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FERDY DOERNBERG & ANKE SOBEK "Käpt'n Helge zieht auf's Land" [Kinder-/Familien-Hörspiel/Rock Musical]

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

03-2017

Label: 

Genre(s): 

Wenn ein Ausnahme-Multi(Kulti)Musiker wie Ferdy Doernberg auf Ideen bezüglich neuer Projekte kommt, kann das schon mal mit einigen Gästen bei der Realisierung einhergehen. Mit seiner ehe-maligen Frau Anke Sobek zusammen und dem gemeinsamen "Käpt'n Helge" (*ein Hund; Gattung Mops) wurde aus einer Idee heraus ein ziemlich umfangreiches Projekt, bei dem über 40 Musikerkollegen/-kollegin zu Gast involviert waren. Egal ob man es als Hörspiel oder Musical bezeichnet, gedacht ist das Ganze für Kinder bzw. für die gesamte Familie. 

Der Gedankenansatz drehte sich dabei, soweit ich weiß, stilistisch um die Frage, warum man nicht einfach ein rockiges Hörspiel für Kinder macht, wenn man schon sein eigenes Leben von meist e-verstärkten Saiteninstrumenten umgeben lebt? Klar, mit einem Musical wie "The Rocky Horror Picture Show" (*1.975) hat das inhaltlich herzlich wenig zutun (andernfalls wäre es auch verstörend und würde alte Klischees über Rockmusiker/-innen bedienen). Das, was Ferdy Doernberg und Anke Sobek hier gemeinsam geschaffen haben, kann man schon allein beim Lesen der Gästeliste dieses Hörspiels als Mammutprojekt bezeichnen. 

Um die Vorabfakten zumindest halbwegs komplett zu haben, waren bzw. sind folgende Musiker/-innen mittels Beiträgen beteiligt: [Sprechrollen] Helge ~Käpt'n Helge~, Anke Sobek ~Anke Panki~, Ferdy Doernberg ~Bauer Ferdinand~, Chris Zeller (*Rotz & Wasser) ~Käpt'n Chris~, Chris Laut (*Ohrenfeindt) ~Tierarzt Doktor Kabeljau~, Christof Stein-Schneider (*Fury & The Slaughterhouse) ~Heinz, der Schäfer~, Daniel Schulz (*Unzucht; Der Schulz) ~Carlos, der Stier~, Stefan Putnik (*Wiens No. 1) ~Franzl, der Marder~, Thomas Enders (*Brennstoff) ~Willibald, der Schweineknecht~, Sabina Classen (*Holy Moses) **einzige Frau neben Anke Sobek** ~Das Heavy-Metal-Schwein und Dick Dropkick (*Dick Dropkick) ~Der Geist des neuen Morgens~. 

Dazu gibt es obendrauf noch singende Erzählender: Sascha Pierro (*Marquess), Carsten Lizard Schulz, Sebi Stomper (*Stomper 98; Übergang) und Schröder (*Berseker).

Wie gesagt eine wahrhaftig lange Liste, die damit noch lange nicht am Ende ist, auch von den Instrumentalisten bietet dieses Hörspiel wahrlich großartige Könner an ihrem/ihren Instrumenten, doch dazu im weiteren Durch-/Verlauf mehr. Auf jeden Fall kam es diesem Projekt zugute, dass Ferdy Doernberg selbst ein Multiinstrumentalist von Gitarre bis Akkordeon und Trompete ist. Selbst Familienmitglieder wurden involviert, u. a. hat Matt Gonzo Roehrs Sohn Vincent die Zeichnungen für das CD Booklet mit kindgerechter Note umgesetzt, fern von hyperdigitaler Comicart, was dem Gesamtprodukt zuspielt und den fiktiven Raum für die Fantasie der hörenden Kids bzw. der kindgebliebenen Hörer/-innen lässt. 

