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KEVIN R. RUSSELL (VERITAS MAXIMUS/ BÖHSE ONKELZ)

Kevin Hockenheimring 14-3 Dopamin Style

"Ehrlichkeit ist das, was dich offenbart..."

Meine letzte Begegnung mit Kevin R. Russell im Vorfeld dieses Interviewgespräches dieses Veritas Maximus Tourabschlusskonzertes am 21.12. 2.014 (* ein Sonntag) in der Grossen Freiheit Hamburg war gerade einmal knapp zwei Wochen her. Das Jahr 2.014 hatte nur noch 10 Tage vor sich. Eine gute Zeit um erste Resümees bzgl. 2.014-, Kevin's fortschreitender Genesung/ Neuwerdung und den Entwicklungen bei Veritas Maximus, sowie natürlich auch bzgl. der Böhsen Onkelz festzuhalten, während die Hockenheimplanungen aktuell bereits auf Hochtouren laufen. 

Eigens für dieses Interviewgespräch reiste ich nach Hamburg, um Kevin's kleinhistorische (Bühnen-) Heimkehr mitzuerleben. 

Nachdem mir Kevin's Tourmanager ein Zeitfenster von ca. 15-20 Minuten mit auf den Weg in Kevin's Garderobe gegeben hatte, erschien es mir fraglich, ob ich in der Zeit überhaupt alle wichtigen Punkte untergebracht bekäme?! Doch wie heisst es in "Das ist mein Leben" so treffend: "Erstens kommt es anders...". Um es kurz zu machen, wir saßen letztlich eine gute Stunde zusammen und unterhielten uns unter den neuzeitlich(t)en Flügelschlägen des 28er Phönix, von denen ich 40 Minuten mitschnitt und für Euch hier dokumentiere. 

Kevin vor dem Tourabschlusskonzert in Hamburg, 21.12. 2.014 (2) Dass es bis zur Veröffentlichung dieses Interviewgespräches etwas länger brauchte, lag an diversen Umständen. Unter Anderem drückte die TXL Bassdrum über Kevin's Garderobe auf der Bühne den bassverströmenden, wummernden TXL-Herzschlag erdwärts durch, was während der Aufzeichnung immer wieder aufgezeichnete Fetzen von Kevin's Worten wegknarzte, was zum echten Hörproblem im Nachhinein wurde und ich erst dank der Nachoptimierung des Klangbildes (* Danke an Ulf!) zumindest teilweise besser verständlich bekam. Hinzukam, dass meine eigenen Wege viel Ruhe und Kraft einforderten, wobei schicksalsträchtigerweise Kevin's Worte aus diesem Interview an unbeschreiblich hohem Wegwert für mich im Nachhinein in doppeltem Sinne dazugewonnen haben.

Ich durfte einmal mehr einen Kevin R. Russell erleben, der mir erneut die pure-, deutlich erschlankte-, personifizierte Lebensfreude vermittelte und mir entgegen aller haltlosen Gerüchte im Vorfeld dieses Konzertes klaren(!) Blickes in die Augen sah, wenn er mir im Gespräch auf meine Fragen antwortete. Demnach kann ich nur punkttreffend zitieren: "Alles ist im Fluss der Rotation..." (* aus "Kein Ende"; den Songtitel darf man gern wort-wörtlich nehmen!). Taucht nun mit mir in die pure, privat-intime Atmosphäre von Kevin's Garderobe ein, die nur sein Tourmanager, VM-Gitarrist Oliver Lohmann oder auch sein Sohn für kurze Zwischenmomente am Zeitenrand säumten.

 

Hallo Kevin, erneut herzlich Willkommen bei schafe-schuesse.de! Zuerst möchte ich dir gratulieren, denn die Krone bezüglich der meisten Interviewklicks auf schafe-schuesse.de geht in 2.014 (* erstmals überhaupt) eindeutig an dich, dicht gefolgt von deinem Freund und Kollegen Matt "Gonzo" Roehr. 

Zuletzt waren es über 22.000 Klicks (* Stand 21.12. 2.014) bei einem der Interviewparts mit dir. Im Übrigen haben deine Fans beim letzten Mal als die Interviewteile mit dir online gingen, beim Klick-Run auf unsere Website, den Server kurzzeitig vollkommen lahmgelegt. 

Okay, aber kommen wir mal zu den derzeitigen Gegebenheiten, du bist in 2.014 50 Jahre alt geworden...

Kevin (wirft breit grinsend ein): 40 Jahre alt! Alter...!

Natürlich!!! (steige ich lachend mit ein) 

Wenn du jetzt mal auf das Jahr 2.014 zurückblickst, was war denn dein persönliches-, wie auch musikalisches Highlight 2.014? Also, was dir jetzt spontan einfällt. 

Kevin: Da gibt es zwei Komponenten. Mit den Onkelz in Hockenheim, das war natürlich ein Riesenevent. Das sind Dinge gewesen, die du natürlich mitnimmst. Natürlich spielen da persönliche Dinge aus meiner Sicht auch eine Rolle, aber das war schon das Grösste, was ich je erlebt habe. Das war ein Rockevent in Hockenheim! Das war'n geiles Ding, voll geil! (* in Kevin's Tonfall schwingt pure Euphorie mit und seine Augen leuchten, während er fortfährt...)

Dann noch die Scheibe mit Veritas Maximus. Das sind natürlich zwei verschiedene Dinge, die man gar nicht miteinander vergleichen kann. Mit Veritas Maximus waren das ja Konzerte vor 1.000 bis 1.200 Leuten. Das ist jetzt wieder das Gleiche, das war auch voll geil! Allerdings ist Hockenheim eine andere Kategorie. Alle, die da waren, waren gut drauf, spielerisch war es auch geil, auch die Supportbands. Ich kenne wenige Bands, die das Ding so professionell auf der Bühne runterreißen. Überhaupt auch vom Gefühl her, ja... also im Jahr 2.014 durfte ich das Ultra für mich erleben. Es gibt nicht viele lebende Bands, die das erleben durften. Diese Unbefangeheit in Hockenheim, das genießen zu dürfen, das konnte ich vorher viele Jahre gar nicht. Also vorher waren da Ängste und Zweifel, ich war sozusagen früher Sklave meiner Ängste, gehemmt. 

