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FRIEDEMANN

Friedemann

FRIEDEMANN

 

"Dass es sich gut anfühlt.."

Friedemann von der Ausnahmeband COR ist hier auf schafe-schuesse.de längst kein Unbekannter mehr, zumindest für die Stammleser unter Euch bzw. für seine treue Fanbase. Die Ecken und Kanten des sympathischen Open Mind Rügeners tragen mehr und mehr kreative Früchte, was jüngst sein zweites Soloalbum "Wer hören will muss schweigen" mit positivem Charme zu unterstreichen wusste. 

Die Songs bieten nicht nur neue Blickwinkel aus dem Hier und Jetzt heraus, sondern wissen auch im Metier der akustischen Mucken mit aufgelockerter Atmosphäre zu bestechen. Ich traf mich am 6. Februar mit Friedemann und seinem Weggefährten und Mitmusiker Janko im Rostocker JAZ, um mit den Beiden weiter unter die Albumoberfläche abzutauchen und damit mitten im Leben anzukommen.

 

Willkommen auf schafe-schuesse.de Friedemann und Janko! 

Friedemann ist den Stammlesern unserer Website vom COR Interview bereits bekannt, das wir vor ungefähr einem Jahr via eMail geführt hatten. 

Ihr seid jetzt gerade frisch auf Tour und habt kürzlich einen Termin gespielt, im Cassiopeia in Berlin. Danach habt ihr ein wenig eingelenkt um das Ganze in Zukunft etwas runterzufahren bezüglich eures nächsten Termins in Berlin (* in der "Jägerklause; Berlin-Friedrichshain) und habt dort eine Ticketlimitierung ausgerufen. Was genau hat euch dazu bewegt?

Friedemann: Das Cassiopeia war sehr anstrengend. Also nicht für uns, sondern auch für die Leute. Der Laden war halt ausverkauft. Dementsprechend war auch die Lautstärke. Und viele Leute, die da waren, haben mich angeschrieben "Menschenskinder, ist doch echt scheisse so!" - die konnten dem Konzert nicht folgen, weil es so laut war. Das ist der einzige Grund. Und da haben wir uns gefragt, wie können wir das verbessern? Und wir werden's in Zukunft so machen, entweder wir ziehen da in ein Theater - irgendwas Bestuhltes, wo alle sitzen oder wir werden kleine Läden dreimal hintereinander bespielen?! Wo man sagt, okay, man bleibt halt mal drei Tage in Berlin, so dass jeder was davon hat und dass man dann sagt für 100-150 Leute Karten und dann geht's am nächsten Tag weiter. 

Für uns ist es angenehmer zu spielen und für die Leute ist es besser zum Hören, das ist ja Hörmusik. 

Ich dachte nur, weil du auf deiner Facebook Site ja etwas von "Bespassung" oder "Spasskonzert" zu lesen war?! 

Friedemann (hakt ein): Ja, na Bespassung... ich hatte das Gefühl es wäre so 'n "Event", so 'n Bespassungsrumtata. Da es halt sehr laut war und Leute angetrunken waren. Das ist für diese Musik sehr schwierig. Du musst ja zuhören, vor allem für die, die zuhören wollen, wird es halt sehr schwierig, die können nicht gut folgen, wenn irgendwelche Leute die ganze Zeit erzählen. Es wird auch immer schwieriger die Leute zu disziplinieren. 

Hattest du oder besser gesagt ihr bei euren Akustikkonzerten schon das Problem das Set so zu gestalten, dass die Leute aufmerksam dabei bleiben, währenddessen nicht reden oder habt ihr das Glück, dass die Leute für gewöhnlich doch sehr (intensiv) dabei sind?  

Janko: Grösstenteils hören die wirklich zu. Es ist ziemlich erstaunlich wie textfest sehr viele sind. Und das Grobe, vermutlich 75% der Leute, freuen sich sehr und saugen die Texte auf. Das Problem ist halt, umso weiter das nach hinten geht, umso lauter scheint es dann zu werden?! Dann wird es auch richtig schwierig, weil wir auch sehr lange spielen. Das sind rund zwei Stunden und das ist nicht so leicht für den Hörer. 

Am Stück zwei Stunden? 

Friedemann (weiter): Na bestimmt so ein- und dreiviertel Stunde. Das vergeht aber sehr schnell, wirst du ja sehen. Als ich das erste Mal gespielt habe, hieß es "erst zwei Stunden...", aber wir fanden's gut. 

Ich frage ja auch nicht von ungefähr, denn im Endeffekt ist ja sowohl bei COR wie auch bei deinen Solsachen das Credo, wohinter ihr steht, nicht unwichtig, um es mal mit meinen Worten vereinfacht-komprimiert auszudrücken: "Der zunehmenden Oberflächlichkeit in der Gesellschaft entgegenzuwirken." Also sprich den Leuten 'nen neuen Fokus, einen Blickwinkel zu geben, indem ihr quasi sagt - Mensch kuckt doch mal hin, was da überhaupt passiert! 


Deswegen frage ich, ob die Leute dementsprechend aufmerksam sind und ob der gedankliche Ball, den ihr den Leuten zuspielt, auch aufgenommen wird oder ob es dann auch mal Ausnahmen gibt, wo die Leute dann nicht zuhören?


Janko & Friedemann @ JAZ, Rostock, 6.02. 2.016 Friedemann:
Bisher hatten wir wirklich gute Konzerte. Wir hatten so ein paar, wo dann Konzerträume schlecht lagen, wo dann zum Beispiel die Bühne direkt an der Bar war oder so, das ist einfach kacke. Das sind auch Sachen, die wir lernen, weil diese Art von Musik von uns noch nie gemacht wurde, keiner von uns so richtig in diesen Clubs war. Da muss man halt sehen wo kann man's-, wo kann man's nicht machen?! Aber da lernen wir alle gemeinsam. Das ist alles gut. Das ist jetzt kein Problem.

