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DON'T TRY THIS "Wireless Slaves" [Deluxe Edition]

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

03-2017

Label: 

Genre(s): 

Wenn man schon beim Bandnamen an den allseits bekannten Hinweis diverser Wrestling Verbände denkt (*"Don't try this at home or at school."), kann man quasi selbstredend davon ausgehen, dass das im Juni 2.012 gegründete 5 Pack Don't Try This aus dem beschaulichen Dessau, wo auch mein geschätzter Freund und Kollege Leo vom Fatal Underground homebasend in die Tastatur hackt, keine Softkost fährt. 

Sofern ich das richtig gecheckt habe, ist "Wireless Slaves" auch das Debütalbum dieser Jungs, was nach 5 Jahren Bestehen etwas dünn klingen mag, doch bei näherem Hör werdet Ihr feststellen, dass gut Ding eben doch manchmal Weile braucht. Zumindest haben Don't Try This in der Vergangenheit ordentlich die Bretter gespalten und u. a. mit Bands wie Annisokay, 36 Crazyfists, All Hail The Yeti und To The Rats And Wolves geteilt. Alles Bands, die in ähnlichen Stilspuren fahren. Die DTT Mucker selbst sehen sich im "Modern Metal" zu Hause, was nicht unbedingt klar definiert klingt. Man könnte zunächst mal darüber philosophieren was genau "Modern Metal" ist? Modern Talking auf Metal? Um Gottes Pillen! Also lassen wir jegliche Spekulationen und steigen lieber direkt ins Album ein.

Mit "Suffocation" (Track 1) eröffnen Don't Try This ihre 12 Stücke umspannende Deluxe Edition und zocken ohrenfreundlichen Deathcore mit Hardcore und Death Metal Elementen frei Haus. Aber auch etwas Metalcore steckt mit in den Fasern. Dankbarerweise haben Don't Try This auch Text(auszüg-)e im Booklet dabei, so dass man direkt tiefer eintauchen kann. Erste Clean Vocal Parts spazieren auf Keyboard-getragener Untermalung/Beimengung durch den Raum, während Riffs umherfeuern und auch Scream-/Growling Parts für Abwechslungsbäder sorgen. Ein ziemlich satter Einstieg. "When They Rise" (Track 2), den man auch in einem Videoclip ausgekoppelt hat, bringt den Zeitumblick mit Lines wie "There's no place for love, we are driven by fear." aus der vermutlich U-30er Sicht auf den Punkt. Die Saiten werden auf Hochtemperatur abgebraten, was auch bei dem etwas melodiöseren "Nothing Is Like Before" (Track 3) so bleibt, allerdings kommen hier auch mal schöne Gitarrensoli rum und somit haben auch traditionelle Metal Elemente ihren Platz im Gesamtsound, zumal der Rest bislang eher im Metal-/Deathcore durch die Gegend planiert. 

"My Burden" (Track 4; Anspieltip I) zündet zu Beginn mit starkem Melodic Einstieg, um von Prügelparteinschüben durchzogen zurück zu den Melodic Vocals zu finden, die von den bislang immer mitfahrenden Screamoparts umrahmt werden. Vor allem Schlagzeug und Keyboard stechen aus den Break-Riffing-Strukturen hervor. Zwar hat man auch diese Art Arrangements schon an so manchem Clubabend aus diversen Konserven scheppern hören, aber ich kann Don't Try This ihren Reiz beileibe nicht absprechen, wenn es auch durchweg hin- und herwandert zwischen Scheppersalven und melodischen Einschüben. Da tun fast popige Starter wie "Falling Deeper" (Track 5) direkt gut und verschaffen nicht nur Entspannung, sondern auch hörbare Abwechslung. Die extremeren Metalheads würden hier vielleicht von Schnulzenballade/Emo Stuff sprechen, doch dabei sollte man nicht vergessen, dass Balladen einst zum guten Ton eines jeden (Heavy-) Metal Albums gehörten. Selbst Pantera, Metallica etc. haben einst Balladen gezockt. ;-) Ich für meinen Teil finde, dass diese Art Abwechslung den DTT Jungs bestens zu Gehör steht. Da darf es dann auch wieder zurück zum Kernsound gehen, der zu Beginn von "The End Of Everything" (Track 6) etwas orchestraler/pompöser ausfällt/anklingt und zu einem nicht ganz so prügelausartendem Brett führt, hinter dem sich resgnierend-ernüchternd-erdende Rückblicke/Ansichten alias "I can't forget what we have done. We have crossed the limit of humanity. We all are so incomplete." verbergen. "All that remains ist just life and no more worries." - auf den Punkt gebracht. 