Man merkt das auch, dass du jetzt freier bist und das sage ich ohne jegliche Schleimerei oder irgendwas in der Richtung! Auf jeden Fall ist es so, dass man es dir wirklich anmerkt, gerade wenn ich gedanklich zum ersten Veritas Maximus Konzert in Berlin 2.013 zurückgehe, das ich erleben durfte und in dessen Rahmen ich mit dir einen Menschen vor mir sah, der eins mit sich war bzw. noch heute ist. Doch das just als Randbemerkungen. 

Nun gut, kommen wir zurück ins Hier und Jetzt. Heute vor fast genau 10 Jahren warst du mit den Onkelz hier (in Hamburg), was damals mehr oder weniger ein Abschied war. Heute kehrst du mit Veritas Maximus zurück und kannst im Zuge dessen das, was du mit Veritas Maximus nach aussen trägst, in einer Art neuem Leben feiern. Siehst du das, wie ich es eben schon kurz angedeutet hatte, als eine Art "Heimkehr" an, weil du ja doch in Hamburg einige Lebensjahre verbracht hast?! 

Kevin: Das kann man glaube ich nicht so richtig mit einer Onkelz Tour vergleichen. Ich meine gut ich habe hier gelebt, ich habe hier Freunde und Familie. Ich habe aber auch in Dublin, in Frankfurt/ a.M. und in Afrika z. B. gelebt. 

Ach so und die Botschaft, die ich mit Veritas Maximus verbreite, ist dieselbe, die ich in Hannover, in Saarbrücken, einfach in jeder Stadt in der wir spielen, verbreiten möchte, denn diese Neugeburt, worauf du schon angesprochen hast, ist mir sehr, sehr wichtig. Ich fühle mich nicht nur neu geboren, ich lebe zum ersten Mal präsent. Ich bin da. Und anbei tue ich auch insbesondere dessen zeigen und sagen, dass ich etwas mitzuteilen habe. Ich möchte den Leuten sagen, dass das eine Chance ist zu leben, sein Leben anzunehmen, egal welche Probleme man hat. Depressionen, Drogenprobleme... all' solche Probleme, die ganze Palette. Es hat einen Sinn am Leben festzuhalten und zu kämpfen! Ich glaube ich bin das beste Beispiel den Leuten Kraft zu geben, dieses Beispiel ist für manche vielleicht sogar erleuchtend? Das ist wichtig, denn ich hab's geschafft und wenn ich das schaffe, kriegt das JEDE/ -R hin, dann kann das jeder Junkie, Alkoholiker, Depressive auch schaffen! Das ist ein grosser Auftrag. Ich fühle mich aufgrund des Raubbaus, den ich viele Jahre an meinem Körper betrieben habe manchen Tages als ob ich 60 oder 70 bin, bin aber trotzdem noch erstaunlich fit und schaffe es dank der Musik trotzdem noch die Bühne wie ein Vierzigjähriger zu rocken. Im Gegensatz zu früher ist aber ein Ansatz da und vielleicht gibt das anhand meines Beispieles den Leuten da draussen neue Motivation, um sich zu sagen "Wenn der das geschafft hat, dann packe ich das auch!" - das ist meine Botschaft.

(* man merkt Kevin bis in die letzte Faser an, dass er nicht auch nur eine einzige Silbe lippenleer herunterstammelt, sondern, dass es ihm ein wirkliches Bedürfnis ist anderen Menschen Motivation zu sein aus ihren inneren Höllen/ Süchten zu entkommen bzw. einen guten Weg für sich zu finden. Vielleicht ist das Kevin's Mission/ Lebensauftrag? Bei allem was Kevin sagt, blickt er mir immer geradewegs in die Augen. Und Augen/ Blicke lügen nicht.)

Ich frage u. a. auch deshalb, weil ich mich daran entsinne, dass es lange Zeit nicht sein sollte, dass Veritas Maximus in Hamburg spielen durften. 

(* diverse Veranstalter sagten unter fadenscheinigen Begründungen bereits geplante Konzerttermine ab; übrigens anfangs nicht nur in Hamburg) 

Letztlich war das alles ein echter Kampf für euch als Band. Zudem haben wir im letzten Interviewgespräch über die Fertigstellung deiner Dämonenbilder in der Reha-Einrichtung im Odenwald gesprochen. Gibt es da mittlerweile schon ein Update? Hast du schon weitermachen können? 

Kevin: Ich habe leider in den letzten 7 Monaten wenig Zeit gehabt, aber das ist nicht vergessen. Ich habe auch Kontakt mit meiner Bezugstherapeutin. Es ist nur ein wenig verschoben. (* meint die Arbeit an dem Dämonenbildwerk) Ich hätte gern regelmäßiger Zeit gehabt. Aber du weißt ja, dass es mit den Onkelz für Hockenheim unglaublich viel zutun gab. 

Dämonen sind es in dem Werk übrigens über 500. Das alles bildlich so festzuhalten, war schon einzigartig. Jedes Mal wenn ich da bin, kommen auch Leute auf mich zu, die in der Einrichtung sind und fragen nach. Dann erkläre ich denen das, da hast du direkt schon eine kleine therapeutische Lösung solch'  einer therapeutischen Einrichtung zu helfen. Da könnte ja auch rein theoretisch irgendwer was darüber erzählen, aber nein, ich bin da selbst vor Ort und erkläre den Leuten das Werk. Die kucken mich dann oft mit leuchtenden Augen wie einen Weihnachtsmann an. 

Das sagte mir heute übrigens erst ein Kumpel im Zusammenhang mit dem Bild von unserem letzten Treffen, dass du manchmal so ein bisschen etwas von einem Weihnachtsmann hättest. (* wobei mir währenddessen das Coverfoto vom "Heilige Lieder" Album vor's innere Auge schoss)

Kevin: Tätowierter Weihnachtsmann! (* wirft Kevin spontan flachsend präzisierend ein)

Würdest du das Dämonenbild in dem Kontext im Grunde genommen auch als eine Art Denkmal bezeichnen? Also im Sinne eines Mahnmals.