Ich will halt nur, dass die Leute zufrieden nach Hause gehen, wie bei COR. Der Sound muss stimmen und die Leute müssen zufrieden und glücklich nach Hause gehen und das kann man halt nicht, wenn irgendwelche Leute (*Friedemann miemt einen pöbelgröhlenden Typen nach) die ganze Zeit erzählen. 

In Berlin war es so, da saßen vorne bei Matze drei und haben die ganze Zeit erzählt und da hab' ich auch gesagt "Hier ich hab' 50,- Euro im Portemonnaie. Hier, geht mit euren Kumpels saufen. Dann müsst ihr aber da wegbleiben." Sollen sie die 50,- Euro versaufen, da habe ich mehr von. 

Man muss es auch sehen, das wird sich auch noch ein bisschen ausdünnen, jetzt ist es ja noch so ein bisschen "Ah wir kucken mal, was die da machen?!", ob das alles funktioniert und so?! Das wird sich ein bisschen ausdünnen und das ist auch gut.

Beim letzten Interview erzähltest du mir, was ich so nicht vermutet hätte, dass du auch ein grosser Fan von Pearl Jam bist. 

Friedemann: Ja, bin ich auch. Da habe ich alles. Alles, also alle die überhaupt kamen. 

Pearl Jam haben ja auch viele akustiklastige Sachen gemacht, hat das irgendwann ganz am Anfang als du die Idee hattest eine Rolle gespielt? 

Wie die Idee entstanden ist, wie du überhaupt dazu kamst, hast du ja im letzten Interview schon erzählt. Hat das rein musikalisch irgendeinen Einfluss auf dich genommen?

Friedemann: Alles was man hört, hat Einfluss. Also ich setze mich jetzt nicht hin und will klingen wie Pearl Jam oder so, aber ich höre sehr breit. Wir hören alle sehr breit. Janko hört sehr breit, Matze hört sehr breit. Dann setze ich mich hin, mache die Songs so wie sie kommen und die Jungs machen halt ihren Part dazu. 

Jeder hat so seine Art. Der eine ist vom Jazz beeinflusst, der andere ist vom Metal beeinflusst, da hat jeder so seine Lieblingsband und das kommt natürlich in das Spiel. So wie du spielst, fliesst das ja mit ein. Und so entstehen Songs. Ich denke über das Gross nicht nach, was wir machen. Für mich ist es wichtig, dass es sich gut anfühlt und für die Jungs halt auch. Und wie gesagt jeder bringt seine Favoriten, seine Stilrichtung mit ein. 

Du sagtest ja auch, dass du dir gern Geschichten Anderer zu eigen machst und diese in deinen Songs umsetzt. Wieviel von dir selbst, pi mal Daumen - prozentual, steckt denn von dir im aktuellen Album?

Friedemann: Also 100%. 

Ich meinte vom Erlebten, aus deinem Erleben heraus.

Friedemann: Ja von den Erlebnissen, genau. Na das sind schon 100%, weil die Dinge, die mir Menschen erzählen, die erlebe ich ja auch, die erzählen mir das, das ist ja ein "Erlebnis". 

Aber doch aus einem anderen Blickwinkel heraus?!

Friedemann: Ja, aus einem anderen Blickwinkel so ein bisschen. (*lenkt Friedemann ein) Ja, zu 75% eigene Erfahrungen und der Rest sind halt Dinge, die man erlebt, zum Beispiel "Djamila" oder so. Das habe ich ja nicht erlebt. Ich habe ja nur dieses Mädchen kennengelernt oder zu sehen wie sie lebt. 

Oder "Paola". Man lernt die Menschen kennen, sieht wie sie leben und dann macht man darüber Lieder. Ja, das ist nur auch ein sehr einschneidendes Erlebnis. 

Um noch thematisch kurz noch einmal auf etwas anderes zu sprechen kommen, du bist ja offensichtlicherweise ein sehr grosser Lemmy (R.I.P.) bzw. Motörhead Fan. Wie hast du denn aus deinem Erleben heraus Lemmys Tod erlebt? 

Klar viele Leute sagten es sei vorab absehbar gewesen, dennoch waren viele Leute doch geschockt. 

Friedemann: Also ich war nicht geschockt, man ist halt einfach überrumpelt, wenn es von einem Tag auf den anderen passiert. 

(*gibt Friedemann nüchtern ruhigen Tones zu Protokoll, geht kurz in sich, überlegt und sagt demütig..) Also ich bin erst einmal froh, dass er da gewesen ist. Ich bin froh, dass es so viele gute Platten gibt. Ich bin froh, dass ich unter diesen Einfluss geraten bin, wie übrigens alle auch. (*bezieht sich dabei auf seine Mitmusiker) Da kann man schon froh sein, dass es so viele Jahre gegangen ist! Das muss man einfach so sagen. 

Das war ja auch irgendwo ein physisches Wunder... rein von dem was er so genommen hat.

Friedemann: Genau. Wir haben gestern gerade auchg ein Bild im aktuellen "Rockt" von der Tour 2004 (*sofern ich Friedemann akustisch richtig verstanden habe?!) gesehen und da hing schon die Wasserflasche am Mikrofonständer. Also wir persönlich sind der Meinung, dass das nicht so doll war, wie es dargestellt wurde. Er wird seinen Schnaps getrunken haben, er wird seinen Speed gezogen haben, hat wahrscheinlich dann mit 50 ein bisschen zurückgefahren haben, sonst wirst du keine 70 Jahre alt. Siehe "Pedder" von Daily Terror (*starb 2.009 an einem Hirntumor infolge einer Lungenkrebserkrankung war; R.i.F.), da musst du die Konstitution haben. Das ist einfach Biologie. 