Albummitte. Zeit für einen Gast, den man in Rudi Schwarzer (*Arctic Island) gefunden hat. Auch dazu gibt es bewegtes YouTube Futter online. (wie zu einigen Songs dieses Albums) "I Will Never Forget" feat. Rudi Schwarzer (Track 7; Anspieltip II) ist eine Art Semi-Ballade, die sich um das Gefühl dreht sich allein in dieser Welt zu fühlen, was vielen da draußen aus der Seele schreien/sprechen dürfte - also nicht ausschließlich den Kids. In diesem Falle haben Don't Try This erstmals auf diesem Album den Zenit in Sachen Umsetzung erreicht. Lyrics und Mucke ergänzen sich hier im fast perfekten Flow, trotz all' der eher düsteren Grundatmosphäre, die das gesamte Album schon von den Artworks her durchzieht. Aber genau diese Blüten haben auch ihre Reize an manchen Tagen bzw. in manchen Nächten, zumal es hochwertig weitergeht. "Living A Lie" (Track 8; Anspieltip III) schließt sich nämlich zunächst an die balladeske Züge an, um dann in Bombastaus- und umbrüchen auszuufern und teils frickelige Riffs (leicht Prog-ig) und tief aus dem Magen kommenden Growls und Screams von der Kette zu peitschen, während drumherum immer wieder verspielte Keys mitmischen. Die 6:21 Minuten ziehen sich bei den ersten Durchläufen etwas, werden gefühlt aber mit jedem Durchlauf kürzer. 

Wesentlich experimenteller, fast schon tekknoid kommt "I.W.N.F. vs. Polytox" (Track 9) wie ein Remix um's Eck. Mit diesem Track dürften sicher die meisten Metalheads so ihren Zwiespalt finden?! Da wird es in der nun beginnenden Demo Section schon interessanter, die mit "Falling Deeper (Demo 2013)" (Track 10; Anspieltip IV) einen Direktvergleich zur bereits gehörten Albumversion zulässt. Mir persönlich gefällt diese fast akustische Version deutlich besser, zumal sie mich stellenweise an Pearl Jam erinnert. Die Weisheit "Less is (sometimes) more" greift hier flußsicher. Mit David Baßin (*Victorius; ebenfalls aus Dessau) hat man den nächsten (chronologisch früheren) Gast am Start - "The Requiem feat. David Baßin (Demo 2013)" (Track 11). Stilistisch geht es nun deutlich Heavy lastiger zu, wenngleich auch reine Death Metal Vocals mitfließen. Allerdings hören sich die Death Metal Vocals ein klein wenig nach Effekt an, was natürlich täuschen kann? Stilistisch hört man die stilistischen Ausläufer/Ursprünge von Don't Try This durchsickern, die interessant im Albumkontext sind, wenngleich die Produktion der Demos hörbar unausgereifter klingt. 

Mit "I Will Never Forget (Piano Version)" (Track 12) schließt diese Deluxe Edition ihre Pforten und hinterlässt einen Achtungseindruck inmitten der weiten-, vielbevölkerten Musiklandschaft Europas. Bei mir werden Don't Try This mit diesem Album definitiv immer wieder mal die Wege begleiten, denn wenn man sich etwas mehr in dieses Album (r)eingehört hat, entfaltet sich auf längeren Hör auch etwas mehr als oberflächliches Vorbeizappen. 

7,0/10 Schafe Schüsse

(Boersma-Records/Soulfood 2.017)

http://dtt-official.com/

https://www.facebook.com/DONTTRYTHISmusic/

Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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