Kevin: Vielleicht, wenn man dazu eine Erklärung bekommt. Der ein oder andere hat da vielleicht etwas davon, aber nicht im Sinne von Selbsterhöhung, sondern im Sinne der Sache selbst, also dass auch Andere sich vielleicht davon inspirieren lassen und clean werden. 

(* Der Veritas Maxmus Tourmanager kommt kurz rein, um sich etwas zu trinken aus dem Kühlschrank zu holen und kurz zu checken, ob alles im Lot ist und reicht frisch geöffnet auch Kevin ein Bier. Aber keine Sorge, Kevin trinkt sein Bier im Gegensatz zu alten Tagen mit Maß, nicht mit Masse.)

Kevin (fährt indeszu seinem Dämonenwerk weiter ausführend fort): Also jeder sieht da auch andere Dinge darin. Da sind so viele, kleine versteckte Totenköpfe oder Gesichter drin, das ist fast schon zuviel, also surreal. Ja, aber geil, das gehört dazu. (sagt er lockerleichten Tonfalls)

Zum Thema Drogen just die kurze Frage, da wir nur wenig Zeit haben, obwohl diese Frage eigentlich gar nicht kurz zu beantworten ist... du hast es ja schon ein wenig angedeutet, aber wie fühlt sich der Alltag heutzutage für dich an? 

Gibt es noch Tage an denen du manchmal... (* ich versuche die richtigen Worte zu finden) ich will nicht sagen den "Drang" verspürst, aber denkst du manchmal noch an Drogen, also allgemein, meine ich?! Es ist ja ein lebenslanger Kampf. 

Kevin: Ich werde mein Leben lang an Drogen denken. Es ist aber nicht direkt ein Kampf, das war es, als ich noch nicht drogenfrei war. Ich habe vor ein paar Tagen meine Garage und meinen Keller aufgeräumt und habe da noch gut was an alten Vorräten gefunden. Ich habe nicht lange überlegt und hab' mir gesagt "Weg mit der Scheisse!" und habe es direkten Weges im Klo runtergespült. 

(* mir stockte kurz der Atem und für den Bruchteil von Sekunden überkam mich eine beklemmende, packende Stille, doch im Moment als Kevin davon erzählt, dass er das Zeug in die Kanalisation gejagt hat, spürte ich beim Blick in seine Augen, dass das genau derselbe clean-fokussierte, neugewordene Kevin ist, den ich bereits 2.013 vor mir sitzen hatte)

Kevin vor dem Tourabschlusskonzert in Hamburg, 21.12. 2.014 (1) Kevin (fährt fort): Ich bin froh, dass ich das so gehandhabt habe. Früher, also vor Jahren noch wäre das mit hoher Wahrscheinlichkeit anders ausgegangen. Das muss ich zwar noch meiner Frau beichten, die davon noch gar nichts weiß, aber du kannst das ruhig so schreiben, ich habe nichts zu verbergen. Aber ehrlich gesagt, habe ich echt Angst davor wieder etwas zu nehmen, allein schon vor den Konsequenzen, die das hätte! Glaub' mir, genau so war es! 

Ich habe einfach keinen Bock mehr darauf. Ich habe jetzt ein gutes Leben mit meiner Familie.  

Ich will jetzt nicht sagen, dass ich beim nächsten Mal dasselbe tue, aber ich bin mir ganz sicher, dass ich es tu'! 

Wäre es jetzt nicht so gewesen, könnte ich nicht da rausgehen und "Keine Macht den Drogen" singen, weil ich mir dann ja selbst nicht mehr in die Augen blicken könnte. Darum geht es ja letztlich auch, ich möchte den Leuten nichts vormachen.

Ein feiner Unterschied, sogar ein gravierender! 

Kevin: Aber schwierig ist es trotzdem! Ein Junkie, der 25-30 Jahre Drogen genommen hat...! Aber die Angst wieder was zu nehmen sitzt so tief drin, das ist schon gravierend! 

Der Kreislauf ist ja immer derselbe, so zu reagieren, hat mich bestärkt im Glauben davon los zu sein.

Ich habe mir ja selbst schon Prüfungen auferlegt, auch das war eine Prüfung. Letztlich ist es ja eine Prüfung. Ich war ja alleine im Haus, hab' meinen Keller ausgeräumt und finde da zwei dicke, fette Ladungen Drogen, Kokain und Heroin. Ich war für ewig gefühlte Sekunden am Hin- und Herüberlegen, da war Engel und Teufel - "Mach' ich's? Mach' ich's nicht?". Bevor ich überhaupt noch weiter gedacht habe, bin an's Klo und hab es weggeschüttet, runtergespült. Natürlich kamen dann so Gedanken "War das jetzt das Richtige? Hätte ich nicht noch warten können bis nach dem nächsten Drogenscreening in Frankfurt/ am Main?" Das hätte ich vielleicht probieren können, das hätte diese ganze Teufelsspirale aber nur wieder angekurbelt. 

(Ihr Leser könnt mich jetzt für total verrückt erklären, aber genau in jenen Momenten, als Kevin das tiefgreifende Verhängnis von Langzeitsucht nachdrücklich mit Worten zu transportieren/ weiter zu umschreiben versucht, die imaginären Ketten greifbar zu machen versucht, verstehe ich einmal mehr die Bedeutung dessen, was für ihn persönlich all'  die Dämonen bedeuten, die er sich von der Seele gemalt, getextet und gesungen hat, auch heute noch; so mancher Songversuch im Rahmen der Onkelz diese Ketten sichtbar zu machen waren sicher sehr nah dran, aber erst seine eigenen Songs und Texte wie "Schicksalsflügel" und "Keine Macht den Drogen" können eine Ahnung dessen greifbar machen, was für ihn Jahrzehnte seine innere Hölle war, die er immer mit sich führte, egal wohin ihn seine Füße auch getragen haben. Ich nehme die Gedanken wieder auf und versuche nicht reißerisch auszuschlachten oder gar auf der Thematik rumzureiten, weil es für einen ehemaligen[!] Junkie auch kräftezehrend/ energieraubend sein kann sich unter Druck mit der Thematik auseinanderzusetzen und zu reflektieren. Deshalb kam ich respektierend wieder mehr auf die Musik zu sprechen.)