Uns interessiert, dass er da gewesen ist, dass er grossartige Musik für uns gemacht hat, das ist dann wie bei der Vorfrage mit Pearl Jam, also dass du dann davon auch beeinflusst wirst. Wir spielen auf der ganzen Tour auch "Gott", das ist ein COR Song, den wir akustisch spielen. Einfach, weil wir es gut finden, weil wir wollen... na auf unsere Art Abschied zu nehmen. 

Janko (ergänzt mit Blick auf Friedemann): Du hast ihn auch auf deinem Gitarrencase. 

Friedemann: Genau, ich hab' auf meinem Gitarrenverstärker noch ein schönes Foto. Ja, weil es für mich wichtig ist. Weißt du wir brauchen keine Lemmy Strasse, keine Lemmy Statue, wir freuen uns an der Musik. 

Genau, im Herzen weiter tragen. Ich habe das Thema ja nicht von ungefähr ein wenig angeschnitten, im letzten Jahr hatten wir ja ein sehr gutes Gespräch über den plötzlichen Tod eines gemeinsam Bekannten, du singst ja über viele Dinge, die im Leben passieren, sprich die aktiv passieren, ist der Tod als solches auch für dich als Musiker bzw. als Texter ein Thema? Oder machst du das Thema Tod eher im Privaten/Stillen mit dir selbst aus? 

Wobei diese Frage an euch beide geht.

Friedemann: Das ist schon ein grosses Thema. 

Janko: Für jeden Menschen ist das ein Thema.

Friedemann: Definitiv. Das ist, denke ich, auch eine Alterssache?! Wenn du jung bist, was wir ja nicht mehr sind - also mittelalt, ist das kein Thema, wenn du es nicht gerade als junger Mensch erlebst, dann lebst du einfach und gibst Gas. Dann bist du irgendwann 30-35 und dann rückt dieses Ableben ja schon mal in den Bereich des Möglichen. 

Und je dichter man dem kommt, desto grösser ist die Beschäftigfung damit. 

Ja, also für mich ist es ein Thema, das auch in den Texten mitspielt. Ich mach' jetzt nicht vordergründig irgendwas, 'n Lied zum Tod, weil das sowieso kommen wird, aber dieser komplette Kreislauf des Lebens vom Geboren Werden, vom Sein, vom Gehen, das ist halt Biologie. Das schneidet auch so ein bisschen bei dem Song "Wunder" mit rein. Das sind halt so kleine Wunder, man kommt, man ist da, hat 'ne Zeit, muss die nutzen und geht.

"Zeit vs. Uhr" ist ja thematisch auch genau das, was du gerade sagtest?!

Friedemann: Genau.

Vorab, ich erinnere mich z.B. daran, ich meine es war im letzten Jahr(?!), dass du die aktuelle Platte schon einmal angegangen bist. Und ich meine, dass du letztes Jahr etwas in einem Post geschrieben hattest, wo du meintest das Ganze komplett zu verwerfen...?!

Friedemann: Das war einfach so, wir waren in Berlin, wollten es aufnehmen... ich hab' mich nicht so gefühlt. Ich bin der Zeit 40 Jahre geworden und hatte einfach kein Feeling im Studio. Es war einfach nicht gut und richtig, hat sich nicht gut angefühlt. Ich wollte mit diesem Post..., ich probiere immer, dass ich Facebook und so intelligent nutze. 

Also Transparenz herstellst? (*frage ich Friedemann folgend nach)

Friedemann: Na intelligent nutzen. Die Leuten denken immer, die sehen einen und denken "Boar das is ja ein geiler Typ!", der kann alles, kann bestimmt auch fliegen... und das kann ich nicht. Das kann keiner von uns. Und ich wollte den Leuten damit einfach sagen, auch wir scheitern! Also nicht nur die Leute da draussen scheitern, in ihrer Arbeit, in ihrer Beziehung, in ihrem Leben... - auch ich kack' ab! 

Das ist authentisch. 

Friedemann: Ich versuche nicht da irgendwas aufzubauen, sondern einfach um den Leuten das zu sagen. Ich weiß wie vielen das geholfen hat. Ich hatten auf diesen Post so viel Feedback - "Schön, dass es dir auch so geht..." (*zitiert Friedeman eine Mail) - und das war einfach kein Feeling, kein guter Tag.

Ich finde es gut, finde es mutig, gerade heutzutage gibt es gerade bei Facebook und Co leider auch 'ne Menge Leute, die nur darauf warten, dass man scheitert, um dir dann das Kantholz in den Nacken zu werfen. 

Friedemann: Bei mir ist das glaube ich jetzt nicht, ich bin zu unbedeutend dazu, dass jemand wartet, dass ich scheiter'. 

Ich meine, ihr habt ja berechtigter Weise einen gewissen Erfolg, das kann man ja nicht leugnen, das sieht man ja...

Friedemann (*hakt ein): Da wartet keiner drauf, dass wir irgendwo gegenrammeln. Ich habe diese Gefühle nicht. Ich weiß es geht ganz viel bei dieser Art Musik mit wir hier, ihr da, Feind und Freund - das haben wir nicht. Egal was wir machen, wir sind eine Band, wir machen Musik, das wird manchmal gut sein, ich weiß, dass es manchmal schlechter sein wird, dann wird's wieder besser sein, ein auf und ab...!

