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DESTINATION LONELY "Death Of An Angel" [12" Vinyl]

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

04-2017

Label: 

Genre(s): 

Wenn musikalische Post aus der Schweiz, genauer gesagt von Voodoo Rhythm Records hier eintrifft, kann ich immer wieder davon ausgehen, dass es sich zu 90% um entartete-, wirklich "andersartige" Kost handelt als sonst üblich. So etwas hält das Leben frisch und lässt immer wieder neue Blickwinkel entdecken, manchmal direkt aus der querverschossenen Schräglage, die jede mathematische Musikformel locker in den Schatten aller Reißbretter stellen. 

Mit Destination Lonely schickt das Schweizer Kultlabel ein südfranzösisches Trio in Richtung meiner Ohren, dessen zweite, offizielle Veröffentlichung mit dieser 12" (wahlweise auch auf CD zu haben) nun nachlegen soll. Wenn man allerdings die Bandcampreleases mitzählt, ist "Death Of An Angel" die bereits vierte Veröffentlichung von Destination Lonely. Etwas verwirrend zunächst. Vom Coverartwork her könnte man, dank Geisbock-Pentagramm und dem Albumtitel "Death Of An Angel" direkt an eine Metal Band wie Slayer bzw. an eine Black Metal Band denken, doch diese Suggestion täuscht. "Garage Punk Rock 'n' Roll Heroin Groove" heißt es seitens des Labels. Mit "H" als Teil der Stilumschreibung habe ich ja so meine Probleme, aber gut, es verfehlt das Ziel Interesse zu wecken nicht. Die Frage ist just, ob Destination Lonely genauso fies wie "H" anfixen?

Aus Toulouse und/oder(?) Bordeaux (*lt. deren Bandcamp Site) stammen Destination Lonely, die in 2.010 ihr erstes Release mit der 10" Vinyl "Fun Is Dead" über die Ziellinie brachten. Irgendwann in dem Dreh (2.009?) haben sich Destination Lonely vermutlich gegründet? Informationen über das tatsächliche Bandgründungsjahr findet man leider nicht. Es bleibt also etwas verwirrend, weshalb ich auch mit dem Albumeinstieg vorlieb nehme. Mit "Dirt Preacher" (Track 1) [A-Seite] geht es verwaschen trashy los und bringt eine Mischung aus Punk Rock, Noise und Grunge-igen Sounds durch die Tür. Ich fühle mich bereits beim ersten Anlauf zurückversetzt und mittendrin in der ordentlich dreckverwaschenen Welle des Grunge. Gruppen wie The Breeders, frühen Nirvana, Hole oder auch verstörender Noise Artists wie Ministry oder dem Urgedanken der Einstürzenden Neubauten kommen mir in den Sinn. Am Ende dominiert gefühlt aber eher der Garage Punk Anteil, was auch beim folgenden "Staying Underground" (Track 2; Anspieltip I) so bleibt, während das Tempo noch etwas mehr angezogen wird. Die Mucke macht, trotz - oder wegen(?) der verzerrten Stimmen von Lo Spider und Marco Fatal (inkl. der Backing Vocals von Pablo Malaga) mächtig Bock. Das Albumtiteltitelstück "Death Of An Angel" (Track 3; Anspieltip II) beginnt dagegen mit "Natural Born Killer" Soundtrackatmosphäre und lädt zum sexy Dancing ein. Genauso wie "Dirt Preacher" stammt dieses Stück übrigens aus der Feder von Donald Woods & The Vel-Airs. Selbst die hammondorgeligen(?) Parts fügen sich passgenau in das Stück ein, das sich für jede gute Rock/Trash/Psychobillie/'70s/Punk Rock Bar eignet. Dank der Variabilität bleibt es interessant, zumal mit "I Don't Mind" (Track 4) Midtempo Noise-bluesiger Psychobilly Punk Rock zum Zuge kommt, was auch bestens zu "klassischem" Horrorbilly passt. Bislang kam kaum die typische "French Note" durch, was sich mit "Vanessa" (Track 5) ändert und an liebreizende Damen wie Vanessa Paradies oder auch Brigitte Bardot denken lässt. Beim Hören wird einem unweigerlich bewusst wie viel Einfluss die französische Kultur auf das eigene Leben in den Kinderjahren der '70er- und '80er Jahre ausgeübt hat. 

In etwas lahmerem Blues Jam Stil beginnt mit "Straight From Hell" (Track 6) die B-Seite und lässt an '50er/'60er Rock aus Großbritanien denken, als The Beatles und die Rolling Stones den Ton angaben. Dieser Song ist eher so eine Chillout-Kiffer Nummer, deshalb aber nicht schlecht. ;-) Vertrauten Ghost Flow gibt es dank "Outreau" (Track 7) hinterhergeschoben, dem sich experimenteller Avantgarde Grunge Rock/Psychedelic Rock untermischen und vor allem Freunde des Spiritual Rock/Stoner Rock in den Bann ziehen könnte, wenngleich rein instrumental dargeboten. Irgendwie scheint vom Tempo her die Luft raus zu sein, denn auch "Only One Thing" (Track 8; Anspieltip III) schwabbert wie nebulöser Zigarrettenrauch durch die stoned-schwangere Atmosphäre dieses '70er Stoner-Spiritual Rockers. "Waste My Time" (Track 9) bleibt in ähnlich gearteten Spuren, jamt im Post-Hendrix-Spirit vor sich hin und weiß erst gegen Songende mehr Catchiness aufzufahren. Gut, dass "I Walk Alone" (Track 10; Anspieltip IV) zum Finalgang stilistisch (zwar ruhig) verbleibt, allerdings eine verträumte Stimmung mitbringt und dieses typisch sexy französisch-pornöse Etwas mitbringt, das so ein klein wenig Pop im Winkel mitführt, allerdings dank des Gitarrensoli das Rock größer zu schreiben weiß. 

Ein ziemlich facettenreiches trashy Post-Grunge-iges Spiritual Rock Album mit Seitenschlenkern in Richtung Garage Noise Punk Rock. Dieses Album setzt da an, wo anderen Bands stilistisch die Ideen ausgehen, ohne je zu glatt zu klingen - im Gegenteil der Dreck im Sound von Destination Lonely ist deren großes Plus! 

7,75/10 Schafe Schüsse

(Voodoo Rhythm Records 2.017)

https://www.facebook.com/Destination-Lonely-159732874076965/

https://destinationlonely.bandcamp.com/

Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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