Das ist ein positiver Punkt in der Feststellung/ Klarstellung gerade, ich möchte deine Erfahrungen auch in keinster(!) Weise schmälern, im Gegenteil, ich empfinde wirklichen Respekt dafür, dass du widerstanden hast! 

Da die Interviewzeit begrenzt ist, möchte ich auf jeden Fall noch auf die Musik zu sprechen kommen, zumal sie ja im Moment auch mit einer deiner wichtigsten Lebensinhalte in deinem neuen Leben ist. Das, was du auf eurer Platte in "Keine Macht den Drogen" beschreibst, macht es ja auch noch einmal authentischer. Es gibt ja sicher viele Leute, die irgendwelche Dinge unterstellen wollen, aber darauf kommt es ja letztlich nicht an, sondern darauf, dass du dir selbst jeden Tag in die Augen blicken kannst. Stichwort "Karma"...

Kevin: Wenn ich dieses Ding (*meint die eben beschriebene Begebenheit) jetzt z. B. nicht so gehandhabt hätte, könnte ich das auch nicht transportieren, nach aussen tragen. Wichtig ist doch, dass ich jeden Tag drogenfrei lebe! Warum sollte ich mir das jetzt wieder kaputtmachen? Warum sollte ich das machen? Was soll der Scheiß?  

Ich will auch keine Erfahrung mehr im Sinne von Drogen oder bewusstseinserweiternden Substanzen. Das ist auch so! Das Hier und Jetzt ist mein Leben.  

Jetzt habe ich noch zwei Fragen. Ich möchte noch ein bisschen auf euer Album "Glaube und Wille" eingehen. Bei unserem letzten Interviewgespräch war euer Album ja noch nicht draussen. Ich hatte mich per Review aber sehr intensiv damit beschäftigt...

Kevin (hakt ein): Ja, daran erinnere ich mich sogar. Das war echt gut geschrieben, schön objektiv und vor allem echt! Genau so wie es sein sollte.

Ich möchte unbedingt noch auf ein paar Songs vom Album eingehen. Natürlich können wir jetzt nicht auf jeden einzelnen Song eingehen, da das zu lange dauern würde. Aber beispielweise ist "Noahs Erben" ein Song, der ein sehr, sehr wichtiges Thema anspricht und das doch sehr arrogant-sadistische Verhältnis von Mensch zu Tier auf den Punkt bringt.

Kevin: Einen Song in der Art habe ich vorher auch noch nie so in der Art gehört, der sich von der Aussage her auch nur mit/ aus der Sicht des Tieres mit der Thematik beschäftigt. Das ist finde ich nicht nur gelungen, sondern überreif. Das Thema muss langsam auch mal angesprochen werden. 

Ich finde es auch sehr kritisch, gerade auch weil der Thematik zuträglich zur Veränderung anregend eingängig verpackt ist, dringt es auch umso tiefer vor, zumindest ist das bei mir so. "Noahs Erben" ist eines der Lieder vor denen ich innerlich in Respekt und Demut niedernkniee. Bei solch' einem Song wünschte man sich ihn selbst geschrieben zu haben, ohne jetzt in Neid verfallen zu wollen. ;-) Das sind so Dinger, genauso wie "Das kleine Satansmedium". Da habe ich jetzt mal eine explizite Frage, weil es ja doch auch vorgekommen ist, dass Fans bzw. "vermeintliche Fans"(?) -je nachdem wie man das sehen will- heutzutage im Vergleich zu früher (bevor es das Internet gab) doch teilweise schon sehr respektlose Kommentare ablassen/ schreiben und dich sogar persönlich angreifen bzw. auch die Band (Veritas Maximus, wie auch die Onkelz) unterschwellig mit angreifen. Du hast ja in "Das kleine Satansmedium" auf eine sehr, sehr wache, intelligente Weise festgemacht, dass das Internet zwar nötig ist, für Business u. s. w., aber eben auch teuflisch sein kann. Dass es auch ja so beeinflussend sein kann, das der User am Ende mit sich selbst durch ist und der Misgunst und dem Neid zufällt. 

Kevin: Das ist es ja, die Leute, die dann so etwas schreiben/ posten, für die ist das Lied ja. Ansonsten gehe ich darauf (* meint betreffende, respektverlierende Kommentare) gar nicht ein, das ist ja der Grund.

Also frei nach dem Motto "Betroffene Hunde bellen."?

Kevin: So sieht's aus. Und darauf kann ich gern verzichten. Vor allen Dingen, wenn man meint das Internet sei nötig... das ist genauso wie mit dem Hass, das ist wirklich nicht nötig, im Sinne von fast unnötig/ überflüssig. (* letzteren Satzteil bezieht Kevin auf das Internet, NICHT auf den Hass!)

Ich meine das Internet kann man doch zumindest positiv nutzen, wenn man ungerechte Dinge aufdeckt/ transparenter macht oder auch Sinne vom Publizieren von Musik?!

Kevin: Naja, es KANN schon sinnvoll sein, man kann auch seine Schwelle, das Denken erweitern. Aber im Sinne von "jetzt brauche ich nicht mehr selbst zu denken..." - das brauche ich so für mich so nicht. Ich rede von dem Einzelnen, diese angefickten Typen, die sich schon dadurch angefickt fühlen, dass ich Erfolg habe. Und auch dadurch, dass ich meinen Weg gehe und gefunden habe. Ich meine das bricht ja alles durch die Anonymität (* des Internets) weg, man kann alles machen, aber solche Art Leute würden sich den Teufel nicht trauen vor meiner Nase solche Sachen über mich zu sagen! Und das sind diese Schwanzlutscher mit denen ich so oder so nichts anfangen kann.

(ich vernehme ein kurzes Klopfgeräusch, als ich Kevin frage) Hat es gerade geklopft? 