Friedemann Live @ JAZ, Rostock, 6.02. 2.016 Ich meinte das eher aus dem Blickwinkel meiner These "Wo Erfolg ist, gibt es auch Neider." Und mit wachsendem Erfolg, kommen meist auch mehr Neider auf den Plan.

Janko: Also dazu muss ich sagen, dass ich gar nicht so das Gefühl habe, dass das jetzt so ein Erfolg ist. Ich habe bisher bei Kollegen auch nicht das Gefühl, dass da irgend jemand...


Ich meine jetzt auch gar nicht die (Musiker-)Kollegen. Die Kollegen sind meistens fair. 

Janko: Selbst bei den Zuschauern habe ich nicht das Problem, das Gefühl, dass das 'ne Rolle spielt. Das war halt mehr oder weniger ein Problem damals, dass wir versucht haben in 'nem sehr teuren Studio in Berlin 'ne Platte zu machen. Das hat nicht ganz geklappt.

Friedemann: Im Endeffekt wollten wir auch im selben Studio unsere Platte mischen. Wir wollten das auf einen Schlag machen, wir wollten halt gleich aufnehmen und mixen. (*ergänzt Friedemann) Da hat mir aber der Zugang gefehlt. Das ist nicht mein Ort, das ist mir zu laut, das ist nicht mein Ding.

Janko (weiter): Und wir haben's dann dahingehend da gemacht, wo wir das sonst auch machen. Wir haben uns in Bergen 'nen sehr coolen Raum gesucht, haben die Technik drum herum aufgebaut und haben im Prinzip sehr ruhig, mit sehr viel Gelassenheit und mit sehr viel Liebe zum Detail die Recordings gemacht, das ist sehr toll gelaufen. Der Friedemann hat während der Recordings die Möglichkeit gehabt durch ein Fenster auf die Wiese zu kucken, das ist sehr schön. Das war ein paar Tage ein schönes Beisammensein. Und dann hatten wir das im Kasten. 

Ich habe das Gefühl, dass es das auch braucht, so eine Platte zu machen. Die Platten sind sehr nah, für jeden von uns. Und manchmal ist es eben so, dass es nicht funktioniert, wenn man da zuviel drum herum hat. 

Und was auch sehr, sehr wichtig für jeden von uns ist, gerade in diesem Prozess des Recordens, dass wir halt sehr nah an den Menschen sind, die wir mögen. Dass man sich nicht so aus seinem normalen Sein rauszieht. Und das war da halt gegeben. Das hat sehr gut funktioniert und wir haben dann die gesamten Recordings gemacht, das hat eine sehr positive Erinnerung. So dass wir dann nach Berlin gegangen sind zum Mixen. 

Ich verstehe. Das aktuelle Artwork, um auf die aktuelle Scheibe "Wer hören will muss schweigen" zu kommen, wer hat das eigentlich gemacht?

Janko: Das hat, wie auch für das letzte...

Friedemann: Für die COR Scheibe auch. (*wirft Friedemann kurz ein)

Janko (weiter): ...ein sehr guter Freund von uns und ein begnadeter Musiker, der auch mit uns auf Tour war, gemacht - also der Conny Ochs. Wir sind damit sehr, sehr zufrieden, das ist sehr auf den Punkt. 

Ihr seid ja aktuell mit der Scheibe auf einer recht ausgedehnten Tour. Fast einen Monat lang. Du Friedemann hast es ja vorhin schon angesprochen, dass man jetzt in das Alter kommt, wo man auf viele Dinge achtet, also Kondition etc.. Wie haltet ihr euch denn fit bzw. gesund, wenn ihr auf Tour seid?

Gerade on Tour lauern ja immer so ein bisschen die Erkältung(en) u. s. w.?! 

Friedemann: Naja für die Akustiktour brauche ich nicht so viel Kondition wie von COR her. Das ist relativ entspannt. Ich muss ein bisschen Stimmpflege betreiben, manchmal meinen Schnabel halten und ansonsten essen wir viel Bratwurst und Schnitzel. (*lacht) 

Nee, also ich versuch einfach... ich nutze die Gemeinschaft und gut. Also dass wir als Kumpels losfahren, mal ins Museum gehen, uns Städte ankucken, es wird auch mal ein kleines Schnäpschen getrunken, die Jungs trinken gern mal einen, aber das ist halt alles nicht so megabunt. Dann fährt man halt weiter, kuckt sich die nächste Stadt ein bisschen an, trifft Leute, Freunde, schnackelt ein bisschen, isst was Schönes, singt sein Zeug Abends, unterhält sich...

Janko (steigt mit ein): Das ist gar nicht so spektakulär. 'Ne Reise.

Na das ist halt das, was die Leute da draussen interessiert?!

Friedemann: Ich sage den Leuten dann immer so, dass es das gleiche wie mit Motörhead, das ist eine Illusion, die da bei vielen Bands aufgebaut wird. Die machen einen auf wild und auf jedem Foto müssen sie eine Schnapsflasche in der Hand halten. 

Wir sehen's hinter den Bühnen, da haben die meisten keine Schnapsflasche mehr in der Hand ab 40, sondern probieren auch bei so Hardcore Bands fit zu bleiben, dass sie mal hochhüpfen können, also es läuft so nicht mehr ab. Das ist 'ne Illusion, die wollen die Leute haben, die bedienen sie, wir bedienen sie nicht, weil es uns Wurst ist. Ich kann mich auch mit 'nem Wasserglas dahin stellen. 

