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BODY COUNT "Bloodlust"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

03-2017

Label: 

Genre(s): 

Body Count bzw. Ice-T braucht man sicher kaum noch wem näher erläutern, denn beide Namen gehören zur Musikgeschichte Amerikas bzw. der kompletten '90er Jahre. Roh, ungeschliffen und immer geradlinigen Weges into their faces - das war der Kern des Weges, den Ice-T mit seinen Body Counters ging, die auf unnachahmliche- und unschlagbare Weise den Strassendreck der Ghettos via Rap mit punkig schlichten Gitarrenriffs zum Crossover/Metal verhalfen.  Das selbstbetitelte Kultalbum (*1.992), sowie das ebenso kultige Folgealbum "Born Dead" (*1.994) (um-)rissen schonungslos offen die Wunden der amerikanischen Unterschicht, die sich vor allem ab in den '90ern mit Bandenkriegen und der Stagnation konfrontiert sah/sieht. Die Gefahr zu einer "Resig-Nation" zu werden sah Ice-T und legte den Finger immer wieder direkt in die Wunden zwischen Stars And Stripes. 

Im 28. Jahr seit Bandgründung sind Body Count so Kult wie "fame" (um es mal zeitgemäß zu sagen) und haben sich die Anerkennung diverser, etablierter Musiker im Mainstream, wie auch im Underground längst verdient erspielt. "Credibility" ist das Schlüsselwort, das Body Count anhaftet. Ende März diesen Jahres erschien mit "Bloodlust" das seit 3 Jahren sehnlichst erwartete neue Werk der Ice-T Schmiede. Wer dem sogenannten Anarcho Crossover (früher nannte man Body Count auch gern schubladenverpackend "Rap Metal"; wobei das so gänzlich auch nicht passt) abgeneigt ist, sollte sich "Bloodlust" trotzdem mal geben, zumal einige interessante Gäste aus dem Metal Genre mit am Start sind. 

Bereits mit dem Opener "Civil War" (Track 1) ist der erste Gast zu hören, kein Geringerer als der oft polarisierende Dave Mustaine (*Megadeth) holt nach einem fiktiven Newsfeature Szenario zu Saitenhieben aus. Verglichen mit den eingangs genannten Kultalben hat sich der Body Count Sound anno 2.017 groovy satt gefressen und klingt ausgewogener denn je. Im Midtempo zu eröffnen, abgesehen vom fetten Tribal Drumming, das können sich Body Count locker leisten. Die Gitarrensoli bringen dann auch lupenreinen Thrash-/Speed Metal mit, was man von Mustaine auch erwarten darf. ;-) Ice-T bringt die Lage der amerikanischen Nation auf den trumpigen Point Zero. "The Ski Mask Way" (Track 2) (ent-)führt den/die Hörer/-inn(en) zurück dahin, wo Body Count sich einst vom Asphalt erhoben - auf direktem Weg von unten zu denen da oben. Wer zuhört, erfährt was es mit dem Ski Masken Weg auf sich hat. ;-) Schöner Tempoanzieher.