(* Kevin's Sohn kommt kurz rein, nimmt sich etwas zu trinken und verlässt den Raum so ruhig wie er eingetreten war)

Kevin: Das sind verbale Klopper! (nimmt Kevin das Thema wieder auf) 

Wobei ich auch sagen möchte, dass ich denke, dass gerade auch die Reaktionen auf das Album bezogen, genauso auch die Grundaussage deiner Texte sein könnte, dass Worte manchmal eine schlimmere Waffe als eine Faust sein können. 

Kevin: Das siehst du ja auch an der Reaktion. Die fühlen sich direkt angefickt. Ich schere jetzt aber auch nicht alle über einen Kamm. Diese Personen sind mittlerweile sehr viel und es werden leider immer mehr. 

Die können mit den Texten offenbar nicht umgehen? (* werfe ich laut mitdenkend ein)

Kevin (bringt seine Sicht auf den Punkt): Das ist wie Suchtscheisse, nur eben dass es Mitteilungsbedürftige sind. 

Ein meines Erachtens weit unterschätzter Song ist "Kein Ende". Bei diesem Song kniee ich jedes Mal wieder mit Gänsehaut vor dir als Verfasser des Textes-, sowie euch als Band nieder. Ich wundere mich wirklich, dass gerade bei diesem Song die Fans nicht steiler gegangen sind?! 

Zumal (sich) deine Stimme da doch schon deutlich gegenüber zum restlichen Albumkontext abhebt, gerade auch was die höheren Töne angeht. Da dachte ich beim ersten Mal spontan "Alter Falter, Kevin war nie besser." Sorry, wenn ich das jetzt so dreist sage, ich bitte das jetzt NICHT als Schmälerung des restlichen, musikalischen Werkes deiner Wege verstanden wissen

Kevin: Ja, das ist natürlich auch schwer, ich denke da sind so viele Sachen auf der Platte. Es passen ja auch viele der Texte einfach zu der Stimmung im Land. Trotz dessen, dass da viel Frust ist, sind die Songs noch leicht und angenehm. 

Ja, da ist derzeit umgebenderweise dieses Endzeitgefühl stark präsent...

Kevin: Ich hoffe, dass das viel mehr erfassen, dass das viel mehr beinhaltet?! Es geht da auch um die Anfänge, das arbeitet...! 

Der Song ist ja nicht weg, der ist ja noch da! Er ist ja zeitlos.

Kevin: Genau. Irgendwann wird das auch gekrönt werden, es ist halt versteckt, Veritas. 

Veritas Maximus Wobei ich da anmerken möchte, dass dir bzw. euch als Band etwas gelungen ist, was ich so nicht für möglich gehalten hätte. Ich kenne auch die Alben von Gonzo, das Album von Pe oder auch die Alben von Stephan, aber und das sage ich ohne(!) Anbiederei, zumal ich kein Arschlecker bin...

Kevin (wirft ein): Das musst du auch nicht sein, du kannst doch sagen was du denkst, das ist doch okay, völlig legitim! Ich bin da auch derselben Meinung.

Um das jetzt mal zu präzisieren was euch VM'lern da meiner Meinung nach gelungen ist, ist etwas, das ich aus der Zeit der Onkelz Veröffentlichungen gewohnt war, was möglicherweile auch mit deiner Stimme zusammenhängt?! Und zwar hast du bzw. habt ihr -Veritas Maximus- mit "Glaube und Wille" ein zeitloses Album geschaffen. Ähnlich empfand ich es auch schon bei Gonzo und Pe, die ebenfalls starke Alben geschaffen haben, die mich von der Ebene her mitrissen, da die Stile von den Beiden etwas anders gelagert sind, aber mich gedanklich nie zu nahe an die Onkelz kommen ließen. "Glaube und Wille" kam für mich schon sehr nah an die Qualitätssteigerungen, die ich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung (* vor allem in den '90er Jahren) von den Onkelz her lieben gelernt habe. Inhaltlich, wie auch vom Sound her war das ja immer eine Art Wundertüte, du wusstest vorher nie was dabei rumkommt. 

Zugegeben finde ich euer Album inhaltlich echt gewagt, dazu braucht es Eier, im positivem Sinne. 

Ich bin da ganz ehrlich, ich gebe zu ich habe mir das Album von einem Freund geben lassen, um die Review zu schreiben können und das Album hat mich bis heute nicht losgelassen, was ich so nur von Einzelalben deiner Onkelz Brüder kenne bzw. von den Onkelz Alben selbst.

Da sind halt so viele Facetten dabei, die definitiv mal etwas ganz anderes bieten, Lieder wie z. B. das knapp 12 minütige Epos "Des Teufels Geleit", was man von der Songlänge her z. B. eher aus dem Metal kennt. Oder auch"Verfechter des Bösen", das sind Sachen, die so noch nicht gehört habe. Oder auch vertonte Zeitgeschichte quasi, mal abgesehen vielleicht von manchem konzeptionellem Metalalbum wie es z. B. Hail Of Bullets (*Death Metal Band) oder manche Pagan Metalband vorgelegt haben, was aber rein stilistisch schon weit entfernt von eurem Stil/ Sound liegt. 

Kevin: Der Gerd (Lücking) und der Thomas (Neitsch) kommen ja beide auch aus dem Metal, von daher kann das schon sein?! Aber das hört ja auch jede/ -r anders. Wichtig ist ja letztlich, dass der Inhalt mit der Musik fusioniert und rockt.  

Apropos "Zeitgeschichte"... (hake ich kurz ein), du hast ja auch schon in Veritas Scripta Buchtipps gegeben, was ich äusserst interessant fand, gerade, weil du ja bereits einige tausend Bücher gelesen hast. Wirst du das zukünftig noch mal machen oder war das eher eine Ausnahme? 

Die Frage liegt ja nahe bei so manchem Song auf dem Album, wenn man an dein geschichtliches Interessengebiet denkt.

Kevin: Die Frage ist, ob ich weitere Bücher empfehlen sollte? Es gibt so viele Bücher, die interessant sind, die es aber wahrscheinlich gar nicht mehr gibt oder zumindest nicht in der Form. Die sind ja teilweise aus Läden, das sind Quellen, da kriegt man das auch, aber da muss man richtig vernarrt sein. Da muss man natürlich teilweise auch erst einmal nachschlagen/ nachfragen. Ich habe viele verschiedene Bücher aus verschiedenen Jahrhunderten.