Du hast es ja vorhin schon ein wenig angerissen, als erstes Video habt ihr jetzt "Wunder" ausgekoppelt. Wie geht ihr denn die Entscheidungsfindung an was ihr als Video umsetzt?

Friedemann (lockeren Tonfalls): Wir haben ein paar Leute, die machen die Videos. Wir haben denen die Platte geschickt und gesagt "Kuckt mal was ihr machen wollt?!", dann hat sich jeder einen ausgesucht und gemacht. Das waren zwei Leute und die machen das dann einfach, die schicken uns das, "Und wie findet ihr's?", dann sagen wir: "Schön." und dann bringen wir es raus.

Jetzt bei "Wunder" hatte ich die Grundidee und das wurde halt umgesetzt.

Jetzt mal an euch beide einzeln die Frage: Was sind denn eure persönlichen Lieblingssongs der aktuellen Platte? Also ganz spontan, ohne grossartig zu überlegen. 

Friedemann: "Haben und Brauchen".

Bei dir auch? (frage ich in Richtung Janko, während Matze im Hintergrund an seiner Bassgitarre rumwerkelt)

Janko (zustimmend nickend): Genau. 

Letztes Jahr gab es einen Song "Hurra die Welt geht unter" von der Band K.I.Z., kennt ihr den? 

Beide: Nee.

Der hat mich thematisch ein wenig an euch erinnert, wobei es da musikalisch bei K.I.Z. eher im alternativen Anarcho Hip Hop Bereich zugeht. Aber wenn ihr den Song nicht kennt, können wir uns da wohl auch schlecht darüber unterhalten?! Ihr solltet euch den Song auf jeden Fall mal anhören, das ist echt ein sehr guter Song, der eine Art modernes Mad Max Szenario von der Welt nach dem "Weltuntergang" malt, quasi nachdem es keine Banken, kein Geld, keinen Terror mehr gibt...

Friedemann: Und wie sieht sie dann aus? (meint die Welt danach) Ist sie dann besser? 

Naja, meiner subjektiven Ansicht nach ja, weil es dann verschiedene Sachen nicht mehr gibt, die einem Zwang unterliegen. Lasst uns da einfach beim nächsten Mal noch einmal darauf zurückkommen.

Ich werfe euch jetzt mal drei Begriffe hin und ihr sagt bitte mal ganz spontan was auf euch zutrifft. 

Pessimist, Optmist oder Realist?

Friedemann: Optimist.

Janko (zustimmend): Genau, bin ich auch.

...weil?

Friedemann: Weil die Dinge einfach besser sind als wir sie sehen. Wir sehen sie einfach schlecht. Wie es die Deutschen tun, heulen rum, jammern - ich glaube die Dinge sind einfach besser als wir sie sehen.

Janko: Bei mir ist es eigentlich so, dass ich jeden Morgen froh gelaunt aufwache und so auch durch meinen Tag gehe. Ich bin eigentlich jemand, der recht fröhlich durch seine Welt läuft. 

Bei COR spielen ja Pantera eine grosse Rolle, was wir im letzten Interview auch kurz angerissen hatten. Es gab ja kürzlich die sehr seltsame Aktion von Phil Anselmo beim "Dimebash", das ein Dimebag gewidmetes Festival ist. Er hat sich da wohl hingestellt 'nen Hitlergruß gemacht und "White Power" gebrüllt, was natürlich ein riesiges Gezeter gab. Machine Head, bzw. viel mehr Rob Flynn hat sich dann auch mit einem Videostatement zur Sache gemeldet, der das auch kritisierte. Kurz darauf hat sich Phil Anselmo selbst per Video öffentlich entschuldigt.

Friedemann: Phil Anselmo entschuldigt sich immer. Anselmo hat's geschafft, dass ich diese Band nicht mehr so richtig gerne hören mag. Weil er einfach... man muss sagen, er ist krank, er ist alkoholkrank, drogenkrank, das kann man von der Seite sehen. 

Das war ein begnadeter Musiker mit einer sehr tollen Stimme, der es aber geschafft hat durch seinen ganzen Dünnschiss, den er so verzapft, dass man diese Band nicht mehr mag. Es ist eigentlich traurig. Ich denke ein Entzug wäre gut. Umstellung der Lebensweise... das sollten einige machen! Wahrscheinlich wird er die nächsten drei, vier, fünf Jahre sonst nicht mehr erleben?! Also das ist einfach Drogensucht, Alkoholsucht... das macht mich traurig! (sagt Friedemann sichtlich nachdenklich)

Ihr habt ja im Laufe eurer Wege einige Bands persönlich kennenlernen dürfen, gab es da auch Momente in denen ihr euch gesagt habt ich will den/die gar nicht kennenlernen und lieber meine Illusion haben? 

Friedemann: Das ist immer so. Also ich brauche auch keine Namen nennen, aber wir treffen auch viele Leute - Helden unserer Jugend, wir haben gemerkt man lernt die Leute gar nicht kennen. Man redet mit denen kurz, freut sich, behält sie so in Erinnerung, hat so zwei, drei Tage mit denen... Wir hätten letztes Jahr oder vor zwei Jahren, da muss ich Matze mal fragen, ein Angebot 'ne Band zu fahren, die ich sehr liebe, also als Fahrer. Wir haben's abgelehnt. Da hat der Typ dann gefragt "Wieso, das sind doch deine Helden?!", da sagte ich "Digger, ich hab' keinen Bock innerhalb von drei Wochen alles kaputt zu machen, was ich mir an Illusionen aufgebaut habe." Manchmal ist es ganz gut in einer Illusion zu leben, vor allen Dingen Menschen betreffend, mit denen man nicht jeden Tag hantieren muss. 

