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REBENTISCH "Charisma"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

04-2015

Label: 

Genre(s): 

Jubileumsjahr im Hause Rebentisch. Es gibt 10 Jahre Rebentisch als Band (einst ja Projekt) zu feiern, wozu ich hiermit meine Glückwünsche zum Durchhaltevermögen und 10 Jahren authentischer Musik sende! 

Kaum war die "10th Anniversary Video Collection" DVD erschienen, kam mit dem vorliegenden Album "Charisma" im April diesen Jahres auch ein neues Werk aus dem Hause Rebentisch und markiert ein neues Kapitel im Bandleben, was man direkt beim betrachten der Artworks merkt. Zwar ist die untrennbar mit Rebentisch verbundene Ratte nicht gänzlich verschwunden (sie ist nun Teil des Logoschriftzuges), aber die religigiöse Ankunft im Hinduismus und der mehr als symbolischen Ganesha durchzieht den neuen Rebentisch Geist.

Wer jetzt aber tiefindische Klänge erwartet, irrt. Rebentisch bleiben ihrem Grundstil auch bei "Charisma" treu, bauen diesen aber in neue Wege weiter aus. Tanzbar, wie man es von Rebentisch bereits kennt, geht es mit "Denen du etwas bedeutet" (Track 1; Anspieltip I) in '80er Electropop Art durch die Tür in das neue Rebentisch Kapitel. Selbstbewusst, selbstbestimmt, blickt sich Sven Rebentisch textlich im Freundeskreis um und lässt diejenigen los, denen das Wort Freundschaft nur eine leere Phrase (geworden) ist. Stilistisch bleibt es Electropopig - "Durch dich" (Track 2) und führt auf neue Emotionsfelder, bevor Alexander Krupp als erster Gast auf diesem Album bei "Junkie" (Track 3) in russischer bzw. genauer gesagt "Belarussischer" Sprache das Stück intoniert und eine Art eigenwilliger Sphärenlauf kreiert wird, der sich wie im Tunnelblick im Grossstadtdschungel exzessiven Konsums verliert und die nackte Einsamkeit im Zeitlupengefühl transportiert und greifbar macht. Alles andere als einfache Kost.

Dass unter der Oberfläche von Rebentisch auch Sinn für Poesie steckt, weiß man nicht erst seit deren Beitrag für die "Thanatos" Compilation 2.004 (*erschien bei Nacht & Nebel Tonträger). Mit "Kindertotenlied" (Track 4) kommt Friedrich Rückert (1.788-1.866) zu vertonten Spätehren, was vom Kontext her etwas skurril die Brücke zu dem von leichter Melancholie getragenen "Extasy (Regen fällt)" (Track 5) schlägt. Auch hier geht es eher mit Tiefenschwere zu, was aber beim Hören eher wie ein wehmütiges Loslassen klingt. Da wird es sicher so gewollt sein, dass "Ich lieb' dich so wie du bist (T.D.D. Love RMX)" (Track 6) im direkten Anschluss kommt, das anfangs ein klein wenig entfernt an Goethes Erben erinnert, dann aber eher ins Dance-/ Popgenre übergeht und sich eines Remix als würdig erweist. Handwerklich klassisch und so bunt wie Artworks. 

Mit "Letzter Augenblick" (Track 7) gibt es nicht nur einen nachdenklich stimmenden Text, sondern auch einen elementär-bunten Stilmix, was in den Weiten der New Wave/ Gothic Szene in dieser Umsetzungsart ziemlich allein stehen dürfte?! Da unterscheidet sich "Am Bahnhof" (Track 8; Anspieltip II) wieder mehr und bringt Hauptstadtalltagsszenen geschichtenartig zwischen Goethes Erben und leichtem Anflug von Kinski's Geist mit, um zu der eingangs erwähnten "Ganesha" (Track 9) zu führen, die dem Hörer/ der Hörerin rein instrumental nähergebracht wird. Man hat das Gefühl dass hier das offizielle Albumende liegt und die verbleibenden Tracks Bonusgabe sind.

Mit der Stimme von Calvin Kleemann malt "Crescent/ Dennis [feat. Calvin Kleemann]" (Track 10; Anspieltip III) eine Art Hörspielgeschichte in den Raum und geht etwas vor der 7:00 Minutenmarke in den Song "Dennis" über, der Teil dieses 2-Song-Tracks ist. Allein die Zeilen "Deine Waffen zerfetzen meine Haut, die Sicht ist verklebt, jeder Ausweg vorbei..." oder auch "Die Nerven schreien auf, die Leidenschaft entgleist, Mauern stehen auf..." bringen den Inhalt durch zerbrochene Spiegel vor Augen. 

Zum Abschluss wird Anne Clark's "Killing Time" unter dem Titel "Zeit totschlagen" (Track 11; Anspieltip IV) als packendes Cover gewürdigt und gehört zu den Coverversionen, die der Tiefe des Originals mit wirklichem Respekt begegnen, aber dennoch eigenständig klingt. Damit sind Rebentisch zu den New Wave/ Gothic Ursprüngen zurückgekehrt und untermauern, dass manche Stücke einfach zeitlos gut sind, auch in unserer Sprache.

Alles in allem ist dieses Album keines, das man mal eben nebenbei durchwinkt/ durchzappt, denn es bedarf etwas Zeit und auch der richtigen Atmosphäre. Dieses neue Kapitel im Hause Rebentisch scheint allerdings neuen Wegen zu folgen, wenngleich zumindest eines bei Rebentisch bleiben wird, dass man nie weiß was (stilistisch) als nächstes kommt?! Aber genau WEIL man nicht auf Nummer sicher setzt, sind Rebentisch auch auf positive Weise eigenwillig.

 

6,8/ 10 Schafe Schüsse

(Grufti-Ton 2.015)

http://rebentisch-music.eu/ 

https://www.facebook.com/rebentisch.music/?fref=ts

Danny B

Schaf Schüsse: 

6
Eigene Bewertung: 6

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