Ich habe vor Jahren mal einen Job gehabt, da hat man alte Bücher E-Book-mäßig digital aufbereitet, sprich manuell mit einem bestimmten Programm abgetippt. Von daher glaube ich schon, dass das eine Form sein könnte wie solche Bücher die Zeit überstehen könnten. Sicher, eine sehr moderne Variante, aber eine Möglichkeit, wenngleich ich persönlich das gedruckte Buch der digitalen Form vorziehe. 

Kevin: Also jetzt aktuell sehe ich da keine Notwendigkeit, zumal die Bücher sich selbst immer wieder überholen, aufgrund neuer Bücher, mit neuen Erkenntnissen, aber wer weiss wie es kommt?!?

Deshalb frage ich ja.

Kevin (weiter): Das möchte ich jetzt nicht so schnell entscheiden, aber ich möchte damit auch nicht den Rahmen sprengen, das ergibt sich dann. 

Und nun abschliessend mit Fokus auf das nächste Jahr (2.015): Was gibt es da momentan an Planungen? Können die Veritas Maximus Fans mit etwas Neuem rechnen? 

Sofern ja, kann man damit rechnen, dass du bezüglich der Themenvielfalt wieder neues Terrain erschliesst oder ist da momentan alles noch sehr offen und frei?

Kevin: Also auf die Thematik eben bezogen wird mir der Stoff an Texten nicht ausgehen, aber das ist nur eine davon. Mir schwebt da noch vieles im Sinn, was ich jetzt auf der ersten Scheibe gerne hätte machen wollen, was ich jetzt auch realisieren kann. Dieses Thema kirchliche Geschichte, das Thema Kirche an sich, Glaube, das ist natürlich noch nicht so obsolet, dass ich das weiter mache. Da habe ich auch schon Ideen wie ich das weiterführe. Natürlich nehme ich nicht aus, um noch einmal zu deiner ersten Frage von vorhin zu ergänzen, dass das jetzt eine Band ist, die sich jetzt gerade mit der ersten Scheibe etabliert oder versucht zu etablieren, da liegt es nahe, dass wir natürlich auch ins Studio zu gehen und das würde ich gerne, das ist mein Wunsch nächstes Jahr (* 2.015) sowas im Spätsommer/ Herbst nach Hockenheim mit Maximus auch wieder ins Studio zu gehen. Vorproduktion mach' ich sowieso bei Oli im Bunker, das machen wir so, aber dann kann man auch irgendwann ins Studio gehen und natürlich bis Ende des Jahres 'ne Scheibe raushauen... das würde ich schon gern, aber das liegt ja an unseren Geschmäckern, ob wir zufrieden sind?! 

Natürlich sag'  ich das einfach so frei raus, wir haben da mit den Onkelz auch einiges für 2.015 auf dem Plan stehen. Zu 99,99% werden wir nächstes Jahr auch mit den Onkelz ins Studio gehen und machen schon einmal eine Vorproduktion für ein neues Album. Wir werden knallen, wir werden Hinz und Kunz antworten, die meinen, dass sich das mit meinem Soloprojekt beißt, aber das tut es nicht, wie das einige gern sagen... (*verlegt den Tonfall, um eine fremde Person darzustellen) "Oh das geht doch nicht, wenn du das machst... das Eine geht mit dem Anderen nicht!"... Nein, man kriegt das alles hin. Wir sind Profis, wir sind Musiker, wir machen das nicht zum ersten Mal. Es ist also jetzt nicht so, dass man sich die Beine ausreisst. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zutun. Das ist doch schön! 

Ich tanze vielleicht auf zwei Hochzeiten...

...aber der Tanz ist ein anderer auf jeder Hochzeit. (werfe ich spontan feststellend ein)

Kevin (das Thema beschliessend): ...aber es ist im Endeffekt Rock 'N' Roll. Das ist das Schöne daran. Aber das ist keineswegs Geldscheffelei. Das ist keineswegs Ruhmsucht nach irgendwas, nein! 

Ich sag' dir mal wie es im Endeffekt ist: Wenn die Leute wüssten, dass wir hier bei jedem Maximus Konzert draufzahlen auf Kosten der Eintrittspreise, dann würden sie sich einen Kopf machen, die würden's nicht glauben. Wir verdienen hier keine Millionen, ja noch nicht mal Tausende. Trag' mal die Spesen, die Unkosten, die Anlage, der ganze Scheiss, der Hickhack aussenrum. Das ist die pure Freude am Rock. 

Ich glaube in deinem Fall, wenn ich es mit einem Satz beschreiben müsste, wenn die Leute mich fragen würden was das ist was du derzeit machst?! Ich würde nur einen Satz antworten "Er lebt die Befreiung." Genau so empfinde ich es, wenn ich dir gerade gegenübersitze. 

Kevin: Das sowieso. Das Maximus Ding war meine persönliche Reunion. Onkelz ist wieder was anderes. 

Ich meine, wenn ich das Wort "Befreiung" aufschreiben müsste, würde ich das Teilwort "FREI" in grossen Lettern schreiben, zumal ich manches, was du über Drogen, über deine inneren Kämpfe, Zwiespälte, die ja immer aktuell bleiben werden, sagst, selbst in vielerlei Hinsicht kenne. 

Kevin: Ich tue das ja auch. Die Onkelz Reunion hat ja jetzt stattgefunden, ich genieße das jetzt von Herzen! Ich kann Kritik im kleinen Rahmen auch nachvollziehen, aber mit den Onkelz kann ich meine Familie ernähren und ohne die Onkelz könnte ich mir dieses Hobby (* meint Veritas Maximus), diese Botschaft, die ich nach aussen bringen möchte, nicht leisten! 

Ich zahl' hier nicht unbedingt jedes Konzert drauf, aber wir sind so an der Grenze, das ist so plus/ minus Null. Das ist ja der Punkt. Da kommen viele Kostenfaktoren zusammen, Studio, Shirts u. s. w., wir sind ja auch nur Menschen, wir sind keine Millionäre. Natürlich können wir uns dieses teure Hobby irgendwie leisten, aber das fordert natürlich auch Qualität. Und Qualität hat ihren Preis, das sehen die meisten nicht. 