Viele Künstler sind dann ja auch kompliziert und ich will mir das dann auch nicht kaputt machen. Ich bin da echt sensibel, wenn ich die Platte mag.

Verständlicherweise. Mir geht es z. B. immer so, wenn Bands das, was sie auf der Bühne propagieren, in Wirklichkeit nicht leben. 

Friedemann: Da kannst du bald gar keine Platten mehr hören! (wirft Friedemann scharfsinnig schmunzelnd ein)

Ja, wahrscheinlich! Aber es gibt 'n paar wenige Bands, u. a. und das sage ich jetzt ganz ohne Schleimerei, genauso ist es bei euch gewesen, dass ich gemerkt habe, dass ihr euer Zeug lebt, auch bei dem allerersten Treffen, als man sich noch gar nicht kannte. Ich finde es gut, wenn es authentisch ist. 

Friedemann: Leider ist es ein wenig zu einer Show, zu einem Event verkommen. Wir versuchen da ja gegenzusteuern, weil Musik für uns Leidenschaft ist. Wir machen die ganze Scheisse ja nicht, weil wir Langeweile haben, wir machen es, weil es richtig ist.

Wenn wir jetzt mal kucken was wir alles an Kosten haben, wir sind gerade so produktiv, das ist noch nicht mal 'n mega Budget, wir sind eine D.I.Y. Band. Auch die Akustiksachen auf dieser Reise. Da sagt jeder Ökonom "Oh Gott, oh Gott, oh Gott.. komm' bloß schnell Hause und geh' arbeiten!" 

Also wir kriegen auf jeden Fall auch Kohle raus hinten, wir brauchen nicht jammern, aber insgesamt ist es natürlich kein gutes Geschäft. Aber es ist eine Leidenschaft.

Ich wollte gerade sagen, bei dem Wort "Leidenschaft" gibt es ja diesen schönen Spruch: "Leidenschaft, die Leiden schafft."?! 

Friedemann: Genau, schafft auch manchmal Leid, aber eigentlich mehr Spass. Finanzielles Leid. (*schmunzelt er ironisch die Fakten benennend)

Heute ist mir explizit in einem Song eine Textstelle aufgefallen, die fand ich mega genial, wo du davon singst dir nicht vorstellen zu können wieder auf der Jagd zu sein. 

Friedemann: Genau. Das ist ja "Haben und Brauchen". 

Um welche Jagd geht es da? Um die Zeit...?

Friedemann: Um die Jagd des Lebens. Um den Kreislauf in dem wir alle so drinsitzen. Alle Dinge, die wir besiegen müssen, alle Rituale, die wir erfüllen müssen, was man von uns verlangt, ich hab da einfach keinen Bock mehr drauf. Janko auch nicht, Matze auch nicht. Keiner hat da Lust drauf. Aber wir tun aktiv was dagegen. Man möchte bestimmte Dinge nicht haben, man möchte bestimmten Dingen nicht hinterherjagen, weil es nicht wichtig ist. Mumpitz. Zu verkaufen, weil's wichtig ist, aber das ist so unwesentlich.

Verstehe. Ihr geht ja auch bald wieder mit COR auf Tour?!

Friedemann: Wir kommen nach Hause, dann sind wir drei Wochen da, dann knattern wir die Wochen durch. 

Gibt es da schon Pläne, neue Scheibe etc.?

Friedemann: Ja. Pilse hat jetzt gerade Riffs gemacht, also unsere beiden Gitarristen und Schlagzeuger. Ich hab' schon Texte geschrieben, mal kucken wie das so weitergeht?! 

Zum fast Abschluss, du bist ja sehr tätowiert, gibt es denn aktuell ein Tattoo, das aktuell relativ jung ist? Oder sagst du zu dir selbst "Ich bin durch damit."?

Friedemann: Nö, ich bin nie durch, das ist ja auch mein Job. Jetzt ist gerade das aktuell: "Born To Lose, Live To Win - 1945-2015". (*deutet auf seinen Arm; ein Memorial Tattoo bzgl. Ian Fraser "Lemmy" Kilmister) Meine Tochter hat mir kleine, rote Bluttropfen gemacht. 

Ach die tätowiert jetzt schon, ja?

Friedemann (völlig entspannt): Ja, ich hab jetzt schon drei Tätowierungen von meiner Tochter. Für mich ist das ein wichtiges Thema. Ich hab meine Frau auch tätowiert. Wir tätowieren uns auch gegenseitig. Da wird immer was dazukommen, was mich bewegt. Ich habe schon ein paar Sachen im Kopf, die ich noch brauche. Ja, es wird immer dabei bleiben, es ist ja ein Teil von mir. Ich weiß für viele Leute ist es eine Mode, für mich ist es einfach eine Lebensart. Das wird mich nicht verlassen.

Wie ein Buch auf der Haut.

Friedemann: Genau. Ich habe neulich 'nen alten Mann tätowiert, der ist 84 gewesen. Oder 82? Aus dem Pflegeheim. Der ist zur See gefahren und hat's nie geschafft. Und der sagte auch, das ist keine Frage des Alters, sondern das ist einfach eine Frage, ob man das braucht, ob das wichtig für einen ist?! 

Wie mach ich Sport - mach' ich keinen Sport, kuck' ich Fernsehen - kuck' ich keinen Fernsehen? Flieg' ich nach Afrika, bleib' ich hier... - das ist eine Einstellungssache. 

Was mich viele fragen, was ist die Stelle, die dir am Meisten weh getan hat?! Mir selbst nennen meistens Leute im Gegenzug Stellen, die für mich relativ entspannt waren, wie z. B. Hals. 