Fast ein wenig romantisierend klingt der Beginn von "This Is Why We Ride" (Track 3; Anspieltip I), auch hier macht der Ton die Musik und bringt seine explosiven Momemte auf den Weg. Vor allem OTs starkes Drumming gibt diesem Song nebst den mindestens ebenso starken Gitarrenpassagen die nötige Würze mit. Zeit für den nächsten Gast - Max Cavalera (*ex-Sepultura; Nailbomb; Soulfly, Cavalera Conspiracy). Cavalera ist der Gast auf diesem Album mit dem vermutlich größten Einflussanteil. Normalerweise ist es Cavalera selbst, der hochgeschätzte Musiker einlädt, um z. B. bei seiner Hauptband Soulfly für einen Song mitzumischen. Ice-T selbst erteilte Cavalera auf "Bloodlust" den Ritterschlag der Wertschätzung. "All Love Is Lost" (Track 4; Anspieltip II) heißt der etwas pessimistische klingende Song mit viel Cavalera-Sound-Anteil. Dieser Song stellt unmisverständlich klar, dass hier alle Erfahrungen zu einer explosiven (möglichen) Singleauskopplung verschmolzen wurden. Lt. Ice-T selbst geht es um die Emotionen, die alle Liebe einer ehemals tiefen Beziehung zum Gegenteil verkehren. Also quasi ein "Not-Lovesong". Ein ziemliches Brett mit Mantraatmosphäre wie man es aus dem Hause Cavalera bereits kennt. Da passt das Slayer-tributierende "Raining In Blood/Postmortem 2017" (Track 5; Anspieltip III) bestens ins Albumset. Man hört Ice-T als Erzähler, wie er über die Body Count Gründung im Rückblick erzählt. Eine Metal Band wollte er damals gründen. Namen wie Black Sabbath, Suicidal Tendencies und eben auch Slayer hört man, bevor die kultigen Riffs von "Raining In Blood" losbrechen. Den Rest hört Ihr am Besten selbst. 

Da mutet ein Song wie "God, Please Believe Me" (Track 6) fast schon intim an (wenn auch kurz von der Spielzeit her). Aber auch "jüngere" Gäste lässt Ice-T auf "Bloodlust" zum Zuge kommen. Die Thrash Metal dominante Abrissbirne "Walk With Me..." (Track 7; Anspieltip IV), die Randy Blythe (*Lamb Of God) als Guest Feature mitbringt, lässt erneut an den Cavalera Sound denken. Im Gegensatz dazu, lässt der folgende Songtitel kurz an den gleichnamigen Whitesnake Radio-Airplay-Ohrwurm von 1.987 "Here I Go Again" (Track 8) denken, was angehörs dieses Body Count Songs Welten voller Unterschiede aufkommen lässt. Haben Whitesnake den Glam unter den Nägeln, sind es bei Ice-T "Hirnstücke" eines Massakers. In der Body Count Welt geht es demnach nach wie vor düster zu, in Horrorfilmen übrigens auch. ;-) 

"No Lives Matter" (Track 9; Anspieltip V) war einer der ersten Tracks, die mir vorab zu Ohren kamen und die politische Brisanz des leider zeitlosen Rassismus Problems ins Visier nimmt. Vor allem bei diesem Song sticht der brillante Songwriter Ice-T schon textlich einmal mehr hervor, was Teil der selbstschüssigen Rap Qualitäten von Ice-T ist. Zurück zu den Rap Metal Wurzeln führt auch das Albumtitelstück "Bloodlust" (Track 10), das vom verdammt starken Sound lebt. Teils zwinkernd, teils ernst, umreißt Ice-T das Fundament dieses Albums, bevor "Black Hoodie" (Track 11) den Strich unter die Abrechnung macht. Hierbei kommt auch Vincent Price' klasse Bassspiel offensiver zu Ohren, während die Prügelattacken von Drummer OT abermals der straighten Aus-/Ansage Nachdruck verleihen.

Mit diesem Album haben Body Count respektive Ice-T erneut ein standfestes Ausrufezeichen hinter ihre Alleinstellung auf weiter Flur der Musiklandschaft gesetzt. So manchem Hip Hop Artist oder Hartmarkant/Wannabe, der/die auf Gangster macht, dürfte dieses Album vor Ehrfurcht die Sonnenbrille aus dem Gesicht ziehen. Am Ende gilt es einander zu akzeptieren und zu tolerieren, ohne einander stumpfsinnig zu zerfleischen/zu töten, denn die Essenz ist letztlich der/die zu sein, der/die man wirklich ist.

9,85/10 Schafe Schüsse

(Century Media 2.016)

http://bodycountband.com/

https://www.facebook.com/bodycountofficial/

Danny B

Schaf Schüsse: 

9
Eigene Bewertung: 9

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