Weißt du das klingt ein bisschen so als wärst du jetzt ein bisschen zu deinen Wurzeln zurückgekommen, sprich zum Punk. Schliesslich habt ihr einst mit den Onkelz ja wohlgemerkt als Punks(!) begonnen.

Es gibt heutzutage natürlich auch Punks, die ein bisschen Geld verdienen, berechtigterweise. Ich sage oft zu den Leuten, wenn die "Kommerzpunkdiskussion" aufkommt, dass es doch okay ist, wenn Leute über 20 Jahre-, in deinem Fall sind das nun auch schon gute 35(!) Jahre, wenn man dann wenigstens 20 Jahre mehr oder weniger nur Dreck gefressen hat, sei es doch mal dem- oder denjenigen vergönnt auch mal die andere, angenehmere, sorgenfreiere Seite kennenzulernen. Weisst du diese Neidschiene, die viele Leute heutzutage fahren, die einem dann nicht einmal den Dreck unter'm Nagel gönnen, die dann doppelten Hass fahren, weil Andere erfolgreich sind... ich finde das einfach nur noch bescheuert!

Kevin: Letztendlich ist es doch so, im Internet ist man anonym... da sind oft Charaktere für geistig Arme dabei. "Musiker könnten dies, Musiker könnten das..." Ich bin Berufsmusiker, fast schon immer gewesen! Jeder, der arbeiten geht, verdient sein Geld. Aber darum geht es im Moment gar nicht. Das ist deren... ich will nicht sagen "Spassfaktor", aber ich könnte kotzen, was die da manchmal posten, doch letztendlich ist es mir egal. Soll'n die doch schreiben was sie wollen! 

Und jeder vom Schlag Musiker, der etwas durchgemacht hat, soll auch was verdienen dürfen! Ob da jetzt so'n Urlaub dabei rausspringt...?! Darum geht's mir gar nicht, daran denke ich gar nicht. Bei den Onkelz ist die Masse da zwar wieder da, aber wenn du da wieder bedenkst, dass das Geld, das du da verdienst dir zu 65-70% wieder durch den Staat genommen wird...! Da ist es scheißegal, ob du die Steuern schon bezahlt hast. Zum Beispiel gebe ich meiner Frau Geld im Monat, das wird zu 30% besteuert, obwohl ich darauf schon Steuer gezahlt habe. Ich bin in Bereichen an Steuerzahlung, wo von dieser grossen Summe kaum etwas bleibt, nach dem Hockenheim zum Beispiel. Ich habe nicht mal ein Drittel von dem gesehen, was es ursprünglich war. Aber die Leute wissen das...! (sagt Kevin mit Sarkasmus im Ton und fährt fort) ...die gehen davon aus, dass man lügt?! Und dann poltern sie gleich raus "Dieser Arsch, jetzt geht der auch noch Geld machen...!" 

 ...und dann auch noch öffentlich. 

 Kevin: Wenn das alles so wär', dann säße hier wahrscheinlich ein Anderer. 

Ich meine eigentlich ist es doch ganz einfach, sie brauchen sich doch nur die Fotos oder die Videos von dir ansehen, jede einzelne Falte, die du in deinem Leben verdient oder erlitten hast, je nach dem wie man es sehen will, ist ECHT. Und DAS können die Leute sehen. So etwas kann man nicht kaufen. Oder auch eine Narbe oder irgendwas. Letztlich sind das alles Dinge, Zeichen dessen, was dir passiert ist, was du erlebt hast und daran sieht man doch, dass du deinen Sold bezahlt hast. Das sind so Lebensnarben, die man nicht mal eben so ins Gesicht gemeißelt bekommt. Dementsprechend...!

Eigentlich habe ich ja echt Bock noch Stunden mit dir zu erzählen, aber ihr habt ja heute auch eine DVD Produktion hier am Start, lass' uns doch zum Abschluss noch kurz auf diese Produktion eingehen. 

Kannst schon sagen wann die DVD erscheint etc.?

Kevin: Da können wir gleich mit dem Thema weitermachen, wir sind nicht so liquide mit dem Veritas Maximus Ding, um das realisieren zu können. Wir sind ja in der Vorproduktion, die ja einen Haufen Geld kostet. Die Aufnahmen, die wir heute machen, sind definitiv für's Archiv erst einmal. Wir haben uns vorgenommen sie im Laufe des nächsten Jahres rausbringen zu wollen...

Also sprich 2.015?

Kevin: Ja, genau irgendwann 2015. Es wird geschnitten, wird alles perfekt gemacht, soweit wir es für gut heißen und dann kommt es ganz darauf an. Uns wurde dies' und das gesagt, man muss so und so viel verkaufen... 500.000, 20.000 keine Ahnung was... wir sind hier nicht im 100.000er Bereich, ich gehe vom Tausenderbereich aus, also 1.000 bis 2.000 verkaufte DVDs, die erst einmal die Unkosten reinspielen würden, um das abzudecken. Das Risiko... glaub' mir, das können auch nur 1.000 sein, dann sitzen wir auf einem Geldberg, den wir dann in dem Fall an Schulden haben und können das nicht bezahlen. Das heisst wir müssen uns glatt machen, gerade machen. Sicher, wir bleiben da dran, aber das will eben auch alles bezahlt werden. 

Und da kommen wir wieder zum Ursprungsthema zurück, die Leute kucken auf Facebook z. B. wie viele Likes eine Site hat und dann denken sie "Die verkaufen ja so viel.", was natürlich totaler Quatsch ist, eine Milchmädchenrechnung quasi.

