierte Fanbox ink. CD Digipak + Bonus Track, 3 Bonus CDs, Flaschenöffner, Ohrenstöpsel, Pin, Aufkleber, Autogrammkarte, Bierdeckel Set, etc.)

8,85/10 Schafe Schüsse

(Rude Records/Remedy Records/Soulfood 2.017)

http://www.kneipenterroristen.org/

https://www.facebook.com/Kneipenterroristen-140449281438/

Danny B

Schaf Schüsse: 

8
Eigene Bewertung: 8

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