Friedemann: Als Tätowierer sage ich aus meiner Erfahrung zwischen Knie und Bauchnabel. Da zucken die meisten. Oberschenkel innen, Oberschenkel hinten, Arschbacken, Arschgeweihstelle - das ist auch sehr, sehr schmerzhaft. Also zwischen den beiden Beckenschaufelknochen. 

Ich fand es wirklich am Schlimmsten... (ich deute bereits auf meine Finger)

 

Friedemann: Finger auf jeden Fall! Alle Gliedmaßen, die nach vorne gehen. Umso weiter die nach vorne zu den Nägeln gehen, desto mehr tut es weh. Viele schimpfen auch über Brust. Da hab ich jetzt nicht so die Probleme. Ja, Arm innen. Viele sagen auch zur Achselhöhle hin, das ist anstrengend. Und was auch viele sagen ist Plexus. Also eigentlich da, wo viele Nerven durchgehen. 

Ich fand es auf dem Bauch ein bisschen eklig, weil da die Farbe ja relativ schlecht reingeht. 

Friedemann: Ansonsten... (Friedemann gähnt kurz) hat halt jeder seine Präferenzen. Ich sag' immer Tätowieren tut immer weh. Also mir tut das immer weh, ich bin kein grosser Freund von Schmerz. 


Friedemann, Danny B, Matze (hinten) & Janko @ JAZ, Rostock, 6.02. 2.016 Zum Abschluss habt ihr natürlich das letzte Wort an die Leute da draußen. Ihr könnt nun die Zeit nutzen, um zu sagen, was ihr den Leute noch sagen möchtet, mitgeben wollt... 

Friedemann: Also ich würde mich freuen, wenn die Menschen, die Welt und das Land und die Problematik in der wir derzeit leben, nicht so negativ sehen. Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute nicht rumheulen, rumjammern... also wir müssen gar nicht darüber diskutieren, es sind viele Dinge im Argen, aber andererseits sind auch sehr, sehr viele Dinge richtig gut. Und ich würde mich darüber freuen, wenn die Leute, die das vielleicht auch lesen, mehr lächeln, positiver sind und die Probleme, die es gibt, einfach anpacken. 

Mal ein Ehrenamt begleiten, mal zur Feuerwehr gehen, mal Flüchtlingshilfe leisten, mal im Altersheim was machen oder ein bisschen Kinderbetreuung, so dass es halt weiter hilft, dass man kein Jammerland ist. Oder ein Land von Menschen, die darauf Bock haben weiterzuleben. Etwas verändern und es ist nicht alles schlecht! Das wäre mein grosser Wunsch. (finalisiert Friedemann in fast schon demütigem Tonfall)

Da möchte mal kurz zwischenfragen, kann man das ein wenig mit dem Spirit, der Einstellung nach dem Krieg vergleichen, als ganz Deutschland anpacken musste? 

Friedemann: Ich denke es geht auch nicht um ganz Deutschland, es ist... wir sind einfach zusammengerückt, also die Welt ist einfach kleiner geworden. Es geht hier um alle Menschen. 

Janko: Das kann man auch nicht vergleichen mit der Zeit nach dem Krieg. Ich finde dass die Welt nach dem Krieg, da war es ja so, dass ein ganz grosser Teil der Bevölkerung fehlte. Die vielen Menschen, die kamen, haben natürlich auch das Vakuum gestopft. 

Das was wir jetzt haben, wir haben uns in den letzten Jahren eine globalisierte Welt gebaut, wir haben die Vorteile einer globalisierten Welt genossen...

Friedemann (wirft mitdenkend ein): Und genießen sie auch immernoch!

Janko (weiter): ...und müssen es langsam mal begreifen, dass die Medaille immer auch zwei Seiten hat. Was ich sehr positiv finde, es gibt sehr, sehr viele Menschen, die sehr viel machen, die sehr, sehr nachdenklich sind und auch auf viele schöne Themen kommen. Und ich finde wenn die ein bisschen lauter wären, wenn man da ein bisschen mehr Gemeinsamkeiten zwischen diesen Menschen finden könnte, dann hätten hier noch sehr viele andere Menschen Platz. 

Ich habe natürlich auch nach dieser Perspektive gefragt, weil ich gerade in Sachen Flüchtlingshilfe auch schöne Erfahrungen gemacht habe, ehrenamtlich. Dafür wöllte ich auch kein Geld haben. Und ich habe von vielen, vielen Menschen, die nicht aus Deutschland waren, z. B. auch von Amerikanern in Berlin - da sind immer Menschen, die eine ganz andere Mentalität haben, die mich oft gefragt haben, warum wir deutschen immer so viel jammern?! Deshalb fragte ich auch nach der Nachkriegsmentalität, wo Menschen die Wahl nicht hatten, sondern einfach angepackt haben, was sich ein Stück weit über viele Jahre fortgesetzt hat.

Friedemann (hakt ein): Ich denke da gibt es einen Unterschied, das ist der, dass nach dem Krieg keiner etwas zu verlieren hatte. Es hatte keiner was zu fressen, es war alles im Arsch. Jetzt leben wir auf so einem hohen Niveau und dieses Gejammer kommt deshalb, weil wir erkennen, oh Gott, wir werden wahrscheinlich etwas abgeben müssen. Wir werden von unserem hohen Ross runter müssen, deswegen krallen wir uns da rein. Also ich bin ein grosser Freund davon zu sagen, hey Leute, lasst uns das alles ein bisschen gerechter verteilen, wir haben alle vom Lebensniveau zu wenig, aber doch zu viel. Aber dafür geht's uns allen gut, also mehr Menschen auf dieser Welt. Das wär' so mein Wunsch. 