Käpt'n Helge, der im Zentrum dieser Hörspielreise steht, hört man bereits beim Opener "Kapitel 1 (Overtüre)" (Track 1) wauzen. Doch zunächst dreht es sich um die Figur "Anki Panki", der auch der erste Song "Anki Panki Großstadtkind" (Track 2) gehört, inklusive der Saitenunterstützung durch Gastgitarrist Helge Engelke (*Fair Warning). Rein musikalisch lebt dieser erste Song vom Pop-Rock Gemisch mit dezenter Metal-Affinität. Man kann sich gemütlich zurücklehnen und sich von der Geschichte abholen lassen, die bereits im "Kapitel 2 (Anki Panki und Käpt'n Helge im Hafen)" (Track 3) ein klein wenig an Käpt'n Blaubär erinnert, was die Gesamtatmosphäre direkt kindervertraut machen dürfte, sofern die Kids von heute Käpt'n Blaubär überhaupt noch kennen? Vor allem die sehr realistische Ausstaffierung der Zwischenparts (bzgl. der Geschichte selbst) lässt die Liebe zum Detail durchkommen, was auf kindlicher-, wie auch erwachsener Hörerebene funktioniert. Mit "Ahoi Käpt'n Helge" (Track 4) gelingt sogar ein kleiner, erster Kinderliederohrwurm, der das Seemannsflair weiter ausbreitet, was auch der guten Produktion zu verdanken ist. Savatage/Trans-Siberian Ochestra Gitarrist Chris Caffery sorgt hierbei für wohlig-songdienlichen Saitenklang. 

Über den Besuch beim Tierarzt - "Kapitel 3 (In der Praxis von Dr. Kabeljau)" (Track 5) geht es zum nächsten Lied "Zähne putzen" (Track 6), bei dem Matt Gonzo Roehr (*MGR; Böhse Onkelz) dem Rock 'N' Roll-igen Song Swing-igen Roll mitgibt, so dass auch hier Singalong entsteht. Der Leadgesang von Chris Laut passt sich hier perfekt in den Lauf ein. Schon jetzt kann man die Macher und Beteiligten nur beglückwünschen, zumal es eine Kunst für sich ist den Fluß eines Hörspiels aufrecht zu halten. 

Um die Geschichte nicht insgesamt vorwegzunehmen und die Spannung zu wahren, nehme ich just Bezug auf die Lieder. ;-) Anke Sobek selbst ist es, die den Gesang für "Mit dem pinken Käfer auf die Autobahn" (Track 8) übernommen hat, bei dem Oliver Schröder und Steve Mann besondere Soli hinterlassen haben. "Das dicke Pferd von nebenan" (Track 10) lässt Käpt'n Helge erste Landluft schnuppern. Dass man textlich sogar das Thema Vegan kindgerecht eingeflochten hat, hat meines Erachtens pädagogischen Hochwert, schon allein, weil es spielerisch leicht Alternativen vermittelt. Ein klein wenig erinnert mich das Stück an die NDW Zeit der '80er Jahre.

Auch die Tagesstimmung(en) hat man recht gut inszene gesetzt bekommen. Musikalisch bleibt man zunächst im '80er Flair - "Heimweh" (Track 12), das abermals von Anke Sobek gesungen wird, erinnert an den großen-, wie auch kultigen Udo Lindenberg Charme und versprüht balladeske Wehmut, dank des starken Saxophoneinsatzes von Ralf Koopmann, was auch beim morgentaubesetzten "Die Sonne scheint und alles wird gut" (Track 13), bis auf die gesangliche Erweiterung mit Dick Dropkick, so bleibt. "Willkommen auf dem Land" (Track 15) bringt Bauer Ferdinand (*Ferdy Doernberg) in die Geschichte ein. 

