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Zwischenschuß [7-16]

Zwischenshot [07-16]

 

"Von den Härten und dem Älterwerden"

So langsam geht es in die finale Kurve, während der Asphalt unter mir zu brennen scheint und jeder Einzeltag sein Minimum von 17 Stunden Vollauslastung mitbringt. Da war sie wieder die 17... und ich vertraue/baue darauf, dass alles gut wird. Warum auch nicht? Schließlich hat mir 2.015 und die erste Jahreshälfte 2.016 'ne Menge an Flüchen, Stress, einsamen Wegen etc. abgerungen. Hatz, Stress und gesundheitliche Ringkämpfe, die mit ordentlicher Beschwerung ein Gewicht erreichten, das mir in den letzten 5-10 Jahren erspart geblieben war. 

So richtig will mir diese Sache mit dem Älterwerden dennoch nicht so recht in den Verstand wachsen. Der Abschluß des 40. Jahresringes winkt nun schon fies grinsend aus der Ferne und kommt mit jedem Tag einen Schritt mehr auf mich zu. Diese Zahl kann schon an Größe gewinnen, wenn man in den vergangenen Jahrzehnten gelernt hat wie schnell 10 Jahre (obendrauf gepackt) um sein können... und dann... verdammt & zugenäht dann ist in 10 Jahren die erste (erreichbare) Lebenshälfte auch schon um. Scheiße klingt das alt oder einfach nur nach Schiss davor irgendwann den Rollator stilecht lackieren und bekleben zu müssen? Ach wat, bei so viel gedanklichem Seegang kann mir der ganze Klischeemist echt sowas von am Arsch vorbeigehen, aber echt jetzt! 

Ich finde, ich habe mich in den letzten 25 Jahren ganz gut geschlagen und meine Möglichkeiten bestmöglichst ausgelotet und gelebt. Schon geil, wenn man seine einst eher demütig blassen Träume mit allen möglichen Farben der Palette ausmalen durfte/darf. Ich durfte viele, viele Musiker, Schaffende, Kreative, Grenzgänger etc. treffen und wirklich kennenlernen (ohne damit hausieren zu gehen, wie das viele gern tun, um ihr Ego zu pimpen), durfte selbst meine Wenig-Ich-Keit einige Interviews geben, Bühnen beackern und auch die TV Welt hatte mich temporär tapfer zu ertragen, haha. 

Und nun. Resümee oder wie? Nee, eher einfache Zufriedenheit, zumal ich nicht vorhabe die Segel einzuholen. Es geht weiter. Immer. Ich habe hier in Rostock wichtige Lektionen gelernt, die ich so in Berlin nicht erfahren hätte. Ich habe nicht vom Ausbrechen gelabert, sondern es einfach getan (wobei ich aber auch echt Glück hatte!). Ich labere nicht, sondern tue. PUNK-t.

Eine der Erkenntnisse dabei war die, dass ich offenbar nicht einfach nur nach Berlin gehöre, sondern auch dahin passe. Zwar hatte ich die vage Hoffnung, dass es nach meinem Umzug nach Rostock nicht ganz so derbe nach dem "aus den Augen, aus dem Sinn"-Prinzip rotieren würde, aber auch dieser Aufschlag musste genau so hart sein, wie er letztlich war. Am Ende ist es an dir selbst dein Leben in/an die Hand zu nehmen. Was ich erst in diesem Jahr zu genießen gelernt habe, sind die kleinen Teil-Erfolge, die mit Glück in den Schuhen auf den Wegen lagen. Und so nehme ich bald eine weitere Person (aus meinem zukünftigen Zuhause) in den Kreis meiner Lebensfamilie auf. Ich bin und war nie reich, aber die Menschen und Tiere, die es einmal in den Kreis meiner selbst erwählten Familie geschafft haben, bereichern mein Leben unsagbar/unbeschreiblich! Und genau WEIL ich das absolut zu schätzen weiß, lasse ich sie auch nur ungern wieder gehen. Es wird sich umeinander gekümmert, so wie das in einer Familie sein sollte.

Und bei all' den Reisemomenten zwischendrin (auch bzgl. des baldigen Rück-Umzuges) fallen einem dann so einige Kerndinge auf, die man sonst eher unbewusst mitschleppt/mitbekommt. Man sieht auf Hipster getrimmte Bartträger, die stylisch schwer korrekt im Trendlauf liegen und sportlich auf makellos gezogen sind. Immer schön die Muckies zeigen. "Durchtrainiert Alter!" Soll mir das suggerieren "Ich stemme jede Hantel, jedes Gewicht, Arnold ist mein Opa... und überhaupt weiß ich im Leben bescheid..." ? - "Einen Scheiß wissen die!" klopft es dann in schöner Regelmäßigkeit sich auskotzend an der Tür zu meinem Verstand. Ich mahne mich jedes Mal um Nachsicht, schließlich war ich auch mal jung und habe mir die Weisheit schön regelmäßig löffelnahe durch die Nase gepfiffen und hätte selbst verranzte Socken kleingehechselt, geraucht oder gesnieft, wenn es alle sonstigen Härten betäubt hätte. Und dann blickst du dich wie auf einem gedanklichen Timelinetrip um und siehst umgedrehte Baseball Caps und sonnenbebrillte Gesichter, die jeden Scheiß abzufeiern scheinen. Gesichter, deren Körper suggerieren "Ich bin einer der Harten." Doch die Gewichte, die dir das Leben auf die Schultern knallt, gibt es in keinem noch so trendigen Fintesstempel. Mit dem Leben ist es wie mit dem Karma - es lässt sich nicht bescheissen. Im Rund dieser Gedankenläufe fällt mir dann auch immer wieder ein, dass Andere (auch Leute meiner Generation zwischen 30-40) an einigen Härtehürden abgeprallt- und wie vor eine Wand gerannt zu Boden gesackt wären. Bin ich ganz sicher auch dann und wann, aber aufgestanden bin ich immer. Woher die Kraft dabei kam? Keinen Schimmer. Ich schätze das Leben hat noch etwas mit mir vor?! Anders kann ich mir es nicht erklären, dass 2.017 (wieder die 17 :-) ) bereits 25 Jahre felsharter Wege hinter mir liegen, in denen ich meine Träume in Sachen Musik (aus-)gelebt habe. Man kann mir vieles andichten, nachsagen, was auch immer... aber nehmen kann mir das keine/-r mehr.

Ich liebe das Leben. Das war nicht immer so. 

In diesem demütigen Sinne dieser kleine Gedankenexkurs in Richtung Berlin.

Euer Danny B. 

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