Ich wollte dir auch nicht ins Wort fallen, aber ich präventiere das Ganze immer gern etwas. Ich bin sehr geschichtsinteressiert, möchte das aber gar nicht in diese Nachkriegsthematik münden lassen, von wegen wir deutschen sind was Besseres, sind wir nämlich nicht. Ich sehe es so, Arschlöcher gibt es in jedem Volk und genau danach lebe ich auch. Ich sehe jeden Menschen als Individuum. Und wenn man das, wie du so schön sagtest, mit einem Lächeln nimmt, dann kann man glaube ich auch ein schöneres Leben führen. 

Aber gut, Janko, dein letztes Wort steht noch aus. 

Janko: Ja, also ich habe mein letztes Wort ja schon gesagt. Ich bin der Meinung, dass wir in diesem Land einfach lernen müssen auch zueinander zu finden. Ich habe letzte Woche eine Begegnung mit einem Kurden gehabt, der seit 15 Jahren in Stralsund lebt, der zu mir sagte "Mensch Janko, das ist irgendwie komisch, ich habe ein Kind, das ist jetzt 9 Jahre alt. Und zu meiner Zeit, damals in Kurdistan, waren ganz viele Kinder auf der Strasse, hier ist das überhaupt nicht so.". 

Und ich sagte "Ja, also ich kann mich an Berlin erinnern, da war es genauso, ich hab' in so Neubaugebieten gewohnt, wenn man da vor die Tür gegangen ist, hatte man mindestens 30-40 Kinder gehabt. Und das war ein riesengrosses Spielprogramm, obwohl die Leute nicht so viel hatten wie jetzt. Jetzt haben sie Häuser, Grundstücke und lassen ihre Kinder gar nicht mehr raus." Die wissen eigentlich auch gar nicht was drumrum passiert. Und ich glaube das ist das Problem, dadurch, dass sie nicht wissen was um sie herum passiert, wo sie an Menschlichkeit nur noch erfahren, was sie Fernseher und Netz nennen, haben sie halt auch ein verkehrtes Bild darauf. 

Ich glaube wenn man ihnen diese Panik nimmt und wieder beginnt auf die Strasse zu gehen, wie man das zum Beispiel in südlichen Ländern mehr hat, dass sehr viel auf der Strasse passiert, dann dürfte es relativ leicht für die Menschen sein zu sehen, was die Mitmenschen brauchen. Und dann ist egal wo die Mitmenschen herkommen, das interessiert dann nicht. Es kommt darauf an in wie weit man ein gemeinsames Zusammenleben propagiert. Und das sucht sich jeder Mensch, jeder Mensch sagt "Das finde ich gut." oder "Das finde ich nicht gut.". 

Ich bin der Meinung, dass mit ein bisschen mehr Blick nach draußen, werden die Menschen sehr viele Menschen finden, die sie gut finden. Das ist das, worauf ich hoffe. 

Das ist ein gutes Schlusswort! 

Friedemann (mit freudigem Lächeln): Das ist Janko! 

Ja, wie gesagt, finde ich gut, das ergänzt sich sehr gut bei euch! 

Janko: Wir machen ja auch zusammen Musik.

Man merkt, dass ihr Bock auf einander habt.

Friedemann: Ich kenne Janko länger als COR. 

Ich bedanke mich auf jeden Fall, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt und wünsche euch weiterhin viel Erfolg!

Friedemann: Gerne!

 

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Fotos: schafe-schuesse.de  ©

 

 

Tourdates

FRIEDEMANN

  • 15.03.16 A- Innsbruck, Cafe Decentral
  • 16.03.16 A- Wien, Cafe Voodoo
  • 17.03.16 D- Nürnberg, Kunstverein ( w/ Kristian Harting, Conny Ochs)
  • 18.03.16 D- Jena, Cafe Wagner
  • 19.03.16 D- Halle, GIG
  • 20.03.16 D- Berlin, Jägerklause !!! AUSVERKAUFT !!!
  • 28.04.16 D- Helgoland, Rock’n’Roll Butterfahrt
  • 03.09.16 D- Rostock, IGA Park (w/ Dritte Wahl, Pothead)
  • 09.09.16 D- Bergen auf Rügen, Fette Ente im Krokoteich
COR
  • 08.04. 16 Leipzig, Conny Island
  • 09.04. 16 Bad Hersfeld, JC
  • 15.04. 16 Erfurt, AJZ Banane
  • 16.04. 16 Neustadt/Orla, Wotufa Saal
  • 22.04. 16 Berllin, Astra
  • 23.04. 16 Magdeburg, Factory
  • 28.04. 16 Helgoland/Düne, Rock'n'Roll Butterfahrt
  • 29.04. 16 Neumünster, AJZ
  • 04.05. 16 Wolfsburg, JuZU
  • 05.05. 16 Hameln, Freiraum
  • 06.05. 16 Oberhausen, Druckluft
  • 08.05. 16 Göttingen, 8. Mai Straßenfest
  • 13.05. 16 Lindau, Club Vaudeville
  • 14.05. 16 Augsburg, Ballonfabrik
  • 15.05. 16 Torgau, Entenfang "Freygang Open Air"
  • 20.05. 16 Cottbus, Muggefug
  • 21.05. 16 Rostock, Eulenbruch Festival
  • 10.06. 16 Lobbesse, Rotormania Open Air
  • 11.06. 16 Chemnitz, AJZ Talschock - "20 Jahre Schlepphoden Festival"
  • 15.07. 16 Glaubitz, Back to Future Festival
  • 16.07. 16 Jena, Werkstatt Festival
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