Musikalisch ungewöhnlich startet "Anki Panki zieht auf's Land" (Track 17) im Pogorock durch und lässt Sebi Stomper + Nitrogods Gitarrist Henny Wolter zur wilden Blüte kommen. Schon allein dieses druckvollen Beginns und des Drives wegen, muss man einfach checken wie Kids darauf abgehen, somit eignet sich dieses Hörspiel selbsttönend durchaus auch für Kindergeburtstage/Kinderdisco. Nicht zuletzt dieses Stück steht für die Stilbreite des kompletten Hörspiels, zumal es mit "Das Schaf geht heute zum Friseur" (Track 19) in Richtung Country/Blues geht. Ja selbst spanisch (/mexikanische) anmutendes Ambiente wird auf wirklich großartige Weise umgesetzt. Neben Daniel Schulzs Gesang brillieren Christos Mamalitsidis (*Friday Night Trio), Roland Grapow (*ex-Helloween; Masterplan; Serious Black), Marco Wriedt (Axxis) und auch Axel Rudi Pell an den (Flamenco-)Gitarren beim längsten Stück dieses Hörspiels. Selbst österreichischer Akzent wird eingebracht, was sich auch bei "Franzl, der Marder" (Track 23) zu Beginn niederschlägt, bevor Stefan Putnik erneut den Gesang im Punk Rock-igen Lauf übernimmt, während Adrian Kühn (*Kärbholz) hier die Soli beigesteuert hat. Es bleibt zunächst rockig, was der an "Painkiller" (*Judas Priest) erinnernde Schlagzeugeinstieg von "Die besten Freunde der Welt" (Track 25) klarmacht, der von Mike Terrana stammt, der bei mehreren Liedern hinter der Schießbude saß. Eine rein musikalisch sehr interessante Kombination, da hier Tommi Tox (*Toxpack; Stomper 98) Lead- & Rhythmusgitarre- und Herzlos Frontmann Marvin Glytas (Gesang) ebenfalls zu hören sind. Schon der positive Wahnsinn welch' ungewöhnliche Musikerkombinationen dieses Hörspiel bietet, dabei aber nicht das Ziel des "Rock Musicals" aus den Augen verliert. Schwieriger dürfte dabei vielleicht die Antwort ausfallen ab welchem Alter man dieses Hörspiel empfiehlt? Ich persönlich würde heutzutage ja dazu tendieren das Ganze ab 5 Jahren freizugeben. (mit Beachtung des Ohrenschutzes, denn wenn Kinder mal richtig aufdrehen, ...)

Die Handlung selbst lässt dabei keine Langeweile aufkommen, ganz im Gegenteil. Dem Ganzen setzt das Sangesduett Schröder (*Berserker) & Sabina Classen (*Holy Moses), nebst des Gitarrendreiergespanns Frank Paul, Frank Pané (*Bonfire) und Jeff Kollman noch einmal ordentlich (nicht nur zu Beginn denkt man unweigerlich an Slayer) den Heavy Metal Bock auf - "Das Heavy Metal-Schwein" (Track 28). Freilich entbehrt das nicht unfreiwilliger Komik, wenn man dieses Lied hört. Man könnte es "frühkindliche Musikerziehung" bzw. "-Heranführung" an Rock bzw. Metal nennen. ;-) 

Mit "Auf Wiedersehen" (Track 30) geht es mit leicht französischer Hafenatmosphäre in Richtung Schlußkapitel "Kapitel 16 (Der Abschied)" (Track 31). Ein rundum gelungenes Projekt mit wahnsinnig vielen Gästen. 

Ob Die Abenteuer des Käpt'n Helge eine Fortsetzung finden, bleibt abzuwarten. Es wäre wünschenswert. Auf jeden Fall hatten die Macher eine klasse Vision, die sich für mein bescheidenes Verständnis unerwartet gut zwischen "Tabaluga" und "Käpt'n Blaubär" einreiht.

9,0/10 Schafe Schüsse

(Sunny Bastards/Soulfood 2.017)

http://www.ferdydoernberg.de/

Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

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