Kevin: Das ist vielleicht bei zwei, drei Bands oder Musikern so?! Aber irgendwann kam auch die Zeit da war der Erfolg den Bach runter, weil es abgerippt wird durch die Medien. Das bestätigte sich bei uns zwischendurch ja. Du bist eben nicht nur ein "Onkel", auch mit Veritas Maximus nicht. Die ganzen Aufhänger... das funktioniert ja so wunderschön... (* meint die Medien) Ich meine das sind 1.000-1.500 Leute was willst du da für einen Gewinn machen? Das ist alles so, dass es gerade so laufen kann, wenn du nicht auch noch draufzahlst, wie schon erwähnt, aber wir sind trotzdem glücklich. Gerade jetzt am Ende der Tour, sieht man die Fakten langsam, sofern man das jetzt Tour in dem Sinne überhaupt nennen kann?! Aber wie dem auch sei, wir werden unseren Weg weitergehen, wir werden auch etwas Neues, Anderes machen. Da müssen wir dann natürlich auch wirtschaftlich denken, ohne jetzt gleich den Megakommerz zu meinen. Ich mache nur das, was ich will. Der Einsatz dafür ist hart, der ist... (* überlegt kurz)

Deine Identität?!

Kevin: Ich finde es schon seltsam bedenklich, dass man heutzutage überhaupt (Existenz-)Angst um den wirtschaftlichen Bestand seiner Band haben muss, gerade wenn da so viel Herz drinsteckt.

Also ich denke einen Vorteil hast du und zwar trifft das sowohl bei den Onkelz, wie auch bei Veritas Maximus zu, nämlich dass du authentisch bist. Ich glaube das schärft die Leute da draussen am Meisten, deswegen kommen sie auch zu euren Shows. 

Kevin: Es sind gerade 10 bis 15 Leute, die gerade deswegen explizit hierher kommen, weil sie das wissen, denken oder fühlen, dass es echt ist, das ist ja auch berechtigt. 

Das ist auch der Punkt, warum ich gesagt habe "Okay..", ich bin auch kein reicher Mensch, halt ein alter Punker im Herzen...

Naja jedenfalls muss man wohl oder übel jede/ -r sein Geld gut einteilen und sich manchmal zurückhalten, auch ich. In meinem Fall ist das so, dass ich selbst bald auf einer Minitour unterwegs bin. Naja und dann steht man halt im Vorfeld eines Interviews wie diesem vor der schwierigen Entscheidung, ob man fährt oder nicht?! Letztlich waren unsere Begegnungen in Berlin das Zünglein an der Waage. Beim ersten Aufeinandertreffen kanntest du mich allenfalls von kurzen Telefonaten und Bildern im Vorfeld und dann hast du mich im Motorwerk in Berlin (* August 2.013) direkt mit Namen angesprochen, was mich echt positiv überraschte. 

Und kürzlich bei der Onkelz Releaseparty zur Hockeinheim DVD in Berlin kamst du, als du gerade mit deiner Frau reinkamst, erneut direkt begrüßend auf mich zu, obwohl wir uns mindestens ein dreiviertel Jahr weder gesprochen, noch gehört hatten. Das fand ich schon echt grundsolide und aller Ehren wert, obwohl ich ja nun wirklich ein Furz im Universum dieses Business' bin. Und das hat mich sprichwörtlich umgehauen. Deswegen habe ich am Ende zu mir selbst gesagt: "Scheiß' auf das Geld, ich fahre nach Hamburg!". Zufällig übernachte ich auch noch bei einem, der Ende der '90er mit seiner ehemaligen Band Richthofen mit den Onkelz zusammen auf einem Festival gespielt hat. So schliessen sich irgendwie Kreise. Aber wie gesagt, letztlich kam ich hierher, weil ich dich als Menschen schätzen gelernt habe, sprich gar nicht mal ausschliesslich nur als den Musiker, obwohl ich deine Musik natürlich auch ehrlich wertschätze.

Kevin: Weisst du, ich habe auch eine gewisse Menschenkenntnis. Die ist da, die ist par excellence. Ich glaube ich habe mich selten in Menschen getäuscht. Andere sagen von mir ich hab' 'ne gute Aufmerksamkeit und das kann auch über Achtung gehen. 

Ich meine du bist ja mit Sicherheit auch schon einige Male verarscht/ abgezogen worden... (mutmaße ich laut denkend)

Kevin: Ja, ich habe so meine Erfahrungen im Leben gemacht. Und ich weiss irgendwann mal einzuschätzen das ist so oder das ist so. Und ich habe da ganz selten im Nachhinein jetzt, insbesonders im letzten Jahr, schiefgelegen und das ist der Punkt. 

Gerade jetzt mit klarem Verstand auch. 

Kevin: Wollt' ich gerade sagen. Der Verstand hilft einem natürlich auch dabei etwas, was man vorher vielleicht nicht sehen wollte oder gesehen hat, sieht jetzt von Vornherein ganz anders aus. Ja, ist doch so. 


Das ist ein gutes Schlusswort Kevin. Vielen Dank, dass du dir diese wertvolle Zeit genommen hast! Es war mir eine echte Freude!

Kevin: Ich danke dir auch! Immer wieder gern.

 

* Am Ende musste ich gar keine Headline für dieses Interview mehr suchen, denn Kevin selbst wies mir den Weg mittels seiner eigenen Worte, die mich einmal mehr zu seinem Song "Ehrlichkeit" brachten. Und solche Offenbarungen sind mehr wert als Geld es je sein könnte.

 

http://www.veritas-maximus.com/

https://www.facebook.com/kevinrusselloffiziell

 

http://www.onkelz.de/

https://www.facebook.com/boehseonkelzoffiziell

 

(Einzel)Foto(s) Kevin: schafe-schusse.de ©

Einzelfoto Kevin "live" by: Kevin Russell © 

Foto Kevin, Ricky (TXL) und Danny B Helm, * dieses Bild wurde auf Wunsch des Fotografen entfernt.

Bandfoto: Veritas Maximus ©

 

On Stage

BÖHSE ONKELZ

  • 19.06. 15 Hockenheimring AUSVERKAUFT!
  • 20.06. 15 Hockenheimring AUSVERKAUFT!
  • 26.06. 15 Hockenheimring 
  • 27.06. 15 Hockenheimring
VERITAS MAXIMUS
  • 11.07. 15 Rieden-Kreuth, G.O.N.D. Festival
  • 28.08. 15 Schleswig, Baltic Open Air

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